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Erstes Hanptstück. Gott ist allweise und allmächtig.
wurde zur Zeit des Kaisers Claudius, erst dreizehn Jahrealt, mn des christlichen Glaubens willen zu den grausam-sten Martern geschleppt; sie wurde gegeißelt, den wildenThieren vorgeworfen, drei Tage im Kerker mit Hungergequält, endlich auf einen brennenden Scheiterhaufen ge-worfen. Bei all diesen Leiden erhob sie ihre Augen unver-rückt zu Gott dem Allwissenden, indem sie betete: „Herr!du bist mir nahe, du siehst meine Leiden, du kennst meinenSchmerz! Bor deinen heiligen Augen will ich mnthig käm-pfen für deine Ehre; für dich will ich leiden und sterben."lind der Herr stärkte, tröstete und beschützte sie wunderbar,so das; sie bei all diesen Qualen ganz unversehrt blieb.Endlich berief sie der göttliche Bräutigam durch Engel zusich, indem sie ihren Kampf durch Enthauptung beschloß;ihre engelreine Seele flog alsdann empor zum himmli-schen Hochzeitmahle im Jahre 275.
Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin Priska!bitte für uns bei Gott, damit auch wir uns in all unsermThun und Lassen, bei all unfern Leiden und Widerwär-tigkeiten mit dem Gedanken an Gottes Gegenwart undAllwissenheit bewaffnen und so vor dem allsehenden AugeGottes tapfer kämpfen und glorreich siegen mögen. DurchChristum unfern Herrn. Amen.
Neunzehntes Lesestück.
Am Feierabende des 19. Januar.
Gott ist allweise und allmächtig.
Fr. Was heißt das: Gott ist allweise?
Antw. Es heißt: Gott weiß Alles auf das Schönsteund Beste cinzurichten, um zu erreichen, was er will.
Belehrung. Gott, der Künstler aller Künstler, weißSchönheit und Nützlichkeit mit einander zu verbinden und alle
Dinge in der Welt höchst zweckmäßig, schön undwohlthätig einzurichten; denn er ist all weise.Daher ruft schon David aus: „Wie groß sinddeine Werke, o Herr! Alles hast du mit Weis-heit gemacht." (Pf. 103, 24.) Oder ist es nichtso? Betrachte nur einmal, o Mensch! die ganzewunderbare Schöpfung, den Wunderbau deines Kör-pers, betrachte das Thier- und Pflanzenreich, be-trachte die Elemente, die Gestirne des Himmels,ihren Lauf, der an Genauigkeit die kunstvollste Uhrübertrifft: mußt du da nicht ausrufen: „Groß istdie Weisheit Gottes!" (Sir. 15, 18.) Betrachteferner, wie Gott in seiner Weisheit die Schicksaleder Menschen leitet, und wie er Alles zum Bestenzu lenken weiß, wie er den unschuldigen ägypti-schen Joseph wunderbar erhöht, den Mosesals Knäblein im Binsenkorb rettet und zum Führer und Be-freier seines Volkes macht: mußt du da nicht ausrufen: „ DieWeisheit Gottes reicht von einem Ende zum andern gewaltigund ordnet Alles lieblich an!" (Weish. 8,1.)
Beispiel und Anwendung. Gott ist allweise;er hat Alles auf's Schönste und Beste eingerichtet, wenn dues auch nicht verstehst und einsiehst. Tadle daher Gottes An-ordnungen nicht! Ein junger Prinz, der ein abgesagter Feindder Fliegen und Spinnen war, konnte sich's nicht erklären,wie denn Gott in seiner Weisheit solche lästige Geschöpfe indie Welt Hereinsetzen mochte. Oesters sprach er bei sich:„Wozu hat doch Gott die Spinnen und Fliegen erschaffen?Dieses Ungeziefer nützt ja dem Menschen gar nichts! Wennich nur könnte, ich würde sie sammt und sonders von derErde vertilgen!" — Einst mußte der Prinz sich im Kriegevor dem Feinde flüchten. Ermüdet legte er sich Abends imWalde unter einem Baume nieder und schlief ein. Ein feind-licher Soldat schlich sich mit gezücktem Schwerte auf ihn zu,um ihn zu ermorden. Allein plötzlich kam eine Fliege, setztesich dem Prinzen auf die Wange und stach ihn so heftig, daßer erwachte. Er sprang auf, zog sein Schwert, und der Sol-dat entfloh. Der Prinz verbarg sich nun in eine Höhle desWaldes. Eine Spinne spannte während der Nacht ihr Netzvor dem Eingänge der Höhle aus. Am Morgen kamen zweifeindliche Soldaten, die ihn suchten, vor die Höhle. Der Prinzhörte sie mit einander reden. „Sieh," rief der Eine, „dahinein wird er sich versteckt haben!" — „Nein," sagte derAndere, „da drinnen kann er nicht sein; denn im Hineinge-hen hätte er ja das Spinnengewebe zerreißen müssen." —Als die Soldaten fort waren, rief der Prinz gerührt und mitaufgehobenen Händen: „O Gott! wie danke ich Dir! Ge-
stern hast Du mir durch eine Fliege und heute durch eineSpinne das Leben gerettet. Wie groß ist Deine Weis-heit, und wie gut ist Alles, was Du gemacht hast!"
Fr. Was heißt das: Gott ist allmächtig?