gemein durchgreifende Untersuchung erst in Zukunft entscheiden. Mögenindess diese Zeilen zu ähnlichen Beobachtungen überall aufmuntcrn.
8. Folgerungen.
Wenn es schon gewagt ist, die Übereinstimmung zwischen Luftfeuch-tigkeit und Cholera - Intensität, welche sich in den Resultaten meiner Be-obachtungen so unzweideutig darlegt, für allgemein und durchgreifendzu erklären, bevor nicht andere Untersuchungen in [andern Gegendenund Climaten auf dieselben Ergebnisse geführt haben: so würde es nochgewagter sein, bestimmte Folgerungen über die Natur dieses Übels ausdiesen meteorologischen Beobachtungen zu ziehen. Sobald aber die Er-fahrung den hier in Berlin augenscheinlich hervorgetretenen atmosphäri-schen Einfluss als einen überall sichtbaren erwiesen hat, wird zunächstdie Folgerung ausser Zweifel sein, dass die Krankheit, aus noch un-erkanntem Keime entsprossen, während ihres Verlaufes in irgend einerGegend atmosphärischen Bedingungen unterworfen, und die mindere odergrössere Heftigkeit derselben weniger durch ein Contagium, das von Personzu Person übergebt, als durch jene atmosphärischen Einflüsse bedingt ist, eineFolgerung, die mit den hierauch anderweitig gemachten Erfahrungen nicht inWiderspruch steht. Ob man aber so weit gehen dürfe, ein Luftmiasma anzuneli-men, das uns von Osten zuströmend den Dunstkreis der Städte und Dörfer mehroder weniger inficirt, indem es bald Stellen, die kesselförmig durch Berge ge-schützt sind, überspringt, bald sich auf ganze Gegenden lagert, und über-haupt den nie vorherzubestimmenden mannichfaltigen nicht blos links undrechts sondern auch nach oben und unten wogenden Luftströmungen folgend,scheinbar zufällig bald hier bald dort seine Anwesenheit durch die furcht-baren Folgen in den durch irgend eine Abspannung der Lebenskräfte da-für receptiv gewordenen Individuen manifestirt, ist eine Frage, die zunächstnoch problematisch bleiben muss. Wohl ist es denkbar, dass die letztenfast gewitterlosen Jahre in dem niedern Dunstkreise schädlichen Stoffen,die besonders im Wasserdunst ihren Träger finden, eine Anhäufung gestat-tet haben, die dem Menschengeschlechte jetzt so verderblich wird. Diehier und da während der Cholera-Epidemie beobachteten Wirkungen der Ge-witter und Stürme scheinen fast darauf hinzudeuten. Doch hierüber kön-nen wir vor der Hand nur rathen und meinen, und am wenigsten möchte esdem Nicht-Arzte gebüren, aus so geringen Prämissen Folgerungen überdas Wesen der Krankheit zu ziehn. Wie dasselbe aber auch sein möge,so ist der Einfluss des Dunstsättigungsgrades der Luft bei dem Auftretender Cholera in Berlin fast unverkennbar und aufmunternd genug zu ähnli-