Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

-IÜ5

sischcii Halbinsel, bis an das Tiefland von Zautsekiang und.kwangho, wohnen Völker, welche durch Bau, Sprache undCulins enge verwandt sind.

Ueber dieses weite Landcrgebiet herrscht Las Reich Leesonderbaren einsplbigen Sprachen, welches wir in der chine-sischen am genauesten kennen. Die chinesische Sprache istunter allen einsplbigen Sprachen die am meisten künstlich ent-wickelte und vervollkommnete. Die einsplbigen Sprachen,die niedrigsten und rohesten, sind übrigens nicht ans diesenTheil der Erde beschrankt, sondern die Anzahl der Sprachen,welche zn dieser Claffc gehören, ist bei weitem die größte unddiese sind am meisten über alle Welttheile verbreitet; sie las-sen sich, wie Friedrich Schlegel sagt, kaum anders, als nacheiner geographischen Eintheilnng, als nord- und ostasiatische,amerikanische, afrikanische u. f. w. znsammenfassen. DieseSprachen kennen nur einsylbige Wnrzelwörter und Grund-laute, entweder ohne alle Grammatik, oder doch nur mit denrohesten Anfängen und ersten Grundzügcn einer äußerst ein-fachen und unvollkommenen grammatischen Struktur verse-hen. Fn der Sprache, oder vielmehr in der Schrift derChinesen, sagt Fr. von Schlegel, findet sich, wie in der gan-zen intellektuellen Bildung derselben, der Character einerüber alles Maaß hinaus getriebenen und allen Begriff über-steigenden Künstlichkeit, wobei doch von der andern Seite einegroße innere Armuth oder geistige Dürftigkeit zum Grundeliegt. Für eine Sprache, fahrt dieser gelehrte Forscher fort,von nicht viel mehr als 300, nach dem neuesten kritischenForscher nicht mehr als 272 einsplbigen Grundworten ohnealle Grammatik, wo die ganz verschiedenen Bedeutungen des-selben und völlig gleichlautenden Wortes, zunächst blos durchdie abweichende Modulation der Stimme, nach einer vierfachverschiedenen Betonung, ganz vollständig aber erst durch dieSchriftcharactere bezeichnet werden, beläuft sich die ungeheureAnzahl dieser letzteren ans 80,000; während Me Anzahl dercgpptischcn Hieroglyphen sich nur auf etwa 800 beläuft; undist dieses chinesische Schriftsystem daS künstlichste auf der gan-zen Erde. Es tritt nicht selten der Fall ein, daß Chinesen,

tl- Vaud. 10

!

i