17
Am Feierabende des 5. Januar.
hoch empor. Am Schluffe des Evangeliums riefen Alle laut:„Gott sei Dank!" — Habe auch du, mein Christ! stets eineheilige Ehrfurcht vor der heiligen Schrift; sie ist ja GottesWort, Gottes Brief an seine Geschöpfe. Siehe, wenn derKaiser von China einen Brief entsendet, so wird er in pur-purner Verhüllung auf einen Thronsessel gelegt und so unterBegleitung kaiserlicher Wache auf einem prachtvollen Wagenfortgeführt. Alle Chinesen erweisen dem Schreiben des Kaisersdie tiefste Ehrfurcht; jeder begrüßt es mit Kniebeugungen.Und du solltest, o Christ! keine Ehrfurcht haben vor jenererhabenen, göttlichen Zuschrift, die uns von dem höchsten HerrnHimmels und der Erde zukam?!
Legende: Der heilige Titus, Schüler desheiligen Paulus, Bischof von Kreta. (Im 1.
Jahrhundert.)
Auf den heutigen Tag fälltdas Fest des heiligen BischofsTitus. Er war nach dem Zeug-nisse des heiligen Chrhsostomusund Anderer zu Corinth vonheidnischen Eltern geboren, undführte von Jugend auf ein sehreingezogenes und keusches Leben.Als nun der heilige Paulus zumersten Mal nach Corinth kam,war Titus einer der Ersten,die an Christus glaubten undsich taufen ließen. Von nun anwar er ein treuer Jünger undReisegefährte des heiligen Pau-lus und ließ es sich außerordent-lich angelegen sein, auch Anderndas Evangelium zu verkündenund sie für die Lehre JesuChristi zu gewinnen. Er wurdeals Bischof in Kreta aufge-stellt, und nachdem er zur Ver-breitung des Evangeliums Vie-les beigetragen, und dabei viel gelitten und gestritten hatte,starb er zu Kreta im 94. Jahre seines Alters.
Gebet. O Gott, der du den heiligen Titus durchdeinen heiligen Apostel aus den Finsternissen des Hei-denthumes zum Lichte deiner göttlichen Lehre geführthast, gib, daß auch wir deine göttliche Lehre ausübenund sie Andern beizubringen trachten; durch Christumunfern Herrn. Amen.
Fünftes Lesestück.
Am Feierabende des 5. Januar.
Von der heiligen Schrift: b) Glaubwürdigkeit und Lesungderselben.
Fr. Was müssen wir von der heiligen Schrift glauben ?
Antw. Wir müssen glauben, daß sie nicht nur ein
Mehler, Hausbuch.
glaubwürdiges und unverfälschtes Buch, sonderndaß sie wahrhaft Gottes Wort ist, wie der heiligePetrus (2. Pet. 1, 21.) schreibt: „Nie wurde eineWeissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, son-dern heilige Menschen Gottes haben, getrieben vomheiligen Geiste, geredet."
Belehrung. Die heilige Schrift ist wirklich ein ganzglaubwürdiges und unverfälschtes Buch; sie istwahrhaft Gottes Wort; denn die Kirche lehrt uns, daßdie ganze heilige Schrift, welche sie als Gottes Wortanerkennt, unter Eingebung des heiligen Geistesgeschrieben und von ihr allzeit unverfälscht bewahrt wor-den sei. Da die Sache wichtig ist, so füge ich dir, meinChrist! zur bessern Ueberzeugung noch einige andere Beweisefür die Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheitder heiligen Schrift bei. 1) Daß die Bücher des A. T.glaubwürdig seien, erkennen wir schon daraus, daß Chri-stus selbst sich auf ihr Zeugniß beruft und versichert, daß sieallen Glauben verdienen: „Ihr forschet in der Schrift, undsie ist es, die von mir Zeugniß gibt." (Joh. 5, 39.) 2) Daßdie Bücher des N. T. glaubwürdig seien, erkennen wirvorzüglich daraus: a) weil ihre Verfasser die Wahrheit nichtnur sagen konnten und wollten, sondern sie auch mit ihremBlute besiegelten; b) weil weder die Welt dieselbe je geglaubt,noch Millionen Märtyrer für sie den Tod gelitten hätten, wennsie nicht höchst glaubwürdig wären. — 3) Daß in der ka-tholischen Kirche die heilige Schrift stets unverfälscht ge-blieben sei, erkennen wir besonders daraus: s) weil Christusnie zulassen konnte, daß das göttliche Wort, welches er seinerKirche zum Heile der Welt anvertraut hat, verfälscht und sozum Verderben würde; d) weil die Kirche die heilige Schriftstets als Gottes Wort verehrt, und darum nie die geringsteAenderung daran zulassen konnte; o) weil überdieß die hei-lige Schrift von jeher so allgemein bekannt und verbreitetwar, daß sie unmöglich verfälscht werden konnte, ohne daßman es sogleich gemerkt hätte.
Beispiele und Anwendung. Unmöglich konnte die hei-lige Schrift irgendwie verfälscht werden; die heilige katholischeKirche hat sie stets treulich vor jeglicher Verfälschung bewahrt.Ich will dir dieß, mein lieber Leser! durch Beispiele beweisen. —Siehe, schon bei den Juden finden wir die ängstlichste Sorg-falt für die Reinerhaltung der heiligen Schriften. Um jedenVersuch der Fälschung unmöglich zu machen, sollen anMosis Büchern sogar die Buchstaben gezählt gewesen sein.Von den Juden überkam sie die katholische Kirche. Diesewachte mit gleicher, ja noch mit größerer Sorgfalt. Sie gabdieselben nicht den Heiden in die Hände, ja, vertraute sienicht einmal den Katechumenen an. Eine eigene Verfolgung
3