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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Einleitung. Von der Erhabenheit unserer Bestimmung.

Belehrung. Gar oft fragte sich derheilige Bernhard: Bernhard! wozu bistdu in die Welt gekommen?" Besonders aberstellte er diese Frage an sich, wenn erüber zeitlichen Geschäften seines Zieles ver-gessen wollte. Dadurch wurde er heilig undselig. Auf dieselbe Weise sollen auch wiröfters, täglich, ja stündlich unsers Zielesgedenken. Wie der Steuermann auf demMeere gewöhnlich nur nach den Sternenblickt, und ein Reisender sich auf demWege nicht bei jauchzenden Bauernbnbenaufhält, sondern zur Vaterstadt eilt, sowollen wir stets unseres Zieles dort überden Sternen gedenken, die trunkene Welt mit Füssen tretenund zu»i Vaterlande eilen! Und warum sollten wir dieses nicht?Bedenken wir nur, wie erhaben und herrlich unsere Be-stimmung ist! Wie hoch muß uns Gott schätzen, wie sehrmuß er uns lieben, da er uns für ein so erhabenes Ziel er-schaffen hat, daß wir ihn erkennen, ihn lieben, ihm dienen, unddadurch ewig selig werden sollen, gleich als wäre ihm an unsarmen Geschöpfen Etwas gelegen, oder als könnten wir Etwaszu seiner Glorie, zu seiner Herrlichkeit und Majestät beitragen!Verachteter Dienstbote! Verlassener Armer! siehe, du bist.einDiener Gottes; durch dich will der Herr, dein Gott, geliebtund gelobt und geehrt werden nicht minder, als durch die Engeldes Himmels, nicht minder, als durch die Könige und Kaiserauf Erden! Welch ein Glück! welch eine Ehre! Du bist alsoin den Augen Gottes so groß, wie die Großen der Erde. Würdeein König, der über zahlreiche Länder gebietet, auf dessen WinkFürsten und Grafen und die Edelsten des Reiches gehorsam sind,zu einem Stallknechte sagen:Du bist mir der liebste und treuesteDiener; du bist meine Ehre und Glorie" was würde sichdieser Knecht nicht zu sein dünken? Wir freuen uns, wennwir einem irdischen Könige dienen dürfen, der doch heute ist undmorgen nicht mehr, der heute auf dem Throne sitzt, und morgenin der Todtenbahre liegt: für welch ein Glück sollen wir esdaher nicht halten, daß wir Gott, dem höchsten Herrn Him-mels und der Erde, dienen dürfen!

Beispiel und Anwendung. König Philipp II. vonSpanien ging einstens noch bei später Nacht an seiner Hof-küche vorüber und hörte darin Jemand ganz laut und fröh-lich singen. Verwundert blieb der König auf dem Gange stehen.Er schickte sogleich einen seiner Bedienten in die Küche, umnachzusehen, was für ein Vogel auf dem Heerde so schön zusingen wisse. Da fand man denn einen armen Küchenjungen,der auf einem Stuhle sitzend seine zerrissenen Kleider aus-befserte. Gefragt, warum er wohl so fröhlich und guter Dinge

sei, ob es ihm denn gar so gut gehe, gab er mit edlem Stolzedie Antwort:Sollte ich etwa nicht froh sein, daß ich einHofbedienter des Königs Philipp bin? Das freut mich überAlles, das halte ich für mein größtes Glück!" Wie beschämtdieses Beispiel so viele Christen! Dieser Küchenjunge frohlocketdarüber, daß er in den Diensten eines Königs steht, von demer vielleicht nie einen wohlwollenden Blick, nie eine besondereWohlthat erhalten, der wahrscheinlich gar Nichts von ihmwußte! Warum frohlocken wir nicht, daß wir geschaffensind, dem König aller Könige, dem unsterblichen Herrn allerZeiten zu dienen, der immer um uns ist, immerdar gnädigund wohlwollend gegen uns sich zeigt, dem dienen mehr ist,als herrschen über alle Länder und Völker! Wie bitten undbeten und sorgen und mühen sich Viele, daß sie in einen gutenDienst kommen, bei einer vornehmen Herrschaft, oder gar beiHofe ein Plätzchen finden: aber Gott dienen, wer achtet es?Wie Viele sind gar fleißig im Herrendienst, aber saumseligund träge im Dienste Gottes!

Fr. Können wir aber diese unsere erhabene Bestimm-ung auch erreichen.?

Antw. Allerdings; denn Gott thut hiebei das Gel-inge; er hilft uns zur Erreichung unseres erhabenenZieles ans die mannigfaltigste Weise; wir dürfen es da-her nur nicht an uns selbst fehlen lassen.

Belehrung. Nicht umsonst stellt Gott der Herr anuns Alle die Forderung:Seid heilig, weil ich heiligbin!" (3. Mos. 11, 44.) Denn er verlangt gewiß NichtsUnmögliches von uns. Er gibt uns seine Gnade, und sokönnen wir heilig und selig werden, wenn wir nur ernst-lich wollen. Daher sage Keiner:Mir ist es nicht mög-lich, heilig und selig zu werden." Sind es schon so Viele mitder Gnade Gottes geworden, warum nicht auch du?

Beispiele und Anwendung. Als der heiligeTho masvon Aquin einst von seiner Schwester gefragt wurde, wiesie ihr Heil sicher erwerben könne, erwiederte er mit den kur-zen treffenden Worten:Dadurch, daß du willst." Ja, in

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