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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Erstes Hauptstück. Von Gottes Wesenheit.

Majestät erforschen will," sagtdie heilige Schrift,der wirdA von seinerHerrlichkeit erdrückt."W Daher schreibt der heilige Au-gustin: Wir können leichtersagen, was Gott nicht ist, alswas er ist; denn Er ist un-aussprechlich. Betrachte die^ Gott nicht.betrachte das Meer! auch die-ses ist dein Gott nicht; be-trachte Alles, was auf Erdenund im Meere sich reget, was die Lüfte durchsegelt, alle Men-schen und Thiere! sie sind Alle dein Gott nicht; betrachte selbstdie Engel des Himmels, die Kräfte und Mächte, die Erz-engel und die Thronen! auch sie sind es nicht. Undwas ist denn Gott? Ach, ich kann dir nur sagen, was ernicht ist. Fragst du darum? So höre, Gott ist: Wasnoch kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, undwas noch in keines Menschen Herz gekommen ist.Wie sollte denn das auf die Zunge kommen, wie mit Wortenausgesprochen werden können, was noch nie in eines Men-schen Herz gekommen?" Also spricht sich der heilige Augu-stin über das Wesen Gottes aus.

Beispiel und Anwendung. Auch unter den Heidenhat es Männer gegeben, welche es gerne eingestanden, daßes dem Menschen nicht möglich sei, das Wesen der Gottheitzu erforschen und auszusprechen. Der Tyrann Hiero ausSyrakus stellte einst an den Weltweisen Simonides die Frage,was Gott sei? Da bat sich der Philosoph einen Tag Bedenk-zeit aus. Tags darauf erschien er wieder vor dem Königeund bat sich noch zwei Tage aus; und so verlängerte er denTermin jedesmal um's Doppelte. Voll Verwunderung dar-über fragte ihn endlich der Tyrann Hiero, was denn dießZögern zu bedeuten hätte? Und Simonides entgegnete:Jelänger ich darüber nachdenke, was Gott sei, desto dunklerwird mir die Sache." Das Wesen Gottes also kann derschwache Mensch nie erforschen, nie erklären; Alles, was wirvon Gott sagen können, besteht in den kurzen Worten: Gottist ein unendlich vollkommner Geist, der Herr Himmels undder Erde, von dem alles Gute herkommt."

Fr. Warum nennen wir Gotteinen Geist?"

Antw. Wir nennen Gott einen Geist, weil erVerstand und freien Willen, aber keinen Leib hat.

Belehrung. Gott ist ein Geist, d. h. er ist ohneLeib, und deßhalb unsichtbar, unerforschlich; besitzt aber diehöchste Erkenntniß und den heiligsten Willen.Er bewohntein unzugängliches Licht," schreibt der heilige Paulus an Ti-motheus (1. Tim. 6, 16.)Keiner von den Menschen hat

ihn gesehen, noch kann ihn ein Mensch sehen." Wenn nunaber die heilige Schrift hie und da von Gottes Augen, Ohren,Händen rc. redet, so geschieht dieß nur deßhalb, um sich unsMenschen verständlich zu machen. Gott ist und bleibt uns indiesem Leben unsichtbar; daher sprach Gott selbst zu Moses,als dieser Gottes Herrlichkeit zu schauen verlangte:MeinAngesicht kannst du nicht schauen; denn kein Mensch siehtmich, so lange er auf Erden lebt." (2. Mos. 33, 21.)

Beispiele und Anwendung. Der heilige Augustinhätte so gerne mit seinen äußern Sinnen Gott den Herrnsuchen und finden mögen; darum schickte er sie einmal allemiteinander als Boten aus und gab ihnen den Auftrag,Gott den Unsichtbaren ausfindig zu machen. Die Sinnemachten sich nun auf die Reise; allein das Auge konnte Ihnnicht erspähen, das Ohr keinen Ton von Ihm vernehmen;die Hände konnten Ihn nicht erfassen, die Füße nicht ereilen.Unverrichteter Dinge kehrten all diese Boten wieder zurückund sagten es ihm:Gott ist ein Geist, unsichtbar,unergründlich; nur das Herz kann Ihn hieniedenglauben, dereinst wird Ihn des Geistes Augeschauen." Wie sollte aber auch der schwache Mensch imStande sein, Gott den Herrn hienieden in seiner Herrlichkeitzu schauen? Ein Fürst verlangte einst von dem jüdischenLehrer Iosua, daß er den Unerschaffenen ihm zeige. Ver-gebens wandte dieser ein, daß kein Sterblicher den Unsterb-lichen zu sehen vermöge; dennoch beharrte der Monarch beiseinem Verlangen. Da führte ihn Iosua an einem heißenSommertage in's Freie.Schau' gegen die Sonne!"sprach er zu ihm. Ich kann nicht," erwiederte der Fürst.Sterblicher, den der Strahl eines einzigen Geschöpfesschon zu blenden vermag!" entgegnete jetzt der jüdische Lehrer,würde dich nicht der Anblick des Schöpfers des All's ver-nichten?" Ach ja, mein Christ! grüble und forsche nichtvorwitzig nach über das Wesen der Gottheit; in diesem Lebenwirst du es nicht ergründen können; denn Gott ist einGeist. Im Jenseits erst wirst du ihn sehen von Angesichtzu Angesicht, wie er ist, und in ihm wirst du dann deinenLohn und deine Seligkeit finden.

Fr. Warum sagen wir, daß Gottunendlichvollkommen" ist?

Antw. Wir sagen so, weil Gott nicht wie die Ge-schöpfe nur im gewissen Maße gut ist, sondern alle gutenEigenschaften ohne Maß und Zahl in sich vereinigt.

Belehrung.Gott ist die einzige, höchst vollkommene,unerreichbare Vollkommenheit, die in Allem, was vollkommenist, die Vollkommenheit ausmacht." Also schreibt der heiligeFranz von Sales. Und schon Nehemias betete inBetrachtung der göttlichen Vollkommenheit:Herr, Gott,Schöpfer aller Dinge, der du furchtbar und stark, gerechtund barmherzig, allein der gute König bist, allein vortreff-lich, allein gerecht, allmächtig und ewig!" rc. O wer könnte