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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Einleitung. Vom Ziel und Ende des Menschen.

Welt zu genießen und' ein angenehmes Leben zu führen.Diese Betrachtung aber hat mir ein Licht angezündet, undich habe erkannt, daß ich zu Nichts von allem Dem geboren,sondern bloß deßwegen auf der Welt bin, um Gott nach seinemheiligen Willen zu dienen, und dann in den Himmel zu kommenund ewig glücklich zu sein." Merke dir dieses, mein Christ!Weder ein Papst noch ein König ist geboren, um Papst oderKönig zu sein, sondern um Gott zu dienen, ihn zu liebenund einst zum seligen Besitz der ewigen Liebe zu gelangen.

Fr. Ist denn der Mensch nicht hauptsächlich deß-wegen ans Erden, um durch den Besitz irdischer Güterglückselig zu werden?

Antw. Nein; denn unmöglich können die irdischenGüter den Menschen wahrhaft glückselig machen, weil1) alles Irdische eitel und vergänglich ist, und weil 2)der Mensch nur für Gott und eine ewigdauernde Glück-seligkeit erschaffen ist.

Belehrung. Die irdischen Güter sind uns von Gotthauptsächlich dazu verliehen, daß wir sie zur Erreichung unsererBestimmung, zum Dienste Gottes gebrauchen.Wir nennensie Güter," schreibt der heilige Clemens vonAlcxandrien,weil sie Gutes schaffen und zum menschlichen Gebrauche vonGott bestimmt sind. Wenn du die Kunst verstehst, sie gutanzuwenden, so sind sie' dir nützlich; wenn aber nicht, sosind sie dir schädlich." Sie gleichen einem Messer, womitman sich und Andere morden, aber auch für sich und AndereBrod schneiden kann. Das Messer an sich ist gut; es kommtaber darauf an, wie man es gebraucht. - Wir sollen alsodie irdischen Güter gut anwenden, nie aber unser Herz andieselben hängen; denn unmöglich können sie uns wahrhaftglückselig machen, da alles Irdische vergänglich ist.O wie viele Menschen sinnen Tag und Nacht darauf, wie sierecht viele Güter und Schätze zusammenscharren, recht viele Freu-den und Genüsse sich verschaffen können! Und doch wie baldist Alles vorüber! Der reiche Prasser war im Besitze großerSchätze und Neichthümer; täglich hatte er herrliche Mahlzeitgehalten und den Becher der Freuden bis auf die Hefe aus-geleert; aber welchen Gewinn hatte er davon? Er wurdenach kurzer Freude auf Ewig in die Hölle begraben!So ist alles Irdische vergänglich.Wie die Blumen," sagtder heilige Basilius,aus denen wir uns einen Straußbinden, schon anfangen zu verwelken, sobald wir sie abge-brochen; so vergeht auch alles Irdische, alle Freude, die wirauf Erden außer Gott genießen; während wir sie genießen,nimmt sie schon ab und verschwindet." Darum spricht schonSalomon:Ich sammelte mir Silber und Gold und dieSchätze der Könige und Länder. Und Alles, was meine Augen

verlangten, versagte ich ihnen nicht, und ich verwehrte meinemHerzen nicht, alle Lust zu genießen. Aber ich sah in AllemEitelkeit und Geistesplage, und daß Nichts von Dauer seiunter der Sonne." Ja, so ist es: die irdischen Güterkönnen uns unmöglich wahrhaft glückselig machen; denn sie sindeitel und vergänglich; der Mensch aber ist für Gottund eine ewigdauernde Glückseligkeit erschaffen.Darum macht schon der heilige Augustin das schöne Ge-ständniß:Ich habe meinen Geist und mein Herz in allenGenüssen der Erde gewälzt, aber nie befriedigen können; soward ich genöthigt, mich zu Gott zu wenden, und als ich ihnbesaß, habe ich ausgerufen: Du allein, o Herr! bist meineRuhe." Und ein anderes Mal that er den bekanntenherrlichen Ausspruch:Für dich, o Gott! hast du uns ge-macht; darum wird unruhig unser Herz sein, bis es Ruhefindet in dir."

Beispiel und Anwendung. Der heilige Bernhardhatte einst ein seltsames Gesicht. Ich sah, spricht er, dreiMänner, welche mir wie Thoren verkamen. Der Erste hatteden Mund voll Sand, welchen er beständig kaute. Der Zweitesaß an einem Moraste und athmete mit Begierde den stink-enden Dunst ein, der daraus hervorstieg. Der Dritte saßauf einem hohen Thurme und ließ sich den Wind in denMund wehen. Es jammerte mich dieser drei Männer, undich fragte sie um die Ursache ihres sonderbaren Thuns. Sieantworteten alle drei:Der Hunger quäls sie, und den wolltensie stillen." Ich sprach zu ihnen:Sand und Wind und Dunstsind wahrlich keine Gegenstände, um euren Hunger zu stillen,und wenn sie auch euren Magen anfüllen könnten, eure Seelewürde doch immer hungrig bleiben; denn die nach dem Eben-bilde Gottes geschaffene Seele kann sich zwar mit vielen irdi-schen Dingen beschäftigen, aber sie kann dadurch nicht befrie-digt werden; sie, die fähig ist, sich mit Gott zu vereinigen,kann durch etwas Geringeres nicht gesättigt werden." Ver-nimm nun die Deutung dieses Gesichtes! Unter dem Manne,welcher Sand kauete, werden die Geizigen verstanden, welcheTag und Nacht nach Geld und Gut trachten und sich bedünkcnlassen, dadurch den Hunger ihrer Seele zu stillen. Aber esgelingt ihnen nicht; bei all ihrem Geld und Gut hungernund dürsten sie nach mehr; aber ihre Seele wird nicht ge-sättigt.Sie essen," sagt die heilige Schrift,und werde»nicht satt." Dem Zweiten, der am stinkenden Dunstesich ersättigte, gleichen die wollüstigen Menschen, welchein den sinnlichen Genüssen Befriedigung für ihre Seele suchenund nicht finden. Unter dem Dritten, welcher mit seinemMunde den Wind auffing, werden die stolzen und ehr-geizigen Menschen verstanden, die sich glücklich wähnen,wenn sie hohe Würden bekleiden und von der Welt geehrtund gelobt werden. Aber wie sollte der eitle Wind irdischerEhren eine unsterbliche Seele sättigen können! Aus dieser Er-zählung des heiligen Bernhard magst du ersehen, o Christ!daß wir unmöglich mit irdischen Gütern den Hunger unserer