Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Erstes Hauptstück. Bedeutung und Vortrefflichkeit der hl. Schrift.

lich 6) auch noch die Benennung:geschriebenes WortGottes," weil Gott selbst ihren Inhalt zu den Menschengeredet hat, und weil dieser Inhalt ausgeschrieben wordenist; sie heißt so zum Unterschiede von dem nichtge sch rie-ben en Worte Gottes (Tradition, Erblehre).

Beispiel und Anwendung. Aus all diesem ersiehstdu, mein lieber Christ! daß die heilige Schrift ein ebensowerthvolles, als tröstliches Buch für uns Alle ist, ein Send-schreiben, das uns, wie der heilige Augustin sagt, ans jenerhimmlischen Stadt, aus welcher wir bisher ausgeschlossen sind,zugekommcn ist, und das uns die Regel und Weise nnsersWandels vorschreibt. Mit welcher Freude und Dankbarkeit,mit welcher Ehrfurcht und Huldigung sollen wir daher nichtdieses erhabene göttliche Sendschreiben an- und aufnehmen?Der heilige Einsiedler Antonius, der mit seinen Jüngernin der tiefsten Abgeschiedenheit der Wüste lebte, ward so hochberühmt, daß sogar der Kaiser Konstantin der Große eineneigenen Boten mit Briefen an ihn schickte. Auch von den zweikaiserlichen Prinzen, Konstantin und Konstans, waren Briefe bei-gelegt. Die Jünger des Antonius erstaunten über diese aus-gezeichnete Gnade. Allein Antonius legte die Briefe hin, alsachte er wenig darauf. Sämmtliche Jünger baten und er-mahnten ihn, diese Briefe nicht ungelesen und unbeantwortetzu lassen, indem der Kaiser sonst dieses als Verachtung ansehenund auf ihn zürnen würde. Da sprach Antonius:Waswundert ihr euch, daß der Kaiser Briefe an uns gesandt hat,der doch auch nur ein Mensch ist? Wieviel mehr sollten wirerstaunen, daß Gott, der höchste Herr des Himmels und derErde, der König der Könige, uns Menschen das heilige Evan-gelium, die ganze heilige Schrift, gleichsam als einen Briefvon Ihm, in die Hand gegeben hat! Wie höchst strafbarmüßten wir in seinen Augen sein, wenn wir dieses Briefesnicht achten, ihn nicht lesen, noch vielweniger befolgen woll-ten?!" Nach dieser schönen Lehre beantwortete er den fürihn so ehrenvollen Brief des Kaisers auf die liebevollste unddem Empfänger heilsamste Weise. (Sieh das obige Bild.)Merke dir, mein Christ! diese heilsame Lehre des heiligenAntonius und handle darnach! Achte und liebe stets dieheilige Schrift und befolge, was sie dir lehrt!

Fr. Wie theilt man die heilige Schrift ein?

Antw. DerZeitnach theilt man die heilige Schriftin die Bücher des alten und des neuen Testamen-tes oder des alten und neuen Bundes ein; demInhalte nach aber in Geschichts-, Lehr- oder Un-terrichts- und prophetische Bücher.

Belehrung. Ich weiß es, mein christlicher Leser! daßes dir eben so wichtig, als nützlich sein wird, etwas Genaueresüber den Inhalt und die Eintheilung der heiligen Schrift zuvernehmen; so höre denn! Die heilige Schrift wird 1) derZeit nach eingetheilt in das alte und neue Testament.Das erstere enthält die göttlichen Offenbarungen, welche

vor der Ankunft Christi an die Menschen ergangen sind; dasneue Testament hingegen enthält die göttlichen Offen-barungen, welche wir durch Christus und die Apostel empfan-gen haben. 2) Dem Inhalte nach wird die heilige Schrifteingetheilt in Geschichts-, Lehr- und prophetischeBücher. Ich will dir nun diese Bücher alle einzeln auf-zählen: Das alte Testament enthält g) 21 Geschichts-bücher; diese sind: 5 Bücher Mosis, das Buch Josue, derRichter, Ruth, 4 Bücher der Könige, 2 der Chronik oderParalipomenon, das Buch Esdras, Nehemias, Tobias, Judith,Esther, 2 Bücher der Makkabäer, ü) 7 Lehrbücher: Job,die Psalmen, die Sprüche, der Prediger oder Ecclesiastes, dashohe Lied, das Buch der Weisheit, Sirach oder Ecclesiasticus.o) 17 prophetische Bücher: Jsaias, Jeremias, Baruch,Ezechiel, Daniel, Osee, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Michäas,Nahum, Habakuk, Sophonias, Aggäus, Zacharias und Ma-lachias. Das neue Testament besteht: g) aus denvier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas undJohannes, t>) aus der APostelge schichte des heiligen Lukas,v) aus 14 Briefen vom heiligen Paulus. Diese sind:einer an die Römer, zwei an die Korinther, einer an dieGalater, einer an die Epheser, einer an die Philipper,einer an die Kolosser, zwei an die Tessalonicher, zwei anTimotheus, einer an Titus, einer an Philemon, einer andie Hebräer. <i) aus Briefen von sieben andern Apo-steln; sie sind: einer vom heiligen Jakobus, zwei vom hei-ligen Petrus, drei vom heiligen Johannes, einer vom heiligenJudas Thaddäus. Endlich ö) aus der geheimen Offen-barung des heiligen Johannes.

Beispiele und Anwendung. Welch ein reicher undkostbarer Inhalt! Es darf uns daher nicht wundern, wennwir sehen, welche Ehrfurcht man stets gegen die heilige Schriftan den Tag legte. So mußte z. B. in den frühern Zeiten derDiakon, bevor er das Evangelienbuch anfaßte, sich die Händewaschen zum Zeichen der Ehrfurcht vor dem heiligstenaller Bücher. Alle Anwesenden mußten, sowie es auch nochheut zu Tage der Fall ist, aufstehen und sich mit dem hei-ligen Kreuze bezeichnen. Die Frauen warfen dann ihrenSchleier als Sinnbild der Demuth und Geistessammlung überihr Angesicht; Könige und Fürsten nahmen ihre Krone abund legten ihre Scepter, so wie alle Männer ihren Reisestabbei Seite. Hierauf hielt man seine Arme kreuzweise fest andie Brust, um, wie der heilige Hildebert es erklärt, dieWorte derfrohen Botschaft" recht fest an's Herz zu drücken,und daselbst gleichsam anzuheften. Im Mittelalter legtendie Ritter der verschiedenen Orden beim Beginne des heiligenEvangeliums die Hand an den Degen, oder zogen das Schwertaus der Scheide, und hielten es zum Zeichen, daß sie dasheilige Evangelium gegen die Feinde des Christenthums mitihrem Blute vertheidigen wollten, bis zum Ende der Lesung