Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

Erstes Hauptstück. Erster Glaubensartikel. Ich glaube an Gott dem Vater rc.

eine Seele sein müsse, und dieses ist euch so klar und so ge-wiß, als wenn ihr meine Seele selbst sehen würdet. Nungut, sagt Augustinus, wenn du schon aus den äußern Hand-lungen, Geberden, Regungen und Bewegungen des Körperserkennest und urtheilest, daß eine Seele in mir ist, so mußtdu ja aus den Werken aller Geschöpfe den Schöpfer erken-nen ; denn durch ihn lebet und webet und ist Alles, was aufder Erde ist. 2) Aber auch durch dich selbst mußt du,o Mensch! dich vom Dasein Gottes überzeugen. Betrachtenur einmal deinen Leib und deine Seele mit all den Kräftenund Fähigkeiten; wer konnte ein so wunderbares Gebilde Her-vorbringen? Weist dich da nicht dein eigner Verstand, deineignes Gewissen zu Gott hin? bezeugt nicht deine Gottähn-lichkeit sein Dasein? Daher sagt gar schön der CardinalBellarmin:Wer eine Leiter errichten will, um zu Gotthinaufzusteigen, der braucht sich nicht weit umzusehen; ernehme sich nur selber her!" Denn der Mensch ist die edelsteKreatur, das schönste Ebenbild Gottes. Daher sagt auchMoses:Betrachte dich nur selbst!" Jeden Augenblick kannstdu Gott in dir finden und Ihn sehen, wenn du nur willst.

3) Auch die göttliche Offenbarung überzeugt unsvom Dasein Gottes; jede Zeile der heil. Schrift sagt esuns:Es ist ein Gott." Die heil. Schrift selbst ist jaein Schreiben, ein Brief Gottes an uns, und wie thöricht

wäre es also, wenn man an der Existenz Dessen zweifelnwollte, der uns ja schon einen Brief zukommen ließ? Durchdie göttliche Offenbarung erst haben wir Alle den rechtenWeg zu Gott gesunden, auf den wir durch unsere bloße Ver-nunft nie gelangt wären; und insbesondere ist es die heil.Schrift, durch deren fleißige und fromme Lesung so Vieleschon zur wahren Erkcnntniß Gottes gelangt sind. Endlich4) bekennen alle Nationen der Erde eine Gott-heit; alle Völker des ganzen Erdkreises, die Völker der altenWelt, wie der Jetztzeit sie alle rufen wie mit EinerStimme:Es ist ein Gott."Wenn man die Erdedurchwandert," sagt der heidnische Schriftsteller Plutarch,so kann man Städte finden ohne Mauern, ohne Wissen-schaften, ohne Könige, ohne Häuser, ohne Geld und Reich-thum; eine Stadt aber, die keine Tempel und Götter hätte,hat noch Niemand gesehen." Nur der Thor kann also sa-gen:Es ist kein Gott," da alle Menschenzungen aus derinnigsten Ueberzeugung Gott nennen. Oder sollten all dieMillionen von Menschen sich täuschen, die da sagen:Esist ein Gott!" und der Thor allein sollte Recht haben, dersich so leicht irrt und so gerne lügt? Wahrlich, das ist diegrößte und schrecklichste aller Thorheiten, an Gottes Daseinzweifeln, gleich als wollten Kinder sagen:Wir haben keinenVater, und Niemand hat uns aufgezogen?" Unläugbar istalso die Wahrheit, daß es einen Gott gebe; selbst der ver-blendetste Gottesläugner muß sie in den ernsteren Stun-den seines Lebens anerkennen.

Beispiele und Anwendung. Die ganze Naturgibt uns das lauteste Zeugniß von Gottes Dasein.Dubrauchst kein anderes Buch zu lesen," sagt der heilige Ba-silius,sieh nur in der Welt umher; da hast du ein gro-ßes Buch, worin du Gott erkennen und seine Werke lesenkannst, solltest du auch noch so ungelehrt und einfältig sein."Darum gab auch der heilige Einsiedler Antonius, als manihn einst fragte, wie er denn ohne Bücher in einer solchenAbgeschiedenheit leben könnte, die schöne Antwort:MeinBuch ist die ganze Schöpfung; aus diesem Buche kann ichmehr lernen, als aus allen Büchern der Welt. Täglich kannich von der Weisheit,. Güte und Allmacht Gottes darinlesen." Und wenn der heilige Franziskus Borgiasganz allein unter freiern Himmel durch die herrliche Naturund die majestätischen Schöpfungen Gottes hinwandelte, daschlug er gar häufig nvit seinem Stabe die Felsen, die Bäume,die Blumen, Kräuter und Stauden, welche eben auf demWege standen, und brarh dabei gewöhnlich in die Worte aus:Redet doch nicht so laiut, rufet nicht so mächtig, daß es einenso guten Gott gebe! Ich kann ja das stete Schreien nichtertragen." So findet das kindlich fromme Gemüth überallin der ganzen Schöpftung seinen Gott. Aber auch dertiefgesunkenste Gottesläugner hat Augenblicke im Leben, wo