21 Erstes Hauptstück. Von dem unfehlbaren Lehramte der katholischen Kirche.
gessen, verändern oder mißdeuten. — Eben diese Verheißungenund Zusicherungen gelten auch den Nachfolgern der Apostel,dem römischen Papst und den mit ihm vereinigten Bischöfen,d. h. der lehrenden Kirche.
Fr. An wen müssen wir uns also halten, wenn wirin Sachen des Glaubens nie irren wollen?
Antw. An die lehrende katholische Kirche,die vermöge des immerwährenden göttlichen Beistandesdie unerschütterliche Sänle und Grundfeste der Wahrheit ist.
Belehrung. In Bezug ans Schrifterklärnng, in allenZweifeln, bei allen Religionsstreitigkeiten müssen wir uns stetsund treu an die heilige katholische Kirche halten; ihren Ent-scheidungen, die sie entweder durch den Papst, wenn ernämlich als Oberhaupt und Lehrer der ganzenKirche (ex ostüscira) entscheidet, oder durch einevom Papste bestätigte Kirchenversammlung gibt, müssen wiruns als gehorsame Kinder willig unterwerfen; denn nur diekatholische Kirche besitzt die ganze unverfälschte Heilslehre undbietet uns den unfehlbaren Unterricht und den ganzen Reich-thum der göttlichen Heilsmittel dar. Wer treu und fest zu dieserKirche hält, der ist auf dem sichern Wege zum Himmel, undgleicht nicht mehr den Kindern, „die wie Meereswellen undvon dem Winde der Lehre umhergetrieben werden durch dieSchalkheit der Menschen, durch die arglistigen Kunstgriffe derVerführung zum Jrrthum." — Darum hat der Sohn Got-tes so nachdrücklich zum Festhalten und Anschließen an dieseseine Kirche ermahnt mit den Worten (Luk. 10, 16.): „Wereuch, die Lehrer seiner Kirche, verachtet, — euch kein Gehörgibt — der verachtet mich und mit mir auch Denjenigen, dermich gesendet hat." Und ein anderes Mal sagt er (Matth.18, 17.): „Wer die Kirche nicht hört, den betrachtet alsHeiden und Publikan," d. h. als einen Menschen, der nochvon Gott und dem Himmelreiche weit entfernt steht. — Oso wollen wir, mein Christ! uns stets treu an die heiligekatholische Kirche halten und uns willig ihren Aussprüchenund Entscheidungen unterwerfen! -
Beispiel und Anwendung. Ein herrliches Beispielvon Unterwürfigkeit unter die Entscheidungen der Kirche gabuns Fenelon, Erzbischof von Cambrai. Dieser ward vonmehreren französischen Bischöfen beschuldiget, daß er in seinerSchrift: „Erklärung der Grundsätze der Heiligen"mehrere gefährliche Sätze in religiöser Beziehung aufgestellthabe. Anfangs nahm er sein Werk in Schutz; als er aberdie Meinung seiner Gegner nicht umstoßen konnte, ließ eres aus die Entscheidung des Papstes ankommen. Das Buch,welches von einer Kommission Kardinälen geprüft wurde, ver-anlaßte lange Erörterungen. Endlich wurde von Papst In-nozenz XII. das Verdammungsurtheil ausgesprochen, und
der Erzbischof von Cambrai erfuhr dieß gerade in dem Augen-blicke, als er die Kanzel bestieg. Sogleich änderte er dasThema seiner Rede und sprach aus dem Stegreife über dieder Obrigkeit schuldige Unterwerfung, und zwar in einer sorührenden Weise, daß sämmtliche Zuhörer in Thränen aus-brachen. Und das war noch nicht Alles; als Erzbischof mußteer in der Kirche, deren Vorgesetzter er war, die Verdammungseines eigenen Werkes verkündigen und die Lesung desselbenverbieten. Er that dieß in einfachen Ausdrücken, ohne in irgendeiner Weise gegen das Urtheil sich auszusprechen oder selbesbeschränken zu wollen. „Unser heiliger Vater, der Papst"sagte er, „hat durch ein Breve das Buch, welches den Titelführt: „Erklärung der Grundsätze der Heiligen"mit dreiundzwanzig Sätzen, welche aus demselben ausgezogensind, verdammt. Wir pflichten dem Breve bei, und dieß auf-richtig, ungezwungen und ohne irgend einen Gedanken an eineBeschränkung des Urtheils. Wir ermahnen euch von ganzemHerzen zu ähnlicher Unterwerfung und Folgsamkeit ohne Vor-behalt, damit nicht geschwächt werde der dem heiligen Stuhleschuldige Gehorsam, wovon ich euch mit der Gnade Gottesbis zum letzten Athemzuge meines Lebens ein Beispiel gebenwill. Gott verhüte, daß man je in anderer Absicht von mirrede, als um eines Hirten zu gedenken, der an Folgsamkeitauch das geringste Schäflein seiner Heerde übertreffen zu müssenglaubte, und in diesem Gehorsam keine Grenzen kannte." —Mit dieser Erklärung sich nicht begnügend, und um seiner Herrdeein noch sprechenderes Zeichen seiner Unterwürfigkeit und Reuezu geben, ließ er eine Monstranzc anfertigen, die von zweiEngeln getragen wird, von denen der eine mehrere unheiligeBücher mit Füßen tritt. Eines dieser Bücher führt den Titel:„Erklärung der Grundsätze der Heiligen." Welchein rührendes Beispiel von Unterwürfigkeit und Gehorsamgegen die lehrende Kirche! So sollen auch wir stets folgsameKinder der Kirche sein und unsere Ansichten in Sachen desGlaubens und der Religion dem Urtheile und den Ansichtender Kirche unterwerfen. Auf das Ansehen der lehrenden Kirchesollen wir uns berufen, wenn Irrgläubige Einwürfe machengegen die heilige Messe, die Verehrung der Heiligen, dasFegfeuer re.; mit dem Muthe und mit der Entschiedenheit eineswahren Katholiken sollen wir antworten: „Diese und der-gleichen Artikel glaube ich darum, weil sie Gott geoffenbarethat; und daß es so sei, das glaube ich darum, weil die lehrendeKirche, welche eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist,und von Jesus und seinem heiligen Geiste geleitet, nicht irrenkann, Solches zu glauben vorstellt." Also sprich, und du wirstalle deine Gegner beschämen und zum Schweigen bringen.
Legende: St. Valentin, Bischof (f um 470.)
Ein so treuer Sohn der Kirche begegnet uns heuteauch in der Legende oder im Leben der Heiligen. Es istdieß der heilige Bischof Valentin. Seine Liebe undsein Eifer für die Ausbreitung der heiligen katholischenKirche trieb ihn im Jahre 440 nach Passan, um daselbstund in der ganzen Umgegend die Erbarmnngcn Gotteszu verkünden. Er fand aber da keinen empfänglichen Bodenfür die Lehre des Heiles; deßhalb begab er sich nach vielenWiderwärtigkeiten, die er als Bischof zu erdulden hatte,