Am Feierabende des 22. Januar.
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A kann nicht lügen, wie es oft der Mensch thut in seinem ver-H dorbenen Herzen; denn Gott ist heilig. „Es ist unmöglich,* daß Gott lüge," schreibt der heilige Paulus. (Hebr. 6, 18.)
Und schon im 4. Buche Mosis (23, 19.) heißt es: „GottH ist nicht wie ein Mensch, daß er lüge, nicht wie eines Men-schen Sohn, daß er sich ändere. Er hat es gesagt, undsollte cs nicht thun? Gesprochen, und sollte es nicht halten?"
Fr. Was heißt das: Gott ist getreu?
Antw. Das heißt: Er hält und erfüllt, was erverheißen und gedroht hat.
Belehrung. Ja, der Herr ist getreu; unverbrüchlichtreu hält er sein gegebenes Wort; er erfüllt genau alle seineVerheißungen ebenso, wie seine Drohungen. Daherspricht Moses zum Volke Israel: „Wisse, daß der Herr, deinGott, ein mächtiger und getreuer Gott ist, der Bundund Gnade Denen hält, die ihn lieben, der aber Denen, dieihn hassen, alsbald vergilt und sie vertilgt." (5. Mos.7, 9—10.)
Beispiele und Anwendung. Die heilige Geschichteliefert uns für Gottes Wahrhaftigkeit und Treuedie sprechendsten Beispiele, aus welchen wir ersehen, wie genauGott seine Drohungen und Verheißungen erfüllt. Sodrohte Gott den ersten Eltern mit dem Tode, wenn siesein Verbot nicht beachten würden; und der Tod folgte als
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Strafe der Sünde. Er verhieß einen Schlaugenzcrtreter,und dieser erschien in der Fülle der Zeit als Ueberwinderdes Todes und Teufels. — Gott verhieß dem Nos Rettung,und drohte dessen Zeitgenossen mit dem Untergange, undBeides ging in Erfüllung.— Gott versprach dem Abrahamein Land, wo Milch und Honig fließt, eine Nachkommenschaftso zahlreich, wie die Sterne am Himmel und der Sand amMeere und die Beglückung der Völker durch Einen seinerAbkömmlinge, und es erfüllte sich Alles. — Er drohtedurch Loth den Bewohnern von Sodoma und Gomorrha denUntergang an; aber „es däuchte sie, als redete er im Scherze"(1. Mos. 19, 14.), und sie blieben verstockt, bis sie vertilgtwurden. — Gott drohte durch seinen Sohn der Stadt Je-rusalem mit einem gräulichen Untergange, und kein Steinblieb auf dem andern; er verhieß hingegen der heiligenKirche den Fortbestand bis an's Ende der Welt, und siesteht schon über achtzehn Jahrhunderte fest und unerschütterlichauf Petri Felsen. — Ewig bleibt sonach der Ausspruch wahr:„Erd' und Himmel wird vergehen; Gottes Wort bleibt ewigstehen."
Fr. Wozu verpflichtet uns Gottes Wahrhaf-tigkeit und Treue?
Antw. Sie verpflichtet uns 1) zum felsenfesten Glau-ben an Gottes Wort und zum standhaften Bertrauenauf seine Verheißungen; 2) zur Wahrheitsliebe und zurtreuen Erfüllung dessen, was wir versprochen haben.
Belehrung. Gott der Herr ist wahrhaft und ge-treu; daher dürfen wir nie, auch nur im Mindesten anseinem Worte zweifeln; felsenfest müssen wir glauben Alles,was er geoffenbart hat, und standhaft müssen wir vertrauenauf seine Verheißungen. „Lasset uns unwandelbar festhaltenam Bekenntnisse unsrer Hoffnung," also ruft uns der heiligePaulus zu (Hebr. 10, 23.); „denn getreu ist, der dieVerheißung gethan hat." — Gott ist wahrhaft und ge-treu; deßhalb sollen auch wir stets die Wahrheit reden unddas, was wir Andern versprochen haben, treu erfüllen; denn„lügenhafte Lippen sind dem Herrn ein Gräuel." (Sprüchw.12.) Daher ermahnt uns der heilige Ambrosius: „Hüteteuch, meine Brüder! vor der Lüge! Denn Alle, welche dieLüge lieben, sind Kinder des Teufels, nicht zwar der Naturnach, sondern weil sie ihm nachahmen."
Beispiele und Anwendung. Wohlan, mein Christ!vertraue stets auf den Herrn; denn er ist wahrhaft undgetreu. Der heilige Hugo, Bischof von Laugres, wardeinst bei Nacht unruhig und erschrack heftig eines Vorfalleswegen, der ihn zu bedrohen schien. Doch nicht lange, under kehrte zu sich selbst zurück, klopfte auf die Brust undsprach: „Was beginne ich, Unglückseliger! Hat nicht Gottverheißen, in unfern Trübsalen uns beizustehen? Und ichfürchte? Hat es nicht der Ewige versprochen, der wahrhaftund getreu ist, und dessen Worte nicht vergehen, wenn
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