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Erstes Hauptftück. Gott ist ewig und unveränderlich.
traurigem Tone, es habe ihr geträumt, der liebe Gott hatteaufgehört zu sein, er wäre gestorben, und die heiligen Engelbegleiteten seine Leiche. -— Seit langer Zeit hatte der Mannnicht gelächelt; aber jetzt konnte er sich dessen nicht enthalten.Er gab sogar der Frau einen Verweis, daß sie sich übereinen solchen Traum bekümmern könnte, und fragte sie, obsie denn nicht wüßte, daß Gott ewig, daß Gott unsterblich -sei? — „Wie?" — sagte sie — „ist Gott ewig, ist Gottunsterblich?" — „Ei freilich," antwortete der Mann; „werwird daran zweifeln?" — „Wohlan denn," fuhr die Fraujetzt fort, „wenn die Sache sich so verhält, warum vertraustdu nicht auf Den, der niemals stirbt, der unsere Haare zähltund unsere Schritte leitet? Darum klage auch du nicht mehrso übermäßig! Denn da Gott noch lebt, so kann er unsauch noch helfen." — Der Mann ging auf diese Rede insich, wurde ruhiger, arbeitete fleißig, und setzte sein ganzesVertrauen auf den Ewigen, und Gottes Segen kehrte zurück,und mit ihm häusliches Glück. — O ja, wer auf den Ewi-gen vertraut, der wird nicht zu Schanden werden. „Willstdu eine stäte und ewige Freude haben," sagt Tertullian,„so schließe dich an Den an, der ewig ist!"
Fr. Was heißt das: „G ott ist unveränderlich"?
Antw. Gott ist unveränderlich heißt: Er bleibt ewigderselbe, ohne je einmal sich oder seine Rathschlüsse zupudern.
Belehrung. Gott bleibt immer derselbe. „Bei Gott,"sagt der heilige Jakobus (1, 17.), „ist kein Wechsel und
kein Schatten von Veränderlichkeit." Und schon David singt(Ps. 101.): „Im Anfänge hast du, o Herr! die Erde ge-gründet, und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Die-selben vergehen, du aber bleibst; sie alle veralten wieein Kleid, und wie ein Gewand veränderst du sie, und siewerden verändert; du aber bist derselbe, und deineJahre nehmen kein Ende." „Gott ist von Ewigkeit zu Ewig-keit; er nimmt nicht ab und nimmt nicht zu." (Sir.42, 21.) Ja, „bei Gott kann gar keine Veränderung statt-finden," sagt der heilige Hilarius; „denn er ist das voll-kommenste Wesen, er ist sich selbst Alles ganz; esfehlt ihm also Nichts; es kann bei ihm Nichts hinzugethanund Nichts hinweggenommen werden." Er bleibt sich alsoimmer gleich, er ist immer derselbe, d. h. er ist un-veränderlich 1) in seinem Wesen; er ändert sichnicht wie die Menschen, die Thiere, die Pflanzen sich ändern;was er von Ewigkeit her war, das ist er noch und wird erewig sein. Seine Allmacht, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Barm-herzigkeit und Güte bleibt immer und ewig dieselbe. Gottist unveränderlich 2) in seinen Nathschlüssen und Ge-sinnungen. Was wir Menschen heute lieben, das hassenwir morgen. Nicht so ist es bei Gott; Er ändert seine Ge-danken und Rathschlüsse nicht.
Beispiele und Anwendung. Gott ist ewig unver-änderlich m seinem Wesen und in seinen Rathschlüssen undGesinnungen. Wie tröstlich ist dieses für uns! Indiesem Gedanken an Gottes Unveränderlichkeit fand die heiligeTheresia bei all ihren Leiden den süßesten Trost. Obschonvierzig Jahre krank, so war sie doch immer heiter; denn ge-rade auf dem Krankenbette lernte sie am Beßten die Verän-derlichkeit und den Wechsel alles Irdischen kennen; da fühltesie, daß Gott allein des Menschen Trost und Freude sei.Oft rief sie daher aus: „ Bedeute, wie bald sich die Menschenändern, — wie wenig auf sie zu vertrauen ist; und festwird deine Hoffnung auf Denjenigen werden, der ewigunveränderlich ist!" — Ja, mein Christ! Gott ist ewigunveränderlich, und wenn Alles auf der Erde vergeht, wennman uns Alles raubt, wenn Alles um uns sich ändert, sosind wir dennoch glücklich, wenn wir nur Gott dienen, wennwir nur Gott besitzen. Darum pflegte der heilige Ignatiusoft zu sagen: „Wenn ich Gold und Silber habe, was habeich? und wie lange? Wenn ich aber Gott besitze, was habeich —- Rosen ohne Dornen, Feuer ohne Rauch, — und
einen Besitz ohne Ende!" So ermunternd und tröstlich istalso der Gedanke an Gottes Unvcränderlichkeit für den From-men; aber ebenso furchtbar ist er auch für den Gottlosen.Denn wer einen Menschen zum Feinde hat, kann hoffen, daßdieser bald stirbt; Gott aber ist ein ewiger Rächer desBösen. Menschen ändern oft ihren Sinn; ihr Haß nimmtab; ihr Zorn verraucht; ihr Rachedurst vergeht. Gottaber ist unveränderlich in seinem Grimme über den un-