Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
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Am Feierabende des 2. Januar.

Seele stillen können. Gib einem Menschen, wenn es möglichwäre, alle Schätze der Erde, mache ihn zum Könige der ganzenWelt und setze ihn ein in alle Würden, die je ein Menschbekleidet hat, lasse ihn verkosten alle Wollüste, die er sich nuransdenken kann; und frage ihn, ob er nun glücklich und zu-frieden sei? Er wird dir antworten:Nein!" Und warum?Weil seine Seele, die fähig ist, Gott zu besitzendurch etwas Geringeres nicht gesättigt werdenkann; nur in Gott allein finden wir Ruhe undSättigung; denn wir sind Alle für Gott geschaffen.

Legende: Die Beschneidnng des Herrn.

(Neujahr.)

Bedenke diese große Wahrheit besonders am heutigenTage; mit ihm beginnt ja ein neues Jahr. Wer weiß,ob dieß nicht das letzte Jahr deines Lebens ist; denkedaher heute ernstlicher als je an deine erhabene Bestimm-ung und lege Hand an's Werk, auf daß du sie aucherreichest! Es ist aber der heutige Tag nicht bloß dererste Tag im Jahre, er ist auch zugleich der achte Tagnach der Geburt unsers Erlösers, an welchem dem Gesetzegemäß an ihm die Be schnei düng vorgenommen undihm der Name Jesus beigelegt wurde. Heute hat erden ersten Tropfen seines heiligen Blutes für uns ver-gossen. Im Vertrauen nun auf dieses heilige Blut undauf den hochheiligen Namen Jesus wollen wir dieses neueJahr anfangen und vollenden, und es wird uns dannnicht schwer werden, unsere erhabene Bestimmung mitGottes Gnade glücklich zu erreichen.

Gebet. Himmlischer Vater! verleihe uns dieGnade, daß wir gestärkt durch das Blut deines göttlichenSohnes und durch die Anrufung des hochheiligen NamensJesu mnthig und getrost das neue Jahr antreten undmit Freudigkeit des Herzens unserer erhabenen Bestimm-ung Nachkommen mögen. Durch eben denselben Christumunfern Herrn. Amen._

Mehler, HauKuch.

Zweites LesesM.

Am Feierabende des 2. Januar.

Von der Erhabenheit unsrer Bestimmung, und von der Möglich-keit, sie zu erreichen.

Fr. Da uns die irdischen Güter, wie wir ans dergestrigen Lektion ersehen haben, nicht glückselig machenkönnen, so fragt cs sich: Was ist demnach das Noth-wendigste hienieden?

Antw. Das Nothwendigste hienieden ist, daß wirGott erkennen, ihn lieben, ihm dienen und dadurch dieewige Seligkeit erlangen.

Belehrung. Ja, gerade dieses ist das Nothwendigsteauf Erden, sagt der heilige Augustin; dennder Menschist erschaffen, damit er Gott, das höchste Gut erkenne, ihnerkennend liebe, ihn liebend ewig besitze, ihn besitzend ewiggenieße." Daher ruft uns auch der göttliche Heiland zu:Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; allesklebrige wird euch beigegeben werden." (Matth. 6, 33.) Owie thöricht handelt der Mensch, wenn er auf Erden etwas-Anderes sucht, als Dieses! Dennwas nützt es dem Menschen,wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Scha-den leidet?" (Matth. 16, 26.)

Beispiel und Anwendung. Ein hochgestellter Herr amHofe eines Fürsten starb einst halb verzweifelnd bei dem Ge-danken:Ich habe meinem Fürsten mit Ehre, mit Auszeich-nung, mit Aufopferung lebenslang gedient, und was kann erjetzt für mich Sterbenden thun? Und auf Gott, den Herrnder Hecrschaaren, habe ich vergessen, habe ihm keinen Monat,keinen Tag, keinen Augenblick gedient; wie wird es mir ergehen,wenn ich vor ihm erscheinen muß?" Auf seinen Lcichen-stein ließ er die Worte schreiben:Ich habe am Hofe gelebtund auf mich selber vergessen; ich bin aus dieser Welt ge-schieden, ohne zu wissen, warum ich in die Welt gekommenhin." Wehe uns, mein lieber Leser! wenn auch wir einstauf unfern, Leichenstein eine ähnliche Aufschrift schreiben lassenmüssen, wenn wir das eine Nothwcndige auf Erdennämlich die Erreichung unsrer Bestimmung nicht suchenund anstreben! Bedenke oft, was der göttliche Heilandzur geschäftigen Martha gesprochen:Nur Eines ist noth-wendig" (sieh das nachfolgende Bild) und was ist dieses?Nichts Anderes, nls vast wir Gott dienen und dadurch seligwerden. Ja, dieß Eine ist dir nothweudig, o Christ! allesAndere hilft dir Nichts.

Fr. Wodurch sollen und können wir uns ganz be-sonders dazu aneifern, daß wir dieses Nothwendigste aufErden suchen und erreichen?

Antw. Durch das oftmalige und ernstliche Andenkenan unsere erhabene Bestimmung.

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