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Erstes Hauptstück. Gott ist allweise und allmächtig.
Glückselig, der seine Hoffnung auf seinen Gott, den Herrn,setzt!« — Gott ist aber auch allweise; er leitet Alleszu unserm Besten. Daher sollen wir auch allezeitmit seinen Fügungen zufrieden sein. Wie dasKind der Leitung seiner Eltern, der Knecht der Anordnungseines Herrn, der Unterthan der Regierung seines Fürsten,der Soldat der Führung seines Feldherrn vertraut, so sollenauch wir als gute Kinder, als folgsame Diener, als treueUnterthaneu der Leitung, Anordnung und Führung unsersbesten und weisesten Vaters, Herrn und Regenten fest undunerschütterlich vertrauen und mit all seinen Fügungen zu-frieden sein. „Befiehl dem Herrn deine Wege,« also ermun-tert uns wiederum König David (Ps. 36, 5.), „und hoff'auf ihn: er wirds recht machen."
Beispiel und Anwendung. Als den heiligen Franzvon Sales in seiner letzten Krankheit Jemand' fragte, obihm die Todesstunde jetzt nicht zu früh komme, so erwiederteder Heilige lächelnd: „Mir ist jede Stunde recht, die dergöttlichen Weisheit gefällig ist. Gott ist der Herr; erverfahre mit mir, wie es ihm beliebt!" — Und als einst derheilige Franziskus von Assisi mit einem Bruder nebendem Po predigen ging, überfiel sie dunkle Nacht. Sie wan-delten den gefährlichsten Pfad zwischen Fluß und Sumpf. —Der Bruder, sehr geängstigt, rief: „Bitte, Vater! daß wir
aus der Gefahr errettet werden!" Der Mann Gottes aberantwortete voll Zuversicht: „Gott ist mächtig; wennes ihm gefällt, kann er die Finsterniß vertreiben und unsdie Wohlthat des Lichtes schenken." — Kaum hatte er so ge-redet, siehe, da begann aus göttlicher Kraft alsbald ein somächtiges Licht über ihnen zu leuchten, daß, obwohl um sieher allenthalben finstere Nacht sich lagerte, sie selbst im kla-ren Lichte nicht nur den Weg, sondern auch weit um sich sa-hen und glücklich die Herberge erreichten. — Siehe, meinChrist! das sind Männer gewesen, die auf Gott, den All-mächtigen und Allweisen, ihr ganzes Vertrauen setzten,und sie sind nicht zu Schanden geworden. So mußt auchdu gesinnt sein; auch du sollst von nun an all deine Schick-sale in die Hände Gottes legen und zufrieden sein mit denFügungen der göttlichen Weisheit; denn der Herr wird Allesrecht machen. Aber auch das merke dir, daß du Gott demHerrn nie widerstehen darfst; denn er ist allmächtig,und wer kann ihm Widerstand leisten? Daher fürchte ihnund demüthige dich vor ihm in Anbetracht deiner Schwächeund Ohnmacht! Denn, „was ist so sehr zu fürchten," schreibtder heilige Bernhard, „als eine Macht, der du nicht wi-derstehen kannst, eine Allwissenheit, der du Nichts verbergenkannst? Wenn Eines aus Beiden Gott dem Herrn mangelte,so hättest du weniger Ursache, ihn zu fürchten; nun aber mußtdu ihn vollkommen fürchten, weil er ein Auge hat, das Allessieht, und eine Hand, die Alles vermag."
Legende: Der heilige Kanut, König undMärtyrer, (ff 1086.)
Der heilige Kanut, König von Dänemark, zeichnete
sich schon frühzeitig durchFrömmigkeit und durchjene Geistesgröße aus, dieallein dem wahren Heldeneigen ist. Durch strenge,aber weise Gesetze suchteer die Mißbräuche in sei-nem Landeäbznstellen undfür die Wohlfahrt des-selben zu sorgen; er sannnur auf Mittel und Wege,seine Unterthaneu glück-lich zu machen, und leuch-tete seinem Volke mit demerhabensten Tugendbei-spiele voran. In seinemPalaste herrschte christ-liche Zucht und wahreFrömmigkeit. Kanutwar aber auch eben sotapfer, als fromm, undzeichnete sich durch vieleHeldenthatenaus. Jndeßließ er sich hiedurch nichtzumStolze verleiten; viel-mehr zierte ihn die Tu-gend der Demnth im höch-sten Grade. Immer undüberall demüthigte er sichvor Gott, dem All-mächtigen. Einst ginger am Ufer des Meeresspaziren. Seine Dienerschmeichelten ihm undrühmten seine Macht, d aer über Länder und Meere zu gebieten hätte.Der König wollte die Schmeichler beschämen. Deßwegensetzte er sich am Ufer des Meeres ganz nahe am Wassernieder und sagte: „Meer! ich gebiete dir, daß du mirnicht zu nahe kommest und durch deine Wellen ineinenLeib nicht benetzest!" Da nun die Wellen des Meeresimmer an ihn schlugen und ihn ganz durchnäßten, wandteer sich an seine Diener und sagte: „Ihr Schmeichler!sehet hier euern mächtigen König, der über Länder undMeere zu gebieten hat, und der durch sein Gebot dochnicht einen Wassertropfen von sich abhalten kann! Nie-mand ist mächtig, als Gott, und Niemanden gebühretdie Ehre, mächtig genannt zu werden, außer Dem, deralle Dinge erschaffen hat und erhält." So dachte undhandelte Kanut in allen Dingen. Gottes Ehre ging ihmüber Alles. Wegen seines Religionseifers und seiner Ge-rechtigkeitsliebe wurde er aber von einigen Gottlosen ge-haßt und verfolgt. An der Spitze derselben stand seinherrschsüchtiger Bruder. Und so starb er den Martertodim Jahre 1086. Er wurde nämlich, nachdem er zuvorgebeichtet und au dem Opfer des Leibes des Herrn An-