Am Feierabende des 21. Januar.
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schwendet und sich der Ausschweifung ergeben; es kam soweit, daß er die Schweine hüten und sich mit der Traberbegnügen mußte. Endlich ging er in sich, bereute sein Ver-brechen und entschloß sich zu seinem Vater zurückzukehren.Und wie freudig, wie liebevoll nimmt ihn der Vater wiederumauf! Als er ihn von Ferne sah, ward er von Mitleid ge-rührt, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßteihn. Und sogleich ließ er ihm ein neues Kleid bringen undein gemästetes Kalb schlachten, und es ward ein Freudenfestveranstaltet für's ganze Haus. -— Siehe, so barmherzig, soliebevoll ist Gott der Herr gegen den reumüthigen Sünder!Mit dem heiligen Ephrem müssen wir daher ausrufen:„Ehe der Flehende noch die Pforte berührt, öffnest du ihmschon, o Herr! Ehe er vor dir niedersinkt, reichest du ihmdie Hand; ehe er Thränen vergießt, überschüttest du ihn schonmit deinen Erbarmungen!" — Aber Gott ist nicht nurbarmherzig; er ist auch langmüthig.
Fr. Was heißt das: Gott ist langmüthig?
Alltw. Es heißt: Er wartet oft lange, ehe er dieSünder straft, um ihnen Zeit zur Buße zu lassen.
Belehrung. Gott ist langmüthig; er gibt demSünder Zeit und Mittel, sich zu bessern und so dem ewigenVerderben zu entgehen; er straft nicht sogleich, sondern willden Sünder durch seine väterliche Schonung rühren und zurBuße bewegen. „ Wenn ein Mensch," also schreibt der heiligeBernhard, „an seinem Hause, in welchem er wohnt,eine Lücke oder sonstige Verletzung bemerkt, so reißt er dasselbenicht sogleich nieder, sondern er läßt dasselbe noch stehen und suchtes auszubessern, ehe er es niederreißt; so macht es Gott mit densündigen Menschen: nicht sogleich, wenn er einen Fehler an ihnenbemerkt, straft er sie und verdammt sie zur Hölle, sonderner duldet sie noch, er trägt ihre Fehler, und zwar damit siesich bessern und Busse thun." — Hat nicht Gott der Herrdiese seine Langmuth gegen das verstockte Jerusalem biszum Uebermaße bewiesen? Und wie langmüthig war er nichtgegen die lasterhaften Einwohner von Ninive! Er gab ihnenZeit und Mittel zur Busse und Bekehrung und sandte deß-halb den Propheten Jonas zu ihnen; vierzig Tage hattensie noch Gnadenfrist, und siehe da! sie benützten selbe, thatenBuffe und retteten sich so vom Untergange. Wozu noch vieleWorte! Hast du, o Christ! Gottes Langmuth nicht an dirselbst schon oft genug erfahren?
Beispiele und Anwendung. In der Stadt Rom leb-ten vor Zeiten edle Jungfrauen, welche den Dienst der Göt-tin Vesta im Tempel besorgen mußten und deßhalb ve sta-tische Jungfrauen genannt wurden. Diese Jungfrauengingen in die kostbarsten Gewänder gekleidet umher, und es
Mehler, Hausbuch.
mußten ihnen selbst die ersten Beamten der Stadt auf demWege ausweichen. Wenn aber eine solche Jungfrau sicheiner Unkeuschheit schuldig machte, so wurde sie sammt ihremSchmucke lebendig begraben. Nicht so macht es mit dir, osündige Seele! dein Herr und Gott, obwohl du ihn schon oftdurch unkeusche Gedanken, Worte und Werke beleidigt hast.Er will dich nicht auf ewig in die Hölle begraben, obwohldu es schon verdient hättest; nein, er ist barmherzig undlangmüthig, er ist immer bereit, dir Gnade und Ver-zeihung und ein neues Leben mitzutheilen und dich in denZustand wieder zurückzuversetzen, in welchem du dich vor derSünde befunden hast; er will sich sogar auf immer mit dirvereinigen und das Wort der heiligen Schrift erfüllen: „Ichverlobe mich mit dir auf ewig durch Gnade und Erbarmnng."— Aber wehe uns, wenn wir der göttlichen Gnade und Er-barmung fortan trotzen und Gottes Langmuth ermüden! Dennes gibt ein Maß der Gnade; ist dieses einmal voll; dannentzieht uns Gott die Liebe und zeigt uns seinen Groll! —Ein Jüngling von vornehmer Familie, der in sinnliche Lüsteversunken war, hatte alle Warnungen des Himmels und derWelt verachtet. Unterdessen ward er krank, beichtete und ver-sprach sich zu bekehren; allein kaum war er genesen, so wälzteer sich von Neuem in dem Koth, dessen er sich so eben entledigthatte. Es verhängte aber der Himmel folgende Strafe überihn. Als er eines Tages auf dem Lande war, ward er voneinem Fieber befallen. Er kehrte alsbald nach Hause zurückund ließ einen Geistlichen zu sich rufen; als dieser kam, warer bereits todt. — Sieh, hier, mein Christ! ein traurigesBeispiel der göttlichen Gerechtigkeit! Wenn wir in Unbuß-fertigkeit verharren, und unsere Bekehrung nicht aufrichtig ist,so wird ein Tag kommen, wo wir uns zu Gott bekehrenmöchten; allein wir werden es vielleicht nicht mehr können,weil uns Gott nicht mehr die Gnade dazu gibt, nachdem wirimmer in Lastern zu leben fortgefahren und seine Gnadenso oft verachtet haben.
Fr. Was sollen wir thun, weil Gott so gütig, barm-herzig und langmüthig ist?
Antw. Wir sollen Gott 1) dankbar sein und ihnvom Herzen lieben; 2) wenn wir gefehlt haben, ihn ver-trauensvoll um Verzeihung bitten, 3) gütig und barm-herzig sein gegen unsere Mitmenschen.
Belehrung. Da Gott so gütig, barmherzig undlangmüthig ist, so sollen wir ihm 1) dafür dankbarsein und ihn von Herzen lieben, wozu uns schon Da-vid mit den Worten ermahnt: „Danket dem Herrn; denn erist gut; denn in Ewigkeit währt seine Barmherzigkeit." (Ps.106, 1.) 2) Wenn wir gefehlt haben, so sollenwir vertrauensvoll um Verzeihung bitten, nichtaber verzweifeln oder die Busse von Tag zu Tag verschieben,bis die Zeit der Gnade abgelaufen und Gottes Langmuthermüdet ist. 3) Wir sollen gütig und barmherziggegen unsere Mitmenschen sein; dieß verlangt Gott
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