Druckschrift 
6 (1852) Die Gruendung Prags
Entstehung
Seite
402
Einzelbild herunterladen
 

L02

Die Weiber.

Ein weises Wort, Heil dir, Libussa, Heil!

Primisla » s.

Wer selbst sich Rache nimmt, verliert sein Recht,

Den trifft das Recht, der Rechtes Rache schwächt!

Blut tilget Blut, und Mord ist niemals gut,

Man wird euch thun, wie ihr dem Andern thut.

Nicht Mord ist Nothwehr, denu die Noth bricht Eisen,Der Schmerz darf aus dem Fuß den Dorn sich reißen.Ein Wort ein Wort, so lang ein Mann ein Mann,

Die Mannheit nehm ich dem, der Worte bricht,

Dem aber, der den Eid mir brechen kann,

Dem bricht den Stab des Lebens das Gericht;

Die Zunge, die ihn um sein Leben schwor,

Die werfe er auch selbst den Hunden vor.

Vor Allem heilig sei die Sicherheit,

Wer nur den Werth des Weidenstranges stiehlt,

Der ihn erwürge, hänge jederzeit,

Und wer mit List der Einfalt Gut erzielt,

Durch Rechtsumgehung und durch Nechtsverdrehung,Durch Rechtszertretung und durch Rechtszerknetung,

Durch Rechtsverrenkung, Kränkung, Lenkung, Schenkung,Durch Wucher, Lüge und Fürsprecherci,

Durch welche niedre Schuftenkunst es sei,

Den will ich drehen, treten, kneten, kränken,

Und den geschmeid'gen Rücken ihm verrenken,

Er soll die Schriften all hinunter fressen,

Mit denen er sich Fremdes zugemessen.

Ich rathe euch, ihr Richter, werdet blind,

Verlieret eurer Hände bös' Gefühl,

Geruch, Geschmack euch auch verboten sind,

Und schlafet nicht, fetzt euch im Sommer kühl,