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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
56
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Erstes Hauptstück. Gott ist gütig, barmherzig und langmüthig.

Belehrung. Ueberall, wohin wir sehen, begegnet unsGottes Güte; ihr verdanken wir Alles, was wir sind undhaben, Leben und Gesundheit, Speise und Trank, alle Gna-den und Geschenke an Leib und Seele.Jede gute Gabeund jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab vom Va-ter der Lichter," sagt der heilige Jakobus (1, 17.), undder Psalmist (145, 17.) ruft aus:Herr! du thust aufdeine Hand und sättigest alles Lebendige mit Segen. " Ja,mit jenem altdeutschen Sänger müssen wir singen:Durchmein ganzes Erdenleben will ich Gottes Güt' erheben. Got-tes Güte ist mein Odem, Gottes Güte ist mein Boden,

daß Gott, um uns Sünder zuerlösen, seinen eigenen Sohn inden Tod gab, wie der heilige Jo-hannes schreibt (I.Joh.4,89.):Gott ist die Liebe. Dadurch hatsich Gottes Liebe gegen uns ge-offenbaret, daß Gott seinen ein-gebornen Sohn in die Welt ge-sandt hat, damit wir durch ihnleben."

Beispiel und Anwendung.

Der heilige Franz Borgiasbetrachtete überall, wo er ging undstand,GottesunendlicheGütc.Wenn er nun so ganz allein unterfreiem Himmel durch die herrlicheNatur und die majestätischen Schöpf-ungen Gottes hinwandelte, da schluger gar häufig mit seinem Stabedie Felsen, die Bäume, die Blumen,Kräuter und Stauden, welche ebenauf dem Wege standen, und brach dabei gewöhnlich in dieWorte aus: Redet doch nicht so laut, rufet nicht so mächtig,daß es einen so guten Gott gebe! Ich kann ja dasstete Schreien nicht ertragen." Christ! so sollst auch duüberall Gottes Güte erkennen und Preisen. Voll Dankbarkeitsollst du ausrufen:Deine Güte will ich erheben durch meinganzes Erdenleben; deine Güte will ich droben einst mit allenEngeln loben."

Fr. Was heißt das: Gott ist barmherzig?

Antw. Es heißt: Gott liebt die reumüthigeuund bußfertigen Sünder, verzeiht ihnen auch dieschwersten Sünden und überhäuft sie mit tausendfachen

Güte ist es, die mich traget, Güte ist es, die mich schlaget.Güte ist es, die bei mir wohnet, Güte ist es, die mein verscho-net, Güte ist es, die mich führet, die mich um und um berüh-ret; Güte ist cs, die mich kleidet, Güte, die mich tränkt undweidet, Güte ist es, die mich decket, Güte, die mich wiederwecket, Güte ist es, die alle Morgen anfängt auch für mich,zu sorgen. Güte tilget meine Sünden, Güte läßt mich Gnadefinden; Güte ist es, die im Sterben mich errettet vom Ver-derben." Und wie unerschöpflich ist nicht diese Quelleder göttlichen Güte!Sie bleibt sich immer gleich," sagt derheilige Franz von Sales,wenn auch Millionen darausschöpfen." Wie groß endlich ist nicht diese Liebe? Daherspricht der Herr selbst bei Jsaias (49, 15.):Kann wohleine Mutter ihres Kindes vergessen? .... Und sollte siees auch vergessen, so will doch ich deiner nicht vergessen."Der größte Beweis der göttlichen Liebe und Güte aber ist,

neuen Wohlthaten.

Belehrung.Der Herr ist voll Erbarmung," ruftschon der Psalmist aus (Ps. 144, 9.);er ist gütig gegenAlle, und seine Erbarmnisse gehen über alle seine Werke."Und Gott selbst spricht (Ezech. 33, 11.):So wahr ichlebe, ich habe kein Wohlgefallen an dem Tode des Gottlosen,sondern ich will, daß er sich von seinen Wegen bekehre undlebe." O nein, mein Christ! Gott will nicht den Tod desSünders; denn er istbarmherzig gegen alle seine Geschöpfe"(Sir. 18, 12.); er freut sich, wenn der Sünder Buße thut;mit offnen Armen nimmt er ihn wieder auf und überhäuftihn mit tausendfachen neuen Wohlthaten. Wie lieblich wirduns diese göttliche Barmherzigkeit geschildert in dem schönenBilde vom guten Hirten (sieh das obige Bild!) und indem bekannten Gleichnisse vom verlornen Sohne! Vom Welt-sinn geblendet, hatte dieser sein väterliches Vermögen ver-