18 Erstes Hauptstück. Von der heiligen Schrift: Glaubwürdigkeit und Lesung derselben.
entstand unter dem Kaiser Diokletian gegen deren Besitzer.Mit Gewalt wollte man sie sammt und sonders vernichten.Wie heilig und unverletzlich war aber da den Christen die hei-lige Schrift! Der heilige Felix, Bischof von Thibara,sagte, er wolle lieber seinen Körper zum Verbrennen hingcben,als die Bücher verbrennen lassen, als er vom StatthalterMagnilian zur Herausgabe der heiligen Bücher aufgefor-dert wurde. Dieser sandte ihn hierauf an den Prokonsul zuCarthago, und dieser an den Präfectus Prätorio, der sichdamals in Afrika befand. Dieser ließ ihn mit schweren Kettenbeladen, in ein enges und finsteres Gefängniß werfen undnach einigen Tagen nach Italien cinschiffen, damit er demKaiser vorgestellt würde. Vier Tage lang mußte er ohneSpeise und Trank, cingesperrt in den untersten Schiffsräumenzubringen, bis man endlich zu Agrigent in Sizilien landete.Die Gläubigen empfingen hier den Heiligen mit der größtenEhrfurcht. ZuVenosa in Apulien entledigte man ihn seinerBande, um ihn durch die Folter zum Geständniß zu bringen,ob er die heiligen Bücher hätte. Er gestand es frei, erklärteaber auch zugleich, daß er sie um keinen Preis ausliefernwürde. Er wurde somit zum Tode durch das Schwert ver-urtheilt. Auf dem Richtplatze dankte er mit zum Himmelgehobenen Händen dem Herrn für die erwiesene Barmherzig-keit und empfing den Todesstreich. — Siehe, so heilig warender Kirche und ihren treuen Kindern von jeher die heiligenSchriften; wie sollte da irgend eine Verfälschung möglich ge-wesen sein? Mit kindlichem Glauben und Vertrauen darfstdu daher, mein Christ! die heilige Schrift aus der Handder Kirche als ein glaubwürdiges, unverfälschtesBuch, als Gottes Wort entgegennehmen und fleißig inderselben lesen.
F
Fr. Wie aber sollen wir in der heiligen Schrift lesen?Antw. Wir sollen darin jlesen im Geiste der hei-ligen katholischen Kirche und unter ihrer Leitung als
fromme und treue Söhne und Töchter derselben, zugleichaber auch mit Anwendung des Gelesenen auf unser Leben.
Belehrung. Die heilige Schrift ist ein gar kostbaresBuch; sie ist das beßte Lehrbuch für den Lernbegierigen,das geistreichste und salbungsvollste Gebetbuch für den An-dächtigen, das heilsamste Arznei- und Krankenbuch fürLeidende und Kranke; sie ist ein Strahl aus der ewigen Sonne,der den Weg der Tugend zum Vater der Tugend und Se-ligkeit erhellt; „sie ist eine herrliche Weide," schreibt der hei-lige Ambrosius; „das tägliche Lesen der heiligen Schriftweidet uns, erheitert und stärkt uns, wenn wir Das, wasgeschrieben ist, verkosten und öfters gleichsam Wiederkauen.Auf dieser Weide wird die Heerde des Herrn fett." Die hei-lige Schrift bietet sich dar dem Irrenden als Leitstern, demWankenden als Stab, dem Betrübten und dem frommen Dulderals Kelch des Trostes, dem Kranken als Arznei, Allen alsFührer auf dem schmalen und gefährlichen Wege zum Himmel.Daher fanden die Heiligen Gottes eine wahre Seligkeit inLesung der heiligen Schrift. Der heilige Chrhsöstomusforschte Tag und Nacht in dieser unergründlichen Quelle allerWeisheit und alles Trostes. Dem heiligen Augustin wardie heilige Schrift ein Garten, in dem er am Liebsten lust-wandelte und sich Blümlein suchte. — Allein so vortrefflichund nützlich die Lesung der heiligen Schrift dem frommen underfahrnen Kinde der Kirche ist, so verderblich kann sie demUnerfahrnen oder Leichtfertigen werden; denn die heilige Schriftist ein göttliches und geheimnißvolles Buch, worin,wie schon der heilige P etrus sagt(2. Petr. 3, 16.), „Manchesschwer zu verstehen ist, welches ungelehrte und leichtfertigeMenschen zu ihrem eigenen Verderben mißdeuten." Wir dürfendaher die heilige Schrift nur unter der Leitung der Kirchelesen; denn die heilige Schrift gleichet einer Apotheke, inwelcher sich allerlei heilbringende Arzneien oder Heilmittel be-finden, aber auch solche Mittel, die unvorsichtig oder in zugroßer Portion gebraucht, geradezu schädlich werden können.Es ist deßhalb ein Arzt nöthig, der die Wirkungen der ein-zelnen Mittel kennt, die gehörige Mischung versteht und dierechten Quantitäten bezeichnet, sowie auch die Natur des Pa-tienten kennt. Die Stelle des Arztes vertritt aber die Kirch e.Wohlweislich hat daher die Kirche, um die Gläubigen vorverfälschten Bibeln, die oft Unwissenden geflissentlich angebotenwerden, und vor irriger Auslegung, vor Sekten und Spal-tungen zu bewahren, in Betreff des Bibellesens in der Volks-sprache folgende Anordnungen getroffen: 1) Daß man die dazunöthige Kenntniß und Frömmigkeit besitzen soll, und 2) daßdie Uebersetzung mit kirchlicher Gutheißung und mit bewährten