Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

Am Feierabende des 13. Januar.

37

Beispiel und Anwendung. Wo es Katholiken gibt,da macht man das heilige Kreuzzeichen; denn dadurch bekenntder Katholik vor aller Welt seinen Glauben. An diese schöneund tröstliche Wahrheit wollte einst der berühmte KardinalMezzofanti, dieser von Gott mit der Gabe der Sprachenso hoch begnadigte Mann, einen frommen Pilger, der in dasheilige Land zog, erinnern, indem er zu ihm also sprach:Wie viele orientalische Sprachen haben Sie gelernt? Wiewerden Sie sich den Asiaten verständlich machen?" Und alsder fromme Pilger hierauf antwortete, er habe keine orienta-lischen Sprachen gelernt, hoffe aber mit der italienischen Sprachedurchzukommen, so entgegnete ihm der Kardinal:Nun, so

will ich Sie noch geschwind ans eine allgemeine, in allen Welt-theilen bekannte Sprache aufmerksam machen; ich meine dieSprache des Kreuzes. Gehen Sie hin, wohin immerSie wollen; überall, wo Katholiken sind, ist dasZeichen des heiligen Kreuzes bekannt; und Jeder,der Sie es wird machen sehen, wird, wenn er auch sonst einenoch so fremde Sprache redet, Sie verstehen. Ist er Katho-lik, so wird er sich auch mit demselben bezeichnen, und ihrwerdet euch kennen, ihr seid Brüder in Christo! Ist er keinKatholik, so werdet ihr euch auch verstehen, und Jeder wird wis-sen, wen er vor sich hat!" Schäme dich daher des heili-gen Kreuzzeichens nicht, sondern halte es vielmehr hoch in Ehren!

Fr. Warum sollen wir das heilige Kreuzzeichen hochin Ehren halten?

Antw. Wir sollen das heilige Kreuzzeichen hoch inEhren halten: 1) weil es ehrwürdig ist durch sein Alter, 2)heilig in seiner Natur und 3) nützlich in seiner Wirkung.

Belehrung. Das Kreuzzeichen ist 1)ehrwürdig durchsein Alter; denn schon die ersten Christen haben sich des-selben gar oft und mit Andacht bedient nach dem ZeugnisseTertullians, der im zweiten Jahrhunderte lebte und alsoschreibt:Was wir immer thun, sei es, daß wir eine Reiseantreten oder fortsetzen, aus- oder eingehen, uns an- oderanskleiden, uns waschen oder zu Tische setzen, das Licht an-zünden, uns legen oder setzen, so bezeichnen wir die Stirnemit dem Zeichen des Kreuzes." Dieses herrliche Beispielder ersten Christen sollen auch wir nachahmen und recht oftdas heilige Kreuz machen, besonders beim Aufstehen, Schla-fengehen, vor und nach dem Gebete, vor jedem wichtigen Ge-schäfte und in allen Versuchungen und Gefahren, und diesesdeßwegen, weil es 2) heilig in seiner Natur ist; denndadurch bekennt der Katholik seinen Glauben, wie wir schonoben in der ersten Frage gezeigt haben. Das Zeichen desheiligen Kreuzes ist das kürzeste, für den Einfältigen das ver-ständlichste und für den Verständigen das sinnreichste Bekennt-niß des Glaubens an den dreieinigen Gott, und mit demselbenist sonach die ganze Erinnerung an unsere Erschaffung, Er-lösung und Heiligung verbunden. Es ist also heilig seiner

Natur nach; aber auch 3) nützlich in seiner Wirkung.Das Kreuz Christi faßt eine wunderbare Kraft in sich," sagtder heilige Augustinus;die bloße Erinnerung daran schlägtunsere unsichtbaren Feinde in die Flucht, kräftigt uns gegendie Anfälle derselben und bewahrt uns vor ihren Schlingen."Und der heilige Johannes DamascenuS schreibt:DasKreuz ist ein Schild, eine Waffe, ein Zeichen des Sieges überden Teufel; es ist jenes Zeichen, an dem uns der Würgengelerkennt und deßhalb vorübergeht, ohne uns zu schaden." Ja,durch das heilige Kreuzzeichen können wir Versuchungen undandere Uebel von uns abwenden, ja sogar Sieger werden überden bösen Feind und seine Anfechtungen; denn wie ein Hundden Stock fürchtet, mit dem er einmal geschlagen wurde, sofürchtet auch der böse Feind das Zeichen des Kreuzes, weiler durch das Kreuz besiegt und geschlagen wurde; scheu tritter zurück, wenn er dasselbe sieht.

Beispiele und Anwendung. Der heilige EinsiedlerAntonius wurde vom bösen Feinde mehr, als je ein Mensch,mit Anfechtungen geplagt; aber durch das heilige Kreuzzeichenschlug er sie jedesmal siegreich zurück. Er sagte deßhalb oftzu seinen Schülern:Glaubet mir! der Satan fürchtet dieNachtwachen, die Gebete und die Fasten der Frommen; ja,ein einziges Kreuzzeichen schwächt ihn und schlägt ihnin die Flucht, sowie der Löwe flieht vor einem Hahnenschrei."Ja, ganz gewiß, wenn wir das heilige Kreuzzeichen mit An-dacht und Glauben machen, so werden wir in allen Anfech-

tungen und Versuchungen mit Gottes Gnade Sieger werden;wir sehen dieß auch aus nachfolgendem Beispiele. In derklösterlichen Gemeinde des heiligen Benedikt befand sich einNeubekehrter von hochadeliger Herkunft, der früher ein sehrheldenmüthiger Kriegsmann gewesen war und jetzt im Hauseals Laienbruder diente. Einmal, als ihn die Reihe traf, denBrüdern im Speisesaale aufzuwarten, ward in ihm der alteHochmuth wieder rege.Wer sind," so dachte er bei sich,diese niedrigen Leute, und wie mag ich mich wegwerfen,ihnen so knechtische Dienste zu leisten?" Allein Bene-dict ns, hinter welchem er eben stand, und dem cs gegeben

war, auch die Gedanken der Menschen zu vernehmen, wandtesich um und sprach:Bezeichne dein Herz, mein Bruder!Was für Worte redest du? besiegle dein Herz!" Und derGewarnte verstand die Mahnung; er bezeichnete sich mit demheiligen Kreuze, und die bösen und stolzen Gedanken ver-schwanden. So oft Gedanken des Stolzes, des Neides,oder sonst einer gefährlichen Leidenschaft in uns aufsteigen, er-geht auch an uns die Forderung:Sei eingedenk des heiligenKreuzes, des Zeichens, mit dem du erlöset bist;beherrsche deine Leidenschaft, überwinde dich selbst, widerstehedem Bösen in der Macht des Gehorsames!" Und wenn wirdieser Mahnung folgen, so werden wir nie unterliegen; denn,wer immer den Namen des Herrn anruft," sagt der heiligePaulus (Apostelgesch. 2, 21.)der wird das Heilerlangen."Aber wohl gemerkt, mein Christ! mit Andacht und Vertrauenmußt du jedesmal das heilige Kreuzzeichen machen.Warum