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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Erstes Hauptstiick. Gott Gott ist wahrhaft und getreu.

von uns mit den Worten:Seid barmherzig, wie auch euerVater barmherzig ist." (Luk. 6, 36.)

Beispiel und Anwendung. Gott ist voll Liebe undErbarmen gegen uns; wie sehr sollen wir ihn nicht entgegenlieben und uns ihm gänzlich weihen! Man hat einst, da sieeinsam betete und weinte, die fromme Margaretha vonLothringen, Herzogin von Alenyon, belauert, und dießsind die Worte, die man vernahm:Wie ist doch in diesersichtbaren Welt kein Gegenstand, der sich gänzlich uns schenkt,und ohne Theilung! Die Sonne und die Gestirne senden unsihr Licht, doch nur in unendlich kleinem Antheil; die Erdeträgt und erhält uns, und beherbergt uns endlich im Grabe;aber welch' ein geringer Raum, der unser körperliches Daseinfaßt! Die Luft theilt sich in jedem Athemzuge uns mit; aberwie klein ist der Luftstrom, den dieser Athemzug auffaßt!Gott allein, der Unbegreifliche, der Allgütige, erleuchtet, näh-ret, sättiget, beseligt uns durch seine ganze untheilbare We-senheit; gänzlich hat der Gottmensch für Alle sich hingegeben,ungetheilt schenkt er sich jedem Einzelnen im Sakramente sei-ner Liebe, und wir sollen nicht Ihm ohne Vorbehalt unsweihen, damit er auch uns gänzlich besitze?"Von gan-zer Seele," sagt der heilige Bernhard,sollen wir ihnlieben, nicht bloß mit dem geringsten Theile unserer Kräfte."Ja, mein Christ! liebe deinen Gott; er verdient es; denner ist die ewige Liebe, er ist voll Güte und Erbarmung, erist voll Langmuth und Geduld; er hat uns zuerst geliebt undliebt noch Alle, die seine Gnade suchen und benützen.

Legende: Die heilige Agnes, Jungfrau undMärtyrin, (ch um 304.)

W §

Schon frühzeitig hatte die heilige Agnes, derenFest heute die Kirche feiert, Gott den Herrn in sei-ner Güte und Liebenswürdigkeit, in seinerLangmuth und Barmherzigkeit kennen gelernt, und

darum erwählte sie ihn zum Bräutigam ihrer Seele.Aus einer angesehenen christlichen Familie zu Rom ent-sproßen, wurde sie schon in ihrem dreizehnten Lebens-jahre gewürdigt, ihre innige Liebe zu Gott durch denMartertod bethätigen zu können. Wegen ihrer Schön-heit und mehr noch wegen ihrer herrlichen Geistesgabenzog sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Allein siesuchte nicht den Menschen, sondern Jesu Christo zu ge-fallen, dem sie ewige Reinigkeit gelobt hatte. Der Statt-halter, der die Verbindung seines Sohnes mit der edlenJungfrau innig gewünscht und sogar selbst die Bewer-bung für ihn übernommen hatte, wurde von ihr mitdiesem Anträge zurückgewiesen. Darüber sehr erzürnt,ließ er Agnes, weil sie eine Christin war, vor seinenRichterstuhl führen und forderte sie auf, vor den Altä-ren der Götzen Weihrauch zu streuen und von ihremjungfräulichen Starrsinn zu lassen, wenn sie nicht dieempfindlichsten Martern erfahren wollte. Heiter blickte diejunge Glaubensheldin auf die drohenden Zurichtungen,bezeichnte sich mit dem heiligen Kreuze und betheuertewiederholt, in jungfräulicher Reinigkeit ihrem himmlischenBräutigam treu zu bleiben.Deine jungfräuliche Rei-nigkeit", rief der Statthalter,soll bald verloren sein;ich lasse dich öffentlich dem Muthwillen preisgeben!" Mitwürdevoller Ruhe erwiederte Agnes:Du bedrohest michmit dem Verluste meiner Reinigkeit, allein umsonst. EinEngel Gottes ist zu meinem Schutze bereit und wirdmich beschirmen; und mein Herr Jesus selbst umgibtmich wie eine uneinnehmbare Mauer!" Und wirklich, einWüstling, der sich ihr nahte, wurde, von einem Feuer-strahl getroffen, halbtodt zu Boden geworfen. Hieraufbefahl der Statthalter, die zarte Jungfrau zu enthaup-ten. Voll Wonne und Dank gegen Gott eilte Agnesdem Richtplatze zu, betete dort einige Zeit und empfingdann demüthig sich neigend den Todesstreich i. I. 304.

Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin Agnes! legedeine Fürbitte für uns arme Sünder bei Gott, dem All-gütigen, dem Allbarmherzigen und Langmüthigen, ein,auf daß auch wir ihn lieben, wie du, und seine Barm-herzigkeit und Langmuth zur Rettung unserer unsterbli-chen Seele benützen mögen. Amen.

Zweiundzwanzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 22. Januar.

Gott ist wahrhaft und getreu.

Fr. Was heißt das: Gott ist wahrhaft?

Antw. Es heißt: Gott liebt die Wahrheit und haßtdie Lüge.

Belehrung. Gott ist wahrhaft; er liebt und offen-bart nur Wahrheit; denn er kann nicht irren, wie der Menschbei seinem beschränkten Verstände; Gott ist ja allwissend. Er