Am Feierabende
Siebentes Lesestück.
Am Feierabende des 7. Januar.
Von dem unfehlbaren Lehramts der katholischen Kirche.
Fr. Wie hat Gott dafür gesorgt, daß Schrift undTradition, die beiden Quellen des Glaubens, stets richtigerklärt und verstanden, und bis an's Ende der Welt reinund ungetrübt erhalten werden?
Antw. Er hat in seiner Kirche ein unfehlbaresLehramt ausgestellt, nämlich die Apostel mit ihremOberhaupte, dem heiligen Petrus, und nach ihnen diekatholischen Bischöfe mit ihrem Oberhirten zu Rom, demrömischen Papste. (Sieh das obige Bild.)
Belehrung. Vor der Ankunft des Erlösers waren dieWächter, Verkündiger und Ausleger der göttlichen Offenbarungzuerst die Patriarchen, dann die Propheten und die Priesterdes jüdischen Volkes mit dem hohen Priester an der Spitze,die man zusammen die lehrende Synagoge hieß. — Als aber
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das Werk der Erlösung vollbracht war, hörte das alte Prie-sterthum auf, und Jesus übergab sowohl die früheren, alsdie von ihm selbst geoffenbarten Religionswahrheiten seinenAposteln zum Aufbewahren, Verkündigen und Erklären. Dieseweihte er nun zu Priestern des neuen Bundes und zu Hirtenund Lehrern seiner heiligen Kirche; Einen aber von ihnen, denSimon Petrus, bestellte er zum Oberhaupte. Die Apostel mitihrem Oberhaupte nun nennt man die lehrende katho-lische Kirche. — Die göttliche Heilsoffenbarung sollte aberfortbestehen, so lange es heilsbedürftige Menschen gibt, alsobis an's Ende der Welt. Darum hatten die Apostel auchdie Vollmacht vom Herrn empfangen, die Schätze der gött-lichen Offenbarung und ihr heiliges Lehr- und Hirtenamtdurch Weihe und Sendung wieder Andern zu übertragen, diedann nach ihnen die lehrende Kirche bilden sollten, und dieseUebergabe soll fort und fort geschehen, bis der Herr wicder-kommt. Die Nachfolger des Oberhirten Petrus sind alle recht-mäßig nach einander erwählten römischen Päpste, und diewahren Nachfolger der übrigen Apostel die rechtmäßig geweihtenkatholischen Bischöfe, die mit dem Oberhirten zu Rom in treuerGemeinschaft leben, und die sonach noch heut zu Tage dasunfehlbare Lehramt in der Kirche Gottes bilden.
Fr. Kann aber die lehrende Kirche nicht irren?
Antw. Nein; sie ist unfehlbar; sie ist „dieSäule und Grundfeste der Wahrheit." (1. Tim.3, 15.); denn der liebe Gott hat sie unter seinen be-sonder» und fortwährenden Schutz genommen.
Belehrung. Wie Gott schon die Synagoge durch eineaußerordentliche Vorsehung bewachte, damit sie vom WorteGottes im Wesentlichen nie Etwas veränderte oder verlorengehen ließ, ebenso und noch augenscheinlicher wachte er überdie Lehrer der katholischen Kirche. Der Sohn Gottes ver-sprach seinen Aposteln, nicht nur „selbst bis an das Endeder Welt unsichtbar bei ihnen zu bleiben," sondern auch nocheinen andern Beistand zu senden, „den Geist der Wahrheit,der gleichfalls bis an das Ende der Welt bei ihnen ausharren,sie alle Wahrheit lehren, und ihnen Alles eingeben werde,was er ihnen gesagt habe." Er versichert, „daß man ihnselbst höre, wenn man das Wort des Heiles aus ihrem Mundevernehme, und daß bei der Predigt des Evangeliums nichtsie, sondern der Geist seines himmlischen Vaters in ihnen zuden Menschen reden werde." War mm bei der Verkündungund Auslegung der göttlichen Offenbarung der Mund derApostel gleichsam der Mund des Heilandes selbst, und ihrLehrwort die Stimme des heiligen Geistes, so konnten sie vonder göttlichen Heilslehre gewiß nie etwas Wesentliches ver-