Am Feierabende
er Gottes Dasein gern gesteht. Denn woher kommt es, daßer, von einem plötzlichen Schrecken befallen, so hurtig zumHimmel aufblickt und ausruft: „Ach, Gott!" — Ein un-gläubiger Gastwirth machte sich ein besonderes Geschäft dar-aus, seine glaubenslosen Ansichten und Grundsätze auch An-dern mitzutheilen. Eines Abends kehrten zwei rechtschaffene,gottesfürchtige Männer bei ihm ein und konnten nicht mehrweiter kommen. Er plagte dieselben von 6 bis 11 Uhr inder Nacht mit seinem ungläubigen Geschwätze und wollte sieüberreden, daß kein Gott, kein Erlöser, kein Gericht, keinHimmel und keine Hölle sei rc. Sie wollten ihn mit GottesWort widerlegen; er spottete aber darüber nur noch mehr.Um 11 Uhr gingen die zwei Männer zu Bette. Der einevon ihnen weinte bitterlich über die abscheulichen Lästerungen;der andere aber tröstete ihn und sagte: „Es ist ja nichtsNeues, daß es solche Spötter gibt. Der König David hatja schon vor 3000 Jahren geklagt: Der Thor spricht inseinem Herzen: Es ist kein Gott! Verderbt sind sie und ab-scheulich sind sie geworden in ihren Anschlägen." — Kaumhatten sie eine halbe Stunde geschlafen, so gerieth eines Nach-bars Haus gerade gegenüber in Brand, und die Helle Flammeerfüllte das Gasthaus durch die vielen Fenster mit einemschauerlichen Lichte. Die zwei Männer erwachten, erschrackenund meinten schon, der Gasthof stehe in Flammen; liefendeßwegen vor des Wirthes Kammer, weckten ihn auf undkündeten ihm an, daß sein Haus in lichten Flammen lodere.Als der starke Geist aus der Kammer heraustrat und denrochen, furchtbaren Schein des Feuers in seinem Hause sah,schlug er die Hände zusammen und rief aus: „O du all-mächtiger Gott! o du starker Gott! o du gnädiger undbarmherziger Gott! hilf mir doch in dieser schrecklichen Ge-fahr!" Der eine Mann fiel ihm in die Rede und sprach:„ Ei, du unverständiger Mensch! du hast ja den ganzen Abendgelästert und gesagt, es sei kein Gott; und nun soll er dirhelfen, weil du in der Noth bist?" >— O wie viele solcheGottesläugner und Spötter gibt es, leider! nicht auch heutzu Tage noch, die nur da von Gott Etwas wissen wollen,wo sie ihn brauchen können! — Du aber, o Christ! wirstnicht unter die Zahl dieser Unglücklichen gehören; o nein, dubetest ja mit Mund und Herz: „Ich glaube an Gott!"
Legende: Der heilige Maurus, Schüler des
heiligen Benediktus und Abt. (ch 584.)
Ein lautes Zeugniß für Gottes Dasein gab auchder heilige Maurus, dessen Namen uns am heutigenTage die Legende nennt; er war von Geburt ein Römerund wurde späterhin ein Schüler des heiligen Benediktas,ausgezeichnet durch die Tugend des Gehorsams. Vollglühenden Eifers, den Glauben an Gott allenthalbenzu verbreiten und mit demselben Aller Herzen zu er-füllen, begab er sich im Jahre 543 nach Frankreich undstiftete daselbst eine berühmte Abtei. In seinem Grei-senalter übertrug er aber die Verwaltung derselben einemseiner Schüler und zog sich in die geräuschlose Einsam-keit zurück, indem er sich bloß mit dem großen Schrittaus der Zeit in die Ewigkeit beschäftigte. Zwei Jahre
des 16. Januar.
später wurde er von einem Fieber befallen, und als erfühlte, daß sein Ende herannahe, so ließ er sich in dieKirche tragen, um da die himmlische Wegzehrung zuempfangen. Dann legte er sich ans ein härenes Buß-kleid und gab ruhig seinen Geist auf am 15. Jänner 584 <indem er noch bis zu seinem letzten Athemznge laut undoffen bekannte seinen Glauben an Gott, und wiederholtausrief: „Ich glaube an Gott, auf ihn hoffe ich,ihn liebe ich."
Gebet. Herr und Gott! wir glauben, daß du bist,und bekennen dieß mit Herz und Mund; laß uns nurdein Dasein auch stets in deiner göttlichen Gnade undBarmherzigkeit fühlen auf Erden, und einst im Himmeluns dein Antlitz schauen. Durch Christum unfern Herrn.Amen.
Sechzehntes Lesestück.
Am Feierabende des 16 . Januar.
Von Gottes Wesenheit.
Fr. Da wir nun wissen, daß es einen Gott gibt,so entsteht die Frage: Was ist Gott?
Antw. Gott ist ein unendlich vollkommener Geist,der Herr des Himmels und der Erde, von dem allesGute hcrkommt.
Belehrung. Was Gott seinem Wesen nach sei, kannder Mensch mit seinem schwachen Verstände unmöglich erken-nen. Wie sollte das endliche Geschöpf seinen unendlichenSchöpfer erfassen? Der Mensch müßte Gott selbst sein, wenner vollkommen wissen wollte, was Gott wäre. „Wer Gottes
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