1. V o r b e m c r k u n g.
Die Art mul Weise, wie sicli die Krankheit verbreitet, welche jetzt die Auf-merksamkeit des ganzen Europa fesselt, lässt keinen Zweifel übrig, dass einefeuchte tl. h. mit Wasserdunst stark angcfüllte Luft der Entwickelungoder Fortpflanzung dieses Übels sehr günstig sei. Die Ilauptzüge derKrankheit längs den Flussgebieten hin, ihr heftiges Auftreten in sumpfigenGegenden, ihr milderer Charakter auf trockenen Höhen, und manche ähn-liche Umstände hatten schon, che sic in Berlin eintrat, auf diese Eigen-tümlichkeit des Übels vielfältig hingewiesen, und die Stadttlieile, welchesie hier zuerst betraf, die Strassen, in denen sic am heftigsten wiithete, warengerade solche, die wegen ihrer feuchten Lage als überhaupt minder ge-sunde bezeichnet werden können. So bestätigte sich also gleich in denersten Tagen liier im Kleinen jene allgemein durchgreifende Erfahrung undder Hoffnung, welche, auf die im Ganzen trockene Lage Berlins gegründet, ei-nen milderen Charakter des Uehels in dieser Stadt erwarten liess, wurdedadurch eine bedeutende Stütze gegeben, die sich glücklicherweise alsnicht unhaltbar zu beweisen scheint.
Um nun jenen Zusammenhang des Cholera-Übels mit der Feuchtig-keit der Luft möglichst genau zu ergründen, stellte ich, sobald es mirnach einem damals vorgenommenen Wohnungswechsel möglich war, genauemeteorologische Beobachtungen an, bei denen ich es mir besonders ange-legen sein liess, die lirgrometrischen 1 eränderuftgen in der Atmosphäregenau zu eontrolliren, um hierdurch wo möglich zu ermitteln, in wie weitder Zusammenhang, der sich vermutlien liess, sich auch zu erkennen gebenwürde. Die Resultate meiner täglich um 6 Uhr Morgens. 9 I hr Vormit-tags, 12 Uhr Mittags, 3 Uhr Nachmittags, 6 Uhr und 10 Uhr Abends an-gestellten Beobachtungen theilte ich dem Publikum in der ersten Zcit-
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