Die Erscheinung Karls Vlil. von Frankreich in Jta-lien mit sehr erleichterten und beweglichen Geschützen, wel-che auf Lasseten ruhten, die den heutigen ähnlich waren,veranlagte auch bei den Spaniern und Deutschen einegänzl.chc Umformung ihrer Geschütze, indessen blieben sieimmer noch sehr schwer und di« kleinsten derselben warenFunfzigpfündcr. — Man kann sich leicht vorstellen, daßnicht gesäumt ward, die Artillerie auch aus den Schif-fen zu gebrauchen. Eben dieser Karl VIII. hatte eineGalleaste, die mit schwerem Geschütz besetzt war. Alsder Herzog von Orleans, nachheriger König von Frank-reich , unter dem Namen Ludwig XII. die Armee des Kö-nigs Alphonsus von Neapel bei Rapello schlug, legtesich diese Galeaste nahe an das Ufer, und beschoß denFeind mit solcher Wirkung, daß sie vieles zur Niederlagedesselben beitrug. — Mit dem Anfänge des i6tcn Jahr-hunderts beginnt jedoch die wichtigste Epoche der Artille-rie seit ihrer Erfindung. Die Grundprinzipien ihrer in-neren und äußeren Einrichtung, die sich mit Modifikatio-nen selbst bis auf unsere Zeit erhalten haben, wurden indiesem Zeitraum durch Karl V. gelegt.
Zunächst wurden die Ungeheuern Donnerbüchsen um-geschmolzc» oder in die Zeughäuser verwiesen, wo sie,zum Theil als Seltenheiten, noch lange aufbcwahrt undgezeigt wurden, und ob zwar auch noch in diesen! Zeitraumsich Geschütze von außerordentlicher Größe oorfindcn, sowar doch nunmehr der wichtigste Schritt zur Verbesserunggethan und der ÜbcrgangSpunkt aus der alten in dieneuere Periode gebildet. Als ein Überbleibsel der vorigenZeit kann gezählt werden, daß man fortfuhr, eine gewisseEhre darin zu setzen, wenigstens einige Geschütze von einerUngeheuern Schwere und Größe zu haben. Ludwig XI.in Frankreich soll eine Kanone zu Tours chaben gießenlaßen» welche Zoo Pfund Eisen geschosten haben soll..