Druckschrift 
Luftfeuchtigkeit und Cholera : ein meteorologischer Beitrag zur allgemeinen Charakteristik der Krankheit
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

dien Beobachtungen an Orten,noch später einsclilagcn könnte.

wo die verheerende Krankheit vielleicht

9. Zusätzliche Bemerkungen.

1. Dass ich die Intensität der Krankheit zum Theil mit auf der rela-tiven Sterblichkeit basirt habe, darf nicht befremden.

mung, welche ich

Die Uebereinstim-

zwisehen dieser relativen Sterblichkeit und der Luft-feuchtigkeit gefunden habe, würde mich auf dem meteorologischen Stand-punkte schon allein dazu berechtigen; aber alle Nachrichten über das Ver-halten der Cholera im Grossen bestätigen es, dass bei grösserer oder ge-ringerer ärztlicher Pflege überall beinahe zwei Dritthcile der ErkranktenOpfer derselben werden. Es sind uns aus den öffentlichen Blättern dieVerliältnisszahlen bekannt, welche angeben, wieviel überall von tausendBewohnern erkrankt sind. Berlin steht hier unter allen bisher von demÜbel befallenen grossen Städten am günstigsten, und hat dies gewiss seinergesunden trockenen Lage überhaupt zu verdanken, wenn nicht auch derAnnahme eines westwärtsströmenden Luftmiasma gemäss ein grösseres Zer-streuen des Giftstoffes und daher ein sparsameres Einschlagen desselbenangenommen werden soll. In Beziehung auf die Intensität der Krankheitzeigt sich überall eine grosse Gleichförmigkeit; die Rechnung ist leicht.Die Data finden sich in den Zeitungen. Daher hier nur einige Beispiele:InKönigsb. starben b.z. 17.Nvbr. v. 2088*) Erkrankten 1271 also v. hundert 61In Magdeburg - - 23. - - 545 - - 337 - - 62

ImR.B. Potsdam - - 13. - - 858 - - 537 - - - 63

In der Stadt Berlin - - 24. - - 2162 - - 1392 - - 64

ImR.B.Stettin - - 1. - - 1364 - - 828 - - 65

In der Stadt Stettin - - 23. - - 355 - - 243 - - - 66

Für die relative Sterblichkeit ist also an allen diesen Orten ziemlichdasselbe Resultat hervorgegangen, obwohl man eine sehr verschiedenartigeärztliche Behandlung und Pflege namentlich auf dem platten Lande und inStädten anzunehmen berechtigt ist. Hierin liegt hauptsächlich der Grund,weshalb man zur Zeit noch die Mehr- oder Minderzahl der verliältniss-mässigen Sterbefälle an den einzelnen Tagen fast ausschliesslich der In-tensität dieser so heftigen Krankheit und nicht der verschiedenen therapeu-tischen Behandlungsweise zuschreiben muss.

*) Ueberall; ist von der officicll angegebenen Erkrankungszahl in dieser Rechnungder Bestand in Abzug gebracht. Aus andern Staaten führe ich die Beispiele nicht an,weil man oft auch lYervenfieberfälle u. dgl. den Erkrankungen beizählt und dadurchdie Resultate unvergleichbar macht.

3 *