Senz-W Geschichte des Geschützwesens und der Artillerie in Europa, von ihrem Ursprünge bis auf die gegenwärtigen Zeiten. Mir besonderer Bezugnahme auf die preußische Artillerie. Don C. v. Decker, Major im König I. Preußischen Eeneralstabe. Zweite, völlig umgearbeitelc Auflage. Berlin und Posen, bei Ernst Siegfried Mittler. (StochLahn No. Z.) (Am Markt No. go.) 1822 . Vorwort zur ersten Auflage, das der Leser nicht überschlagen möge. 7 X. Nachträge für die Jahre r8lg bis rZ22 bei der preußischen Artillerie .igz XI. Litteratuc der Artillerie.. , r 64 Geschichte des GeschüHwesens und der Artillerie. Einleitung. Geschichte einet jeden Waffe muß für den denkenden und gebildeten Soldaten ein vorzügliches Interesse haben, und die Kunde von dem allmäligen Forkschrciten und Aufklimmcn der Vorgänger auf dem nur durch Wissenschaft, Beobachtung und Erfahrung nach und nach geebneten Wege kann ihm nicht gleichgültig seyn. Don allen Waffen aber gewährt die Artillerie ein eigen- thümliches Interesse, vermöge der ihr eigenen Originalität, welche ihrer Natur nach über sie verbreitet und durch manche technisch^ Individualität gesteigert ist. Oie letztere ist es hauptsächlich, welche die Artillerie noch vor kaum mehr als einem Dezennium mit einem gewissen künstlerischen Nimbus umgab, sie zur Zeit des Mittelalters zu einer Zunft n,achte, und endlich in den frühsten Zeiten — wo der Aberglaube noch mit finsterer Gewalt herrschte und Kenntniß der Natuckräfte Hexerei hieß — sie mit der fabelhaftesten aller Künste, mit der sogenannten schwarzen Kunst, in Verwandtschaft brachte. Bis in jenes Zeitalter ließe sich die Geschichte der Artillerie verfolgen, wenn sie nicht ihren Ursprung eigentlich von der Erfindung des Schießpulvers datiren müßte, obgleich schon vor demselben eine vielleicht noch gefährlichere Mischung unter dem A 2 Namen des griechischen Feuers bekannt gewesen iss, dessen Erfindung Einige den Chinesen, Andere den Arabern zu- schceiben. Oie Kunst, das griechische Feuer hecvorzubrin- gen, ist seitdem mit mehreren andern Künsten des Alter- thumS verloren gegangen; auch stellt uns die Geschichte eigentlich wenige notorische Beispiele auf, daß es im Kriege, besonders aber beim Foctschleudern der Geschosse, an- gewendek worden wäre. Was über diesen Punkt in der Geschichte der Kriegskunst ausgezeichnet sich befindet, kann wohl zu Dermuthungen, aber zu keiner Gewißheit führen. — Wir begehen daher kein großes Unrecht, wenn wir jene Epoche ganz außer Acht lassen und die Geschichte der Artillerie nur erst mit der Erfindung des Schießpulvers anfangcn, wobei wir im Allgemeinen der in Hoyers Geschichte der Kriegskunst angenommenen Einthcilung folgen wollen, und zwar um dem gebildeten militairischen Leser, dem dieses Buch wohl nicht fremd seyn dürfte, nicht mit neuen Eintheilungen beschwerlich zu fallen, welche — angenommen sie gelängen wirklich schärfer — zum eigentlichen Studium der Geschichte nicht wesentlich beitragen. Nichts desto weniger scheint eine Uebersichk der Materien bei einem so verwickelten und zusammengesetzten Gegenstände nothwendig, um das Nachschlagen zu erleichtern. (Siehe die Vorrede zur zweiten Auflage). Es ist hier der Versuch gemacht worden, beides mit einander zu vereinigen. Oie Perioden, welche Hoyer annimmk, find: I. Don Erfindung des Schießpulvers bis auf die spanisch-niederländischen Kriege (iä68)- II. Spanisch-niederländischen Kriege von r56g — l6og. III. Der dreißigjährige Krieg (i6lg—16D). IV. Kriege der Franzosen in den Niederlanden, in Deutschland und in Italien (i6rjg—17Z8). V. Periode der schlesischen Kriege bis zum französischen Revolutions-Krieg (17^0—1792). IV. Periode des französischen Revolutions-Krieges, bis auf die gegenwärtige Zeit. I. Allgemeine Geschichte der Artillerie und ihrer Fortschritte. Seit der Erfindung der Geschütze, kurz nach den Kreuzzügen, wo die größte Hälfte Europa'« erwachte, und sich aus der Finfierniß empor zu arbeiten begann, sieht die Geschichte der Artillerie, wie überhaupt die neuere Kriegskunst, im genauen Zusammenhänge mit der Entwickelung und dem Fortschceiten des Menschlichen Geistes. Bis dahin, besonders aber zu Anfänge der christlichen Zeitrechnung, bediente man sich im Kriege zu den Fernwassen ungeheurer Maschinen, welche durch rege gemachte Spannkraft große Balken und Felsstücke auf weiter Ferne hin- schleudertcn. Diese Maschinen, Ballisten und Katapulten genannt, entsprachen in gewisser Beziehung unfern heutigen Geschützen, so wie die Dogen und Schleudern, und späterhin die Armbrüste, welche von den vene- tianischen und genuesischen, und nächst diesen von den deutschen Schützen mit großer Sicherheit und Genauigkeit geführt wurden» unserm heutigen kleinen Feuergewchre. Oie Erfindung des kräftigeren und wirksameren Schießpulvers setzte zu Ende des rrsken Jahrhunderts jene Waffen größtentheils außer Kraft, und veränderte überhaupt die Form der Kriege in ihrem innersten Wesen. Ersah- rungssätze reichten zur allgemeinen Leitung eines Krieges nicht mehr hin, und das Kriegshandwerk ging allmälig As 4 zur Kunst und Wissenschaft über, in dem Maaße wie die naturhistorischen und mathematischen Wissenschaften nach und nach in dieses Gebiet gezogen wurden. Man kann daher mit ausschließlichem Rechte sagen, daß die Erstndung des Schießpulvers die größte und folgenreichste aller Umwälzungen in der Kriegskunst herbei- gesührt hak. Oer General Thiel'ault sagt über die Artillerie: „Diese Gattung von Waffen, welche durch ihre Größe, Gewicht und alles was zu ihrer Bedienung gehört, sich auszeichnen, die nur durch Hülfe der Pferde bewegt und gehandhabt werden können, die mehr oder weniger Menschen zu ihrer Anwendung erfordern, waren die Kanonen, der Morkier und die Haubitze, und erhielten den Namen Artillerie, mit den schon die altern Kriegsmaschinen bezeichnet worden waren, und der zugleich den Namen für das KorpS abgab, dessen Truppen die neuern Maschinen bedienten." „Oie Artillerie, diese neuere Waffe, das Resultat einer lange Reihe von Entdeckungen, die zu so vielen Kontcavcrscn Veranlassung gegeben hat und der Gegenstand so vieler Arbeit und Anstrengung gewesen ist, veränderte den Krieg zu Lande und zu Wasser. Jenen in Hinsicht auf Vcrtheidigung und Angriff fester Plätze, auf Gefechte und Schlachten; —diesen in Hinsicht auf die Möglichkeit, Schiffe zu zerstören, zu versenken und in Brand zu setzen, ohne sich ihnen zu nähern. Sie mußten deswegen nach ganz andern Grundsätzen erbaut werden, und die ältere Seetaktik war über den Haufen geworfen." „Bei der Deckheidigung der Plätze führte die Artillerie ein durchaus neues System herbei, das die Werke gegen Zerstörung deckte, ohne jedoch ihr Feuer untereinander zu hindern, damit sie sich gegenseitig schützen (stankiccn) und unterstützen konnten. — Beim Angriff der Plätze — abgesehen von den Minen, die durch die Erstndung des li Schießpulvers beim Angriff und bei der Verkhcidigung gleich nützlich angewendet werden konnten — veranlaßte die Artillerie, die Führung der Laufgräben unter dem Ecdhorizonk, siatt daß inan sie sonst zu erhöhen suchte, die Vertauschung der Transcheen mit den Thürmcn u. s. w." „In den Schlachten und Gefechten kamen, vor dem Gebrauch des Schießpulvers, nur zweierlei Kräfte in Anwendung, nämlich die des Fußvolks und der Reiterei. Oer Schleudccwaffen bediente man sich selten, und der Druck der Massen entschied alles. Oie Dortheile der tiefen Stellung wurden durch nichts ausgewogen, und es kam nur darauf an. seinen Feind zu sprengen und dadurch zur Flucht zu zwingen. Selten sammelte sich eineTruppc von neuem, wenn sie einmal in Unordnung gekommen war, und ein einziger solcher Augenblick entschied oft das Schicksal des Gefechts. Oer Weichende war auch der Geschlagene, der Sieger erlitt nur geringen Verlust, und auf einem einzigen Punkt reichte ein Augenblick hin, die Schlacht zu entscheiden, den Krieg zu endigen und eine ganze Provinz zu retten oder zu unterwerfen." „Oie Artillerie warf diese ganze Taktik über den Haufen. Oie Masten niederschmetternd, schränkte sie die Formation derselben auf den Augenblick ein wo sie handeln sollten, und verringerte sie aus ein Bataillon oder ein Regiment. Sie verwandelte den Krieg in eine Reihesolge von schnellen Manövern und weitläuftigen Kombinationen. Man wurde gcnörhigt, sich in weiter Ferne zu entwickeln, die Formation zu vervielfältigen und sich in mehrere Linien zu stellen. Oer Anrann n diesem Kriege der Artillerie überhaupt zuerst bedient. Oie Dene- tianer schienen nach mchrern Niederlagen zur See verloren zu seyn, als sie aus Deutschland, und wahrscheinlich von den süddeutschen Handelsstädten mit denen sie im Bunde waren, viele Donnerbüchsen und Düchsenmeister erhielten. Mit ihnen schlossen st? die Genueser in ') lieber den ersten Gebrauch der Artillerie zur See, stehe Berkündiger igii. Nr. pz. Ehiozza (oder Chioggia) am adriakischcn Meere ein und nahmen sic gefangen. Man sing nun an, daü Geschütz für den Gebrauch bei Belagerungen einzurichten, und es gab besonders den Belagerten ein großes Uebcrgewicht über die Belagerer. Die kleine Stadt Strasburg in der Ukecmark schlug schon ,/sig die Belagerung der Herzoge Johann und Al- brecht von Mcklenburg und ihrer Bundesgenossen, die Herzoge Erich von Sachsen - Lauenburg und Otto von Stettin glücklich ab, als sie bei der Fehde mit Friedrich I. Burggraf zu Nürnberg und nachherigen Kurfürsten von Brandenburg mit mehr ala 1000 Mann in die Ukecmark einsielen und Strasburg belagerten. Wenn man indessen den Deutschen die eigentliche Erfindung des Schießpulvers und der Geschütze mit Recht zuschreiben muß, so darf man aus der andern Seite den Franzosen nicht absprechen, daß sie wiederum die ersten waren, welche entscheidende Schritte zur Verbesserung des Geschützwesens gekhan haben. Sie sind unS bis auf den heutigen Tag darin vorauögcblieben; denn wäre dem nicht so, wie würde z. B. die preußische Artillerie, die beständig unter den deutschen Artillerien eine ächte Originalität behauptet hak, in der neuesten Zeit fast alle mechanische Einrichtungen der Franzosen angenommen haben? Nur von den Engländern sind die Franzosen in der neuern Zeit ubertrossen, von den Rußen fast erreicht worden. Bei der Höhe der Stufe, aus der jetzt die Arkillericwissenschafk in Europa steht, wird diejenige Artillerie in technischer Hinsicht die beste scyn, welche die meisten Mittel — also mit klaren Worten zu reden, das meiste Geld — aufzubieten und auf ihre mechanische Einrichtung zu verwenden vermag. General Thiebault datirt die Kanonen von iZZ 6 her und sagt, sie wären sämtlich sehr mangelhaft gewe- sen, woran offenbar die mechanischen Wissenschaften, die damals noch in ihrer Kindheit lagen, schuld gewesen sind. Er behauptet, daß bis zum Jahre 17Z2 die Kaliber sowohl wie das Gewicht und die übrigen Verhältnisse der Geschütze ,lediglich durch den Eigensinn des Gießers bestimmt worden wären. Hierin ging er unbedingt zu weit» denn schon Karl V. und Gustav Adolph beschäftigten sich persönlich mit Entwürfen für die Länge und das Kaliber der Geschütze; der letztere hat sogar mit eigener Hand Zeichnungen neuer verbesserter Kanonen entworfen. Bereits vor dem Zo jährigen Kriege war der erste wichtige Schritt zur allgemeinen Einrichtung der Artillerie bereits gcrhan, und der nachkommenden Zeit blieb eigentlich nur noch zweierlei zu thun übrig, nämlich: 1) An Verminderung der Schwere der Geschütze zu arbeiten, um sie in, Felde bequemer mikführen und besser gebrauchen zu können, und dadurch dem Vor- urtheile entgegen zu wirken, als scy die Artillerie, gle:ch den alten Wurfmaschinen, nur eigentlich bei Belagerungen zu gebrauchen. 2) Schnellere und leichtere Bedienung bei derselben cin- zusühren, und Grundsätze für ihren zweckmäßigen Gebrauch im Gefecht, wie für ihre Wirksamkeit durch vortheilhofte Ausstellung (Placirung) sestzustellen; überhaupt alles was zur reinen und angewandten Bcw egungL- und EesechtSlehrc (Taktik) der Artillerie gehört. Wir werden weiter unken sehen, wie diese beiden Punkte nach und nach zu dein Grade hoher Vollkommenheit der gegenwärtigen Zeit, vorzüglich in drei wichtigen Epochen der Kriegsgeschichte: des dreißigjährigen Krieges, der drei Schlesischen und des RcvolutionskricgeS; und durch drei große Männer und ihre Zeitgenossen, Gustav » Adolph, Fried richdenGcoßen und Napoleon, ge- 10 langt sind. Diese drei Männer verstanden die Kunst, auch die Artillerie dem Geiste und Charakter ihrer Zeit und ihrer Kriege anzupassen, und sie, wie jeden andern Tk,eil der Kriegskunst, stufenweise bis zu dem Grade der Vollkommenheit zu bringen, in dem wir sie heutigen Tages sehen. Der spanisch - niederländische Krieg hatte mehr aus einer fortwährenden Reihe von merkwürdigen Belagerungen bestanden, und sich weniger durch große und folgenreiche Feldschlachken ausgezeichnet, daher mußte sich begreiflicherweife auch das alte Vorurkheil: als sey der Bcla- gerungskricg die Hauptbestimmung der Artillerie, und ihre Anwendung im freien Felde nur Nebensache, nicht nur erhalten, sondern es vielmehr noch vergrößern. Für die Ausbildung der Wurfgeschütze, der Mörser und Haubitzen, für die Bomben und alle Arten von Kunstfeuer, wie auch für die mechanische Einrichtung der Geschütze war in jener Periode mehr geschehen, als in irgend einer der früheren oder späteren; weniger war man jedoch bemüht gewesen, sie für den Feldgebrauch einzurichten und bequemer zu machen. Ileber die Fortschritte des GeschützwefenS ln Frankreich in der Periode des Zo jährigen Krieges sagt Thiebault folgendes: Nachdem man angefangen hatte, die Artillerie auch im freien Felde zu gebrauchen, ließ man sie gegen Truppen und mit Truppen, gegen Feldverschanzungen und Schiffe, gegen Nedoukcn und Batterien, und überhaupt gegen alles auftreken, was man nur mit ihren Geschossen erreichen konnte. Um ihre Gewalt zu vermehren, veränderte man ihre Gestalt, und führte verschiedene Richtungen ein, nämlich die direkte oder horizontale, und die indirekte oder parabolische, indem man sie kalke und glühende, Ketten- und Stangen-, hohle und volle Kugeln, Büchsen- und Trauben- 11 kartätschen schießen ließ. Man wandte eine Art Schleu- dcrschuß an, und warf 6 zöllige Bomben aus ZSPsündern, auch größere Bomben mit kleinern Geschützen Oie Geschütze wurden dabei eingegraben, bis sie einen Aufsatz von 45 Grad hatten, die Bombe oben auf der Mündung seflgebunden und mit einer Lunte angezündek. Das Battcriegeschütz wurde bei den Schweden durch kommandirte Musketiere, bei den Kaiserlichen durch Reiterei gedeckt, wenigstens bewachte das halbe Kavallerie- Regiment Herberstein TillyS Geschütz in dem Treffen bei Wimpfen 1624, In Frankreich errichtete Ludwig XIV- im Jahre 1671 ein eigenes Regiment Artillerie-Bedeckung. Bei den Deutschen kani es dagegen noch lange nicht dahin, indem sie fortfuhren, die Geschützkunst als eine Zunft zu treiben. Weich einen wichtigen und wohlthärigen Einfluß auch die Regierung Ludwigs XIV. auf die Artillerie, wie auf alle übrige Zweige der Kriegskunst, in Frankreich gehabt hatte, und der leider unter seinem Nachfolger wieder bedeutend herabsank, so wird dieser Einstuß doch durch die Periode erreicht, wo nicht übertroffen, in welcher der größte Monarch aller Zeitalter: König Friedrich der Große auf der Bühne der Welt als Herrscher und als Feldherr auftrat. Mit einem, von seinem Daker vorkref- lich organistrten und krieggeübten Heere, verbündet mit den Franzosen und Sachsen, betrat ec im ersten Schlesischen Kriege den Schauplatz, um von Leopold von Dessau siegen zu lernen. Bald darauf, von allen seinen Verbündeten verlassen, trotzte er — im sichern Vertrauen auf die eigene Kraft — im siebenjährigen Kriege dem Welren- drange von außen, wie der Fels dem Meeressturme. Doch es bedarf nicht eines Lobes, das von vielen tausend Zungen und manchen würdigen Biographen bereits ausgesprochen und niedergeschrieben wurde, das durch reiche 12 Thaten noch in der spätsten Nachwelt, noch durch viele Menschenaltec hindurch leben und nachhallen wird, und das weit erhaben ist über alle niedere Anfechtungen und unwürdige Schmähungen, welche, durch verkehrte Auffassung des Zeitgeistes, über- und verbildete Queerkvpfe auü- gebrütek und in die Welt geschickt haben. Das dänische Geschütz zeichnete sich immer noch durch Schwerfälligkeit aus.^ Ais Begründer eines verbesferten Systems für das Gefchützwesen in Oännemark ist Wilh. Hukh (gcb. 1712 zu Kostwitz in Sachsen, gest. 7. Mai zu Kopenhagen) anzuschen. Er trat aus Hesfcnkassclfche Dienste in Dänische. Friedrich der Große hakte ihn im siebenjährigen Kriege kennen gelernt und wünschte dem Könige von Oännemark Glück zum kleinen Huth mit einein großen Kopfe. Mehr von ihm findet man in den Ergänz. Bl. zur Hall. Litt. Zeit. 18S, Nr. 108- Oer französische Revolutions-Krieg hat die bis dahin gewohnte Kriegführung in ihren Grundfesten erschüttert, die alte Taktik über den Haufen geworfen und eine neue Ordnung der Dinge im ganzen Gebiete der Kriegskunst hecbeigeführk. Zwei mächtige Ursachen find dabei vorherrschend: das zerstreute Gefecht, und das Requisits 0 n s sy sie m. Es würde uns zu weit führen, wenn wir die Wirkung dieser Ursachen, wie sie sich aus die gesamte Kriegskunst geäußert haben, tiefer verfolgen wollten, wir müssen uns daher aus die Veränderungen beschränken, welche die Gcschützwisfenschaft durch sie erlitten hak, Vor allem treten in dieser Periode zwei Bestrebungen ganz besonders hervor: Erstlich, die Sucht die Geschütze zu erleichtern, welche fast ihren Gipfel erreichte; zweitens die Vermehrung der Geschütze bei den kriegführenden Armeen. Den leichten, fessellosen> ungebundenen Neufranken, 13 die Von Krieg fast spielend führten, ihr Brod im Quersack ihre Patronen in der Rocktasche trugen, — ihnen konnte die Artillerie nicht leicht genug eingerichtet seyn, wenn sie ihnen bei ihren zwanglosen Manövern folgen sollte. Sie konnte ferner in nicht zu großer Masse bei dieser neuen Armee vorhanden seyn, da sie auf der einen Seite dasjenige ersetzen mußte, was eben diejer Arnicc auf der andern an Kriegsübung, Ausbildung, Disziplin und Erfahrung abging. Das Getöse der Kanonen sollte den Neufranken Muth einslößcn oder vielmehr sie betäuben; in der ungeheuren Anzahl der Geschütze sollten sie das Vertrauen finden, das sie zu ihrer geringen taktischen Fertigkeit und mangelhaften Disziplin nicht haben konnten. Daher sah man einestheils die Zahl der Geschütze sich bei den Neufränkischen Heere täglich mehren, und an- dcrnkheils haschren sie begierig nach jeder Erfindung, welche die Erleichterung und Beweglichkeit der Geschütze begünstigte. Bon allen Erfindungen dieser Art mußte ihnen daher die der reitenden Artillerie, von ihnen arciilo- rio volanro genannt, ganz vorzüglich Zusagen; denn sie paßte so ganz für ihr System und für den bei ihnen herrschenden Geist. Sie faßten sie mit dem Feuereifer auf, den der Freiheitsschwindel in ihnen entzündet hakte. Nach dem Baseler Frieden trat bei der Preußischen Artillerie eine Pause in ihrer Vervollkommnung ein, gleichsam wie die Abspannung nach ungewöhnlicher Anstrengung. Wie verderblich dies, und die darauf folgende lange Waffenruhe gewirkt hak, werden wir aus dem Folgenden sehen. Es war eine Periode, ähnlich der, wie sie die Französische Artillerie vor dem Erscheinen Gribauvals erlebt hak. Bei den Franzosen wurde die Regiments-Artillerie für lästig erklärt und abgcschasst P, bei den Preußen er- ') Napoleon Hat sie Igo5 wieder eingefüHrk, aber mehr hielt sich diese Einrichtung, für die der General v. Tem- pclhof sehr eingenommen war, immer noch und bis zum Jahre tgc>7, wo ihre Auflösung von selbst erfolgte. Die Regimentskanonen wurden durch Leute von der Infanterie, die das Jahr über nur 2k Tage im Dienst waren, bedient, durch abgegebene Artillerie-Unteroffiziere geführt Und von kommandirten Infanterie-Offizieren befehligt. Im Felde waren sie den Unteroffizieren überlassen. Man steht, daß diese Einrichtung, schon aus Mangel an Einheit, nicht Bestand haben konnte. In, Jahre 1799 erhielt die Pceuß. Artillerie einen neuen MvbilmachungSplan, der auf die unter der vorigen Regierung angenommene Eintheilung, daß nämlich eine Kompagnie zwei Batterien re. besetzte, gestützt war. Die Einheit war dadurch auf das höchste verletzt, was nicht anders als nachtheilig bei einem spätern Kriege werden mußte. Den Beweis hak der Feldzug von rgo6 geführt, nach dessen Beendigung der Prinz August von Preußen die ganze ältere Einrichtung umwarf. Jener sogenannte neue Mobilmachungsplau drehte sich in vielen Stücken um leere Formen ohne allen praktischen Nutzen und erschwerte den eigentlichen Dienst im Felde im höchsten Grade. Es scheint, als wäre alles Praktische mit Gewalt dabei aus den Augen gesetzt worden Die StaabSofstziere erhielten Bakterie» unter ihrem Befehl, die sie nie vorher gesehen und gekannt hatten. Der fünfte Offizier einer Staabs - Kompagnie ward zum Adjuvanten kceirt, gleichviel ob ec sich dazu paßte oder nicht re. Man kann wohl um durch eine überaus zahlreiche Artillerie zu imponiren, und durch die Anwesenheit einiger Kanonen seinen jungen Truppen Math einzuflößen, als weil er von ihrem Nutzen durchdrungen seyn mochte. Er hat übrigens alle Regiments-Artillerie an ei» nem Tage einzebüßt; was sich rettete war Divisions-Artillerie. 15 sagen, daß die Preußt Artillerie in den unglücklichen Feldzügen von 1806 und 1807 die Feuerprobe der schmerzlichsten Erfahrungen auShalken mußte; alle ihre Mängel, durch einen langen Frieden gehegt und gepflegt, traten an das Licht und rächten sich auf das Bitterste. Es gehörte die ausgezeichneteste Thätigkeit der Offiziere dazu, uni die organisatorischen Gebrechen einigermaßen gut zu machen. — In den ausübenden Thcilen der Wissenschaft nur durch schriftliche oft pedantisch abgefaßke und für den Geist des neuern Kriegssystems nicht mehr passende Uebcr- lieferungen unterrichtet, waren die Artilleristen und Unteroffiziere, ja selbst die jüngern Offiziere meistens Laien in allem was zum praktischen Dienst im Felde gehört. — Die Stückknechte und Pferde erhielt die Artillerie — beide in völlig rohem Zustande — erst wenige Tage vor dem Ausmarfche. Oie Bekleidung der erster» war bejammernswürdig, ihr Loos das traurigste, denn halbinvalide Kavalleristen waren, unter dem Namen der Schirrmeister, ihre Befehlshaber. — Auf das Geschirrzeug wurde wenig verwendet und es befand sich nach dem ersten Marsche gewöhnlich unter den Händen des Sattlers. — Nicht minder mangelhaft war daü übrige Materiale. Zimmermann und Grobschmied hakten daran gepfuscht, nicht ein Rad war dem ändern gleich, nicht ein Rohr paßte in eine andere Lastete, und oft nur so eben in seine eigene. — Sogenannte Dorrathssachen wurden auf eine widerfinnige Weise auf einer leeren, ebenfalls zum Vorrath bestimmten. Lastete mikgeführt, allein sie erfüllten diese Bestimmung schlecht, denn sie waren mit den Dingen, die sie ersetzen sollten, nicht übereinstimmend angefcrkiget. — Die Fuhrwerke waren mit unnützen Eisenbeschlägen überladen, von denen sich der Hemmapparat durch ^Mangelhaftigkeit noch auszeichnete. — Auf der einen Seite mußten die Bakterien eine Menge unnützer Dinge mit ins Feld nehmen und umhcrschleppcn, und auf der andern litten sie Mangel an den nöthigstcn. Schwerfällig ausgerüstet, mittelmäßig bespannt, mit unpraktischen Leuten besetzt, und auf einen sparsamen Feld- Etat beschränkt, rückten die Bakterien ins Feld und wurden den andern Truppen überwiesen. — Beide begrüßten einander als Fremdlinge. Aus Unbekanntschaft mit ihrem ganzen Wesen wurde die Artillerie lischt selten von den übrigen Truppen neugierig beschaut und doch sollten beide, vielleicht schon am folgenden Tage, gemeinschaftlich zum Siege wirken. Man machte damals den Artilleristen den Borwurf, daß sich ein gewisser Dünkel unter ste cin- geschlichen hätte, allein dies war wohl sehr natürlich, weil sie stch wissenschaftlicher gebildet fühlten-. Aber aus der andern Seite stclen sie in einen eben solchen Fehler, denn die Gefcchtslehre der andern Waffen war ihnen vechält- nißmäßig noch fremder. Im Felde, aus Märschen und in Quartieren nur als ein Hinderniß angesehen, von den Klägern als ein noth wendiges Uebel betrachtet, nur im Gefecht willkommen geheißen, und nach demselben wieder vernachläßigek, — wer mag die Artillerie tadeln, wenn ste stch immer mehr und mehr in stch selbst zurückzog, wenn das bittere Gefühl ihres verkannten WcrthcS eine Harke Rinde erzeugte, die kaum ein zehnjähriger Heller Sonnenblick späterhin zu schmelzen vermochte. Einer Batterie von 8 bis io Geschützen waren nur zwei Qf ziere zugetheilt; bei Entsendungen führten junge Lieutenants oder Unterofstzicre Abtheilungen von einer Stärke, die dem Befehle eines StaabSofstzierS nicht unangemessen gewesen wären. Dadurch entstanden unzählige Kollisionen, bei denen die Artillerie jedesmal den Küc- zern zog. Im Gefecht ward die Sicherheit der Artillerie oft preis preis gegeben, denn die Grundsätze Karls V., Ludwig» XIV. und Friedrichs II. über diesen Punkt waren größtenteils in Vergessenheit gekommen, und die andern Truppen machten die Beschützung der Artillerie nicht immer, swie heut zu Tage, zur Ehrensache. s Ucbcr die Gefechtslchre der Artillerie waren die Artilleristen damals selbst nicht einig, um wie viel weniger konnten es die andern Truppen seyn. Die Artillerie auf die höchsten Höhen schleppen, das war der hochgefeierke , Grundsatz, den einer dem andern nachleiecke, ohne sich viel um das Wie oder Warum zu kümmern. So war der Zustand der preußischen Artillerie in jener unglücklichen Periode. Und dennoch erfüllte sie ihre schweren, gefahrvollen und harten Pflichten mit Strenge und Eifer; dennoch trotzte ste dem Feinde Furcht, dem eigenen Heere Achtung ab, wo ste nur ihre Feuecschlünde donnern ließ. Welch ein reicher Stofs muß daher in ihr , enthalten gewesen seyn, da selbst die verkehrtesten Maaß- regeln ihn nicht ganz zu zerstören vermochten. Napoleon soll in Tilsit gesagt haben: „Wäre alles in der preußi- „schen Armee, wie cs die Artillerie ist, ich wäre nicht so- „bald nach Tilsit gekommen." — Dies ist vielleicht die größte Genugthuung die ihr jemals werden konnte. Endlich brach die Morgencökhe der Preußischen Artillerie an. Es war einem Prinzen aus dem erlauchten Königshause, mit seltenen Eigenschaften ausgerüstet, Vorbehalten, ihre Wiedergeburt zu begründen, sie emporzuheben, und aus dem Dunkel an das Licht treten zu lasten; mit den übrigen Waffen des Heers innig zu verschmelzen und auf die Stufe der Vollkommenheit zu führen, auf der wir ste heute sehen. — Im Jahr igog wurde der Prinz August von Preußen zum Oberbefehlshaber der Artillerie ernannt. In dem kurzen Zeitraum weniger Jahre, im steten Einklang mit dem zu früh verblichenen D weisen Scharnhorst, ist es ihm gelungen, unterstützt von den khäkigsten und einsichtsvollsten Männern des Ac- tilleriekorpS, deren Namen die Geschichte mit Hochachtung nennen wird, ihr die verwitterte Schaale abzustreifen und aus dem reichhaltigen Kerne einen kühnen Baum zu erschaffen, der eine Lust und Freude ist für den König und das Heer, und unter dessen Zweigen das Vaterland mit Sicherheit und Zuversicht ruhen kann. II. Geschichte des Schießpulvers. Mit Unrecht schreibt man die Erfindung des Schieß. pulverS dem bekannten Franziskaner-Mönche Berkhold Schwarz, sonst Konstantin Anglitzen genannt, im Jahre iZi5 zu; denn es ist ausgemacht, daß schon vor seiner Zeit diese furchtbare Mischung, wenn gleich nicht ihre zerstörende Kraft, bekannt war. Daß Berthold Schwarz ') nicht der Erfinder war, beweiset Hock im Morgenblakt (ign. Nr. Zo.). Daß die Indier schon das Pulver gekannt haben sollen, behauptet Mauritius (Incliaa -iuttguiriis igoi). Daß der chinesische Kaiser Ditey mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt gegen die Tartaren sogar schon Pulver und Kanonen gebraucht haben soll, sagen Botte und Riffault in ihrem lesens- werthen Iraite üo l'srt 333- wegen der Nachtheile seiner Erfindung oder eigentlich nur Nachahmung, haben enthaupten lassen. 19 Auf dem Harz soll man das Pulver schon im raten Jahrhundert gekannt und gebraucht haben, um das Gestein im Rammelsberge bei Goslar zu sprengen. Pfalzgraf Heinrich am Rhein, ein Sohn Heinrich des Löwen, soll im Jahre raoo die Mauern eines alten Schlosses beiTyruS damit gesprengt haben. Rach Einigen soll Roger Bacon (von Tempelhof fälschlich Robert Bar o, ider berühmte englische Philosoph genannt) der zu Anfänge des iZten Jahrhunderts in England lebte, der Ersin- dcr des Schießpulvers gewesen seyn, was auch nicht ohne Wahrscheinlichkeit ist. Daß er schon 1258 das Pulver sehr gut kannte, geht aus seinem Werke: „Über die Richtigkeit der Zauberei" hervor. Oie Wirkung des Salpeters war wenigstens zu jener Zeit schon bekannt. (Siehe Koger Lscon opus insjus Hgg und Lpierolgo Selbst das griechische Feuer muß in seinen Bestand- thcilcn Salpeter, und nicht — wie Einige behaupten — Raphta enthalten haben, da es, nächst seiner unauslösch- baren Flamme, auch wegen seiner Exploston furchtbar war. Nach Hoyer soll der Grieche KallinikuS aus Heliopolis, der eigentlich ein Baumeister zur Zeit Konstantin des Langbärtigen war, das griechische Feuer erfunden und zuerst 668 bei der Belagerung von Konstantinopel gegen die Araber angewendet haben. Oie Geschichte des griechischen Feuers hat mehrere Bearbeiter gesunden. Man lese darüber Morgcnblatt (i8ich Nr. 226.); Freimüthigen (1812, Nr. 12g.); Oupre allzerstörendes Feuer unter Ludwig XV. von Frankreich. Zu Ludwigs IX. Zeit gebrauchten es die Türken gegen ihn, da wo .der Nil sich in zwei Arme theilt. Das Feuer bestand aus Raphta, Schwefel und Harz, und ward auch das Feuer der Medea genannt. Es konnte nur durch Sand, Urizi B 2 20 und Weinessig gelöscht Weeden. (Siehe lungsblatt igr?, Nr. 6g.) Oie Araber sollen i 2 ^Z in Spanien, wenn nicht das heutige Schießpulver, doch eine demselben ähnliche Mischung gekannt haben. Don den Chinesen behauptet man sogar, daß sie Pulver und Kanonen lange vor der Ankunft der Portugiesen in Indien gehabt! hätten. Späkern Angaben zufolge, soll das griechische Feuer seinen Namen mehr dem > in der Mischung enthaltenen griechischen Harze zu s verdanken haben, als daß es von den Griechen erfunden oder zuerst angewendet worden wäre. Später, bei der Belagerung von Ptolemais (isgo) verbrannte ein Kup- ferschmid aus Damaskus die Wandelkhürme der Kreuzfahrer, indem ec eine Mischung von Naphta (Dergöl) in ehernen Töpfen kochte bis sie völlig glühte, und sie dann auf die feindlichen Thürme hinausschleudertc. So viel scheint indessen aus allen ältern Überlieferungen allgemein hervorzugchen, daß die Araber die ersten sind, welche die Kunst der Feucrwerkerei ausübend getrieben haben. Jedoch stimmen darin fast sämtliche alte Chroniken und Geschichtschreiber, sowohl deutsche als fremde überein, daß die eigentliche Mischung des Schießpulvers, wie es in der Folge gebraucht wurde, und besonders die Erstndung der Geschütze in der ersten Hälfte des ltsken Jahrhunderts in Deutschland von jenem Franziskaner-Mönche Berkhold Schwarz gemacht worden scy. Oer General v. Tempelhof sagt in seinen hinterlassenen Werken über die Artillerie (herausgegeben von Gaugröbcn) folgendes darüber: „Gewiß ist es, daß man schon vor Schwarz eine Vermischung von Salpeter, Schwefel und Kohlen gekannt hak, wodurch man einen starken Knall und ein Helles Feuer hervorbrachke, wenn man diese Vermischung anzündete; allein man wußte noch nicht, daß man sich dieser Vermischung bedienen könnte, um schwere Körper bis auf eine 21 i z ' gewisse Weite zu treiben, und dies war dem Schwarz Vorbehalten. Dies beweist auch die Geschichte von der Art, wie Schwarz auf die Entdeckung gekommen war. Ec Hatte nämlich seine aus Salpeter, Schwefel und Kohlen bestehende Vermischung untereinander gerieben und in einen gewöhnlichen Mörser gcth^zi^ den er mit einem Stein zu- deckke, damit keine Unreinigkeiten hineinfallen sollten. Durch einen Zufall fällt eine Funke in diesen Mörser. Plötzlich entzündet sich die Vermischung, und wirft den Stein beinahe bis an die Decke des Zimmers in die Höhe. Diese durch das Feuer hcrvorgebrachte Wirkung der Vermischung machte den Schwarz aufmerksam, und er sah ganz deutlich, daß dadurch eine Kraft entstand, welche vermögend war, ziemlich schwere Körper bis auf eine gewisse Weite zu treiben; und wahrscheinlich werden mehrere Versuche die er angestcllt haben wird, und die, wenn die Buchdcuckerkunst damals schon erfunden gewesen wäre, er uns vielleicht aufbewahrt hätte, ihn in dieser Meinung bestärkt haben." — Zum Beweise, daß man schon früher mit dem Gebrauch des Schießpulvers und der Feuer- gcschütze bekannt gewesen sey, als die Geschichtschreiber zum Theil annehmcn, wird im Anfänge des Uten Bandes der Geschichte der Kriegskunst eines Manuskripts über die Eeschützkunst aus der Mitte des täten Jahrhunderts erwähnt, das neuerlich von dem Or. Ho che in der Bibliothek des verstorbenen Preuß. Ministers v. d. Horst in Wcstphalen, aufgefunden worden ist. Man steht aus demselben, .daßozu der Zeit, wo der Derf. des Manuskripts lebte, ."dle^Geschützkunst nicht mehr ganz in ihrer ersten Kindhsik7>par, sondern daß ste schon einigermaßen wissenschaftliche Fortschritte gemacht hakte. Die Jahrzahl des Manuskripts ist iHHä, der Name des Derf. aber unbekannt. Oie Erfindung des Schießpulvers schreibt derselbe ebenfalls dem Niger Lereliloläus (dem schwarzen 22 Derthold) zu, was indessen — nach Hoyer —keinen Beweis dafür abgeben soll, indem diese Angabe zu sehr das Gepräge jener alten allgemeinen Sagen zu tragen scheint. Über die Erfindung des Schießpulvers verdienen nachgelesen zu werden; lVIsurillon, es3si »ur I'iallust/cs 5 , Nr. 86. — Nognier, Werkzeug zur Prüfung der relativen Stärke des Schießpulvers, und Rezension darüber in denGökkingifchen gelehrten Anzeigen 1816, rjiSkück. » Das erste Schießpulver wurde nicht gekörnt, sondern als Mehlpulver gebraucht, weniger aus Unwissenheit, als vielmehr weil die ersten aus eisernen Stäben gemachten Geschütze der Kraft des gekörnten Pulvers keinen Widerstand zu leisten vermochten, vielleicht auch, weil es an Mitteln es zu körnen fehlte. Erst lange nachher sing man an, gekörntes Pulver zu den kleinen Feucrgewehren zu gebrauchen (der Bequemlichkeit des Ladens wegen)/lm»ährend das Mehlpuloer für Kanonen beibehalken wqrö. > Tär- taglia, ein berühmter italienischer MathMätIker,s:der Erfinder der kubischen Gleichungen, die mit Unrecht'-dem Cardan zugefchrieben werden, sagt dies in feinen l^uesit! lib. Z. ques. g und 10. ganz bestimmt, und William Bö urne, vierzig Jahre nach Tarkaglia, in seiner srt ok «dootiag in great orrloansnce, Kap. 1., daß das Schlan- 23 gcnpulver, als Gegensatz des gekörnten, so fein wie Sand und Staub seyn müsse; und Kap. 3., daß 2 Pfund gekörntes so viel wirken, als Z Pfund lMehlpulver. In dem Wörterbuche der Marine von Heinr. Mantzwai- ring, das dem Herzoge von Buckingham unter Karl l. gewidmet ist, steht unter dem Artikel: Pulver, das nämliche. RobinS glaubt indessen, daß das gekörnte Pulver weit früher allgemein gewesen sey, als diese Schriftsteller cs meinen. Das erste Büchsenpulver wurde rItjtj in Spanien gebraucht. Nach Biringoccio bestand das Schießpulver unter Karl V. aus Z Theilen Salpeter, i Theil Schwefel und 2 Theilen Kohlen; oder aus 5 Salpeter, r Schwefel, Kohlen. Nach FronSpergec aus 6 Salpeter, 2 Schwefel, r Kohlen. Alle diese Arten wurden als Mehl- puloer gebraucht. Die erste» Pulvermühlen waren Handmühlen, und erst i6sg besaß Breslau zwei Mühlen, die durch Pferde getrieben wurden. Oer erste schlesische Pulvec- müllec (i336) hieß Albrecht Pollack, Meister Albrecht der Schneider genannt, Jahrhunderte vergingen, ehe man in der Puloerfabri- kation bedeutende Fortschritte machte. In Frankreich wurde auf diesen Gegenstand viel Sorgfalt verwendet. Im Jahre 1692 belief sich die Anzahl der Puloermühlen auf 26 (Stampfmühlen), die in den Sommermonaten mit gg2 Stempeln gegen 2Z000 Zentner lieferten. Oie Mahlmühlen stnd dagegen in Deutschland zuerst eingeführt worden; erst 1734 wurde in Frankreich die erste Walzmühle zu Essonne erbaut. In demselben Jahre erfand Karl Knutberg, ein Schwede, eine Pulvermühle mit hölzernen Läufern und metallenen Reifen. In Sachsen hat dagegen eine Mühle mit ganz metallenen Läufern existirt, die auf einer kupfernen Bahn liefen. »736 richtete der Pater Fcry eine Mühle in Frankreich mit gegossenen eisernen Läufern ein. Oie Pulverniühlc zu Berlin, aus marmornen Läufern und Mahlsteinen bestehend!, hat beständig viele Vorzüge vor andern gehabt. Man hat igiZ Pulver vvrgefundcn, das 17^1 zu Berlin verfertigt worden war, und noch seine ganze Kraft und Güte erhalten hatte. Oie Pulvermühle in Neisse unterscheidet sich von andern durch ihre eigenthümliche Einrichtung. Auf einem Lagcrkranze von Eichenholz laufen vier gegossene eiserne Kegel, deren größere Grundfläche nach außen liegt. Drei solcher Mühlen werden durch ein Wasserrad in Bewegung gefetzt und bearbeiten den Satz vier Stunden lang; dann wird das Pulver zu Kuchen gepreßt, zwischen zwei metallenen Walzen zu Körnern gebröckelt, diese gesiebt, in Säk- ken auf einer eigenen Nollmaschine gerollt, und mittelst Wasserdämpfe aus kupfernen Mulden getrocknet. Diese Mühle wurde igiü durch den Preuß. Gen. Mas. Braun angelegt; später brachte sie der Staat durch einen eigenen Vertrag an sich. Eine interessante Bemerkung ist es, daß bei der Pul» vermähle zu Neiße fast alle Methoden der Puloerfabri- kation, wie sie nach und nach bekannt wurden, in Anwendung gebracht worden sind, wodurch eine praktische Kritik dieser Methoden entstand; wie überhaupt originelle Einrichtungen und zweckvolle Verbesserungen des Auslandes in Bezug auf Pulverfabrikation dort vereinigt worden sind. Selbst die Unglücksfällc, die bei keiner neuen Anlage dieser Gattung ausbleiben, wurden zu lehrreichen Ereignissen. Bei der neuen Organisation nach dem Frieden von Tilsit, wo der preußische Staat fast Alles neu erschaffen mußte, konnte es an Vorschlägen zur schnellen Anfertigung bedeutender Pulvecoorräthe nicht fehlen. Neisse wurde für die preußische Artillerie eine Schule in jedem Betracht und bot einen Zusammenfluß von Material für diese Waffe dar; deshalb wurde auch dieser Ort zur Anlage einer Pulvermühle besonders ausgewählt, und man ergriff diejenige Art der Fabrikation, wie sie die Nvth- wendigkcit in Frankreich zur Zeit der Revolution gelehrt hatte, eben weil man dadurch am schnellsten zum Zweck zu kommen glaubte. — Unter den beiden bekannten Methoden C ha ptals und Champi/s, wählte man nach vorhergegangcncc Prüfung die erstere. Die Pulverbestand» theile wurden zwischen metallenen, mühlsteinartigcn Scheiben gekleint, dann in Fässern mittelst metallener Kugeln gemischt und bearbeitet. Mittelst einer einfachen Vorrichtung drehte ein Mann mehrere Fässer zugleich; das Ganze aber war unter Schuppen in mehrere Gänge verthellr. Das Körnen geschah nach vvrhergangenem Pressen des Satzes mittelst gewöhnlicher Körnstebe, das Trocknen aus gewöhnliche Art, theilweise in der Luft, kheilwcise durch Ösen; jedoch fiel zweimal ein Unglück dabei vor. Das Neissec Pulver wich in Bezug auf Kraft bedeutend von dem Berliner ab, und veranlaßke wesentliche Verbesserungen. Das Trocknen geschah fortan durch Luftzüge in Orath- zylindern, endlich durch Waffecdämpfe nach der bekannten englischen Methode. Vor dem Feldzuge von igi 5 machte man noch mehrere Verbesserungen und legte den Grund zu einer ganz neuen Pulvcrmühle, nebenbei wurde aber immer die Fabrikation in Fässern beibehaltcn, bis im Späkjahr igiZ die Walzmühle vollendet wurde, wie sie gegenwärtig ist, und deren Einrichtung aus dem Leitfaden zum Unterricht für die preußische Artillerie hervorgeht. Seit dem Jahre i 685 wurde in Frankreich nur einerlei Art feinen Pulvers zum groben und kleinen Geschütz angewendet, das aus 72 Salpeter, 12^ Schwefel und 12^ 26 Kohlen bestand; in Deutschland unterschied man aber viererlei Arten groben und seinen Pulvers. Das spanische Pulver galt lange Zeit für das beste, und bestand aus 78 Salpeter, il Schwefel und lZ Kohlen. Ausfallend ist es. Saß man in Frankreich nach vielen Versuchen IN den neuesten Zeiten wieder auf das älteste, nämlich das oben angegebene, Verhältnis zurückgekommen ist, ein Beweis, daß die nicht allzu sehr abweichende Mischung keinen wesentlichen Einfluß auf die Brauchbarkeit äußert. Im iZken und löten Jahrhundert probicte man das Pulver nur auf eine sehr oberflächliche Weise und bediente sich zuletzt allgemein der sogenannten Lprauvetrs mit gezahnter Stange, Erst zu Ende des i7ten Jahrhunderts wurde in Frankreich der Probir Mörser erfunden, der mit einigen Abweichungen auch in Preußen eingeführt ward. Dieser Probirmörser, durch Tempelhof späterhin verbessert, wich lgil dem Schacnhorstschen, (mit halbkugellangem Fluge); allein auch dieser will nicht zusagen, und wahrscheinlich wird man in Preußen zu dem alten französischen wieder zurückkehren. Erst in der Periode der schlesischen Kriege bis zum französischen Revolutions-Kriege wurden die Begriffe über die Kraft des Pulvers und der EntzündungStheorie desselben erweitert und berichtigt. Lavoisier, RobinS» der Ritter d'Arcy, Ankoni u. a. m. haben durch ihre Schriften dazu beigekragen. Der Revolutions-Krieg verlangte in Frankreich viel Pulver, und eben dieser ungeheure Bedarf erzeugte daselbst außerordentliche Nlaaßregeln für die Gewinnung und Raf- stnirung des Salpeters. Durch die Anstrengungen eines Fourcroy, Plüvinet und Düfourny brachte man es dahin, in g Monaten 12 Millionen Pfund Salpeter in die Magazine zu liefern, während die vormalige jährige Ausbeute kaum eine Million Pfunde betrug. 27 Über die ausdehnende Kraft des Pulvers wurden in diesem Zeiträume viele Versuche angestellt, von denen die 1792 des Grafen Rumford zu München die wichtigsten find. Zu den neueren Pulvererstndungen gehört auch die des sogenannten Muriatischen Pulvers, dessen Haupt- bcstandtheil opydirkes salzsaures Kali auümacht. Oie Gründung gehört dem Franzosen Patholet 1758, allein erst in spätern Jahren wurden Versuche im Großen damit angestellt, die — der leichten Entzündlichkeit dieses gefährlichen Pulvers wegen — mitunter sehr unglücklich ausfielen; unter andern flog 1788 die Pulvermühle zu Essonne dadurch in die Luft. Gegenwärtig ist man dahin übereingekommen, dies Pulver nur als Zündkraut zu benutzen, und die Eigenschaften desselben: sich durch einen bloßen Schlag mit dem Hammer zu entzünden, dabei in Anspruch zu nehmen, was besonders bei Gewehren und Büchsen mit Erfolg geschehen ist. Allein auch für Kanonen hat der preuß. General v. Blumenstein damit Versuche angestellt, und 1812 fand zu Trient ein ähnlicher Versuch durch den Professor Crivelli stakt. Oie gegenwärtig in Europa üblichen Pulvermischungen find: Baseler 76 Salp. 10 Schwef. 14 Kohl. Rach Rissault 77 - - 7 - - i 5 - Frankreich 7 S - i-z - 12- s England 72 - IO - 15 - Franz. Jagdpulver 73 - 10 , 12 - — Mincnpulver 65 - 20 - 15 - — Handelspulver 62 - 20 . 18 - Hannover 72 - i 5 - 15 - Spanien 73 - ii . i 3 - Ostr. Scheibenpulver 8 c> Salp. rs Schwef. 14 Kohl. — Stück- und Musketenpulver 70 - iS 17 - — Sprengpulver 64 - 19 20 - Berlin 75 - uz 13z - Misse 84 - -4 r 4 - III. Geschichte der Geschütze. Die Erfindung der Geschütze fällt in den Zekiraum dos iHken Jahrhunderts, darüber find die meisten Geschichtschreiber einig; weniger find sie es über die eigentliche Periode dieses Zeitraumes. Oie Angaben in Schwarz Ta- schcnb. d. merkw. Erfind-, daß man in China schon 83 Jahre vor Chr. Geschütze verfertigt habe; daß die Araber schon 1247 Gebrauch vom Schießpulver gemacht, und daß HagiagäuS im Jahre 6 go Mekka belagert und durch Geschütz die Caaba zerschmettert hat, beruhen Wohl mehr auf irrthümlicher Sprachen-Überlieferung, als daß man ihnen unbedingten Glauben beiniessen könnte. Indessen ist außer Zweifel, daß man bald nach Erfindung des Schießpulvers daran dachte, Maschinen zu ersinnen, mit deren Hülfe die Eigenschaften und außerordentlichen Kräfte dieser Vermischung benutzt werden konnten- Der General von Tempelhof führt darüber folgendes Raisonnement: Es steht zu vermuthen, daß der früher erwähnte Mörser des Schwarz die ersten Artilleristen bald auf die Spur brachte, eine solche Maschine einzurichkcn. In der That hatten auch die ersten Kanonen viele Ähnlichkeit mit einem Mörser. Allein da mit den alten Ballisten einige hundert Pfund schwere Steine auf drei und mehrere hundert Schritte geworfen wurden, und man nunmehr sah, daß mit dem Schießpulver das nämliche bewerkstelliget werden konnte, so trachtete man dahin, auch eben so schwere Körper Lurch Hülfe des Pulvers sortzuschleudern. Daher bekamen die ersten Kanonen, welche Markiere, Bombarden und Büsten genannt wurden, eine große Mündung und wurden so ungeheure Maschinen, die sich nur niit der größten Schwierigkeit bewegen ließen. Mehrere Schriftsteller behaupten, die Denetianer hätten den ersten Gebrauch von dem neucrfundenen Geschütz gemacht, als sie i 38 o mit den Genuesern im Kriege begriffen waren; sie setzen noch hinzu, daß sie diese Geschütze aus Deutschland bekommen hätten. Auch soll Mahumcd II. ,'m Jahre irsZZ zwei solcher schweren Maschinen bei der Belagerung von Konstankinopel mikgesuhcl haben, von denen jede 200 Pfund Stein schoß, aber in einem Tage nur viermal abgefcuert werden konnte. Die Fabel setzt hinzu, daß die Belagerten in der Zwischenzeit zweier Schüsse jedesmal den Schaden wieder auszubcsscrn im Stande waren, den der erste angerichtck hatte. — Oer französische Geschichtschreiber Daniel legt die Erfindung der Geschütze noch weiter hinaus, und zwar bis vor das Jahr 1346- Er sagt im 3 ken Thcile seiner Geschichte von Frankreich, in der Periode des Krieges Philipps VI. von Dalois mit Eduard III. von England, als Eduard über die Somme zurückgegangen war, sich (i346) bei dein Dorfe Crecy lagerte und Philipp sich ihm gegenüberstellte, S. 266.: „Oer König von England hatte Kanonen bei „sich. Es scheint aber nicht, daß die Franzosen bei dieser „Gelegenheit dergleichen mit sich geführt haben. Gewiß „aber ist es, daß sie in Frankreich auch schon im Gebrauch „waren. Man sieht solches aus einein Register der Rech- „nungskammcr von Paris, darin schon im Jahre rZZg „der Kciegszahlmcistec Bartholom äuS von Orach in „seiner Rechnung das Geld verzeichnet,;, so er an Hei'n- „rich von Famechon für Pulver und andere Bedürfnisse zu den Kanonen die vor Pui Guillauine wa- „ren, ausgezahlt hat. Dieser Zeitpunkt ist um so merk- „ würdiger, da die, so von Erfindung der Stücken geschrieben haben, dieselbe 20 bis Zo Jahre später hinauS- „ setzten. Villani lac, citsr. Du Liisuge in glossar. verbo „Lombsräs." — Diese Angabe wird jedoch von Andern und namentlich von Tempelhof bezweifelt, die es geradezu für unrichtig erklären, wenn Einige nach Dillasan und dem Abte von St. Denis behaupten, daß die Mauren bereits in der Belagerung von Alicante (i 33 i) und AlgezicaS (1342) gegen die Spanier, und die Engländer in der Schlacht von Crecy (i 3 st 6 ) Geschütze gebraucht hätten. Sie schreiben den Jrrthum einzig der Verwechslung des Wortes Lombsräa mit Lspiagaräs, LsIIists, Larapulra era. zu, wie es von den Chronikschreibcrn der damaligen Zeit oft geschah, ehe die Bombardcn oder Donnerbüchsen so allgemein und beweglich wurden, daß man sich ihrer zu Belagerungen ausschließlich bediente. So versteht sowohl der alte französische Chronikschreiber Froissark, als auch andere unter: Oraaäe srtillerie, cles piöces cksrtillerie, ca- aon 3 erc. oft das bloße Belagerungszcug und die Wurfmaschinen des Mittelalters. Sey dem wie ihm wolle, so war die Erfindung der Feuerwaffen die erste von jenen großen Entdeckungen, welche kurz nacheinander von Deutschland auSgingen, und sich zunächst über Europa und dann über die andern Ecdtheile verbreiteten. Bemer- kenswecth ist es, daß bei der im vorigen erwähnten Belagerung von AlgeziraS (iZHsi) schon glühende eiserne Kugeln mit Schleudern geworfen wurden, wonach die in Roths gemeinnützigem Lepicon (2. Aust. S. 3 ZZ-) enthaltene Angabe, als habe Churfürst Friedrich Wilhelm sich ihrer 1678 zuerst gegen Stralsund bedient, zu berichtigen seyn würde. In der Geschichte der Deutschen findet man, daß in dem Jahre ,338 die Ritter in Preußen Feuergewehre gehabt. Im Jahre ,336 verkaufte man in der Stadt Löwen in den Niederlanden zwölf Stück Donnerbüchsen. Im Jahre 1362 hatte man in Erfurt Büchsen, aus denen mit Pulver geschossen wurde. Als der Markgraf Friedrich von Thüringen 1363 den Herzog Albrecht von Draunschweig in dem Schlosse zu Ei mb eck belagerte, so konnte er, wie im sächsischen Heldensaal und in McnzerS Chronik der Welfen (Halle bei Grüner, 1817.) steht, den Ort nicht erobern, weil die Belagerten mit einem Geschütze herausgeblitzt und ihm vielen Schaden zugefügt hätten. Dies war eine Bleibüchse, und machte den Belagerern solchen Schrecken, daß sie, obgleich igooo M. stark, abzogen. Bald darauf (1870) hatte Herzog Magnus von Braunschweig bei seinem Heere ,,driewende (treibende) Werke, Armborste, Bussen (Büchsen) und Wehre." — Als Beitrag zu dem frühergesagten gehört noch, daß die Genker im Jahre i38i eine 30 Fuß lange Steinbüchse besessen haben sollen, deren Knall beim Abfeuern io Stunden weit gehört worden. Auch wird jene Angabe von der Anwendung des schweren Geschützes vor Konstantinopel (1^33) dahin berichtigt, daß dasselbe nicht 200, sondern 1200 Pfund Stein geschossen habe. Der Baron von Tott erzählt, ec habe in den Schlössern der Dardanellen noch eine solche Steinbüchse, welche noo Pfund geschossen und unter Amurakh I. gegossen war, vorgefunden. Er will (näch Tempelhof) sie abgefeuert und zur Ladung 33o Pfund Pulver gebraucht haben. Man sieht, je tiefer in die Geschichte der Geschütze zurückgeblickt wird, desto inehr auch ihre Spuren sich in das Abentheuerliche und Fabelhafte verlieren. So wird unter andern in der 32 Leipz. Litt. Zeit (iZog, Nr. go.) gesagt, daß Belgrad schon 1078 mit Kanonen beschossen sey. Mit Gewißheit wird der Geschütze und des Schießpulvers zuerst in alten Chroniken und Ausgabecechnungen von Nürnberg, Augsburg, Lübeck, Ulm, Speier seit dem Jahre 1ZZ8 gedacht. Oldenburger rühmt das Nürnberger Zeughaus ini 4 - Thcil seines: Nliessuri rerum publiesrum S. 1336, und giebt die Zahl der dort vorhandenen Geschütze auf mehr als Zoo an. Was noch von Alters her in diesem Zeughause aufbewahrt war, nahmen (nach Roths: Neuestes Nürnberg) die östreicher 1796 mit stch fort. — Im Jahre 1Z60 stiegt das NakhhauS von Lübeck mit dem dortigen Pulvervorrakh in die Luft; im folgenden Jahre führen die Schiffe der Hansa in einer Seeschlacht gegen die Dänen Donnerbüchsen, und 1Z72 lassen die Bürger von Augsburg 20 metallene Geschütze durch Hans von Arau gießen, und verkheidigen damit ihre Stadt gegen die Baicrn. Derselbe Hans von Arau goß 1878 aus dem Platze St. Ulrich zu Augsburg drei große, starke Büchsen, von denen die größte eine Kugel von 127 Pf. auf 100 (?) Schritte trug. Oie Kunst diese Büchsen zu laden, lehrte er nur die drei Senatoren. Zu Erfurt sollen schon 1877 zwei Kanonen gegossen worden scyn, eine von Eisen, die andre von Metall. Zu Prag in Böhmen befand stch 1878 ein Büchsenmacher oder Skückgicßcr; 1874 thak der Bischof von Schwarzburg der Stadt Würzburg großen Schaden durch Geschütz. In Brandenburg wurde die faule Grete i 3 gi vocMy» low an der Havel gebraucht. Oer Erzbischof von M ainz führte 1898 in seinen Feldzügen ebenfalls Kanonen mit. In demselben Jahre sendet die Stadt Görlitz der Stadt PribuS Pulver und Blei zu Hülse, und icfog ziehen die Baseler mit sieben Stück grobem Geschütz aus. — Kö- nig Jagello von Polen belagert i-Ha Marienburg mit mit grobem Geschütz, und bei der Rüstung des deutschen Reichs gegen Herzog Friedrich von Ostreich im Jahr irjig wird der Büchsen und des Pulvers gedacht. In Schlesien findet sich 13/7 die erste Spur von Geschützen. denn in diesem Jahre fordert die Herzogin A g n es die Städte Jarier, Bunzlau und Löwenberg auf, ihr mit Srurmgeräth und Büchsen zu Hülfe zu kommen. Noch andre Spuren finden sich >3go in Sagan, und I3g4, als Herzog Heinrich zu Grünberg mit den Gör- litzern eine Heerfahrt machte, wird des Schießpulvers ebenfalls gedacht. —Im Jahre i^oo hatte B rcS la u Gejchütz, und 141 g starb Herzog Wenzel zu Crossen, weil er unvorsichtig mit einer Donnerbüchse umgegangen war. Der ersten Donnerbüchsen oder Bombardon bediente man sich, wie sonst der Wurfmaschinen, um ungeheure Steinkugeln aus ihnen gegen Mauern und Häuser zu schießen, aber ihre Schwerfälligkeit und Unbehülflichkeit ward bald hinderlich und lästig. sDic ersten Geschütze sahen seltsam aus. Man trennte die Pulverkammer von dem Rohre, und so entstanden Kanonen und Mörser die wie Winkelhaken aussahen. Ja inan hing sogar anfangs die Pulverkammer an die Seite des Geschützes, daher auch die Konstabler sich beim Losbrennen zwischen den Loden und die Seite des Geschützes in einer Entfernung von ro Schritts, zu stellen pflegten, um nicht beschädigt zu werden, j Um die Geschütze leichter zu bekommen, machte inan sie anfänglich aus eisernen Stäben, welche der Länge nach zusammen geschmiedet und zu mehrerer Festigkeit mit darübergelegten eisernen Ringen verbunden wurden. Hieraus entstanden in der Folge die Vcrstäb ungen, unsere jetzigen Friesen. Unfern Mörsern nicht unähnlich, aus einer kleinen Kamnier und einem ungleich größeren Fluge bestehend, waren sie aus unbehülflichen Gerüsten befestiget, die C 34 durch untergeschobene starke eiserne Bolzen erhöht oder erniedrigt werden konnten. Dergleichen Geschütze waren es, von denen die Türken, wie bereits erwähnt, bei der Belagerung von Konstantinopel igZZ Gebrauch gemacht haben, und die 200, Zoo oder 1200 Pfund Stein schossen. Allein man ward bald gewahr, daß solche Geschütze der Gefahr zu zerspringen leicht ausgesetzk waren, und deshalb war man genöthigt, sich nach einer andern Materie umzusehen, bei der diese Unbequemlichkeit nicht statt fände. Hieraus entsproß der Gedanke, sie zuerst von Eisen und endlich von Metall zu gießen. In Japan bediente man sich sogar des Kupfers zu Kanonen. Langsdorf, in seinen Bemerkungen auf einer Reise uni die Welt, liefert eine Zeichnung einer kupfernen Kanone ohne Lastete, welche auf der Japanischen Insel Jturup vom Lieutenant Chwoston genommen wurde. Indessen läßt sich mit Sicherheit sagen, daß mehr als hundert Jahre seit der Erfindung des Schießpulvers vergingen, ehe wirkliche und merkbare Fortschritte in der Geschützkunst gemacht wurden. " Man fing nunmehr an, Kammern und Röhre — jede besonders — aus Eisen, oder was man für bester hielt, aus Kupfer mit Zinn versetzt, über einen Kern zu gießen, die Unebenheit der Seele durch Nachbohren zu ebenen, und dann beide Stücke zusammenzusetzen. Aristoteles von Bologna lehrte schon um das Jahr 147Z den Russen das Gießen der Geschütze. Sie sollen sich ihrer 1482 bei der Belagerung von Fellin zuerst bedient, dagegen die französische Armee in Italien den ersten Gebrauch von metallenen Geschützen gemacht haben. Michael Hilliger, der Rokhgießer genannt, goß 1543 zu Breslau vier sehr große metallene Geschütze: das Rhinozeros von 12Z Zentnern, den Löwen von gi; den Bären von 83 und die Sau von 87 Zentnern. — 35 Schon 1^76 bediente man sich ,'n der Schweiz des gegossenen eisernen Geschützes; in England goß der Franzose P i er re Baude iZä7 die ersten eisernen Kanonen: in Echtesten /kamen ste schon i/s/o vor. Anciola in Biskayen soll der "Erstnder der gegossenen eisernen Kanonen gewesen seyn. Ilm die Geschütze beweglicher zu machen, brachte man vorne unter den Schießgerüsten Räder an, und befestigte hinten zwei Handhaben, ofr auch eine Winde, um das Gerüst damit bewegen und richten zu können. Nach Guircardinis Behauptung sollen die Geschütze der Franzosen in Italien auf besonderen den heutigen Saktelwagcn ähnlichen Gestellen forkgebracht worden seyn, und den Bewegungen dieser Armee wenig Hindernisse in den Weg gelegt haben; ste konnten auch schon viel schneller geladen werden,und man leistete mit ihnen in'wenigen Stunden, wozu früherhin eben so viele Tage erfordert gewesen waren. Als Maximilian iZoH vor Kufstein lag, um Hans Pinzenauer zu belagern, ließ er zwei große Stücke, die größten in Deutschland, von Anspruck kommen, welche die rcs Fuß dicken Mauern, die vorher sieben andere Geschütze nicht hatten zwingen können, niederwarfen. >— An der Belagerung von Magdeburg rZZi hatten die Magdeburger etliche Kammerbüchfen in ihren Schiffen, mit denen sie Ausfälle machten; ste lagen auf niederen Rädern, waren Fuß lang, und schossen — nach Pomerius Chronik — Kugeln, 2 Fäuste groß. In Frankreich ließ Ludwig XI. zwölf große Kanonen von Metall gießen, welche die zwölf PairS von Frankreich genannt wurden. Sein Sohn, Karl VIII., aber nahm zur Eroberung von Neapel eine so zahlreiche Artillerie mit, als man noch nie gesehen hatte. Oie Kanonen waren alle '^von Metall und schossen eiserne Kugeln statt der steinernen. C 2 § Die Erscheinung Karls Vlil. von Frankreich in Jta- lien mit sehr erleichterten und beweglichen Geschützen, welche auf Lasseten ruhten, die den heutigen ähnlich waren, veranlagte auch bei den Spaniern und Deutschen eine gänzl.chc Umformung ihrer Geschütze, indessen blieben sie immer noch sehr schwer und di« kleinsten derselben waren Funfzigpfündcr. — Man kann sich leicht vorstellen, daß nicht gesäumt ward, die Artillerie auch aus den Schiffen zu gebrauchen. Eben dieser Karl VIII. hatte eine Galleaste, die mit schwerem Geschütz besetzt war. Als der Herzog von Orleans, nachheriger König von Frankreich , unter dem Namen Ludwig XII. die Armee des Königs Alphonsus von Neapel bei Rapello schlug, legte sich diese Galeaste nahe an das Ufer, und beschoß den Feind mit solcher Wirkung, daß sie vieles zur Niederlage desselben beitrug. — Mit dem Anfänge des i6tcn Jahrhunderts beginnt jedoch die wichtigste Epoche der Artillerie seit ihrer Erfindung. Die Grundprinzipien ihrer inneren und äußeren Einrichtung, die sich mit Modifikationen selbst bis auf unsere Zeit erhalten haben, wurden in diesem Zeitraum durch Karl V. gelegt. Zunächst wurden die Ungeheuern Donnerbüchsen um- geschmolzc» oder in die Zeughäuser verwiesen, wo sie, zum Theil als Seltenheiten, noch lange aufbcwahrt und gezeigt wurden, und ob zwar auch noch in diesen! Zeitraum sich Geschütze von außerordentlicher Größe oorfindcn, so war doch nunmehr der wichtigste Schritt zur Verbesserung gethan und der ÜbcrgangSpunkt aus der alten in die neuere Periode gebildet. Als ein Überbleibsel der vorigen Zeit kann gezählt werden, daß man fortfuhr, eine gewisse Ehre darin zu setzen, wenigstens einige Geschütze von einer Ungeheuern Schwere und Größe zu haben. Ludwig XI. in Frankreich soll eine Kanone zu Tours chaben gießen laßen» welche Zoo Pfund Eisen geschosten haben soll.. 37 Die« scheint aber eher ein Mortier als eine Kanone gewesen zu scyn; denn sic hakte eine Kammer, und wenn sie geladen wurde, setzte nian auf die Kammer einen - Pfropf oder Stöpsel, und auf diesen die Kugel. Im Jahre 1H08 hatte man in Bcaunschweig die sogenannte Faulc- Mette (od. faule Metze), welche nach Einigen roo, nach Andern Zoo Pf. Stein schoß. In der Geschichte Karls VII. von Frankreich kommt eine Kanone vor, die nur durch go Pferde fortgebracht werden konnte. — Die Portugiesen hakten zu Diu in Ostindien ein Stück gießen lassen, welches 100 Pfund (wahrscheinlich Eisen) mit 60 Pfund feinem oder go Pf. gemeinem Pulver schoß. Iu der ersten Belagerung von Diu im Jahg iZZg harten die Türken ungeheure Geschütze bei sich, die sie gegen die Festung aufsührtcn. Das größte war eine Steinkarthaune, die Zoo Pfund schoß. Eine zweite Steinkarthaune schoß 200 Pfund, zwei Schlangengeschütze aber 1Z0 Pfund, und ein drittes 100 Pfund. Ihre übrige Artillerie bestand in zwei iHpfündigen Passevolanten, einer 16- und einer 12- pfündigen Karkhaune, einem llpfündigen Falkonet und einem Mörser, der Hoo Pfund Stein warf. Bei der zweiten Belagerung im folgenden Jahre hakte Soli mann, Pascha von Egypten, 1H0 Stück Geschütz gegen die Festung auf- gcführk. — Ufano, ein spanischer Artillerie-Hauptmann, auf den wir später zurückkommen werden, erwähnt ebenfalls einer sehr großen Kanone, welche eine Kämmer gehabt, deren Durchmesser ungleich kleiner gewesen, als der Durchmesser der Mündung; man habe aber diese Kanone bald verworfen. Auch spricht er von einer Feldschlange in Malaga, welche go Pfund Eisen mit HZ Pfund Ladung geschossen und beim Abbrenncn ein ungeheures Getöse gemacht hat. und zwar (nach Tcmpelhof) so, daß die schwängern Weiber in der Stadt und drei Meilen herum vor Schrecken unmittelbar ins Kindbett kamen (!?) Ferner von einer Feldschlange, die noch zu seiner Zeit ii, Mailand gewesen und bei dem höchsten Aussatze gooo Schritt, im Kernschuß aber 1772 Schritt getragen haben soll. — Sodann von einer Feldschlange zu Bois le Dur, welche man Icr ciishlesss, oder den kleinen Teufel, genannt und die bis P 0 mclen (nach Andern bis Bonne) geschossen hat, welcher Ort drei Meilen (?) von der erstgenannten Stadt entfernt ist. — Als der Konnetable von Bourbon. General Kaiser Karls V. im Jahre 1224 Marseille belagerte, fand sich in der Stadt eine Kanone, welche 100 Pfund Eisen schoß, aber auch 60 Menschen zu ihrer Bedienung erforderte. — Mallet, ein Artillerie- Offizier bei der Artillerie des Marschalls von Schömberg in Portugal, sagt in seinem Werke „ Irsvsux äs Llsre;" er habe in der Stadt Sr. Giar in Portugal das größte Stück gefunden, daß er jemals gesehen; es wäre 32 geometrische Fuß (Pariser Maaß) lang gewesen und hätte gc> Pfund geschossen. — Als der Prinz Eugen im Jahre 1717 den Türken Belgrad abnahm, fand man darin eine Kanone, welche rto Pfund Eisen schoß und 22 Wiener Fuß lang war. Diese war also größer als alle vorhergehenden. — Oie bekannte Feldschlange von Nancy (Laulsrrins äs klsnc^) die Herzog Karl III. von Lothringen i 2 g 8 gießen ließ, ist lange Zeit in Frankreich ihrer Eleganz wegen berühmt gewesen. Sie war)2l Fuß ilx Zoll lang und schoß 48 Pfund (nach Tempelhof nur 18 Pf-)- — Zu Dover in England ist ebenfalls eine Kanone, mit der man (nach Tempelhof) über den Kanal hinweg bis nach Calais schießen will (!?). — König Friedrich I. von Preußen hat 1704 ein Stück Namens Asi a in Berlin gießen lassen, das 100 Pfund Eisen geschossen, 8,82 Zoll Durchmesser gehabt und 341 Zentner gewogen hak. Sie kostete mit allem Zubehör 14641 Thaler; FciedrichII. ließ sie 1743 umgicßen. — Auf dem Kreml in Moü- kau sind Kanonen von verschiedener Größe gewesen; die größte soll 870 Zentner gewogen und unter Feod0r Iwa- nowicz gegossen worden seyn. Peter I. soll — nach -Thiebault — eine Kanone von solcher Größe haben gießen laßen, daß zwei Menschen Karten darin spielen konnten. Er soll ihr die Knute haben geben laßen und sie nach Siberien verwiesen, weil alles Gcschierzcug entzweiriß und sie nicht zu bewegen im Stande war, wodurch dies ungeheure Geschütz statt Bewunderung zu erregen, ein Gegenstand der Lächerlichkeit wurde. Auf Schloß Gaisholm in Schweden stehen zwei Ungeheuer von Kanonen aus Erz, 8 und g Ellen lang, welche r 28 i den Nüssen abgenomuicn wurden. Die große Schweidnitzer Büchse, welche wahrscheinlich zu Nürnberg im Anfänge des fünfzehnten Jahrhunderts gegossen wurde, wog 160 Zentner und schoß mit r Zentner Ladung eine 2Z8 Ps- schwere Kugel 2667 Schritt weit. — Diese Überreste der Kühnheit und Vermessenheit menschlicher Schöpfungen, welche die Schwächlichkeit unserer Zeit nur anzustauncn, zu belächeln oder in Zweifel zu ziehen vermag, setzen uns wenigstens in den Stand, den riesenhaften Geist jener Zeiten zu heurtheilen. Zu den seltenen Geschützen, welche noch bis zu diesem Augenblicke hin und wieder aufbewahrk wurden, gehört unter andern ein Zweipfünder, der im Tower zu London aufgestellt ist. Dies Geschütz eroberten die Franzosen i7g8 zu Malta und sandten es durch die Fregatte I-r Lensibis nach Frankreich. Der englische Kapitain Fooke nahm die Fregatte und das Geschütz mit dem englischen Schisse: lbs Los-borss. — Oie Kanone ist aus einer dem Golde ähnlichen Metallmischung gegossen. Der Kopf des Großmeisters von Malta, von zwei Schutzgeistern der Insel getragen, ist in Basrelief auSgearbeiket, und andere künstliche Verzierungen in Bildhaueracbeik daran ange- 40 kracht. Die Lastete ist ebenfalls sehr künstlich; zwei Furien, deren Gcsichtszügc die höchste Wukh ausdrücke», sind darin ausgeschnitzr. Mit dem einen ihrer verschlungenen Arme umklammern sie eine Schlange, mit dem andern halten ste eine Fackel. Aus dem Köpfe der einen Furie winden sich eine Menge kleiner Schlangen hervor, die an der andern sind abgebrochen. Oie Naben stellen in der Frontansicht die Sonne, und die Speichen der Näder ihre Strahlen vor. Das Ganze ist meisterhaft ausgeführt. In den, untern Raum des Towers befinden sich noch mehrere seltene Geschütze, von denen hier nur die merkwürdigsten erwähnt werden sollen. Bier kleine Markiere mit Flintcnschlösfern, eine Erfindung des Obersten Brown, die aber nicht angewcndet worden ist. Zwei metallene Kanonen, welche 170^ in Vigo erobert wurden, uut dem Bilduiß der heiligen Barbara. Eni Geschütz mit sieben Mündungen; zur Zeit Heinrich Vlil, gegossen. Ein Geschütz von der ältesten Struöktur, aus eisernen Stäben mit Ringen zusammen geschmiedet. Ein äoopfündiger Morticr, der in König Wilhelms Zeit vor Namur gebraucht und dessen Zündloch durch übermäßig schnelles Feuer ausgeschmolzen ward. Eine schottische Kanone, die Zauberkatze genannt, in deren Nkündung ein Mann hinein kriechen kann. Außerdem steht im St. James - park zu London eine tj8pfundige metallene Kanone, welche die Engländer aus Egypten entführt haben. Sie ist außerordentlich schön gearbeitet; die Lassetenwände sind durch zwei Krokodille gebildet, die ihre Schweife in einander schlingen, und andere Attribute des Nilstroms bildlich daran angebracht. ,, Alle hier zuletzt genannten Geschütze hat der Derf. 41 selbst gesehen und kann daher die Richtigkeit dieser Angaben verbürgen; von allen ist das zuerst genannte von Malta am kunstreichsten und geschmackvollsten gearbeitet. Don nun an unterschied man im Allgemeinen die Ge- schütze nach der Schwere der Kugel, die sie schossen, in fol- - gcnden drei Hauptarten: l. Belagerungsgeschütz (Mauerbrecher oder Kar- thaunen, und zwar ganze, halbe und Merket-, sranz. Lanons). Sie schossen von 100 bis 16 Pfund Eisen. L, Feldgeschütz (sranz. Loloubrines oder Lolouvri- no5.) Oie kleinern hießen Falkhanncn und Falko- nekS; sie schossen von l6 bis 2 Pfund Eisen. I. Wucfge schütze. s. Nleerthiere oder Mörser, die blos steinerne Kugeln von aZ bis 200 Pfund und drüber schossen. 1 >. Steinbüchsen und Hauffnits, die ebenfalls steinerne Kugeln von 2Z bis 200 Pfund schossen; oft wurden auch Kartärschen, aus Stein, gehackten« Eisen, Kettenglieder «r. bestehend, aus ihnen geschossen, und dann hießen sic: Skeinbüchfcn. Außer dem GcfchlechtSnamen führte jedes Geschütz noch einen befondern, oft abentheuerlichen oder abergläubischen; rin Gebrauch der sich bei vielen Artillerien bis auf unsere Zeit erhalten hak, und namentlich bei einigen französischen Festungsgeschützen. So hatten schon die Nürnberger bei der Belagerung von Altdors (iZoH) drei große Streubüchsen: die Eule, welche 220, der Falke und die Fischerin, welche 100 Pfund Stein schossen. Oie meisten dieser Namen waren allegorisch; es gab z. D. Drachen, Basilisken, Greife, Schlangen, Mauerstürzcr, Pfei- fcr, Sänger oder Singcrinnen, Aufwccker, Strohschneider und allerhand andere bildliche oder aus dem Thiecreiche entlehnte Namen. Wein fällt nicht dabei die bereits erwähnte und in der bcandenburgischen sZcschichke berühmt gewordene faule Grete rin, ei» Geschütz, das seiner Uubehülflich- keit wegen diesen Namen erhielt, weil es in einem Tage nur einigemale abgcfcuert werden konnte. — Karl V. als er iFZZ nach Tunis gegen Haradin Barbarossa zog, ließ is Kanonen zu Malaga gießen, die dem Geiste der damaligen,Zeit gemäß, die zwölf Apostel genannt wurden. Eine jede schoß stZ Pfund Esten, war ig Kaliber lang und wog 70 Zentner. Sie dienten lange als Muster, nach welchem alle Kanonen in Spanien, den Niederlanden, in, den übrigen östceichischen Staaken und überhaupt in den übrigen europäischen Ländern gegossen wurden. Tartaglia hat uns folgende Eintheilung der Geschütze Hinkerlassen, wie sie zu Anfänge des löten Jahrhunderts statt gefunden hat: Oie Ooppelkanone schoß eine eiserne Kugel von 100 bis 120 Pfund» war g bis io Fuß venetiani- sches Maaß lang und wog 8800 bis isrjZg leichte italienische Pfunde. DieKoloubrine schoß 120 Pfund, war Fuß lang und wog 1Z000 Pfund. Oie Kanone schoß Zo Pfund» war 8 Fuß lang und wog Hooo Pfund. Eine Koloubcine, welche Za Pfund schoß, war 12 Fuß lang und wog 6600 Pfund: Eine Kanone, die Zo bis Z6 Pfund schoß, hieß Dakar d e. Oie halbe Kanone von 20 Pfund Kugelgewicht war io Fuß lang und wog -jZoo Pfund. Eine andere Koloubrine von 16 Pfunden war 8 Fuß lang und hakte 27Z0 Pfund an Gewicht. Eine dritte Koloubrine von Pfunden war über 8 Fuß lang und wog 22ZZ Pfund. Die Pafsevolante schoß 16 Pfund, hatte eine Länge von 12 Fuß und wog 17^0 Pfund. Der Sacer von 12 Pfunden war 9 Fuß lang und wog 2iäo Pfund, Ein anderer Sacer von 12 Pfunden war 8 Fuß lang und hakte lejoo Pfund an Gewicht. Ein Sacer von 10 Pfunden war 8 Fuß lang und wog irjoo Pfund. Die Aspide schoß 12 Pfund, war 5 Fuß lang und hakte mit dem Sacer einerlei Gewicht. Die Falkone schoß eine Kugel von 6 Pfund, war 7 Fuß lang und wog 8gc> Pfund. Das Fakkonct schoß eine bleierne Kugel von Z Pfund» war ä Fuß lang und wog 400 Pfund. Außer diesen Geschützen hatte man B0mbarden oder Steinbüchsen, von denen die größeren eine steinerne Kugel von 2L0 Pfund schossen, 10 Fuß lang waren und 8900 Pfund Metall enthielten. Eine andere Art schoß 1Z0 Pfund, war io Fuß lang und wog 61^6 Pfund. Eine dritte Act von eben der Länge, schoß 100 Pfund und wog Zooo Pfund. Eine vierte Art schoß ebenfalls 100 Pfund, war aber nur 8 Fuß lang und enthielt rjäoo Pfund Metall. Oie Böller (conrsläi) schossen Zo bis HZ Pfund Stein, waren 7 Fuß lang und wogen 1600 bis 27^0 Pfund. Oie deutschen Büchsen meister unterschieden ihr Geschütz ebenfalls nach dem Gewicht der daraus geschossenen Kugeln. Zu den Mauerbrechern oder den, Belagerungsgeschütz gchörren: Die Scharfmetze, welche 100 Pfund Eisen schoß. Oer Basilisk, der 70 Pfund Eisen schoß. Oie Nachtigall; sie schoß Ho Pfund Eisen. Oie Singcrin, die 20 Pfund Eisen schoß. Oie große Quartanschlange, weiche 18 Pfund Eisen schoß. DaS Feldgeschütz bestand auS: Oec Nothschlangc, die eine eiserne Kugel von 16 Pfund schoß. Der halben Nothschlange, welche 7 Pfund Eisen schoß. Sie ward auch die ocdinaicc Schlange genannt. Der Falkhanne oder halben Schlange; sie schoß 5 Pfund Eisen. Dem Falko net, das 2 Pfund Eisen oder Blei schoß. Dem scharfen Tindlein, einem ganz kleinen Gc- -> schütz, das nur ^ Pfund Blei schoß. Alle diese Geschützarten wurden auch unter dem allgemeinen Namen der Karkhauncn begriffen. In der Mitte des igken Jahrhunderts hakte man entdeckt, daß die längeren Geschütze eine größere Schußweite geben als die kürzeren, und goß daher die Kar- thaunen und Schlangen länger als die Wurfgeschütze, gc- rierh aber dadurch in den entgegengesetzten Fehler und führte Schlangen ein, welche bis gegen Zo Kaliber lang waren. Späterhin fand man erst, daß die übergroße Länge der Geschütze den Schußweiten ebenfalls nachteilig /- 45 scy. Man suchte nun durch allmäligcS Abschneider! das richtige Längenverhältniß für die Geschütze zu finden. So wurden der Schlange von Genua zu Neapel, die H7 Kaliber lang war, nach und nach 17 abgeschnikkcn, und sie schoß jetzt bei dem höchsten Aufsatze i2oo Schritt weiter als vorher. Karthaunen und Schlangen wurden zu dieser Zeit gewöhnlich ohne Kammern gegossen, da bei dem verlängerten Rohre das Laden mit der Ladeschaufel sehr beschwerlich war. Man gab ihnen gewöhnlich am Stoß den ganzen, an der Mündung aber den halben Durchmesser der Kugel zur Metallstärke. Die größern Geschütze wurden mit halber, die kleinern mit zwei Drittel, auch wohl mit ganzer und noch vermehrter kugelschwerer Ladung geladen. Der Grund dazu lag zun, Theil in der geringeren Kraft und Güte des damaligen Schießpulvers. Oie deutschen Stürkgießer in dieser sowohl, als in der folgenden Zeit, waren wegen ihrer Geschicklichkeit und Genauigkeit bekannt und berühmt, und führten in den meisten Ländern die Aufsicht über die Gießereien. Das deutsche Geschütz wurde daher für das beste und schönste gehalten, und diente den übrigen als Muster und Regel. Als bekannt wegen ihrer Schönheit und ihren richtigen Verhältnissen, obgleich aus einer spätern Periode, stnd die beiden Lübecker Karthaunen, von denen die eine gegenwärtig hinter dem Zeughause von Berlin steht, die andere sich in Wien befindet. Napoleon Donaparte nahm sie vorzugsweise deshalb den Lübeckern, weil sie als Kunstwerke bekannt waren, und stellte sie als große Seltenheiten vor dem Jnvalidcnhause zu Paris auf. Nunmehr tritt eine für die Eeschützkunst nicht minder wichtige Periode ein, nämlich die der spanisch-niederländischen Kriege von iZkig bis i6ag. 46 Es ist bereits angeführt worden, daß unter Karl V> der erste wichtige Schritt zur Verbesserung der Artillerie ge> than worden war. Man hakte, wie schon bemerkt, den größer» Theil der kolossalen Stücke entweder umgeschmolzen oder in die Zeughäuser verwiesen. Karl V. hakte selbst die Proportionen der gewöhnlichen Geschütze, der Schlangen, Karthaunen und Kammergeschütze bestimmt, und danach in seinen Gießereien in Spanien, Italien und Deutschland viel neues Geschütz gießen lassen, das lange Zeit für das beste gehalten und von andern Völkern nachgeahmk wurde. Auch hakte er sein Kaliber absichtlich etwas größer als das seiner Feinde gewählt, damit er von der erbeuteten Munition beliebigen Gebrauch machen konnte, während die seinige seinen Feinden keinen augenblicklichen Nutzen gewährte. Dieser Maaßregel gebührt Beifall, denn sie zeugt von großen Ansichten, und keine Masse bedarf deren in dem Geiste ihrer -Organisatoren mehr, als gerade die Artillerie, deren Fortschritte von je her durch nichts mehr gehemmt wurden, als durch kleine, engherzige und einseitige Ansichten. Man fuhr zwar fort, die Mörser und Haubitzen nach Steingewichkzu berechnen, brauchte sie aber ausschließlich, die erstecen zum Werfen der Bomben und Kunstfeucr, die letzter» um Granaten im stachen Bogen aus ihnen zu werfen, auch wohl um Kartätschen aus ihnen zu schießen. In der so eben genannten Periode wurde die frühere Einkheilung des Geschützes in Schlangen, Karthaunen und Kammerstücke zwar noch beibehalken, indessen theiltc man — nach Usfano s Überlieferungen— die Schlangen in: I. Ächte (legitimes) und zwar: s. Oec Drache (Ooppcl-Koloubrine) schoß Ho Pf. Eisen, mit 2cs Pfund Ladung, war 120 Zentner schwer und Zi Kaliber lang, (etwa 20 Fuß). b. Oie gemeine Schlange, schoß 20 Pfund Eisen mit 12 Pfund Ladung, war 32 Kaliber lang, und 70 Zentner schwer. c. Oie halbe Schlange, schoß 10 Pfund Eisen mit 8 Pfund Ladung, war 33 Kaliber lang, und 4 i Zentner schwer. ä. Oie viertel Schlange schoß 3 Pf. Eisen mit 5 ipf. Ladung, war 34 Kaliber lang und 25 Zentner schwer. s. Oer Falke schoß 2j Pfund Eisen mit 2j Pfund Ladung, war 35 Kaliber lang, k. Der kleine Falke (oder kiibsäoguin) zu iH Pf. Eisen mit ij Pf. Ladung, 36 Kalib. lang, x. Oer Sperber zu r Pfd. Eisen, mit i Pfd. Ladung, 37 Kaliber lang. Oie letzter» drei wogen 7, 4 und 2^ Zentner. Oie Schußweiten dieser Geschütze betrugen nach Maaß- gabe ihrer Größe: im Kernfchuß von 75 bis 714 Schritten, im Vifirschuß von 150 bis i43o Schritten, bei dem höchsten Aufsatze von Lgo bis 85 o 4 Schritten. 2. In Unächke (bsstaräe!) von stärkerem Kaliber, nur kürzer, nämlich von 26 bis Ao Kaliber Länge. Sie fingen mit 48Pfündern an und folgten mit 24, 16, 6, 3, und i^Pfündern. Z- In Außerordentliche (oxliaoräinsires) von 33 bis 44 Kaliber Länge. Ferner khcilte man sie in Hinsicht der Metallstärke: 1. In gemeine, die am Stoß 1 Kalib., an den Schild.- , zapfen und an der Mündung ^ Kalib. stark waren. 2. In verstärkte, die am Stoß lH>, in der Mitte r, und vorne /z- Kalib. Metallstärke hatten. z. In verschmachte, mit 2 . Kalib. Metallstärke am Stoß, ^ an den Schildzapfen, und /x vorne an der ONündung. Durch die Verschiedenheit der Metallstärkcn entstand auch eine Verschiedenheit in dem Gewicht der Pulverladungen und in den Schußweiten. Bei den Karthaunen fanden sich in Hinsicht der Beschaffenheit der Seele drei Arten, nämlich: 1. Karthaunen mit gerade ausgehenden Seelen, wie die Schlangen. 2. Karrhaunen mit einer kleinen Kammer, wie beim Wurfgcschütz, für die Pulverladung, und Z. Karthaunen mit einer hinten kegelförmigen oder zu- gerundeten Seele. Man theilke sie: s. In ganze. Karthaunen. Diese schossen Hg Pfund Eisen mit 2r Pfund Ladung, und waren lg Kaliber lang. k>. In halbe Karthaunen, welche 2H Pfund Eisen mit 12 Pfund Ladung schossen, und ig bis 20 Kaliber lang waren. c. In Viertel-Karthaunen. Diese schossen 12 Pfund mit g Pfund Ladung, und hatten vH Kaliber Länge. ^DaS die Kammergeschütze, Böller und Markiere betrifft, die Iäo 8 in Hcrzogenbusch (lloisls Ouc) erfunden seyn sollen, so war der Charakter des spanisch-niederländischen Krieges, der sich fast ausschließlich auf den Fc- stungS- und Belagerungskrieg einschränkte, der Ausbildung und Vervollkommnung dieser Geschütze sehr vorthcilhaft. Man bediente sich auch ganz kleiner Kammcrgcschütze, die von hinten geladen und mit einem Spunde oder Keile vcr- schlos- schlossen wurden; allein sie wurden bald mangelhaft befunden und abgeschaffkI Trotz der ansehnlichen Fortschritte, deren sich die Artillerie in diesen, Zeitraum zu erfreuen hatte, stoßen wir doch noch auf manches Bizarre in ihren Einrichtungen, worunter besonders die mancherlei abentheuerllchen Geschütze zu zählen sind, die dazumal ersonnen und an- gefectigk wurden. Dahin gehören die sogenannten Orgel- gc schütze, die zu Uffano's Zeiten in Gebrauch waren. Sie haben sich lange erhalten, wenn gleich gewöhnlich nur in sehr verkleinertem Maaßstabe. Selbst noch im Jahre 1794 fand sich im Warschauer Zeughause ein solches Geschütz vor, das aus r 1 halbpfündigen Röhren bestand, die neben einander aus einem Gerüst lagen, und von denen 6 durch einen Mechanismus in die Höhe gerichtet werden konnten, während die übrigen Z sich gegen die Erde senkten. — Ferner gehört dahin die Trique- traque, ein zu Rom ani Eingänge der Engelsburg ausgestelltes wundersames Geschütz, das Zl Kaliber lang war und fünf Zpfündige Seelen hatte, die 1 Kaliber von einander entfernt waren. — In Hulst bedienten sich die Niederländer (iZgg) der hölzernen Kanonen (wahrscheinlich aus Noth), um Brandkugeln auf die Spanier zu schießen. ^Schon in diesem Zeitraum war man mit dem Einsetzen neuer Zündlöcher in Stelle der ausgebrannten bekannt. Es geschah entweder in der Act, daß man ein mit Schraubeugängen versehenes Stück Kupfer oder Metall in das erweiterte Zündloch schraubte und ein neues durchbohrte, oder daß man in das erweiterte Schcaubcn- gänge schnitt und diese dann mit Metall auSgoß^ Auch in der Periode des dreißigjährigen Krieges (isttg bis 1648) fand die frühere Eintheilung der Geschütze in Q 50 Schlangen, Karkhaunen und Wurfgeschütze statt. Bei den Franzosen befolgte man Karls IX. Edikt von 1572, und hatte folgende sechs Kaliber: Lanong ZZPfünder» 10 Fuß lang, 6200 Pf. schwer. Loulsvrines oder äsmi Liinous 16 - n - - rsioo « » Liitsräsi 7 ; - Si - - igüo » - Alo^enues 2— - sz - - 1Z00 - » ksucous -L - 7 s ' - goc» - - ksuconneaux 7 s - - 200 bis Han- Um das Jahr 1620 wurden jedoch zwei neue Kaliber eingeführt, die 24- und die laPfünder. Jene hießen äsmi Lanons ä'UspsAno, waren 10 Fuß 10 Zoll lang und wogen Zioo Pfund; die andern wurden tzuerr äs Lauon, ä'Lspsßns genannt, waren lo Fuß g Zoll — beide mit Einschluß der Traube — lang, und wogen Zrjoo Pfund. Beide Arten waren bald die einzigen Batteriestücke, die man mit inS Feld nahm. Gleich nach dem Antritte seiner Negierung ließ Gustav Adolph die schon aus früherer Zeit bekannt gewesenen Versuche wiederholen, und von geschickten Artilleristen neue anstellen. Auf den Grund der daraus hervorge- gangenen Resultate ließ er neues Geschütz gießen, sowohl Kanonen als Mörser, die in Hinsicht ihrer Länge, Me. tallstärke und Kalibergröße von den bisher gekannten bedeutend und auf eine vorkheilhaste Weise abwichen. Graf Philipp von Mansfeld, der aus Gustav Adolphs Diensten in spanische überkrak, brachte Liese Erfindung mit nach den Niederlanden und ließ im Jahre 1622 zu Brüssel, auf Befehl des spanischen Feldherrn Spinola, viele Kationen und Mörser nach jenen Verhältnissen gießen. Die Metallstärke der Kanonen betrug Kaliber am Stoß und /§ an der Mündung. Durch eine besondere Einrich- kung der Kammern, die späterhin ganz wieder verloren gegangen ist, und wie man ohne zureichenden Grund behauptet, dadurch, daß das Zündloch schräge auf den Endpunkt der Seele traf, schoß man mir diesen Geschützen mit ' ein Drittel kugelschwecer Ladung eben so weit als sonst . mit ganz kugelschwerer. Die Legirung des Metalls war so vortrefflich, daß sie von allen gleichzeitigen Arrillerie- Schriststellcrn als das höchste Musterbild aller Legirungen gepriesen wird. —- Oer größere Theil dieser Kanonen war Sechspfünder, die sehr bequem von zwei Pferden gezogen wurden. In den Kriegen Gustav Adolphs gegen die Polen hakte der aus kaiserlichen in schwedische Dienste übergetretene Oberst von Wurmbrand gegen das Jahr ikust die sogenannten ledernen Kanonen erfunden, die bloß mit Kartätschen geladen, und besonders gegen die hitzigen und regellosen Angriffe der polnischen Reiterei gebraucht wurden. Über ihre Einrichtung läßt sich der General vor» Tempelhof folgendermaßen aus: „Nicht daß diese Kanonen wirklich von Leder gewesen wären, sondern ste bestanden aus einer kupfernen Röhre, die so lang war als die Kanone seyn sollte, und ein Viertel des Durchmessers der Kugel zur Dicke hatte. Um diese Röhre wurden in mäßigen Zwischenräumen eiserne Ringe befestigt. Nachdem die Kanone auf diese Art zubereitct war, wurde alles mit einem Tau umwickelt, und mit dieser Umwickelung fuhr man so lange fort, bis die Kanone am Bodenstück so dick war als der Durchmesser der Kugel, und an der Mündung drei Viertel dieses Durchmessers. Zuletzt wurde dies alles mit einem starken gesottenen Leder überzogen, und daher bekamen ste den Namen der ledernen Kanonen. Natürlicherweise erhitzten sich diese Kanonen sehr bald, und man war nach io bis 12 Schüssen gcnöthiget, ste wieder abkühlen zu lassen, daher bedienten die Schweden sich O 2 52 ihrer nur in den Feldzügen von 1628 bis 16Z1, und schafften sie alsdann ab. Air ihre Stelle setzten sie leichte Kanonen von Metall, die nachher in Frankreich unter dein Namen der Schwedischen Stücke (pieces ä ia Luoäoise) bekannt und noch im siebenjährigen Kriege bei der französischen Armee in Deutschland gebraucht wurden." — Diese hier erwähnten leichteren Kanonen waren nicht von Metall, sondern von Eisen und schössen ss Pfund. Sie hatten ss Fuß Länge und wogen 62b Pfund, waren mit kegelförmigen Kammern versehen und wurden mit Pfund Pulver geladen, das in einer dünnen hölzernen Büchse eingcschlossen war, woran sich die Kugel mit Death befestigt befand. Von diesen Kanonen erhielt jedes Regiment zwei, und der Oberst des Regiments hatte für ihre Munition, Bedienung und Fortschassung zu sorgen. Sie wurden von zwei, oft sogar von einem Pferde gezogen, und hauptsächlich nur Kartätschen aus ihnen geschossen, die gewöhnlich nur aus Musketenkugeln bestanden, welche in hölzernen oder blechernen Büchsen, oft auch nur in Beuteln von starker Leinwand, gepackt waren. Auch in Antwerpen bediente man sich später (17H6) der ledernen Kanonen, welche 6 bis 8 Pfund Eisen schossen. Eben so zu Malta. (S. Krünitz Encyklopädie Artikel: Kanonen.) Dagegen verkheidigke sich das Städtchen Ll. ilern äs I-eons in Lourgogno, an der Grenze der kraaclie-Lolnte, >836 gegen den kaiserl- Gen. Gallas und den Herzog von Lothringen mit 8 kleinen eisernen Kanonen. Da die ersten Geschütze ursprünglich Kammergeschütze waren, so entwickelte sich auch die Einrichtung der Haubitzen begreiflich aus diesen, indessen verging eine lange Zeit, ehe man auf dasjenige Geschütz kam, das wir heut zu Tage mit diesem Namen belegen. Wenn z. B. der Engländer MalkhuS unter Ludwig XIII. die Franzosen gegen das Jahr i 63 o mit den Granaten bekannt machte, so blieben ihnen die Haubitzen doch noch über sechzig Jahre fremd, nämlich bis zur Schlacht von Reerwinden (i 6 g 3 ), wo sich unter dem eroberten Geschütz 8 Haubitzen befanden. Bis dahin hatten sie sich in der Stelle der Haubitzen der gzölligen Mörser bedient (besonders um die Linien des gedeckten" Weges damit zu bewerfen), die aus einem lasfckensörmig ausgeschnittenen Block lagen und dann bis auf 70 Grad Richtung gestellt werden konnten. Erst 17Hz (nach Thiebaulk 1744) wurden die ersten französischen Haubitzen zu Douay gegossen. Die Moctiece, nach ihrer eigenkhümlichen Einrichtung, sollen nach Thiebaulk 200 Jahre später als die Kanonen erfunden, und bei der Belagerung von RhoduS (S22) zuerst, in Frankreich aber erst bei der Belagerung von la Mothe in Lothringen (i 634 ) angewendet worden seyn. In Frankreich beharrte man eigensinnig darauf, nur große Kaliber mit ins Feld zu führen, und nur erst später (1741) ging man davon ab, nachdem die Versuche des Marschalls von Sachsen das Unzweckmäßige davon dargekhan hakten, und das Beispiel Friedrichs H. vorangegangen war. Jetzt erst führte man die sogenannten Schwedischen Stücke ein, die man einzeln oder zu zweien den Infanterie-Bataillonen zukheilte, allein man verdarb sie durch ein zu großes Gewicht, unter dem Vorwände einer unnützen Dauerhaftigkeit. Sie wogen 12 bis 14 Zentner, stakt dessen sie 5 Zentner hätten wiegen sollen, und dies übergroße Gewicht hatte keine andre Folge, als ihrem Dienste zu schaden, ihren Marsch zu verzögern, ihre Lafsetage frühzeitig zu verderben, und endlich ungleich mehr zu kosten, als sie durch größere Dauer wieder einzubringen vermochten. Thiebaulk geht hier zu weit, denn auch 54 schon in dieser Periode war nian in Frankreich mit wesentlicher Erleichterung des Geschützes beschäftigt, wie aus dem folgenden näher hervorgehen wird, Im Jahre 16Z0 brachte ein Jesuit zu Warschau die Vorrichtung der Schraube bei der Nicht inasch ine an. Ws dahin hatte man das Nohr »ach der, mitunter noch jetzt üblichen Weise, blos mit untergesteckten Keilen gerichtet; nun aber geschah es mittelst einer unter dem Bodcnstück chestndlichen Schraube. Das von diesem Jesuiten erfundene Geschütz wich auch noch darin ab, daß es an den Schildzapfen doppelte Scheiben oder Ansätze hatte, um cs in eine Lastete mit parallelen Wänden (gegen deren Vorzüge man noch heute absichtlich anzukämpfen scheint) legen zu können, ohne daß es sich im mindesten seitwärts bewegen konnte. Die Seele endigte mit einer kugelförmig geschlossenen Kammer, die mit einem auf das Pulver gesetzten hölzernen Spiegel geladen ward, Oie Kriege der Franzosen in den Niederlanden, in Deutschland und in Italien, die bis 173g dauerten, hakten in so fern einen Einfluß auf die Fortschritte in der Geschützkunst, als man einsehen lernte, daß die langen und schweren Kanonen für den Feldgebrauch nicht geeignet waren, und deshalb kürzeren und leichteren weichen mußten. Nach dem Jahre i6go wurde in Frankreich eine neue Act Geschütz Angeführt, das viel kürzer und leichter war als das vorige; es hatte eine kugelförmige Kammer, deren Durchmesser größer war als der Durchmesser der Seele, wodurch eine sehr große Schußweite hervorgebrocht wurde. Diese Erfindung war aus Spanien nach Frankreich gekommen, machte aber begreiflicherweise kein Glück. Für den Gebirgskrieg in den Pyrenäen bestimmt, wurden in Pecpignan von den Franzosen Einpfünder von es Fuß 8 Zoll Länge gegossen, die 55 ^ am Stoß ^ und an der Mündung H Kaliber Metallstärke hatten. Sie lagen auf eigenen Laffoten und wurden von meinem Maulthiere getragen. Späterhin verfertigte Em- »mecich noch kürzere Vierpfünder (sie waren nur 8 Kali- Uber lang) die auf eifernen Lasteten lagen und ebenfalls ^für den Gebirgskrieg bestimmt waren. Im Jahre 17JS war folgendes Geschütz bei den Franzosen im Gebrauch; sstPfünder, io Fuß lang, ZHoo Pfand schwer. 16 - gx - - 4200 - - 12 - 8 - - sioo » « 4 » 6H - - nüo - ' Späterhin (1789, und nicht, wieThiebault meint, 17 -jl) führte der Generailieutenant Brocard außerdem noch kürzere Regimenksstücke unter dem Namen der Schwedischen bei ihnen ein. Die deutschen Artilleristen konnten sich jedoch lange Zeit nicht entschließen, das Beispiel der Franzosen in Verschwächung der Metallstärken nachzuahmen, Am weitesten sind wiederum auf der andern Seite die Holländer gegangen, die ihre Geschütze so sehr vcrschwächten, daß zuletzt die Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit darunter litt. Die englischen Geschütze stimmten dagegen größtenteils mit den deutschen überein, Oie Mörser waren in diesem Zeiträume, sowohl bei den Deutschen als Franzosen, hängende, die ihre Schildzapfen in der Mitte und überdies zylindrische Kammern hakten, Oie Franzosen fügten ihnen noch die Steinmörser (pierriers) von rZ bis 18 Zoll Durchmesser bei, deren Schildzapfen sich am Boden des Mörsers befanden» um den Mörser höher richten zu können. Das französische Wurfgeschütz unterschied sich auch noch dadurch von dem deutschen, daß es nach Zollen, und nicht wie dieses nach Skeingewicht berechnet wurde. Unter der Regierung 56 Ludwigs XIV. erhielten alle neue Mörser sogenannte spanische, d. h. kugelförmige oder birnenförmige Kammern. Ein Florentiner, Namens Petri, erfand zu Ende des 17 ren Jahrhunderts die kegelförmigen (konischen) Kammern und die sogenannten Re l> h ü nerm 0rser, welche einen Hauptflug, und dreizehn kleinere rund um den Umkreis des ersteren hatten, aus denen kleine (Hand-) Granaten geworfen wurden. In der Vectheidigung von Bo u- chain 1702, und der Belagerung von Lille 1708, wurden sie gebraucht, haben aber keinen sonderlichen Beifall gefunden. Oie Erfindung einer andern Art Mörser, die mit den vorigen entfernte Ähnlichkeit hakten, wird dem holländischen Ingenieur Cvehorn zugeschcieben; sie bestand aus mehreren nebencinandergcstellren kleinen Mörsern, allein nach Montecurulis Memoiren soll der kaiserliche Artillerie-Oberst Holst sich deren schon im Jahre 166g bedient haben. Oie Üstreichec führen noch heutzutage 6pfündige Mörser (Eisengewicht) unter dem Namen der Coehornen. Oie Einrichtung der Lasteten hielt mit den Verbesserungen der Geschütze ziemlich gleichen Schritt, doch gingen die Franzosen den Deutschen bald in dem Bestreben die Schwerfälligkeit derselben zu vermindern voraus. Sie sind als die Erfinder der heutigen Motierklötze anzusehen, denn sie hatten schon sehr lange stehende Mortiece, als die Deutschen sich immer noch der hängenden bedienten. Auch die eisernen Mörstrschemel (orapsux) und die Fußmörser (nach Art des Probirmörsers), die jedoch bald wieder abgeschafsc wurden, find in Frankreich erfunden. Oie Haubitzen blieben, wie schon früher bemerkt, den Franzosen in diesem Zeiträume noch unbekannt; bei den deutschen Heeren ward aber ihr Gebrauch im Felde schon nach der Mitte des I7ten Jahrhunderts allgemein, und man schoß aus ihnen theils Granaten und Vrandkugcln, 57 thcils Kartätschen. So befanden sich unter den Geschützen, die der Churfürst Friedrich HI. von Brandenburg > 68 g gegen die Franzosen führte, 4 Haubitzen, Vetren Munition aus 200 Granaten, 80 Bcandkugcln und f/jo Kartätschen bestand. Schon vor der Zeit Friedri chü II. war die Einkhci- lung der Kanonen in Schlangen und Karthaunen abge- schafst worden; Batterie- und Feldstücke nahmen ihre «Stelle ein, wenn gleich die Franzosen noch 1744 bei der Belagerung von Freiburg ZZPfünder auf ihren Batterien hatten. So hatten die Preußen bei Hohenfriedberg zwar noch 24Pfünder mit zylindrischen Kammern bei sich, aber sie waren nur 12 Kaliber lang, wogen nur ig Zentner, und leisteten vortreffliche Dienste. Sie wurden in den Jahren 1788 und Sg abgcschafft und folgendes Geschütz beibehalken: , 12Pfänder, 18 Kaliber lang, wogen 2092 Pfund. 12 , - 14 - - - 1781 - 6 - 16 - - - 663 - 3 - iZ - - - 472 - Ilach dem Frieden von Huberksburg ließ jedoch der König schwerere Zwölfpfünder, die 22 und 18 Kaliber lang waren und Z100 und iggo Pfund wogen, gießen. — Die schweren 12 Pfänder waren seit der Schlacht von Leuthen B r u m m er genannt worden. Eigentlich waren die B c u m- mer kein Feldgeschütz, sondern auf Netzorv's Anrathe» für den Bedarf des Augenblicks aus Glogau entnommen worden. Oie leichten 12 Pfänder wurden 1778 abgeschafft, und nur die schweren und mittleren beibehalken. — Bei den Sachjen waren im ersten schlesischen Kriege 21 Kaliber lange dreipfündige Regimenlskanonen, mit einer vom General Obe naus erfundenen Geschwindschußmaschine im — 58 — Gebrauch. Ihre Artillerie fiel später bei Pirna den Preußen fast gänzlich in die Hände, und seitdem nahmen sie (1766) schwere und leichte Zwölf- und Achtpfünder und vierpfündige Regimentskanonen von 670 Pfund Gewicht an. In dieser Periode wurden die Haubitzen ungleich häufiger gebraucht als vormals, und vorzugsweise von den Russen gegen die regellose türkische Reiterei. Dagegen hatten die Franzosen 17^8 in den Niederlanden bei i 2 o Kanonen nur 4 Haubitzen, und die Verbündeten bei Hastenbeck 1727 zwei Stück Zo- und vier Stück i6pfün- dige Haubitzen. Die Preußen, Ostreichec und Dänen hatten Zo, 22 » 18 , ro und 7pfündige, von denen die 7 und ropfündige» zu Feldgeschütz bestimmt waren. Oie Engländer (die wie die Franzosen die Haubitzen nach Zollen der Mündung benennen) hakten 8, 2 ^ und ejZ zöllige. Oie Mörser erlitten in dieser Zeit — der seltnen Belagerungen wegen — nur unbedeutende Verbesserungen, zu denen MarsonS Schrift über die beste Form der Möc- serkammecn 1766, vieles beitrug. Marson war für die zylindrischen, Delidor aber für die kegelförmigen Kammern eingenommen. Die Preußen führten 72, 2o, 22 und ropfündige Markiere mit zylindrischen Kammern; die Ostreicher 60, Io und ropfündige; die Engländer 10, 8, 2 x und ^zöllige; und die Franzosen bloS rozöllige mit zylindrischen Kammern und 7 Pfund Ladung. Nur wenige rszöllige wurden bei ihnen beibehalten. Bisher war das Geschütz über den Kern gegossen worden. Der Stückgicßer Keller zu Cassel machte zu Anfänge des r8ten Jahrhunderts den ersten Versuch, die Kanonen massiv zu gießen und dann senkrecht auszubohren. Der Schund Macitz aus Gens erfand um das Jahr i7Zg die horizontal« Bohrmaschine, die in Lyon zuerst gebaut wurde. Die Franzosen gossen erst 1752 ihre Kanonen aus Sem Dollen; sie machten auch den Versuch, die Mörser massiv zu gießen, gaben es aber späterhin wieder aus Seitdem Datiere die langen und schweren Kanonen wieder in Frankreich eingesührt hatte, hielt man nur diese allein für wirksam, und die leichten Geschütze kamen fast gänzlich aus dem Gebrauch. Erst 174» fing man wieder an, darauf Rücksicht zu nehmen und sie wieder zu vermehren. Das französische Positionsgeschütz war aber zu Anfänge des siebenjährigen Krieges immer noch, sehr schwer, bis Broglio den ersten Schritt zur Erleichterung desselben rhat. Oie 12Pfänder wurden auf 16, die gPfündcr auf 12 Pfund ausgebohrt. — Die Erscheinung Gribau- vals, den Ludwig XV. nach dein siebenjährigen Kriege aus östceichschen Diensten zurückrief, hatte auf die französische Artillerie ungemeinen Einstuß. Ec setzte die Länge der Kanonen auf 18 Kaliber und stellte 1764 zu Strasburg große Versuche an, nach welchen die Schußweite des Feldgeschützes auf 1280 Schritt festgesetzt wurde. Er verkleinerte den Spielraum und vereinfachte die äußere Gestalt der Röhre, auch verwies er die 8zölligen Haubitzen zu dem Belagerungsgeschütz, — Gribauval fand viele Widersacher, unter andern auch St. Auban und düPu- gek, und 1772 war das alte System beinahe wieder im vollen Gange. Aber der Kriegsminister Mouy führte es ,774 auf das neue zurück, das noch jetzt in Frankreich zur Norm dient. — General Thieboult sagt darüber: „Gribauval machte das PositionSgeschütz eben so beweglich als das Linicngeschütz, indem er das Gewicht und die Länge der Feldstücke (l2, 8 und ejPsünder), und die Länge und Form der Lasteten verminderte, den Spielraum nach Maaßgabe der Geschütze auf r, 1^ und 2 Li- lnicn hecabsctztc, die Schußweiten der Kugeln und Kartät- 60 schen feststellte, über die Wirkungen der letzteren Proben anstcllte, die Chargirungcn bestimmte, die Anzahl der Ba> taillonskanoncn mit der der Ostreicher und Preußen in Verhältnis; brachte, das Langkau cinführtc, die Munitionü- karrcn gegen vierrädrige Wagen vertauschte, den 12, g und ^Pfändern, so wie den Haubitzen Kastenprotzcn gab, die Richkschraube und den Aufsatz zum Richten cinsührte, die Menge der Bedienungsmannschaft und der Pferde oeo minderte, in der ganzen franz. Artillerie einerlei Konstruktion der Geschütze und Fuhrwerke einrichkcte, und endlich den Empfang derselben, der Vorrakhesachen und der Geschosse re. auf einen regelmäßigen Fuß brachte." „Die chpfündige Lastete wog demzufolge jetzt nur iZj Zentner, und ehemals 21. — Auf jedes Pfund der Kugel wurde jetzt nur 1Z0, stakt ehedem ZZo Pfund Metall gerechnet, ungeachtet man in Ostreich 120 und in Preußen roo Pfund annah,11. Oie Länge der Röhre betrug 18 und nicht wie sonst 22 Kaliber, obgleich sie in Preußen ich und in Ostreich 16 Kaliber groß war." (In diesen Angaben irrt Thiebaulk, und wir dürfen uns daher nur an das, was er über die französischen Einrichtungen sagt, halten.) „Bei dem Feldgeschütz betrug der Spielraum nur eine, beim Belagerungs- und Stein-Geschütz aber Linien, theils wegen des leichteren Röstens der Kugeln, theils um schneller laden zu können. Oie Haubitzen und Markiere erhielten 2 Linien Spielraum. OaS dänische Geschütz war zur Zeit der schlesischen Kriege das längste und schwerste. Bereut Anker, ein Norwege, (geb. 1746, gest. igoZ.) lieferte die ersten probehaltenden brauchbaren eisernen Kanonen für den Seedienst in Oännemark, durch Verbesserung des Eisenwerks Masse. — Bei den Rüsten waren die Einhörner und SchuwalowS, bei den Sachsen die Granakstücke, und bei den Engländern die Karonaden erfunden worden» die jedoch nur als Seegeschütz dienten. Oie Engländer fingen an, leichte eiserne Kanonen zu gießen, und der Franzose G ri g- non erfand eine Methode, sie aus Skabeisen zu schmieden, der man aber nicht weiter gefolgt ist. In der Einrichtung der Lasteten macht die Erfindung der Deichseln statt der Gabeln, und die der eisernen Achsen und metallenen Buchsen, welche 176Z bei den Franzosen cingeführt, 1772 wieder abgeschastt und 1774 wieder angenommen wurden, Epoche. Oie Türken hatten sich ihrer zwar schon zu Anfänge des i7ten Jahrhunderts bedient, indessen waren ste viel zu schwer und unbchüls- lich. Überhaupt läßt sich annchmcn, daß die Türken selbst gegen die schlechteste europäische Artillerie beständig um ein halbes Jahrhundert zurückgcstanden haben. Gribauval führte bei den französischen Lasteten das sogenannte Marschlager ein, dessen Erfindung aber dem kaiserlichen Oberzeugmeister Franz v. Pappen darf zugcschrieben wird. In der preußischen Artillerie fand jedoch diese Einrichtung keinen Beifall. Desto wichtiger ist Gribauvals Erfindung der Rahmlaffeten 174g, die 1765 bei den Franzosen eingcführt wurden. Ihnen ähnlich waren die von Montalenibert und dem Holländer Cornelius Redlichkeit 177g angegebenen, so wie die sogenannten Oepressi0nülasseten des englischen Artillerie - Lieutenants Köhler, welche 17S2 in Gibraltar sehr gute Dienste leisteten. An der Verbesserung der Richtmaschinen wurde in allen Artillerien mit Eifer gearbeitet. Rur die Franzosen richteten ihre Kanonen noch mit Untersteckkcilen, bis Gribauval die noch jetzt gebräuchliche Richtschraube cinführte. Eie ist in der neuesten Zeit auch in der preußischen Ar- tillerie nachgeqhmt worden, und hat den Richtkeil mit ho- rizontaler Schraube verdrängt. Es scheint, als könne man ihr nichts entgegenstellen, wie die mehr als Zosähnge Erfahrung, daß die preußische Artillerie >n allen Gefech, ten besser geschossen hat als die französische. Oie Preußen brachten jedoch einige Verbesserungen daran an, unter andern die Sperrkette. (S. Leitfaden f. d. pr. Artillerie, I8t8- S. 53 ) In der Periode des französischen Revblutions-Kriege- arbeitete man in Frankreich daran, die Geschütze zu erleichtern, um sie für die neuere Kriegführung bequemer zu machen. Oie meisten europäischen Armeen nahmen thätigen Antheil an dein französischen Neoolutionskciege, und konnten deshalb keine bedeutende Veränderungen in ihrer Militair-Verfassung machen, die stets eine Frucht des Friedens sind. Man behielt daher das Geschütz bei, wie es uns Die Geschichte der vorigen Periode überliefert hat. Nur allein in der französischen Armee mußte das Geschützwesen eine Umformung erleiden, denn so wie cs bestand war es für die Anforderungen dieses eigenthümli- chen Krieges nicht brauchbar. Oie schweren Batkeriestücke wurden 1794 bedeutend erleichtert, oder in Haubitzen um- geschassen, die sich bei den Franzosen auf eine außerordentliche Weise vermehrten. Ihre GebirgS-Artillerie bei der Armee in Italien erlitt ebenfalls Umformungen, die aus Erleichterung und Beweglichkeit abzwcckkcn. szn der preußischen Artillerie wurden die topf. Feld- morkiece und die kleinen 7pfündigen sogenannten Packmor- tiere durch den General v. Tempclhof eingeführt und erstece vor Longwy zuerst angewendck. Auch im freien Felde, und namentlich bei Saarbrück den 2gsten September 1793 khaken sie gute Dienste', wurden aber späterhin wieder abgeschassk. Oie Stückgießereien vermehrten sich in Frankreich mit dem wachsenden Bedarfs. Aus Mangel an Zeit goß man die Geschütze in Formen von Sand über ein Modell von Messing. Der Stückgießer Chaillot erfand eine Bohrmaschine, auf welcher vier Geschütze auf einmal gebohrt werden konnten. Eben so der Stückgießer Perrin. Man sieht, der Zeitgeist und die Nothwendigkeit diktirten das Außerordentliche und den Sprung über Klüfte. Weniger bedeutend waren die Veränderungen in den Lasteten. BemerkenSwerth sind jedoch die durch den Herzog von Weimar 1798 eingeführten auf Schießgerüsten liegenden Amüsetken, welche für den Dienst bei den Jägern bestimmt waren. — Ferner die Lasteten mit exzentrischen Naben, die durch Gasfendi 1787 eine Derbesterung erhielten. Oie ^Kurs ä siguilie«, auf denen man ohne abzuprotzen feuern konnte. Oie ^Wt» ü 1 s hsn- guetts, auf denen die Artilleristen während des Marsches saßen. Oie Schleistenlasteke (slküt ä trsinesu) für die Ge- birgS-Artillerie, deren Munition auf Maulthiecen gepackt wurde. Endlich die Feldfchmieden. Oie leeren Pulverkarren der Franzosen wogen sonst 18 Zentner, ließen sich schwer bewegen, erhielten die Munition nur schlecht und verlangten eine ansehnliche Zahl von Pferden. Oie Wagen haben keine einzige dieser Unbequemlichkeiten und wiegen nur 16^ Zentner. Das Gewicht der Beladung beträgt ungefähr eben so viel, und sie können mit H Pferden recht gut den Bewegungen des 12 und 8PfünderS folgen. Zur vollständigen Chargirung für diese gehören 2, für jede Haubitze Z, und für jeden 8 oder HPfünder r solcher Wagen. Oer I2pf. Wagen hält 6g Schuß, wovon 20 Kartätschen sind; der des 8 Pfündcrs go, nämlich Zo Kugel- und 3o Kart. Sch.; der des 6PfündccS iHo, nämlich roo Kugel- und Ho Kart. Sch.; der des HPfünders 1Z0, mit Zo Kart. Oie der Haubitzen halten Hg Granat, und I Kart. Wurf. Ein Hpf. Wagen kann iZgZZ Patronen (lg Kugeln auf r Pfund Blei gerechnet), ein 8 oder 12pfundiger aber > 6 ZZZ Patronen, und außerdem die bcnöthigken Flinkensteine fassen. Oie Protzer der 4 Pfünder enthaften > 8 , die der 6 und LPfünder i 5 , die der laPsünder g Kugelschuß, die der Haubitzen 4 Kartäkschenwurf. Im Jahre Xl wurden Fußmörser von Bronze gegossen, d. h. solche, die mir ihrem Klotz ein Ganzes augmach- ten. Sic tragen die Bombe bis auf 1800 Toisen und heißen lVkortrers s ln Mormont. Sie sind eigentlich nur eine Vervollkommnung der frühem eisernen Fußmörser, die ehemals an den Küßen sich befanden, aber die Bombe nur 1400 L- weit trugen. In deniselben Jahre ließ sich der Kaiser einen Entwurf oorlegen, nach welchem die igPfünder, die langen 8 und stPfünder, und die 6 und 8Zölligen Haubitzen abgeschafft, und dagegen Haubitzen von Z/? Zoll, KPfündcr für die Linie, raPfündec als Positionsgeschütz, LstPfündcr für den Festungskrieg, und die drei letztem Kaliber für die Vcrrheidigung der Plätze eingeführk werden sollten- Diese Veränderungen blieben indessen blos dekretiert und erst nach dem Rust,scheu Feldzuge ward der 6 und laPfünder bei den Franzosen eingeführt. Der 16Pfänder ist beibehalcen worden, weil er bei der Dertheidigung dem astPsünder des Angriffs das Gleichgewicht halten soll. Das nämliche gilt für den langen LPfündec, der bei der Vcrtheidigung zum raPfünder des Angriffs eben so stehen soll, wie der r6Pfünder zum rrffPsündec. Außerdem ist dies Geschütz in den äußeren Werken ganz besonders nützlich. Oer Hauptvortheil jist, daß die 8 und i6Pfündec ein Drittel Munition weniger als die 12 und sgPfünder erfordern, und daß stc gegen Erdaufwürfe eben so viel leisten ttals diese gegen Mauerwerk. Oie Lzöllige Granate kann aus ZstPfündern gegen Schiffe Schiffe gebraucht werden, und es scheint, als habe man dies Kaliber deshalb nicht ausgehen lassen wollen. Oer Haubitze von 2 Zoll 7 Linien macht man den Vorwurf, -aß sie unrichtig würfe, allein dies ist nur der Fall, wenn die Granate 14 Pfund wiegt: hat diese aber ein Gewicht von iZ Pfund, io ist der Wurf der Haubitze so genau als es überhaupt möglich ist. Oer lange HPfünder ist als ein ganz unnützes Geschütz abgcfchaffr, mitunter auch auf 6 Pfund ausgebohrt worden Die Einführung des gPfünderS wurde in der französischen Armee allgemein gewünscht, weil der rfPsünder dem bei den übrigen kriegführenden Mächten gebräuchlichen Geschütz nicht Stand halten konnte. Ferner weil das doppelte Schildzapfcnlagcr der gPfünder immer viele Unbequemlichkeiten nach sich zieht, wenn das Geschütz aus dem Marsch- in das Schießlagec gelegt werden soll, und die Wirkung des öPfünderS der des gPfünderS nicht viel nachsteht. Auch weil jener drei Achtel weniger als dieser, d. h"nur ein Fünftel mehr als der rjPfünder wiegt, und doch die Kugel weiter und um ein Drittel so stark treibt. Weil er nur einen Pulvccwagen braucht und doch nur ein Fünfzehntel weniger Munition mit sich führt als der GPfünder, und im Ganzen nur 48 Schuß weniger als der LPfünder in 2 Wagen, Und endlich weil die gPfünder und ihre Wagen auch nur 4 Pferde (?) und nicht mehr Kanoniere bedürfen als die 4Pfänder. Vach der jetzigen Einrichtung der französischen Artillerie wird der Morticr nur im Festungskciege gebraucht und gegen Schiffe. Außerdem führt sie noch Steinmoc- tiere von 12 Zoll Durchmesser, auf 80 bis 100 Pfund Stein eingerich^t, mit 2^ bis I Pfund Ladung, und einer Wurfweite von höchstens 100 bis iHo Tois. Oie gebräuchlichen Mortiere haben io oder ,12 Zoll Durchmesser, die E Bomben der erstem wiegen 100, die der setzkern iZo Pfund. Die Cornmingeschen Mortiere, deren Bomben Zoo Pfund wiegen, st»S abgeschaffc, weil ihr Kostenaufwand an Geld und Mannschaft nicht durch ihren Nutzen aufgewogen wurde. Oie Haubitzen kbeilen sich in gzöllige, für Belagerungen und Küstenoertheidigungen, in Lzöllige, 2/^ zöllige, Zzöllige und Karronaden Die letzkern werden nur auf den Schiffen gebraucht, die kzölligen Haub. als Schlacht- gefchütz, die Zzölligen als GebirgSgcschütz, sind aber nur noch in einigen festen Plätzen hin und wieder vorhanden. Außer den Koulevrinen, die nur in Festungen und an den Küsten gebraucht wurden, und den kleinen Einpfün- dern. die auf Gabeln liegend auf den Schiffskastellen sich befinden, rheilen sich die Kanonen: 1. In See-Kanonen. Sie werden von Eisen gegossen weil die mekallnen schwerer sind, stärker knallen und niehr kosten. Auf dem Schiffe werden sie nach dem Range derselben und der Höhe der Batterien placirk, und sind -jg, Z6, sch 18 oder 12 Pfänder. Auf dem obcrn Verdeck stehen Karronaden und kleine Geschütze, und auf den Mastkörben die sogenannten Steinstücken. 2. In Küsten-Kanonen. Sie sind von dem nämlichen Kaliber, aber gewöhnlich aus Bronze. 3. In Vertheidig u n ga- und Belagerungs-Kanonen. Sie sind fast sämtlich, wenigstens für die kleineren Kaliber immer, von Bronze, und entweder sch l6 oder rsPfünder. Auf den Außenwerken und zur Grobenoertheidigung bedient man sich auch der 8, 6 und 4 Pfänder. ch In Schlacht-Kanonen, und zwar ls Pfänder für Positionen, und LPsünder für die Linie. 2. In leichte Artillerie, nämlich öPsündcc und gizöllige Haubitzen, von einer Einrichtung um den Bewegungen der Kavallerie folgen zu können. Dir Bedienungs-Mannschaft ist sämtlich beritten. - b. In GebirgSgeschütz, als I und s Pfänder und Wallmuskeren. Oie letzkern sind außer Gebrauch. (!?) Alle Kanonen und Haubitzen liegen auf Lasteten, deren Gestalt nach dem Gebrauch und der Anwendung verschieden ist. Die schweren Belagerungskanonen werden auf Saktelwagcn fortgebracht und beim Gebrauch auf Las- feten gelegt; die Mortiere werden eben so fortgebracht, liegen aber beim Feuern auf Klötzen ohne Räder. Jedes Geschütz hat eine gewisse Anzahl vierrädriger Munitionswagen, und zwischen den Lastekenwänden einen kleinen Kasten. Dies sind die hauptsächlichsten Einrichtungen der fran- zöstschen Artillerie in diesem Zeiträume. Oie preußische Artillerie erlitt 179g eine gänzliche Umformung, ohne daß man gerade sagen könnte, sie wäre der Zeit und dem Geiste der herrschenden Kriegführung angemessen gewesen, was auch der Feldzug von 1806 bitter bestätigt hak. In diesem Feldzuge hakten die Preußen beinahe nichts als ispfündige Batterien, und nur bei jedem AcnieekorpS eine sogenannte 6pfundige Batterie, aus tu Kanonen, ohne Haubitzen, bestehend. Seit dem Jahre 1816, wo die preußische Artillerie nach einem festen und bleibenden Fuß organisirt ward, hat sich an den Geschützen wenig geändert. Rur allein bei den Haubitzen wurden in den Jahren rtzig und 1820 kleinere Kammern eingeführt, auch der Flug und Kessel der neu zu gießenden Mortiere auf eine von dem Major Heuser angegebene Methode anders gerundet. Alles was zum technische» Theil gehört und die ganze mechanische Einrichtung der Geschütze und Fuhrwerke in sich begreift, wurde mit großer, gewissenhafter Genauigkeit bildlicst dargestellt und durch de» Steindruck verviel- E 2 fältigk, so daß bis auf das Letzte und Kleinste herunter ! nichts der Willkühr überlassen bleiben konnte. Diese Maasregel hat viel für sich, ist aber dennoch nicht ohne Mach- ^ theilc; weil sie Veranlassung werden könnte, daß manche ^ nützliche Abänderung unterbliebe, bloS um die Zeichnung ^ nicht ungültig zu machen. , Vielfältig angeregt (der Verfasser selbst hat nach Kräften dazu beigerragen ), entschloß man sich, das Belagerung«- und Festungsgeschütz zu vergleichen, d. h. den hier völlig unnützen, oft sogar nachtheiligen Visirwin- kel abzuschasten, auch diese Einrichtung vielleicht auf das Feldgeschütz zu übertragen, so daß man künftig im Stande seyu wird, ein Ziel mit Genauigkeit zu treffen, das ejoo Schritt voni Geschütz steht, was nach der bisherigen Einrichtung nicht möglich war. Mur in dem Angespann ist die Einheit in der preußischen Artillerie noch nicht erreicht; denn die sogenannte russische Bespannung sindet bei einigen Batterien noch neben der preußischen statt. IV. Geschosse und Ladungen. — Ernsi- und Lus! - Feuerwerkerei. Mach Einführung des Pulvers und der Geschütze bediente man sich in Frankreich und Deutschland blos der Steine, um sie als Geschosse zu gebrauchen, wenn gleich eS nicht unwahrscheinlich ist, daß hin und wieder auch eiserne Kugeln schon im Gebrauch waren, die nicht — wie Guirrardini behauptet von den Franzosen erfunden Und zuerst gebraucht worden sind. Man kannte sie schon im gten Jahrhundert und schleuderte sie, oft sogar glühend gemacht, mit den Wurfmaschincn. Indessen sollen i iZ^jo die Einwohner von Is ()uosno^ auf die sie belagernden Franzosen noch mit Steinen geschossen haben. Eben damit vcrkhcidigten sich die Augsburger, als Herzog Johann von Laiern 1Z72 sie belagerte. Paul von Stetten erzählt, in Augsburg halten dm Maurer die Steine in Kugeln behauen müssen. — Bei der Belagerung des Schlosses Marien bürg durch die Polen rtsio, schossen diese eine grosse steinerne Kugel in den Didensjaal, um den Hauptpfeiler zu zerschmettern und die Ritter darunter zu begraben, allein das Unternehmen gelang nicht. Heinrich V. von England ließ irsig in den Steinbrüchen von M a i d st 0 n e in der Grafschaft Kenk 7000 Steine von verschiedener Größe zu seinen Kanonen auS- hauen, und als 147Z die Polen Breslau belagerten, schoß man aus Steinbüchsen steinerne Kugeln, deren jede einen Zentner wog. Wie so manches andre, könnte man auch die Einführung der eisernen oder gar metallnen Kugeln den Deutschen zusprechen, weil der AugSburgsche Skückgießer, Hans v. Arau, schon 1378 eherne und eiserne Kugeln machte, um sie statt der steinernen anzuwenden. Späterhin bedienten sich die Franzosen der eisernen Kugeln. als sie itsgZ gegen Ferdinand von Neapel im Kriege begriffen waren. Einige Jahre nachher überließen sie schon den Schweizern eiserne Kugeln. In den Jahren Iä>7 und »ZaZ führte die Hansa eiserne Stückkugeln nach Spanien, doch erst beim Jahre lääo wird ihrer zuerst in England gedacht. Selbst igrjo, bei einem Zuge gegen die Schotten, waren die steinernen Kugeln noch neben den eiserne» im Gebrauch, welches auch in Deutschland mitunter statt fand, denn i 54 g mußten mehrere schlesische, böhmische und lausttzsche Städte als Strafe ihr Geschütz dem Könige Ferdinand abgeben, bei welcher Gelegenheit Prag alle eisernen, bleiernen und stci- 70 nernen Kugeln ablieferke. In Schweidnitz hatten izgg die dortigen größer» Stücke steinerne, und das kleinere Geschütz eiserne Kugeln. Noch IÜ77, als Danzig mit dem Könige Stephan Dakhory im Kriege begriffen war, wurden von den polnischen Völkern große Steinkugeln in die Stadt geworfen, und (nach Warnery) bedienten sich die Türken noch in der neuern Zeit der steinernen Kugelix In Schlesien kommen die steinernen Kugeln zuletzt in ^ der Belagerung von Brieg durch die Schweden (1642) vor. j Wohlfeiler, aber ungewöhnlicher waren die Kugeln i von flüssigen Schlacken geformt. Sie wurden 1Z70 ! auf dem Eisenhüttenwerk Gittelde im Harz gefertigt, auch ließ Herzog Julius von Braunschweig (starb iggg) in den Rammelsbergschen Hütten Kugeln von flüssigen Kellenschlacken gießen und nach seinen Festungen führen. FronSperger spricht von Bleikugeln, die über eine eiserne Form (Schrot) gegossen werden und sagt: „Das Falkonet schießt zum Beispiel 2 Pfund Blei; wendet man nun zu der Kugel ein eisernes Schrot an, welches mindestens ^ Pfund wiegen muß, so sind zu jeder nur Pf Blei nöthig u. s. w." — In späkern Zeiten scheint diese Art Munition nicht wieder in Anwendung gekommen zu feyn, wenn gleich in Schweden der Vorschlag zur Sprache kam, eiserne Hohlkugeln über ein Schrot von Lehm zu gießkn, was begreiflich keinen Beifall sindcn konnte. Als die früher« Steinkarthaunen und Steinbüchsen sich verloren hatten, traten an die Stelle der großen steinernen Kugeln die bis dahin zwar längst bekannt, aber wenig im Gebrauch gewesenen Bomben, Granaten, Brand- und Leuchtkugeln, und mehrere Arten von Kunstfeucr. Die eigentliche Zeit der Einführung der Bomben und Granaten läßt sich schwer angebc», denn die älteren Nach- 71 richten reden zwar von Mörsern und Bomben, ohne jedoch eine genauere Bestimmung darüber anzugeben. In, Jahre 1378 machte der bekannte Augsburger Hans von Arau Bomben und Kugeln, welche 127, 70 und Zo Pfund wogen, und lehrte das Laden und Abschießen derselben. Stephan II., Herzog von Baiern, bediente sich i 388 bei der Belagerung von Regcnsburg der Bomben. Im Jahre i/j3g sollen die Bomben von Siegismund Pan- dulph Malatesta von Rimini in Italien erfunden seyn, welches aber falsch ist, wie aus dem folgenden erhellen wird. In einem langen Zeiträume erfährt man nichts von den eigentlichen Bomben, und nur erst 1320 kommt etwas davon vor. Markgraf Albcecht belagerte nämlich in diesem Jahre die Stadt Heilsberg in Preußen. Man schoß Kugeln in die Stadt, von welchen die Geschichte sagt, daß sie hohl und inwendig mit Pulver gefüllt gewesen wären. Ferner, es wären daran zehn kleine Kugeln befestigt gewesen, die, wenn die Kugel zersprungen sey, sich weit umher zerstreut hätten. Schon die Hansa trieb 1517 einen Handel mit Bomben, die sie zollfrei nach Spanien und Portugal! brachte. Oec vielfache und glückliche Gebrauch der Bomben und Granaten, welche der Graf Peter Ernst von Mansfeld, General König Philipps II. von Spanien, gegen die Stadt Wachtendon k (J 288 ) von ihnen machte, und die vielfachen Versuche, welche die Spanier kurz vorher in Venlo mit ihnen anstellcen, mögen den Geschichtschreiber Strade irre geleitet hoben, die Erfindung der Bomben einem Bürger von Venlo zuzuschreiben. Vielleicht verdanken wir diesem Bürger eine wesentliche Verbesserung derselben. Tempelhof erzählt die Sache uniständ- lich, und zwar, daß bei dem ersten Versuch gleich zwei Drittel von Venlo durch eine einzige Bombe in Asche ge- 72 logt worden sey. Andre schreiben die Erfindung der Bomben den, sranz. Erbprinzen Cosmus I. (i 56g) zu. Nach der Erfindung der Geschütze gedenkt Robert Balkurius, der gegen die Mitte des iZten Jahrhunderts lebte, und sein Buch: lls re militori, dem Fürsten Riniini Pandulpho Malatesta zucignere, der Bomben zu- ^ erst. Nach seiner Erzählung bestanden fie aus zwei hohlen metallenen Halbkugeln, die durch HcSpcn und einen Reifen zusammen gehalten, mit Pulver gefüllt und durch eine heraushängende Zündschnur entzündet wurden. Es ist daher irrig, wenn Hoyec die Erfindung der Bomben dem Malatesta o. Rimini, und die Gotting, gelehrte Anzeigen von 1806, No. roch, eben demselben 1^72 zuschreiben. Die von ihm zikirte Stelle des Dalturius deutet bloS auf die von diesem Fürsten gemachte Erfindung eines Geschützes, um die Bomben in einem sehr hohen Dogen werfen zu können. Er setzte nämlich (wenn anders die Beschreibung und der Holzschnitt iin Balturius richtig find) zwei eiserne oder metallene Röhren unter einem beliebigen Winkel zusammen, und befestigte diese Maschine mit eisernen Bändern auf einen Block. In der wagerecht liegenden Röhre kani das Pulver zu liegen, und aus der aufrechtstchenden wurden die Bomben geworfen. Doch ^ inan fand bald das Unstatthafte eines solchen Geschützes, ! und brauchte in der Folge zuin Werfen der Bomben die längst bekannten Stein- und Streubüchsen, auch Mecr- thiere (Mortiere) und Hauffnits (Haubitzen) genannt, die von den früheren Bombardon und Donnerbüchsen durch nichts als den kürzeren Flug verschieden waren. Die hohlen kupfernen Kugeln, welche die Türken in ! der Belagerung vor RhoduS (1Z22) auf die Stadt warfen, und die mit Pech, Schwefel, Mordfchlägen rr. gefüllt waren und beim Niedcrfallen zersprangen, waren allerdings nichts anders als Bomben. Fronsperger, in 7Z seinem iZZ7 zu Ulm hccausgegcbenen Kci'cgSbuche, spricht von ihnen unter dem Namen der sprengenden Kugeln als von einer ganz bekannten Sache, die bei Belagerun- i gen von Freund und Feind schon oft gebraucht worden fcy, und in der angeführten Stelle wird auch gelehrt, wie man diese hohlen, eisernen, mit feinem Pulver gefüllten und mit einer eisernen Drandröhre versehenen Kugeln aus Haubitzen schießen soll. Uffano, der um das Jahr röoo lebte, sagt, daß man die sprengenden Kugeln zum Theil mit Pulver, größtentheils aber mit Drandzcug füllte und sie gewöhnlich aus Skückmetall zu gießen pflegte. Auch führt ec an, daß der Name Bombe nach Sen Brandröhren, die ursprünglich so geheißen haben, erst zu seiner Zeit in Gebrauch gekommen sey. jOie Deutschen, Spanier und Niederländer hatten sich der Bomben und der kleinern Granaten schon lange bei Belagerungen bedient, als der englische Ingenieur Mal- thus gegen das Jahr i63c> auch die Franzosen unter Ludwig XIII. damit bekannt machte, welche sie 16Z4 zuerst anwendcken. Er erfand auch die Bränder oder Zündlichter, um beim Losbrennen des Mörsers sicher zu gehen, da man damals noch mit zweien Feuern schoß, d. h. zuerst den Zünder der Bonibe anzündete und dann den Mörser abfeucrtel! Dagegen waren die Petarden, die mit den sprengenden Kugeln gewisterinaßen Aehnlichkeit haben, schon 137g in Frankreich durch die Hugenotten erfunden worden. So wie unsre Vorfahren die Ungeheuern großen Kanonen und Kugeln liebten, so hatten sie auch Mörser und Boniben ähnlicher Art, wovon nur ein Beispiel hier angeführt werden soll. Als die Schweden 16^2 Brieg belagerten, warfen sie eine große Bombe hinein, welche glücklicherweise nicht zersprang. Sie enthielt I6 Pfund Pulver, und wog an Eisen Hag Pfd. schles. Oie kleinsten Granaten, t - i'- ^ , — 74 — unter dem Namen der Handgranaten, sind dagegen lZ2rs eingeführt worden. Gegen das Ende des 16 ten Jahrhunderts fiel man darauf, Granaten aus Kanonen zu schießen. Oa aber die ersten Versuche nicht mit gehöriger Vorsicht, und überhaupt mit zu starker Pulverladung angestellr wurden, so mißlangen sie, und nian behielt die sicherere Art, sie aus Haubitzen zu werfen, bei. Spätere Versuche haben indessen das Gegenthcil dargötha». Dahin gehören die zu Hannover 176g, zu La Fere 177Z, zu Glatz 1810 und zu Berlin neuerdings angestellren Versuche. — Am wirksamsten sind die K anonen - Granaten von Elliot in der Belagerung von Gibraltar (177g) gebraucht worden, der mit 7pfündigen Granaten aus sHpfündigen Kanonen geschossen und die Spanier aus ihren gegen Zooo Schritt entfernten Laufgräben verjagt hat. Das Verfahren dabei» besonders die Stärke der Pulverladung, findet man im Hannöverschen neuen militärischen Journal, -j. Stück S- 225. Oie Kartätschen, in den ältesten Zeiten unter dem Namen Hagel bekannt, oder auch Hagelgeschoß, oder Hagelbüchsen, bestanden aus Kieselsteinen, Stücken alren Eisens re. und waren sonst aus den Steinböllern, Mörsern und Haubitzen, ohne irgend eine besondere Verbindung geschossen worden; jetzt fing man an» dieselben in ein Netz von Eiscndrath, in geflochtenen Körben rr. zu fasten. Den Gebrauch der Kartätschen von Musketenkugeln finden wir zuerst in der Belagerung von Ostende (1602), wo di^ Niederländer eine Anzahl solcher Kugeln in Säcke von mehrfachem starken Segeltuch packten, und damit aus Kanonen die Laufgräben der Spanier mit großem Erfolge beschosten. Auch bedienten sich bei dieser Belagerung die Niederländer zuerst der Karkassen, d. h. der Leuchtkugeln mit darin verborgenen Granaten» die zum Krepiren 1 geladen waren. Eben so der Feuerpfeile, die eine sehr Hute Wirkung hatten, um Bekleidungen der Schanzarbeik, oder Gebäude damit in Brand zu setzen. Oie Anwendung der Kartätschen im freien Felde (bis dahin waren sie nur bei Belagerungen gebraucht worden) fällt in die Periode des Jo jährigen Krieges, wo die Regimcntsstücke Gustav Adolphs vorzugsweise diese Bestimmung hatten. Indessen darf nicht unbemerkt bleiben, daß der Markgraf von Baden Fcldhaubitzen, ebenfalls ausschließlich für den Gebrauch der Kartätschen bestimmt, eingeführt hat. Die glühenden Kugeln sind eine sehr alte Erfindung, denn schon die Araber haben sich ihrer bedient. In Sag an warfen schon ain 7. Mai 1^72 die Belagerer, unter Anführung des Herzogs Hans von Sagan, glühende Kugeln und brennendes Geschoß in die Stadt. Danzig wird 1577 mit glühenden Kugeln beschossen, und die polnischen Truppen setzten am 20. August 1577 bas Fort Weichselmünde durch sic in Brand. Oie Angabe, als Hobe der Spanier Don Juan Mauriquez de Lara sich der glühenden Kugeln iZgo bei den Belagerungen zuerst bedient, ist daher zu bezweifeln; auch bediente sich Renneberg ihrer in demselben Jahre vor Steen wirk und steckte 70 Häuser damit in Brand. Bei der Belagerung von RheinSberg fiLg7) wurde der Pulvecthurm der Stadt durch glühende Kugeln in die Luft gesprengt. Spanier und Niederländer machten in ihren Kriegen in der zweiten Hälfte des röten Jahrhunderts häufig Gebrauch von glühenden Paßkugeln, um Gebäude damit an- zuzündcn. Gustav Adolph ließ am 6. Juli 1628 die polnischen Schiffe vor Weichfelmünde mit glühenden Kugeln aus ledernen Kanonen beschießen, wodurch ein Schiff in die Luft gesprengt wurde. — Als Thorn ik>A8 von den Polen und Kaiserlichen belagert wurde, schaffen diese am 76 28- August drei glühende Kugeln, jede 2-j Pfund schwer, in die Stadt. Später (1781) wurde das Andenken der glühenden Kugeln zum Nachts,eil der Spanier durch den General Elliot bet der Belagerung von Gibraltar lebhaft erneuert. Der hannoversche Soldat Schwependik gab eine eigene Art Wmdofen. uni sie zu glühen, an, und ste wurden auf kleinen eisernen Rollwagen (sogenannten Hunden) den Geschützen glühend zugefahren. Die engltsche Regierung bewilligte dem Erfinder eine Gnade; und er bat. sich tod trinken zu dürfe», welches er auch in weniger als einem Jahre bewerkstelligte ( 1782). Oe» 8c> Dezember 1806 wurden ste de» Breslauern, als die Franzosen die Festung belagerten, sehr fühlbar. Vor Erfurt (18G) leisteten ste den Preußen vortreffliche Dienste. Iu den besonderen Geschossen lassen stch die Granaten aus Töpferthon rechnen, die aus der Hand geworfen und erst späterhin durch die eisernen Handgranaten ersetzt wurden Ferner die bleiernen Brandkugcln, deren man stch iü8c> bei der Belagerung von Steenwick zum Briefwechsel bediente. Auch Prinz T h om a s von Savoyen korrespondiere im Jahre rötjo auf ähnliche Art mit dem Gouverneur von Turin, Log an es. Das Laden mit der Ladcschaufel war bei dem kleineren Geschähe gegen Ende des röten Jahrhunderts abgeschafft und dagegen die Kartuschen — jedoch zur See weit früher als zu Lande — eingcfühct worden. Bona- juto Lorino machte zuerst den Vorschlag, die Kartuschen mit der Kugel zu verbinden. Im Zo jährigen Kriege führte Gustav Adolph bei den Regimenlsstücken die Patronen oder Kartuschen ein, um den raschen Angriffen der polnischen Reiterei schneller begegnen zu können; und da ec den großen Vorzug derselben vor dem Laden mit der 77 Ladcsiliaufel bald erkannte, befahl er, daß sie auch bei den Barreriestücken gebraucht werden sollten. In der Verfertigung der Kunstfeuer, oder der sogenannten Ernstfeuerwerkcrci oervollkommnete man sich in der Periode des Zn jährigen Krieges ungemein, besonders was diejenigen Feuer anöerrijst, welche zur Derrheidigung der Breschen gebraucht wurden, eine Verteidigung, in der man damals die größte Ehre setzte. Man folgte indessen immer noch der früheren Methode, die Branökugcln mit dem Zünder gegen die Pulverladung einzusetzen, wodurch die meisten, und unter andern in der Belagerung von Regensburg 1634, viele davon blind gingen. Erst späterhin ward dieser Irrthum verbessert — lieber die Ernst- scuerwerkerei haben S i in i cn 0 w 1 rz, Büchner, M i cth, Dillich. Srövesand (dieser auch über die Lustfeuer- werkerei) u. a. m. mit vieler Liebe geschrieben. — Auch fing man an, die Bomben mehr gegen die Geschütze und Außenwerke des Belagerten anzuwenden als früher, wo sie blos als Zerstörungsmittel gegen die Gebäude gedient hatten. Oie Belagerungen von Breda, Grol, Rol- duc, Costnitz und Nördlingen geben Beweise davon, bei der letzteren wurden 1Z00 Bomben in drei Wochen geworfen. Oer Zunftgeist, welcher damals in den Artillerien herrschte, machte, daß die Feuerwerker es einander in allerhand lächerlichen Kunststückchen zuvorzurhun suchten, die kaum mehr zum Gebiete der Ernstfeuerwerkerei gezählt werden konnten. Hiervon hat die sogenannte Lustfeuec- werkerei ihren Ursprung genommen, in der sich besonders die sächsischen Feuerwerker hervorkhaten. Aus ähnlichen Gründen haben die mancherlei abenkhcuerlichen Geschosse, von denen heute nur noch die Spiegelgranatcn, von den L)streichern Wachteln genannt, im Gebrauch 78 sind, in Deutschland viel mehr Beifall gefunden alt in Frankreich. In altern Zeiten krittele man die Spiegclgra- naten auf den Hebcspiegel fest, überzeugte sich aber späterhin von dem Unnörhigen dieser Vorrichtung. Die Brand- , kugeln (nach heutiger Act aus einem eisernen mit Zivil- ! lich überzogenem Kreuze bestehend) wurden 1672 durch Bernhard von Galen erfunden, bei der Belagerung von Grol zum erstenmale angcwendet, >6g7 aber wieder abgeschaffc und nur von den Deutschen beibehalten. — Die eisernen Kartätschkugeln sind dagegen von den Deutschen zuerst gebraucht worden. Gegen Ende des I7ten Jahrhunderts wurden die schilfencn Schlagröhren (sogenannte Gcschwindpfeifen) durch den Artillerie-Obersten Geister erfunden, und 1697 in der Belagerung von Brüssel den ersten Gebrauch von ihnen gemacht. Uni dieselbe Zeit erfand ein Herr von Montigny den Stü ckvisiti rer. — 1714 wurde eine Höllenmaschine durch den Herrn von Nostikz erfunden, deren nähere Beschreibung sich im 164. Sk. der Zeit. f. d. elegante Welk von 1817 vorstndel. In den Jahren 1789 und 1740 wurden in Frankreich die Ladungen nach dem Kugclgewichk geregelt und im Allgemeinen auf ein Drittel desselben festgesetzt. Schon im Anfänge des iZten Jahrhunderts war das Überschmieden der Kanonenkugeln, um sie runder, glätter und dichter zu machen, in Ostreich und Baicrn gewöhnlich, und wurde 1743 durch Rostaing nach Frankreich gebracht. Es wurde dort von 1766 an förmlich ein- geführk, von andern Artillerien aber, und namentlich von der preußischen, nicht nachgeahmt. Gcibauval schaffte in Frankreich die Beutelkartätschen ob, und führte dagegen die Büchsenkartätschen mit über- schmiedctcn eisernen Kugeln ein, welche bei den deutschen Artillerien schon längst im Gebrauch waren. Die kleinen Kartätschen, welche in der neuesten Zeit von den Preußen angenommen worden sind, fanden schon damals bei den Dänen statt. Im Jahre 1760 führten die Engländer die Brandt bomben ein, deren Werth vielleicht nicht genug anerkannt worden ist. In Preußen kamen ste erst 181g von neuem zur Sprache, und gegenwärtig scheint es, als würden die bisl,er gebräuchlichen, ihren Zweck so mangelhafr erfüllenden Brandkugeln, jenen in der Folge weichen müssen. Es wird hier der Orr seyn, etwas über die Brand- raketten zu sagen, deren Erstndung keinesweges so neu ist, als man glaubt, denn jchon auf Sem Hindus waren ste im Gebrauch. 1447 zündete Graf Oünois das von den Engländern verrheidigre Pont au de Mer in der Normandie mit Raketten an, und die Araber bedienten sich schon im Kriege von Chiozza vieler Kunstfeuer und wahrscheinlich auch der Raketten. In Ostindien hatte Hyder Aly einige tausend Nlanri Rakettenwerfer unter seinem Heere. Diese Raketten bestanden aus einer eisernen Z bis 12 Pfund schweren Röhre, mit Brandzeug gefüllt und an ein 8 Fuß langes Bambusrohr befestiget; ste konnten wagerecht und im Bogen geworfen werden. Diesen ähnlich waren die 1798 vom Bürger Chevalier in Frankreich erfundenen phosphorischen Rakerren. Oie Erstndung schlummerte hierauf viele Jahre, und wurde endlich i8oä durch den englischen Obersten Congreoe wieder erneuert, dessen BrandrakLtren 1807 bei der Belagerung von Copenhagen furchtbare Wirkung khatcn; iin freien Felde machten sie jedoch, ihrer regellosen Flugbahn wegen, weniger Glück. In der neuesten Zeit sind in lüstreich, Sachsen und Preußen wiederholte Versuche mit Raketten ange>tellr worden; die Erfahrung muß aber noch bestätigen, ob und wie ste im Kriege volle Anwendung finden können oder nicht. Auch die Franzosen ha- ÜO ben Versuche mit Brandraketten angestcllt, scheinen aber von ihnen zurückgekommen zu seyn, weil allerdings kaum zu erwarten ist, daß dieses theure und doch so unzuverlässige Geschoß jemals die Kosten rechtfertigen wird, die es verursacht. Die Engländer empfanden bald, wie übel eine Rakettenbatterie daran ist, wenn ste sich auf ungünstigen, Boden befindet, oder Wind und Wetter ihr entgegen find, und gaben igi 3 diesen Batterien deshalb 2 leichte Haubitzen bei, damit fic doch nicht ganz wehrlos wären. Warum gerade Haubitzen, als ein Geschütz, das so wenig Dertheidigungselcmentc in sich vereinigt, ist schwer zu erklären. Die gegenwärtig gebräuchlichen Kartä tschku gcln find — wenigstens für das Feldgeschütz — überall von geschmiedetem Eisen, und nur im Belagerungskriege von Gußeisen. Bei den Ostceichern bedient man sich außerdem bleierner Musketenkugcln zu Kartätschen. Die Chargi- rungen find jetzt auf etwa 200 Schuß auf jedes Geschütz für den Dienst im Felde berechnet. V. Geschichte des wissenschaftlichen Theils der GeschüHkunst. Oer wissenschaftliche Theil der Geschützkunst kann seine Geschichte nur erst von der Zeit an dakiccn, wo man anfing, die Mathematik auf die Geschützkunst anzuwcndcn. Bis dahin war sie ein bloßes Handwerk, das nach und nach zur Zunft überging. Unsers Wissens nach, find Nicol aus Tarkaglia und Vanucci Biringoccio die ersten artilleristischen Schriftsteller. Jener wendete zuerst mathematische Grundsätze auf die Geschützkunst an, hatte die erste Idee von der 81 der Kugelbahn, und führte schon iZZi zu Verona den Beweis, daß der Richtungswinkel von HZ Graden die größte Wurfweite gebe. Tartaglia'S Weck erschien rZ3/, das des Biringoccio 1 ZH 0 und erlebte viele Auflagen. Nächstdcm waren die Deutschen diejenigen, welche im wissenschasrlichen Theil der Geschützkunst die ersten bedeutenden Fortschritte machten, und cs ist bereits an einem andern Orte erwähnt worden, daß die Düchscnmeister, welche sich durch richtiges Tressen auszeichneten, fast durchgängig Deutsche waren. Die wesentlichsten Verbesserungen im Schieß- und Richtwescn verdanken wir ebenfalls unfern Landsleuten. Vor allen hat Jakob Preuß wesentliche Verdienste um die Verbesserung des Geschützwesens in Deutschland, und ist zugleich als der Stammvater der deutschen Artillerie-Likkerarur anzuschcn. Karl V. hat die Artillerie-Wissenschaft eigentlich dadurch begründet, daß er sowohl in Spanien, als auch in Italien die ersten Artillerie-Schulen anlegkc. Oie Vcnekianer sollen — andern Nachrichten zufolge — ihm darin sogar vorangegangcn seyn. In der Periode der spanisch-niederländischen Kriege (rZ6g—»6og) lebte Diego Ufano, ein spanischer Artillerie-Hauptniann, der sich um die Wissenschaft sehr verdient gemacht, und durch Herausgabe eines Werkes über die Artillerie und deren Gebrauch viel zu den Fortschritten beigetragen hat, deren sie sich in jener Zeit erfreute, und die zum Theil bis aus unsre Zeiten sich fork- gepstanzk haben. Ufano's Werk wurde später ins Deutsche und Französische übersetzt, und kann als das beste über die Artillerie jenes Zeitraums angesehen werden. In der Artillerie-Schule zu Burgos in Spanien, welche Karl V. errichtet hatte, wurden die Zöglinge besonders in den praktischen Theiken der Wissenschaft unkerwic- F ! — 82 — sen; denn der theoretische Theil derselben befand sich begreiflicherweise damals noch ini Zustande der Kindheit, ob- ' schon die Artillerie bereits ein besonderes Korps bildete und ihren eigenen Chef besaß, der nur dem kommandiren- den Feldherrn untergeordnet war, von dem er Befehle empfing. — Auch die Niederländer beschäftigten sich viel mit dem wissenschaftlichen Theile der Artillerie. Doch wäbrend sie mit den Spaniern wetteiferten, es einander in der Geschützkunst zuvorzuthun, gericth diese in Frankreich faß ganz in Verfall. Erst unter Heinrich dem Großen, als der Herzog von Sülly iZgg Fetdzeugmeister in Frankreich wurde, fing die sranzöfische Artillerie wieder an sich zu heben, und ist seitdem auch in ununterbrochenem Fortschreiten geblieben. Sülly entließ unter andern über Zoe unwissende Artillerie-Offiziere an einem Tage. — Es scheint überhaupt, als wenn eine jede Artillerie eine solche Verfalls- periode hätte erleben müssen; auch die preußische machte davon keine Ausnahme, wie wir gesehen haben. Glück lichecweise war aber die Dauer derselben sehr kurz. - ! In diese Periode fallen auch die ersten und gründlich zu betrachtenden Versuche des Engländers Eldret über den Flug der Bomben, die er >6n zu Dover angestellt hat, und welche Robins für äußerst wichtig erklärt. El ^ dret hat fie 1646 in seinem Werke: tl>« Ounrier's glas,, herausgegeben. Sein Landsmann Anderson hat stch später (tö^-s) durch Herausgabe eines Werkes: 1 'lis genuin, US« suä ebsecls ok lt>« guu, UNI die Wissenschaft sehr verdient gemacht. Als Beitrag der Geschichte der Artillerie am Schlüsse des i6ten Jahrhunderts, und ats Nachweis, auf welcher Stufe wissenschaftlicher Bildung sie sich damals befand, muß eines Manuskripts erwähnt werden, das sich gegen- wärklg ,'n den Händen S. K. H. des Prinzen August von Preußen befindet, und früher zur Bibliothek des Mar» schalls von Sachsen gehört hat. Dasselbe trägt auf dem pcrgamenknen Deckel die Jahreszahl -5g7, ist in Quarto mit schwarzer Dinte und rothcn Initialen und Überschriften geschrieben, und fuhrt wörtlich den Titel: „Kunstbuch Von Arkolorey vndt Büchsenmeisterey fachen, darinnen allerlei guette vndt bewerte stück zusammen verfasset, vnö in sonderliche Eapitell bcgries- fen sein, wie volgendes Register ausweisek." Das Manuskript ist mit mehreren gemalten Figuren und Abbildungen geziert, die freilich im Geschmack der damaligen Zeit und etwas roh gearbeitet sind, aber deren Farben sich bewundernswürdig erhalten haben; die Lichter sind mit Schaumgold oder Schaumsilber aufgesetzt. Hin und wieder finden sich einige angestrichene Stellen, vielleicht um vorzüglich brauchbare Dinge anzu- dcuken. Das erste Kapitel beschäftiget sic^mik dem Ursprung der Artillerie und dem, was einem Büchsenmeister zu wissen nvthig ist. Der unbekannte Verfasser schreibt mit Bestimmtheit die Erfindung des Pulvers im Jahre nach Ehr. Geb. iZgo, dem Mönch Bactholdug Niger oder dem schwarzen Dartell zu, der nach seiner Meinung ein gewaltig berühmter und vortrefflicher Alchimist und Rigramist (Schwarzkünstler) aus Kriegeslanden (am Rande steht Qr-iocia) gewesen ist, und Gold, Silber und andere Metalle zu scheiden verstand, auch mit wun- derbarlichen abentheurischen Sachen umgegangen sey. Eine Mischung von Salpeter, Schwefel und Blei öl in einem erhitzten kupfernen Gefäße habe ihn zuerst aus die Erfindung des Schießpulvers geleitet; auch habe er eine Büchse gießen lassen und Steine daraus zu werfen versucht. Der §2 84 Verfasser bezieht sich auf Vas Wunderbuch des Kaspar Goldwurm und auf den lVlsthc-sius in ,uo sarsprs, die beide das nämliche ausgesagt haben, und fügt hinzu, daß der schwarze Barthel die neue Mischung den Dcnerianern verrathen, die den ersten Gebrauch davon gemacht hätten. Das Dildniß des Erfinders ist diesem Kapitel beigefügt. Er steht in einer weißen Kutte und mit geschorner Tonsur in seinem Laboratorio, und scheint eben einen Tiegel auf das Feuer setzen zu wollen. Neben ihm auf einer Bank Hegt ein Buch und ein Rosenkranz. — Auf der Kehrseite ist eine ziemlich ungeschickte Kanone auf ihrer Lassere abgebildet; ein kleiner Mann mit gelber Jacke, cothen Ermeln und Federhut fitzt auf einem Hügel daneben, und Icheint eine Terrain-Aufnahme oorzuhabcn, oder die folgenden dabei stehenden Reime niederzuschreiben, die ihrer Merkwürdigkeit halber, und zur Bequemlichkeit in modernem Deutsch, ohne Verletzung des Sinnes hier wic- dergegeben werden. Etzliche Reime vom Geschütz. r. Dies Stück von Erz gegossen bart, zu Martis Dienst und Kriegesfarth, 'il,, haben Meisters Künste recht gestalt, wie uns die Perspektiv' thuc lehr'n. 2. Zu großem Schaden sfür) Land und Stadt, Dulkanus soüb'k erfunden hat, durch menschlich Klugheit und Verstand, ein Werk, das vormals unbekannt. War es gestiegen nicht so hoch, so lebt der Deutschen Tugend noch. > Z. Düchsengeschütz, Kartbaunenschalk, erschrecket Menschen, Berg und Thal, , dazu die Tbor (en) doch furcht dich nicht, von diesen dir kein Schade geschieht. 85 Appelles ist mit Ruhm begabt, der diese Kunst allein gehabt, Herones der sie zuerst ertund, hat sie den Deutschen auch geqund (gegönnt), die legten darauf großen Fleiß, der edlen Kunst zu Ehr und Preist. Was Pallas in ihrem Witz vermocht, > har sie vor Troja ganz verbrocht (verbraucht), dies Werk war damals unbekannt, Dulkanua es hernach erfand. 6. Jupiters Donnerschlag und Keil, thut nicht so großen Schaden in Eil, als Martis Blitz, welches (den) mit Noth, ein deutscher Kopf erfunden hat. 7. Hernach Pallona (Bellona) dieses Werk, hat gossen (gegossen) auf Sizielien - Berg (wahrscheinlich den Ätna) ^ es ist gemacht durch's Malers Sinn, ? - . und Geometri die Meisterin, den Deutschen ist des Feuers Kraft, / , .. .... ganz und gar unterthnn gemacht, . " daraus ist manche Kunst entsprungen, darnach die Alten fast (sehr) gerungen. Man sieht wenigstens daraus- daß der Verfasser die Erfindung des Pulvers und der Geschütze ganz bestimmt den Deutschen zuschreibt. Die beiden letzten Stanzen deü zweiten Vetses deuten nicht übel darauf hin, daß durch die Erfindung der Feuergeschütze der persönliche Muth der Streiter etwas herabgesetzt worden ist. Zu den Dingen „die ein Büchsenmeister oder Schlan» gcnschütze wissen müsse, um mit seiner Kunst vor Fürsten und Herren zu bestehen," werden zuerst alle zum Laden und Feuern bcnöthigte Gerätschaften, dann einige Vor- fichtsmaaßregeln vor dem Laden, Probiren des Pulvers auf weißem Papier, Abtheilcn der Ladeschaufel u- s. w. gerechnet. Dann folgt eine Nachweisung von dem, was ec wissen müsse, um dem Stande eines Zeugmeistcrs vorzustehen, wozu auch der Entwurf des Grundrisses einer Festung gezählt wird, von der einige Abbildungen beige- j fügt sind. Das S. 2i. abgemalte Geschütz ist dem heutigen sehr ähnlich, nur daß es stakt der Traube eine Art Medusenhaupt hak. Oie Lasset« kommt mit der früher» französischen fast ganz überein, hat aber äußerlich an den Wänden ansehnliche Schnörkel. Auch die übrigen Abbildungen weichen durchaus nicht so sehr von den heutigen Gegenständen ab, als man glauben sollte, ja manche sind ganz dieselben, z. B. der Oammzieher, die Nothschraube, die Dogelzunge u. a. m. Unter den guten Gewohnheiten, die er mehr als andere Leute an sich haben, oder woran ec sich zeitig gewöhnen soll, zählt der Verfasser besonders die Gottesfurcht, weil, wenn er mit Pulver und Geschütz umgeht, er seinen ' größten Feind vor sich habe. Bescheidenheit wird empfoh- > len und vor Stolz und Hossarth gewarnt. . Hierauf folgen zwölf Fragen über das Laden der j Büchsen rr., welche Work für Wort die nämlichen sind, deren Hoyer bei der Erzählung von einem Manuskripte I gedenkt, daS i-Uä verfaßt, und dessen in diesem Aufsatze j schon einmal gedacht wurde. Es scheint daher, als wären l jene zwölf Fragen unter den damaligen Artilleristen gleichsam reglemenksmäßig gewesen. — Auch in der frühem Sage vom schwarzen Barthel stimmen beide Manuskripte fast wörtlich überein. Man sinket das letztere ausführlich beschrieben in HoyerS Zusätze rc. II. 2. S. 1107. u. s. Das unsrige scheint eine Act neuer Auflage von jenem zu feyn, die Hauptsachen sind in beiden die nämlichen, nur die Sprache des neueren ist etwas weniger unverständlich als die des älteren. Zweites Kapitel. Beide Manuskripte empfehlen das Waschen des Salpeters in kaltem Wasser, um das Kochsalz zu scheiden, eine Methode, die „och jetzt in Preußen angewendek wird, Unser Manuskript handelt noch vom Brechen und Ausschmelzen des Salpeters, wovon jenes ganz schweigt. Den Schwefel stärker zu machen, schlagen beide vor. r Pfund desselben niit i Lorh Quecksilber, „das mit Schwefel getödtet sey" zusammen zu schmelzen, und dann in Branntwein auszugießen. In der Gewinnung der Kohlen stimmen beide überein, und sagen unter andern: „die besten Kohlen, die man zu Zündpuloer haben könne» müssen aus einem reinen» weißen, ungestärkten Tischlaken in einem irdnen verklebten Topfe gebrannt werden." Drittes Kapitel. Oie Pulverbereitung selbst und mehrere Pulversätze, unter dem Titel: „Ihrer Churfürstl. gr. Hertzogk Aug. vndt Christian! vornehme Pulver Sätze zum Pirschenn." Bei No. g. i Pf. Salp, ss Loth l Quentch- Schwef. 6 Loth Kohlen, steht mit blasser Ointe aber derselben Handschrift: gueth, C. Schill: bei No, n- i P s- Salp. 4 Loth Schwef. 2 Loth Kohle oder gemelter Sandell, steht: „Ist des Zeuchmeisters Zu Cü- strin Caspar Schvaben Saz, wirdt roter San- del in essige gebeißet anstat der Kohle gebraucht." — Bei No, IZ. I Pf. Salp. z Loth Schw. ss Loth Kohlen, stehr: „Oer Spandauische Puluer Saz." Bei No. Zi. Z Pf. Z Loth Salp. iss Loth Schw. 18 Loth Kohl, steht: „hat der Churfücst zue Sachsen A. 76. c, gebrauchet." — Bei einigen andern Sätzen stehen die Namen CaSp. Schill, Andreas am ende ir. Alles dieses scheint zu beweisen» daß das Manuskript Bcandenburgschen Ursprungs ist. Oer Vers, unterscheidet folgende Pulversorten: Haken- 88 pulver, Echlangenp., Zündp,, Knollenp. und bunte Pulvcr- arten. Außerdem vergiftetes Pulver, dessen Bestandteile sind: gewöhnliches Schießpulver und die Asche eines Molches und eines Frosches, die in einem verschlossenen Topf lebendig verbrannt wurden; Pulver, das trocken nichts taugt, aber feucht gut ist (gebrannter Kieselstein und Kampfer sind darunter gemischt); Pulver, das nicht knallt, verdorben Pulver wieder herzustellen u. s. w. lieber das Körnen des Pulvers spricht er als von einer ganz bekannten Sache, und räth, das Pulver mit Weinessig, Branntwein, Schöllkraut und Königskcrzwas- ser u. s. w. anzufeuchtcn. Das vierte Kapitel handelt von den Handgriffen beim Laden, Richten und Feuern; es enthält mehrere Abbildungen von Nichtinstrumenken. S. 8g- steht die Bereitung eines PuloerwassecS, nämlich: „Nimm Salpeter, de- stillire ihn zu Wasser, den Schwefel zu Öl, und Salmo- niak zu Wasser, Oleum bensälctum thuc auch dazu nach folgendem Gewichte: 6Loth Salpeterwasser, 2 Loth Schwe- fclöl, 2 Loth Salarmoniakwasscr, 2 Loth Oleum bsneäic- tum. Schieß damit, es treibet über Zooo Schritt." Das fünfte Kapitel. Gebrauch der Artillerie in ernsten Angelegenheiten im Felde: bei Besatzungen, Stürmen und Schlachten. Es begnügt sich, Anleitung zur Anfertigung aller damals gebräuchlichen Ernstfeuec zu geben, lehrt aber auch die Kunst, ein Geschütz zu besprechen, was, seiner Seltenheit wegen, hier wörtlich eingerückk werden soll. - »Ich gebeut Vier Büchse den Stein zucschicßenn, hatk P pr 9212 k l' das due mir keinen Menschen scheust, Ich gebeut dier Büchse, bey der ousserstchung Unsres Herren Jehsii, P Pus da der himmlische Daker innen ist. Ich gebeut dier Büchse, das due mir keinen Menschen scheust, ohne den Herren, bey dem heiligen Datcr, bey dem Sohne, 'r-v 89 vnd bcy dein heiligen Geiste, das Golk ließe ucber ihn, an den heiligen Creuze, das due keinen Menschen nicht schadest, Ich gebeut vier bcy den heiligen decy nageln, vnd bey der erbarniung vnsrcs Herren, Ich gebeut Vier Büchse bcy den drey wortten, die vnser Herr zue Johanny vnd vnser frauen sprach, an dem heiligen Crcuze, bcy den verständigen wortten: äic guing Pater nostri et tuum aus Maria, Also kannstue alle Büchsen die einenn Schloße sein oorsprechcn, und bist denselbigen tagk init alle deinem Dolgkc, doö due bey vier hast im Felde, gesichert vnd be- hütket w- probaturn ost Eier 's Elphak, Sebastian non eic smanuel ireaeäicti ch Hierauf wird vom Geschütz selbst gesprochen, und folgende Geschlechter angegeben: r. Die Mauerbrecher. Mecican» od.Scharfmetzen, wiegen looZtr. schieß. 8oPf. Eis. Sana - Lasilischkcn, » 7 Z - - 70 - - Ouplicana - Nachtigallen, - 2o - » Zo - - Iriplicana - Srngeringen, - 2o - - 3 o - - (iusitana - halbe Karthaun. - 23 - - 23 - - 2. Die Feldgeschütze. Draoana öd. Drachen - 16 - - 16 » Solobrina - Schlangen - — - -- 8 - - kalcsna - halbe Schlangen- — - - -f - - kalconer - Quartierschlang.- - - - 3 - . Zu einem vollständigen Zeughause sollen gehören: lg Mauerbrecher, Z7 Feldgeschütze, 2 große Mortiere zu r Zkr. Stein- und Zü Ztr. Metall-Gewicht, 2 halbe Mortiere und t2 kleine Mortiere zu 8 Pf- Stein und Ztr. Gewicht; außerdem eine Menge Tarriöbüchsen, Serpentinen, Ooppclhaken u. s. w. Der Verfasser läßt eine Art MobilmachungSplan für 12 Stück Feldgeschütz und Z Feuermörser folgen, worin unter andern 6 Schirrmeister Vorkommen, deren jeder äo lag go Pferde unter sich habeir soll, also genau die Einrichtung in Preußen von 179g. (!) Ein Zeugmeisier bekam monatlich Z6rj Gulden, ein Lieutenant !2ch ein Pro- fos mir seinecn Personale 126 Gulden, ein Stangenreutec 6 Gulden u. s, w. Das sechste Kapitel enthält eine Anweisung zum Gebrauch des Kaliberstabes mit mehreren Abbildungen. Das siebente den Gebrauch der Feuermörser mit einem Bilde nach dem Leben; auf jedes Pfund Stein der Kugel ward 2 Ins 3 Loch Hakenpulver Ladung gerechnet. Das achte handelt von den Ernstfeuern der damaligen Zeit. Der Verfasser schlägt mehrere Sätze zu Brandkugeln vor. und erwähnt auch der Sägespäne. Er schlägt eine Arc Stärket mir Mordschlägen zur Vertheidi- gung der Breschen vor, das wohl der Beachtung Werth seyn dürfte. Oie übrigen Feuerwerksstücke sind die allgemein bekannten zur Abwehrung des Sturms rc. Auch Brandpatronen, den Brandraketten, die heul zu Tage so viel Epoche machen, nicht unähnlich, sind darin erwähnt. Das neunte Kapitel spricht vom schimpflichen Feuerwerk (Lustfeuerwerk), von den Räkelten, Bienenschwärmen u. s. w.; auch von einigen künstlichen, z. B. klebenden und andern Feuern, die sich durch Wasser, Sonnenhitze rc. entzünden. Oer Aufzeichnung werth ist die Kunst, einen Pfahl im Wasser zu verbrennen. „Nimm Lumpen, benetze sic mit also beneäicro cum sgus sslviter und bewinde den Pfahl damit, und schieß einen Feuerpfeil daran, so brennen die Lumpen, und je fester ste bewickelt sind, je länger brennen ste, oft 2g Stunden, und das Wasser verlöscht ste nicht. Oec Pfahl verbrennt." 91 Wichtiger ist die Periode des dreißigjährigen Krieges für die Fortschritte der Kultur der Geschützkunde. Vielfache Erfahrungen und die Versuche der geschicktesten Artilleristen der damaligen Zeit, eines Ludwig Col- lado, RiviuS, Uffano, Linar rr. hakten genugsam dargethan, daß übermäßige Länge des Rohrs die Schußweiten nicht vermehre, sondern vielmehr ihnen nachtheilig sey. Eben so hatten diese Männer gezeigt, daß man die ansehnlichen Metallstärken und Puloerladungen bedeutend vermindern könne, ohne der Haltbarkeit der Geschütze oder der Größe der Schußweiten dadurch zu schaden. Allein trotz dem, daß diese Versuche sattsam bekannt waren, so gelang es doch nicht, den großen Haufen der Artilleristen der damaligen Zeit davon zu überzeugen. Es war damals, wie leider zu allen Zeiten: Zunft- und Kastengeist, der voll Eigendünkel und Dorurtheil an dem Gewohnten und Hergebrachten hing, widersetzte sich hartnäckig jeder neuen, wenn auch noch so vernunftgemäßen Verbesserung. Das Zeitalter bedurfte eines Mannes, der frei von Dorurtheil, und mit der gehörigen Klarheit und Schärfe Seü Verstandes begabt, zugleich so hoch stand, daß er dadurch im Stande war, feine Meinung und seinen Willen mit Kraft durchzusetzcn. Dieser Mann war Gustav Adolph, der größte Feldherr seiner, einer der größeren aller Zeiten. Frei von Dorurtheilcn jeder Art, vertraut mit den besten Schriftstellern der früher« und neuern Zeit, ward er der Schöpfer einer neuen Kriegskunst, deren Wesentliches noch jetzt besteht, und die in offner Feldschlacht jedesmal, selbst über die Mehrzahl der Feinde, den Sieg davon trug. Der durch den westphälischen Frieden endlich beendigte fast hundertjährige Krieg hakte großen und wichtigen Einstuß auf die Kriegskunst im Allgemeinen und auf die Artillerie insbesondere gehabt. Die letztere gewann nach gerade ein mehr wissenschaftliches Ansehen, und auf die Fer- 62 tigkeit und Geschicklichkeit der Artilleristen wurde ein ho» her W-rt>, gelegt und mit großer Strenge darauf gehalten. Ein Beweis dafür ist, daß Ferdinand als König von Ungarn, schon 16^4 bei der Belagerung von Regensburg einen Artilleristen aufhängen ließ, weil er zwanzigmal hinter einander einen Thurm gefehlt hatte. Die Franzosen waren jetzt diejenigen, die unter der Regierung Ludwigs XIV. große Fortschritte in der Geschützkunst machten, so wie überhaupt in allen militaici- schen Wissenschaften. Zu Ende des >7tcn Jahrhunderts wurde der Probir» Mörser in Frankreich erfunden, und schon 178g wiederholte Delidor zu la Fere die frühern von dü Metz ange- stellren Versuche zur Ausmittelung einer zweckmäßigen verminderten Ladung der Geschütze, die durch den Kardinal Fleuri nunmehr auf ein Drittel der Kugelschwere festgesetzt ward. Man hatte bis dahin von der Kugelbahn entweder gar keine oder höchst verworrene Begriffe gehabt, und die ^ Schußweiten nur durch Probeschüsse bestimmt. Galilei, > in seinem >628 zu Leiden herausgekommcnen Werke, und sein Schüler Toricelli wendete zuerst die von jenen« entdeckte Theorie von den Gesetzen sreifallcnder Körper auf die Geschosse an. Oe CHalles erweiterte diese Theorie, und war der erste, der 1674 bie Geschützwissenschaft in die > Reihe der mathematischen aufnahm. Oer Freiherr von Wolf war wiederum der erste Deutsche, der 26 Jahre später ihm darin nachfolgte. Früher hakte cs schon der ! Engländer Anderson gethan, und Blondel 1678, bis , endlich Newton 1687 die richtigen Gesetze der fallenden I Körper im widerstehenden Mittel lehrte. Jetzt war die Bahn zur Auflösung des schwierigen Problems gebrochen, und wurde von mehreren gelehrten Männern, besonders ober von Belidor, aus das eifrigste verfolgt. Ander- 93 son gab hierauf t6go sein zweites Wer? über die Kugel- bahn: Iiir a msi-lt, heraus. Oer französische Arlille- rie-Dssizier Ressons trat ,7,6 gegen die neue Theorie öffentlich auf, bewies das Unstatthafte ihrer Anwendung für den praktischen Gebrauch, und brachte dadurch einen beinahe Zofährigen Stillstand iin Fortschreiten der parabolischen Theorie heroor. ^ Am zweiten Bande der Memoiren der Akademie zu Petersburg befinden sich mehrere Versuche von Daniel Bernoulli (1718) nngezeigt, von denen der merkwürdigste den Beweis führt, Laß eine Kugel, welche in der Luft 781g Fuß steigt, im leeren Raume st87fio Fuß gestiegen seyn würde. Derselbe Bernoulli bewies in seiner zu Strasburg 17Z8 gedruckten Hydrodynamik, daß die aus dem Pulver sich entwickelnde Flüssigkeit zehntausendmal elastischer sey, als die atmosphärische Luft. Der französische Kricgeminister Louvois hakte 167Z eine praktische Artillerieschule zu Nkonresson angelegt, welche 167g erweitert und nach Douay verlegt wurde. Bei der ansehnlichen Vermehrung der französischen Artillerie im Jahre 1721 wurden ähnliche Schulen zu Metz, Strasburg re. errichtet. Gribeavalü Erscheinung hat auf das Wissenschaftliche der französischen Artillerie vielen günstigen Einfluß gehabt. Der General Thicbault sagt hierüber; „Oie Schußweite der Feldstücken wurde auf Zoo Tosten und für Kartätschen auf 200 T. festgestellt, obgleich die Kartätschen des ruPfünderS stoo, die des 6PsünderS ZLo. und die des stPfünderS Zoo Tosten weit tragen. Man nahm ober deshalb 200 Tosten als mittlere Tragweite an, weil auf dieser Entfernung das Feuer der Infanterie seinen Anfang nehmen kann. (?) Bei den Haubitzen wurde die Tragweite, bei den 8zölligen auf ZZo, bei den 6zölligen auf Zoo, und bei den zölligen auf 2äo T. festgesi'tzk; 94 allein man erhielt auf diesen Entfernungen wenig Wirkung, und bemühte flu) daher mehr bis auf den Distcschuß heranzugchen, der beim ,2Pfünder 2efo, beim SPfünder 220 und beim ^Pfänder 200 Toisen betrug. Die beste Wurfweite der Haubitzen wurde für 2Z0 Toifen erkannt. Die gewöhnliche Tragweite der Kartätschen wurde für den luPfünder auf isso bis Igo, für den gPfündcr auf iZo bis i5o, für den OPfünder auf 120 bis 1Z0, für den ^Pfänder auf" 100 bis 120, und für die Haubitze auf ejo bis Za Toifen (?) angenommen." „Bei den Mortiecen hängt die Wurfweite von der Konstruktion und dem Kaliber des Geschützes ab. Das Maximum war beim 8 zölligen 6Ho, beim io zölligen 800 bis noo, beim eisernen Fußmörser i-joo, beim metallnen Fußniörsec 17 bis 1800 Toifen und beim Skeinmortier (pierrior) Issoo Toifen" *). Bei dem erweiterten Umfange der Geschützivi'ssonschafk im i8ten Jahrhundert wurden gute Artillerieschulen ein wesentliches Dedürfniß. Man folgte hierin zwar dem Muster der Französtschen, ging indessen an manchen Orten mit einer gewissen Pedanterie und Orthodoxie zu Werke, die ihren nachkhciligen Einfluß bis auf die spätesten Zeiten fortgepflanzt haben. Don den deutschen Armeen sollen — nach Hoyec — die Sachsen zuerst eine Artillerieschule gehabt haben, und nach ihnen die Ostreicher. Oie Spanier hatten eine solche Schule zu Segooia. Die hannöversche bildete sich 1782, und bei den Holländern wurden sogar mehrere, zu Breda, Haag und Züpkhen, errichtet. Wenn gleich für die preußische Artillerie damals noch ') In Sevilla wurde eine Haubitze gegossen, deren Kaliber und Größe zwar unbekannt ist, die aber ihre Geschosse bis gegen 2800 Toisen weit trieb. 95 keine eigentliche Schule stakt fand, so wurde nichts desto- weniger in den sogenannten Regiments-Kollegien mik Eifer und Thätigkeir an der Bildung der jungen Leute gearbeitet. Es ward dabei mehr aus gründlichen, obwohl meist nur technischen,' Unterricht, als aus äußeren Schein gesehen. Dem Unterrichte lagen schätzbare Hefte zum Grunde, von denen das sogenannte H oltzen 0 orfsche Kollegium den ersten Rang verdient. Auf das Zeichnen wurde gerade der ihm gebührende, aber kein überflüssiger Werrh gelegt, desto mehr geschal, dies in Sachsen. Selbst noch im Jahre 179g, als ein jächstscher Artillerie-Offizier noch Warschau geschickt ward, um die Einrichtung der preußischen reitenden Artillerie zu lernen, ließ er aus den Maiiöoerplänen die Srückknechte mit den Peitschen in der Hand abbilden und an den Lassetenwänden die Holzfasern einzeichnen. Ocstomehr beschäftigte man sich in Preußen mik der ausübenden Actilleriewissenschaft, und seit Tempelhofs Zeit auch mit dem theoretischen und mathematischen Theile derselben. Dieser für die W ssenschaft unendlich thäkige General, dessen Name durch sein klassisches Werk über den siebenjährigen Krieg und durch seinen Lvrnbsrstier Lrussion niemals verlöschen wird, erweiterte in hohem Grade die wissenschaftliche Ausbildung der Offiziere und Unteroffiziere, zu der ein Holyen Sorsf den Grund gelegt hatte. Schon vor den, Heldzuge am Rhein wurden zu Berlin (1791) und später zu Breslau und Königsberg Artillerie-Akademien für Oifiziere und Unteroffiziere errichtet; in der zu Berlin hielt der General von Tcmpclhos selbst Vorlesungen, und geschickte Artillerie-Offiziere und gelehrte Männer aus dem Cioil- stande waren in beiden Schulen als Lehrer und Professoren angcstcllt. Die Namen Tcptor, Streit, Hobert, Stützer rc. treten unter ihnen besonders hervor. — Doch kann nicht unbemerkt bleiben, daß fast in allen eu- s ropäischen Artillericschulen — selbst Sie in Preußen nicht ausgenommen 7— die Lehre von der Anwendung der Artillerie gegen den Feind und von ihrer zweckmäßigen Verbindung mit den andern Waffen eine Lücke in den Unterrichtsgegenständen auSmachke, die durch einige Gemeinplätze und dürftige Instruktionen nicht in dem Maaße ausgefüllt werden konnte, wie die Gefechtslehre cs fordert Erst in der neuesten Zeit ist in Ostreich und Preußen für l diesen so wichtigen Zweig der Wissenschaft einiges gethan, und die Gefcchtslehre der Artillerie, seit 1821 auch die der andern Waffen (Taktik), zu einem Unkerrichksgcgcnstande gemacht worden. Die praktischen Ucbungcn wurden über dem Streben nach wissenschaftlicher Bildung nicht verabsäumt, und schon seit der Schlacht von Molwitz zeichnete stch vor allen die preußische Artillerie durch vorzüglich präzise und schnelle Bedienung der Geschütze aus. Oie jährlichen Nevüeübun- gen der preußischen Artillerie können klassisch genannt werden. Die Generale v. Holtzcndorsf und (später) 0. Teni- pelhof arbeiteten selbst die Entwürfe zu den BelagerungS- arbciten aus, die noch heute als Muster dienen können Genug, es wurde nichts unterlassen, um die preußische Artillerie auf eine Stufe der Ausbildung zu bringen, wie sie nur dem damaligen Zeitgeiste gemäß erreicht werden konnte. Ein gleiches wissenschaftliches Streben war über das französische Artillerie-KorpS verbreitet, das in mancher Hinsicht dem preußischen noch voran ging. Aber die eigentliche Gefcchtslehre der Artillerie wurde dort eben so vernachlässiget. Erst als die Revolution ein neues KriegS- system geschaffen hatte, trat Lespinasse auf und lehrte, wie die Artillerie in den Schlachten gebraucht werden müßte. Die Lehren seines Vorgängers dü Pag et hatten niemals rechten Eingang finden wollen, was seinen Grund in gewissen Persönlichkeiten hatte, die in der fron- 97 zösischen Artillerie vielleicht herrschender waren als in jeder Zandern. Späterhin durfte der Gebrauch der Artillerie im freien Felde nicht in den französischen Artillerieschulcn gelehrt werden; ein 2Z jähriger Krieg in fast allen Theilen der Erde wurde ihre beste Schule. ^n diesem Zeiträume fällt eine sehr wichtige Periode für die Artillerie, nämlich die der Versuche. Es würde zu weitläuftig seyn, alle, selbst nur die wichtigsten derselben, hier anzuführen, welche in allen Theilen Europa's über jeden Zweig der Gcfchützwifsenschaft in dieser und den folgenden Perioden geschehen, und wir verweisen deshalb auf dos große Scharnhorfische Handbuch', das die genügendsten Aufschlüsse darüber giebt. Nachdem Robins im Jahre 17^2 dargekhan hatte, daß Newtons Gesetz der parabolischen Theorie nur bei einer geringen Geschwindigkeit der abgeschlossenen Kanonenkugeln anwendbar fey, beschäftigten sich mehrere gelehrte Männer, besonders aber Bezout, Hukton und Tem- .pclhof mit der Auflösung des Problems, und 1777 setzte die Gesellschaft der Wissenschaften zu Copenhagen einen Preis darauf. Kurz vor der französischen Revolution setzte Lombard, auf eine viel bestimmtere Weise als seine Vorgänger, die Schußweiten für alle Geschütze jeder Gattung fest. Wenn gleich nicht abgeläugnet werden kann, daß der französische Revolutionskrieg manchen wichtigen und mitunter wohlthäkigcn Einstuß auf die Geschützwisfenschaft gehabt hat, so ward er doch auf der andern Seite die Veranlassung zu mehrccn der ausübenden Artillerie höchst nachtheiligcn Mißgriffen. Aus Unbekanntschaft mit den Kräften und den Leistungsfähigkeiten der Geschütze singen ! z. B. die Neufranken an, die Schußweiten fast unmäßig 1 zu übertreiben und das Feuer auf ungeheure Entfernungen zu eröffnen. Ihre Feinde, die ihnen darin nicht nach- G 98 stehen mochten, ahmten diesen Fehler nach, der sich bis auf die heutige Zeit fortgepflanzk, eine große Menge Munition gekostet und der Artillerie in den Augen der übrigen Truppen vielen Abbruch gethän hak. Desto größer ist daher die Aufforderung, diesem Fehler entgegen zu arbeiten und die Schußweiten im Kriege wieder auf vernunftgemäße Grenzen zurückzuführen. In Preußen ist in dieser Hinsicht — und zwar veranlaßt durch die Neuenhagener Versuche, — ein wichtiger Schritt dadurch gemacht worden, daß gegenwärtig (1821) in den Schieß - und Wurftabellen kein höherer Aufsatz auf- und angenommen wird, als, die zweckmäßigen Schußweiten ihn fordern. VI. Geschichte der Verwendung der Artillerie im Kriege. — Bedienung und Handhabung der Geschütze. Das erste Geschütz wurde nur bei Belagerungen ge braucht, und es vergingen mehr als hundert Jahre, ehe man es auch in den Feldschlachten anwendete. Die Engländer waren die ersten, welche Geschütz mit ins Feld nahmen, und die Schlacht von Crery (26. August l3-j6) war wiederum die erste, in welcher Geschütz aufkritk. Eduard III. von England schlug in dieser Schlacht Philipp von V-»lois; er hatte sechs Kanonen bei sich, die so erschreckend auf die Franzosen wirkten, daß sie nicht Stand zu halten vermochten. Dis zu Ende des iZ ten Jahrhunderts war der Gebrauch der Artillerie in Schlachten sehr eingeschränkt. Die Seltenheit der Geschütze machte, daß man im Kriege einen großen Werth auf ihre Erhaltung legte, und 99 da die Schlachten jener Zeit gewöhnlich durch ein Handgemenge entschieden wurden, wobei der geschlagene Theil fast ganz zerstreut und aufgelöst wurde, so war es natürlich, daß nach einer erlittenen Niederlage dos sämtliche Geschütz der Besiegten dem Sieger in die Hände stel. Um dieses nach Möglichkeit zu verhindern, gab man dem Geschütz immer die tapfersten Truppen zur Bedeckung (eine Mazime, die selbst von Friedrich dem Großen in seinen Kriegen befolgt wurde) und die Truppen rechneten sich vbenein diesen Dienst zur größten Ehre. So hatten bei den Deutschen die Lanzenknechte, bei den Spaniern die schwergerüsteten Reiter, und bei den Franzosen die Schweizer das Geschütz in ihrer Obhut. Letztere hatten bei Karls VIII. schleunigem Rückzüge aus Italien über die Appeni- »en den größten Theil des Geschützes durch fast übermenschliche Anstrengungen gerettet und dadurch diese Ehre sich verdient. — Wie ganz anders waren die spätern Ansichten über diesen Punkt! — lempars murantur! — Auf Märschen befand sich die Artillerie in befondccn Kolonnen, gewöhnlich in der Mitte der Armee; ihr war eine beständige (permanente) Bedeckung zugctheilk, die — wie schon erwähnt — aus den besten und zuoer- läßigsten Truppen des Heers bestand. Der spanisch-niederländische Krieg (big i6ig) hatte größtenteils nur aus einer Reihe von Belagerungen bestanden. Den, Zojährigen Kriege war es Vorbehalten, den Werth der Artillerie beim Gebrauche in Feldschlachten in ein helleres Licht zu setzen, und zwar khat GustaoAdolph auch hierin die ersten entscheidenden Schritte. In den früheren Schlachten war das wenige Geschütz einzeln vor der Fronte der Infanterie aufgestellt gewesen; seit Gustav Adolph aber wurde es — mit Ausnahme der Re- gimentsstücke, die immer bei den Regimentern blieben — in größeren Batterien vereiniget, gewöhnlich auf die Flü- G 2 100 gel gestellt. Die Dakkeriestücke schossen fast ausschließlich mit Paßkugcln, die Regimenlsstücke aber vorzugsweise mit Kartätschen. — Wenn gleich die Einführung der Regiments-Artillerie demnach dem Könige Gustav Adolph zu- geschcieben werden muß, so darf doch mcht unberührt blci- ^ ben, daß nach Chappuy's Angabe Spinal a schon 1607 j sechs- und dreipfündige Regimentsstücke mit sich führte, als eü zum Entsatz von Grol marschirte. Den Uebergang über den Lech erzwang Gusto» Adolph mit 72 schweren Kanonen; diese waren auf den Schenkeln des ausgehenden BogenS des Stroms in drei Bakterien vertheilt, und machten ein kreuzendes Feuer aus die Dcrschanzungen Tilltz's. Auch bediente sich Gustav Adolph zuerst der maS- kirten Batterien im Tressen bei Breikenfelde gegen die leichte ungarische Reiterei Jsolani'S, welche durch dieses unerwartete Feuer gänzlich zerstreut und aridem Gefecht vertrieben wurde. Oie Fortschritte der Franzosen, im Gebrauch der Artillerie, traten in dieser Periode nicht besonders hervor, und nur erst unter Ludwig XIV. ward diese Waffe auf einen regelmäßigen militairischen Fuß gebracht. Dieser Monarch hatte auch schon 1671 ein eigenes Regiment Artillerie-Bedeckung errichten lassen. Bei den Deutschen kam es dagegen noch lange nicht dahin, indem sie sorkfuhren, die Geschützkunst als eine Zunft zu treiben, welches überdies die Folge hatte, daß die Feuerwerker sich in lächerlichen Kunst- und sogenannten Meisterstücken einander förmlich zu überbieten suchten. Erst im igten Jahrhundert nehmen wir taktische Bestrebungen in der Artillerie wahr. Dieses Jahrhundert ist überhaupt reichhaltig an wichtigen Vervollkommnungen der Geschützkunst als die früheren Perioden, wenn gleich für das Materielle derselben verhältnißmäßig nur noch wenig 10L zu khun übrig geblieben war. — Ein desto weiteres Feld bot_ außer der fortgesetzten Bearbeitung des mathematischen Theils der Artillerie-Wissenschaft — die Organisation der Artillerie als Waffe, ihre Verbindung mit den andern Waffen des Heers, und endlich ihr zweckmäßiger Gebrauch gegen den Feind, den ncuangenommcnen Grundsätzen der gegenwärtigen Kriegskunst gemäß, dar. 2 ? roher und unauSgebildetec der Stoff, fe rauher und unebner der Boden, desto größer erscheint das Verdienst aller, die an dieser für die jetzt lebende Zeit so wichtigen Arbeit Theil genommen haben, desto stärker muß die Anforderung der Dankbarkeit an uns seyn, die wir leicht und beguem einherschreiten, wo jene sich Fuß vor Fuß ihren Weg bahnen mußten, die wir wenig mehr thun als ecndtcn» wo jene säeteo. Friedrich der Große öffnete auch hierin dem übrigen Europa die Augen, und die Verwendung seiner Artillerie im 7 jährigen Kriege ist bei vielen Gelegenheiten musterhaft zu nennen. Friedrich der Große ließ unter andern über die Wirkung der Haubitzen viele Versuche im Großen anstellen, und hat ihren zweckmäßigen Gebrauch im siebenjährigen Kriege, vorzüglich in dem Gefecht bei Burkersdorf gezeigt. Trotz dem, daß er die Artillerie eigentlich nicht liebte, weil ec sie als ein Hinderniß für die kühnen Bewegungen der andern Truppen anfah, hak er dennoch viel für ihre Ausbildung gethan. Des Königs Vorliebe für die Haubitzen war späterhin so groß, daß ec in einer 176g erschienenen Instruktion für die Artillerie befahl, ein jedes Armeekorps sollte fortan rjo (vierzig) schwer- Haubitzen bei sich führen. — Nach seinem Tode ging das Interesse für dies Geschütz wieder verloren, und noch in diesem Augenblick wird es in den meisten deut- / schen Artillerien mit einer gewissen Stiefmütterlichkcit behandelt. Nur allein die Franzosen legen viel Werth auf 102 Haubitzen und gebrauchen sie dem Terrain gemäß, dage- gen sie in Preußen ihren Platz in der Mitte der Kanonen bei den Bakterien finden, mithin von vorne herein taktisch mangelhaft gestellt sind. Ueber den Zustand der französischen Artillerie in der Periode der schlesischen Kriege, sagr General Thibaulk folgendes: „In Frankreich haben mehrere geschickte Chefs, und namentlich der Marschall von Droglio und der General Brocard, mit mehr oder minderem glücklichen Erfolge daran gearbeitet, die Artillerie leichter und bcdie- nungsfähiger zu machen, und sie in ihren einzelnen Thei- len zu verbessern. Oie Anstrengungen dieser Männer sind um so verdienstlicher, da sie manchen und mitunter unbegreiflichen Widerspruch erfahren inußken, und um so nützlicher, da sie die zahlreichen Verbesserungen vorbereiteten, welche Gribauval später vervollkommncte. Gribauval, ein Mann von ausnehmendem Verdienst, ging aus französischen in östreichsche Dienste und studirke in den Kriegen Maria Thcrcsiens gegen Friedrich II., auf dem wirklichen Terrain die Eigenthünilichkeiten, sowohl der östrcich- fchen als der preußischen Artillerie, die damals beide der französischen weit überlegen waren. Ec wurde nach Frankreich zurückberufen, um seine Waffe wieder herzustellen, und machte einen trefflichen Gebrauch von den eingesam- melren wichtigen Kenntnissen. Er hak zwar mit unendlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, ging aber doch, im Kampfe des Verdienstes, der Wissenschaft und der Liebe für das Gute, gegen das Vorurtheil, die Unwissenheit und den bösen Willen, endlich als Sieger hervor." Bei der portugiesischen Artillerie führte der Graf von Lippe-Bückeburg eine leichte Artillerie für die Infanterie ein, die aus 2Z0 Pfund schweren Einpfündern bestand. Die Preußen hatten zuerst die Idee, die Regiments- 103 kanonen bei Manövern durch Menschen ziehen zu lassen, worin ihnen die Üstreichec, Dänen und Franzosen bald nachahmten. Oie Erfindung des Langtaus (prolonßs) gehört den Preußen und nicht den Franzosen; Gribauval führte es nur auf verbesserte Art in Frankreich ein. In alten Artillerien äußerte fich unverkennbar das Bestreben, die Bedienung des Geschützes zu erleichtern und auf diese Art die Feldartillerie immer mehr und mehr geschickt zu machen, den übrigen Truppen im Gefecht folgen zu können und ihren Bewegungen so wenig Fesseln als möglich anzulegen. Um so auffallender muß es daher seyn, wenn wir lesen, daß die hannoverschen Batkcriestücke in der Schlacht von Hastenbeck noch mit losem Pulver geladen wurden, wodurch ihre Bedienung fich so verzögert haben soll, daß das französische Arkilleriefeuer ein bedeutendes Uebcrgewicht über das hannoversche erhielt. Der französische Rcvolulionskrieg hak den Grundstein zu einer verbesserten Taktik der Artillerie gelegt, und die Einrichtung der reitenden Artillerie auf eine bleibende Art begründet. Wir verweisen auf diesen Abschnitt, so wie — was die preußische Artillerie anbetrifst — auf den der Allgemeinen Geschichte der Artillerie. Gegenwärtig ist die Feld-Artillerie bei den Preußen folgender Gestalt eingckheilt: 1. Divisions-Artillerie, nämlich bei jeder Infanterie-Division einebpf. Fuß-Bakterie, und bei jeder Kavallerie-Division eine 6pf. reitende Bakterie. 2 . Reserve-Artillerie. Sie besteht bei jedem Armee-Korps aus 3—> 2 pf., i—6pf., einer reitenden und einer Haubitz-Bakterie. Auf rooo Mann Infanterie werden 2 Geschütze der Fuß-Artillerie, und auf 5oo Mann Kavallerie 2 Geschütze der reitenden Artillerie gerechnet. 104 VII. Geschichte der Organisation der Artillerie. — Personeller Theil der verschiedenen Artillerie-Korps. ^ Gegen Ende des i-s. und im Anfänge des IZ. Jahrhunderts war die Anzahl der Feuerrohre bei den Armeen schon ziemlich beträchtlich. Karl VI., König von Frankreich, hatte schon eine zahlreiche Artillerie. Oer Herzog von Orleans führte rtjii bei seinem Heer gegen den Herzog von Burgund Hooo theils Feuergewehre, thcils Schlangen (tank cnnons gue conlevrinos). Diese waren indessen nur sehr klein, und aus einer Rechnung, welche der Kciegs- zahlmeister des Herzogs von Bretagne 1^61 ablcgte, geht hervor, daß eine Kanone Pfund, eine Kanoncnbüchse ^0 Pfund, eine Serpentinenbüchfe 62z Pfund, eine kleine Schlange oZz Pfund gewogen hak, also von einem Menschen getragen werden konnte. Den vorhandenen Nachrichten zufolge sind die Deutschen die ersten gewesen, welche große Gcschützzüge mit Pferden bespannt, unter dem Namen der großen Skcin- und Terras-Büchsen, mit ins Feld genommen haben. Mehrere und 60 Jahre vor Karls VIII. Heeceszug nach Italien eroberten die Huffiten in der Schlacht bei Nie- senbecg irsZl von den verbündeten deutschen Fürsten 1Z0 Geschützen Der General von Tcmpelhos erzählt diesen Umstand ausführlich so: „In dem Hussitenkriege befanden sich bei den Armeen, welche die verirrten muthwilligen, ketzerisch-böhmischen Schaafe wieder in den Stall der römischen Kirche treiben, oder wenn sie nicht hinein wollten, ihnen das Fell über die Ohren ziehen sollten, schon ver- hältnißmäßig eine große Anzahl Geschütz." Ziska schrieb i-sao von Breslau aus an die SechS- städte der Lausitz, daß er Willens sey, einige Widecwär- 105 tige in Böhmen zu strafen, ste sollten sich daher mit ihrem Erzeuge bereit Holken und mit ihrem Volke zu ihm kommen, sobald ste ihr Hauptmann, der edle Lawatz von LecLeippe aufbieten wurde; ste sollten aber auch ihre große Büchse (also nur Eine!) mitnehmen. In den Görlitzer RakhSrcchnungen heißt es, daß die Zittauer auch einmal ihre große Büchse mit in die Niederlausttz genommen hätten. „Im Jahre itsZi, — fährt Gen. Tempelhof fort — als der Kardinal Julian das Kreuzheer, welches die deutschen Fürsten zusammengebracht hakten, wie ehemals der heilige Peter anführte, und über dessen Räubereien, Mocd- thaten und olle Arten von Unmenschlichkeiten den Seegen Gottes aussprach, eroberten die Hussiten, diese Erz-Ketzer, in der Schlacht de! Niesenberg ohnweit Thauß. außer dem reichen Meßgewandc des Kardinals, das heilige Kreuz, die Glocke, die päbstliche Kreuz-Bulle, alles Gepäck, iZo Stück grobes Geschütz und alles Pulver." Rach diesem fand sich die zahlreichste Artillerie irj7Z bei der Entsetzung von NuyS (Neuß) bei Düsseldorf durch die Reichsarmee, gegen den die Stadt belagernden Herzog Karl den Kühnen von Burgund. Auch die Engländer hatten schon bei der Belagerung von Orleans (i-ssg) IL Kanonen, und der Graf v. Salisbury wurde durch eine Kanonenkugel aus der Stadt getödtet. In dem Kriege, den die Hanseestädte mit dem Könige Erich von Oänneniark führten, hatten sie lHsg, bei der Belagerung von Copenhagcn, sogar schon eine Art von schwimmender Batterie, die ste mit großem Stein- und anderem Geschütz besetzten. Oie Büchscnmeistcr, welche in jener Zeit ihres richtigen Treffens wegen sich ausgezeichnet haben, waren fast durchgängig Deutsche. Karl V. war der erste, der nächst dem Zeugmeistcr 106 oder Befehlshaber des ganzen Geschützzeuges (welches ein bleibendes Amt war) auch im Frieden eine Anzahl Düch- senmeister besoldete. Man theilke sie damals in: 1. Feuerwerker, welche mit Wursgeschützen umzugehen wußten und Kunstfeuer zu verfertigen verstanden. 2. Düchsenmeister, welche mit Karthaunen schossen. I. Schlangen- oder Feuer-Schützen. Erstere erhielten gewöhnlich vierfachen, letztere doppelten Sold. Zur Bemannung der Geschütze, so wie zur Ausbesserung der Wege rr. findet sich schon zu Karls V. Zeiten ein besonderes, auch im Frieden bestehendes Korps, da» im Kriege oft bis auf mehrere Tausende vermehrt wurde. Sie hießen Schanzballern ( 6 u»srräores) und hakten bestimmte Hauptleute. Dadurch war wenigstens der erste Schritt zur Gründung eines eigenen Korps für diese wichtige Waste gethan, die fortan in den Kriegen eine so bedeutende Rolle spielte. Nächstdem waren die Franzosen die ersten, welche ein förmliches Artillerie--Korps organisirten, das jedoch bis zur Zeit Heinrichs des Großen auf sehr mittelmäßiger Stufe stand, und erst durch den Herzog von Sülly sich zu heben begann. Bei den Schweden beschäftigte sich König Gustav Adolph selbst viel mit der Artillerie und verwendete großen Fleiß auf die Organisation dieses Korps. Er hatte im Zojährigen Kriege, außer den Regiments-Kanonen, noch eine bedeutende Anzahl von 2^, >2 und stpfündigcn Kanonen, die dem schwedischen Heere als Bakteriestücke folgten, und wodurch die Menge des Geschützes bei diesem Heere ansehnlich vermehrt wurde. Gustav Adolph hat eine große Vorliebe für die Regiments-Artillerie gehabt, er ist als ihr eigentlicher Schöpfer anzusehen. In der ersten Schlacht des Zojährigen Krieges, in der die 107 Schweden auftraten (bei Dreitenfelde den 7. Sepk. l63i) waren sie den Kaiserlichen so sehr an Artillerie überlegen, daß diese den Verlust der Schlacht jener Ueberlc- gcnheit zuschricben. Vor Frankfurth a. d. Oder hatte Gustav Adolph 200 Geschütze von verschiedenem Kaliber- Nach den Vorgängen am Lech vermehrten auch die Kaiserlichen ihre Artillerie, und bei Lützen (6. Nov. i6Z2) harte Wallenstein eine gleiche, ja vielleicht noch größere Anzahl Geschütz bei sich, als die Schweden. — Bei der Expedition gegen Ieördlingen (>634) hatte der Kaiserliche Prinz, nachhecigec Kaiser Ferdinand lll.» n6 Stück mekallnes Geschütz, worunter sich 4 ganze, 16 halbe Karthauncn und 4 Mörser befanden. Oer dazu gehörige Train bestand aus 3oo Munitions- und andern Wagen. Die Büchsenmcister nebst ihren Handlangern waren in besondere Kompagnien gekheilt, und standen nicht mehr — wie ehemals bloS unter dem Feldzcugmeister. Die Franzosen waren die ersten, welche ein förmliches Artillerie-Korps hatten, das unter Ludwig XIV. iin Jahre i6gZ schon aus 16 Bataillonen bestand. Ueber die Organisation der preußischen Artillerie soll in der Folge besonders gesprochen werden, hier nur die allgemeine Bemerkung, daß Friedrich II. die Feld-Artillerie nach dem Beispiel der Russen ansehnlich vermehrte» während ec sie gleichzeitig erleichterte. Oie Festungs-Artillerie wurde gänzlich von der Feld-Artillerie getrennt, und dieselbe Maaßregel traf Gribeauval bei der französischen Artillerie. Oie sardinische, spanische und neapolitanische Artillerie schloß sich der französischen an. Bei der portugiesischen machte Gras Wilhelm von Sch au m b urg - Lippe» Bückebucg zu Ende dos 7jährigen Krieges vortreffliche Einrichtungen. Ec erhielt für die große Mühe, die er sich in den Jahren 1762 bis 176g um die Organisation der 108 portugiesischen Armee gab, vom Könige von Portugall sechs Kanonen von gediegenem Golde; ihre Größe ist indessen nicht bekannt. Oie preußische Artillerie hatte zu Anfänge des ersten schlesischen Krieges aus io Kompagnien bestanden, die 17-jr um 6 andere verinehrt wurden; die Regimentska- nonen wurden durch Leute aus der Infanterie bedient. Im Jahre 1762 setzte der König die Artillerie auf 6 Bataillone, jedes zu Z Kompagnien; zwei und zwei Bataillone bildeten ein Regiment. Zu diesen wurde 1772 das Hte Regiment und 1782 noch zwei, und 1783 noch ein« Kompagnie errichtet, welche letzteren ,1787 in reitende Artillerie (von der wir weiter unten reden werden) verwandelt wurden. — Außerdem fand eine Garnison-Artillerie statt, deren Bestimmung ausschließlich die Dertheidigung der festen Plätze war. Die Russen hakten fast zu allen Zeiten, in Verhälk- niß mit den übrigen Mächten, eine sehr zahlreiche Artillerie. Bei der 176k in der Gegend von Posen versammelten Armee befanden sich n Bataillone derselben, und 1785 belief sich die ganze Stärke der russischen Artillerie auf Zrjaoo Mann, mit Ausschluß von LZoa Mann Festungs- Artillerie. Oie östreichfche Artillerie bestand in dieser Zeit au» 12 Bataillonen, jedes zu rj Kompagnien. Die Garnison- Artillerie war 1274 Mann stark. Oie französische Artillerie war 1774 sieben Regimenter, jedes zu 20 Kompagnien, stark, die Kompagnien waren aber weit schwächer als die preußischen. Oie englische Artillerie zählte 4 Bataillone, zu io Kompagnien, von denen jede 67 Köpfe stark war. Oie holländische Artillerie 20 Kompagnien zu irjo Köpfen. Oie neapolitanische im Jahre 1787 bestand aus 2000; die portugiesische aus rjooo; die hessische aus 600; die dä- 109 nische aus 2800 Mann. Bei allen diesen Angaben sind die Sappir- und Minir-KorpS nicht mitgerechnet, welche mitunter — obzwar sehr uneigentlich — mit zur Artillerie gezählt wurden. Mit jedem neuen Kriege nahm in diesem Zeiträume die Menge des im Felde mikgeführlcn Geschützes zu. Im Feldzüge von 1742 hakte Broglio g2 Kanonen bei sich; bei Chotusitz hatten die Preußen 82 Stück Geschütz. Die Üstrcichec traten bei Breslau mit einer Batterie von 60 Geschützen in eine Linie formirt ans. Die Franzosen hakten 1748 in den Niederlanden 134 Stück Geschütze. Oie Russen im Feldzuge von 1737 eine Summe von 224 Geschützen, ohne die Regimentskanonen. Im Feldzuge von 1761 bestand das ganze Positionsgcschütz der Preußen aus 146 Kanonen und Za Haubitzen; außerdem hakte jedes Bataillon 2 Kanonen bei sich, was eine Tokalsumme von 277 Geschützen giebt. — Welchen Einfluß eine so vermehrte Geschützmenge auf die Mitsührung der Munition und der andern Bedürfnisse, wie auf das Proviant-Fuhrwesen der Armeen haben mußte, ist von selbst einleuchtend. Auf die Vermehrung der Artillerie hatte späterhin der französische Rcvolutionökrieg abermals bedeutenden Einfluß, auch zeichnet sich diese Periode dadurch aus, daß die reitende Artillerie mehr und mehr in Aufnahme kam. Im Jahre 1799 bestand die französische Artillerie aus 8 Regimentern zu Fuß und 8 zu Pferde, jedes zu i863 Mann; ferner aus tg2o Feuerwerkern und Bombardieren, die in 34 Kompagnien getheilt waren, aus rig8 Pontonieren und 1044 Mann Arbeitern, in 12 Kompagnien eingekheilt. — Die östreichfche Artillerie bestand 179g aus Z Regimentern, jedes zu 18 Kompagnien, einem Füsilier- Bataillon von 6 Kompagnien, 4 Kompagnien Minirer, I Kompagnien Sappirer, 3 Kompagnien Pontoniere und 4 Kompagnien Grenz-Zaikistrn. — Oie preußische Artil- 110 leri'e war 1798 io Bataillone stark (worunter stch i Bataillon reitender Artillerie befand, das 180Z zu einem Rc- gimenke vermehrt wurde), Z Kompagnien Pontoniere und rj Kompagnien Mineurs. Bei den Franzofen bildeten sechs bis acht Geschütze eine Batterie, oder drei und vier eine halbe; sie erhielte» einige Rüstwagen und eine Feldfchmiede. Oie Munition der Gebirgs-Artillerie ward in Kisten auf Maulthieren fortgebracht und zuweilen das ganze Geschütz mit der Lastete auf gleiche Weife. Bei der Armee thciltc stch die Artillerie in OivistonS- und Reserve-Artillerie; der letzkern ist ein Park von Dor- räthen jeder Act beigcsellt, zuweilen auch noch ein Pon- kontrain. Auf Zoo Mann ward in der Regel eine Kanone und auf Z Kanonen eine Haubitze (das Bataillonsgefchütz nicht mit eingcfchloffen) gerechnet. Nach dem Frieden von Tilsit erlitt die preußische Artillerie abermals eine völlige Umformung, aber nicht etwa wie 1799, sondern dem Bedürfnisse der Zeit gemäß. So wie das Heer in Brigaden, aus Infanterie und Kavallerie bestehend, eingekheilt ward, erhielt auch die Artillerie eine dem analoge Organisation. Oer Prinz August von Preußen stellte, als Chef der Artillerie, folgende Grundsätze fest, welche von S. M. dem Könige genehmigt wurden: 1. Jede Kompagnie besetzt nur eine Bakterie oder Packkolonne, und nicht wie sonst, zwei derselben. Hierdurch ward dem großen Uebelstande vorgebcugt, daß der Kompagnie-Chef, als Führer der ersten Batterie, nicht alles Gute sich zueignen und der zweiten Batterie, die nur ein Lieutenant befehligte, nicht alles Mangelhafte zuschieben durfte. 2. Eine Batterie darf nur von einem Haupkmann und von keinem Subalternen befehligt werden. Hierdurch X — 111 — wurden jene Kollisionen vermieden, die der Artillerie im Felde so vielfältig geschadet hatten. Daß im Kriege von igiZ bis i2 davon wieder abgewichen werden mußte, lag in der Natur der Sache, wenn man bedenkt, daß Preußen in einigen Monaten mehr als Zo Batterien gleichsam aus Nichts hervorrief und gegen den Feind rücken ließ. Z. Kein Staabsoffizier darf fernerhin zugleich Kompagnie-Chef seyn, und befehligt schon im Frieden die Abtheilungen, die ec dereinst gegen den Feind führen soll. 4- Jede Brigade bildet ein in sich abgeschlossenes Ganze, unter einem eigenen Brigadier. Vom Generalkommando der Artillerie gehen alle Befehle an die Brigadiers. Z. Oie Regiments-Artillerie ward aufgelöst und dagegen die leichten Brigade-Batterien vermehrt. 6 . Die Festungs-Artillerie ging ein, und die Besatzungen wurden abwechselnd durch Feld-Artillerie gebildet, welche nun auch mit dem Dienst in den Festungen vertraut gemacht wurden. 7 . Oie Einrichtung von Handwerksstätten. Sie bezweckt vornehmlich Gleichförmigkeit in der Arbeit der verschiedenen Fuhrwerke ir. und einen ermäßigten Preis, der früher mehr oder minder in der Willkühr der Handwerker stand. 8 - Die Einrichtung einer Artillerie-PrüfungS-Kommis- sion, zur Untersuchung und Würdigung aller neuen Erfindungen und Vorschläge. g. Die Ernennung von Artillerie-Offizieren vom Platz in den Festungen. io. Oie «Einführung der fahrenden Artilleristen statt der Stückknechte, und die Abschaffung der Schirrmeister. H. Die Unteroffizier« der Fuß-Artillerien werden berik- 112 ten gemacht, und auch in, Frieden bei den Exerzic- Datkerien so beibehalten. (Diese vortreffliche Maaß- regcl, deren glücklicher Einfluß in taktischer Beziehung gar nicht zu berechnen ist, hak sich unbedingt in dem letzten Kriege bewährt; dennoch wurde ste leider >820 aus .Ökonomie wieder aufgehoben, allein dieser nothwendige, aber nichts desto weniger verderbliche Vorschlag ging wenigstens nicht von der Ar- tilerie aus; auch steht mit Recht zu hoffen, daß, sobald die dringendsten Forderungen der Ökonomie befriedigt seyn werden, auch diese auf das ganze taktische Verhältniß der Artillerie so nachtheilig einwirkende Maaßregel wieder zurückgenommen werden wird. Oie Waffe würde, — sollte diese Einrichtung auf die Dauer beibehalten werden, — empfindliche Rückschritte machen, und das hat sie sich um die Feldzüge von i 8>3 bis iZiä nicht verdient.) Dies waren die Grundzüge zur Reorganisation dieser Waffe, welche auch — wenige Einschränkungen ausgenommen — noch bis auf den heutigen Tag ihre Kraft behalten haben. Zum Schluffe dieses Aufsatzes mögen nunmehr einige speziellere Nachrichten über die preußische Artillerie, und zwar von der Regierung Churfütst Friedrich Wilhelms (1676) an, bis auf die gegenwärtige Zeit, folgen. Nähere Nachrichten über die Churfürsilich- Brandenbucgsche, nachmalig Königlich Preußische Artillerie. Oie ältesten glaubwürdigen Nachrichten der preußischen Artillerie reichen bis in das Jahr 1676, wo das damalige Churfü rstlich - Bcandenb u rg sche Arkillerie- KorpS 113 Korps aus 16 Offizieren und 200 Artilleristen bestand, vom Obrist von Schurz befehligt, und in den Festungen oerkheiit war. Oer Obr. v. Schurz nahm 1677 seinen Abschied und Obr. < Leutnant v. Weiler erhielt dessen Stelle. Nach der Stainmliste der preußischen Armee von 1806, die indessen mehrere Unrichtigkeiten enthält, soll schon Chursürst George Wilhelm, als er 1627 nach Preußen rnarschirte, Hi Mann Artillerie bei sich gehabt haben. r683 vermehrte Chutfürst Friedrich Wishelm das Korps und theilte cs in 1 Bombardier- und H Kanonier- Kompagnien. Churfurst Friedrich III. setzte 1688 einen Zeugka- pikain ein und ernannte 1690 den Obristen und Ober-Zeug- meister Christ, v. Weiler, in der Stelle seines als General-Major verstorbenen Vaters zum Chef des Korps, 1797 aber den Markgrafen Philipp v. Brandenburg zum General-Feldzeugmeister und legte ihm den Titel: 6ranll iVlaitre il'^rrillsrie, bei. Derselbe starb 1712. Nach einer andern Angabe soll Claudius Loren- dow 1692 Zeugwärker und 169b der erste Zeugkapi- tain gewesen seyn. Oer Titel: Zeugwärker, welcher seit 1678 in der brandenburgschen Artillerie stakt fand, hörte 1699 auf. Die ersten Zeugwärker waren Christoph Staake (starb 1707 zu Kolbcrg) und Karl Albcechk Brcdow — beide 167g ernannt. Oec ir. Brcdow wurde 1718 kasfirt. Der erste Zeugleutnant war 1698 Michael Giese (starb 172g zu Kolbcrg). Oer erste Feuer- werksleutnant war Friede. Paul Jakobi. Er blieb 1728 vor Olm ätz. Der Churfurst vermehrte das Korps in den Jahren 1696, 1698, 1700, jedesmal mit einer Kompagnie, so daß es (1700) 1 Bombard.- und 8 Kanonier-Kompagnien stark war, und ,'m Ganzen in Feuerwerker, 2 Bombard.-Korporale, 26 Korporale, 23 Bomb, und Joi Kanoniere zählte. H 1 L 4 Oer Obcist Christ, v. Weiler dcseitirke i6g8 mit -er Baronesse v. Blumenthal, ging in östreichsche Dienste und soll ,711 zu Wien als General gestorben seyn. An seiner Stelle erhielt der aus englischen Diensten zurückge, rufene Obrist SiegiSmund r> Schlundt, das Kommando über das Korps. Er trat 1670 in die preußische Artillerie, wurde »685 Prem.-Leutnant und 168g Kapjrain; er ging i6gg in englische Dienste, wurde >6gg zurückgeru- fcn und starb 1707 als russischer General-Major zu Riga. Die g Kompagnien waren folgendermaßen oertheilt: 1. Oie Lombard.-Kompagnie des Obr. v. Schlundt in Berlin. s. Oie Kanon.-Komp, des Obr.-Leukn. Crammin in Colberg, Oriesen und Oraheim. 3 - Oie K. Komp, des Mas. v. Dechen in Magdeburg und Regenstein. es. Oie K. Komp, des Mas. v. Kahlow in Berlin und Spandau. 2 . Oie K. Komp, des Hauptm. Stuck in Minden und Sponnenberg. 6. Oie K. Komp, des Hauptm. v. Bredow in Cü- strin, Frankfurth und Löcknitz. 7. Oie K. Komp, des Hauptm. r>. Kühlen in Berlin, Peitz und Oderberg. 8. Die K. Komp, des Hauptm. v. Brinck in Pillau, Memel und Friedeichsburg. g. Oie K. Komp, des Hauptm. v. Merkatz in Wesel und Lippstadt. König Friedrich I. gab ein Artillerie-Reglement heraus und setzte das Korps (170^) auf 10 Kompagnien. Der Markgras Philipp von Brandenburg erhielt die Bomb.- Kompagnie, und der Obr. r>. Schlundt eine eigene für ihn errichtete Kanon.-Kompagnie. Diese, so wie die übrigen 115 L bestanden aus Z Korporalen und 42 Kanonieren, die Lombard. -Kompagnie aber aus 20 Feuerwerkern, I Bomb. -Korporalen, 49 Lombardieren, 2 Haurboisten, 1 Pfeifer und r Tambour. Eine jede Kompagnie gab indeffen ein Kanoniergehalt für die Spielleute ab. Im Jahre 1706 gab Friedrich I. dem bekannten Goldmacher Cajctano das Diplom und den Titel eines Generals von der Artillerie, aber ohne Gehalt; denn ei» Mann, der Gold machen konnte, bedurfte besten nicht. Jedoch ließ ihn der König aus feiner Küche un- auü seinem Keller verpflegen. Der Obr. v.-Schlundk wurde 1707 wegen unerlaubten Briefwechsels mit dem russischen Fürsten Menzikof kasstrt und auf die Festung gesetzt. Oer Obr. Leukn. von , Kühlen erhielt dessen Stelle, und wurde (1711) nach dem Tode des Markgrafen Philipp zum Kommandeur en Chef ernannt. Oer Major v. Linger hatte bis dahin die Lombard.-Kompagnie kommandirt. König-Friedrich Wilhelm I. musterte den l. Dezember 17,3 das ganze Artillerie-Korps bei Cöpnick, vertheilte die Bombacdicr-Kvmpagnie in die übrigen Kanonier-Kompagnien, errichtete eine neue Kanonier-Kompagnie und schaffte die Spielleute ab. Das ganze Korps bestand nunniehc aus 20 Feuerwerkern, Zo Korporalen, 4 » Bombardieren und Z70 Kanonieren. Oec nunmehrige Gen. Mas. 0. Kühlen blieb (1712) in der Belagerung von Stralsund und der Obrist von Linger wurde Kommandeur en Chef. Jni Jahre 1716 wurde die Artillerie in ein Feld- und ein Garnison-Bataillon abgekheilt, das letztere eigends zur Besatzung der Festungen bestimmt. Das Feld-Bataillon wurde aus 3 Kompagnien gesetzt, erhielt Tambours und jede Kompagnie bestand aus gZ Köpfen. Das ganze Bataillon war daher 462 Köpfe stark und kam in Berlin H 2 116 in Garnison. Das Garnison - Bataillon hakte H Kompagnien, im Ganzen 271 Köpfe, und ward in die Festungen verlegt. Diese Kompagnien wurden nach und nach verstärkt. Am aasten August 1720 flog zu Berlin der Pulverthurm auf, wobei 11 Artilleristen das Leben cinbüßten. Dem Pcem.-Leutn. Freund, welcher die Arbeit komman- dict hatte, legte man dabei einige Nachlässigkeit zur Last, weshalb er zur Strafe von dem Feld-Bataillon zur Magdeburger Garnison-Kompagnie versetzt ward und 1757 in Memel starb. Diese Methode, die Garnison-Artillerie gleichsam nls ein StrafkorpS zu betrachten, schreibt sich also von sehr lange her, und wurde leider bis auf die spätesten Zeiten beibehalten. Das Feld-Bataillon erhielt ebenfalls nach und nach Verstärkung, und zwar 17Z0 2 Bombardiere, 1731 2 Sek.- Leutn., 2 Korporale, 2 Tambours und 100 Kanoniere. Es bestand nunmehr aus 6 Hauptlcuken, 2Z Subalternen, lg Spiclleuten und 72c» Mann. Die Bombardiere bekamen Gewehre und Mützen; letztere waren von schwarzer Wachsleinwand mit einem messingenen Acmaturschilde geziert. Die Unteroffiziere bekamen Kuczgewehre, oder eigentlich Zündruthen. Im Jahre 17Z2 wurde der Lcukn. v. Merk atz (er starb 1763 als Obrist) und der Leutnant von Holzmann fer übergab i7tjr dem Könige einen Vorschlag zur leichtern Forkbringung des schweren Geschützes, ward dafür in den Adelstand erhoben und zum Major befördert; er nahm 17^7 den Abschied als Obrist, wurde wieder an- gcstellt und starb 1720^ *) als Dolonkairs nach Korsika ') Ernst Friedrich Holzmann war 1711 Feuerwerker, 1718 Sek. > Leutnant, 17L0 Premier > Leutnant, 1729 Feuerwerksmeister 1741 Major und Obrist - Leutnant, 1747 Chef des 2. Bataillons. — 117 — zur Kaiser!. Armee geschickt. Beide kamen im folgenden Jahre wieder zurück. Im Jahre 1735 wurde derselbe Hauptm. v. Mer- katz und der Leukn. v. Panne Witz mit einem Artillerie- Detaschement zum preußischen Hülsskontingent nach dem Rhein gegen die Franzosen geschickt, und kehrten in demselben Jahre wieder zurück. Zwei Jahre darauf, (1737) gingen die Leutnants v. Dieskau und v. Linger, und 1788 auch der Haupkmanu 0. d. Osten und der Leukn. v. Möller als DolontairS zur Kaiserl. Armee nach Ungarn und kamen das Jahr darauf wieder zurück. König Friedrich II. erlheilte dem Feld-Bataillon 17-jo eine tückische Musik von 16 Janikscharen, welche bei dem Leibgrenadier-Negimcnt als Pfeifer gestanden hatten; dagegen wurden die g Dudelsäcke, woraus bisher die Musik bei der Feld-Artillerie bestanden hatte, abgeschassk. Der König ernannte (17^1) den Grafen Schmettau aus östreichschen Diensten zum General-Feldzeugmsister, und ließ durch den Obrist-Leutnant von Holzmann ein neues Feld-Bataillon von 772 Köpfen errichten. Die Kanoniere erhielten keine Seitengewehre, sondern Bajonette, und wurden auf g Groschen 3 tägiges Gehalt gesetzt, da hingegen die vom isten Bataillon in einem Gehalte von 12 Groschen 2kägig standen. Nach dem Frieden (17^2) wurde das 2 te Bataillon ebenfalls auf erhöhtes Gehalt gesetzt und kam in Berlin in Garnison. Die Kanoniere erhielten Seitengewehre. Der König verstärkte die Garnison-Artillerie ansehnlich, errichtete 17H2 zu Breslau eine neue Kompagnie zu t Hauptmann, 2 Subalternen, i 22 Mann, und versah alle Festungen mit Zeugleutnanks. 17^8 wurde zu Neiße eine Garnison-Kompagnie formict; das nämliche geschah I7rjg zu Magdeburg, 1720 zu Glatz und Schweidnitz, 1723 1 118 UN» 1736 zu Cosel, und die übrigen wurden über die Hälfte vermehrt. Im Jahre 1744 marschirte das Korps, das nun den Namen eines Artillerie-Regiments erhalten hatte, unter dem General-Fcldzeugmeister v. Linger nach Böhmen gegen die Üstceichec, und rückte nach dem Frieden 1746 wieder in Berlin ein. Oer Major 0. Pannewitz und die Leuts, v. Hol- Hendorsf und v. May gingen als Volontairs (1747) zur französischen Armee nach Brabant und kamen noch im nämlichen Jahre wieder zurück. Später (176g) ging der Hauptm. Dü rand als Dolontair zur russischen Armee gegen die Türken und kehrte 1770 zurück. Der General-Feldzeugmeister v. Linger starb 17ZL. Oer Obrist 0. d. Osten wurde Chef vom isten Bataillon. Auch ernannte der König den Major v. Oieskau zum Obr.-Leut, und Inspekteur der Artillerie-Magazine, so wie auch der Ökonomie und der Lcols ä'Xrtillerie. Im Dezember 17Z6 wurden die bei Pirna gefangen genomnienen fünf sächsischen Artillerie-Kompagnien, nämlich: die Leib-Komp, des Obr. Domack, die Komp, des Majors 0. Watzdorf, der Hauptleute Kretschmer und Richter, und die sogenannte Haus-Komp, des Hauptm. Hitler, im Ganzen 3o Unteroffiziere und Zoo Kanoniere, unter die in Sachsen stehenden 4 Kompagnien des ersten Feld-Bataillons vertheilk. Die übrigen in Sachsen stehenden Kompagnien wurden 1757 durch Zo Unteroffiziere und Zoo Kanoniere, welche von der Infanterie abgegeben wurden, und durch ig Offiziere vermehrt. Oer Obr. v. d. Osten starb an der bei Breslau erhaltenen Wunde und der Obr. v. Dieskau ward zum Inspekteur sämtlicher Artillerie, auch zum Chef des ersten Held-Bataillons ernannt. In den Jahren 173g und 1762 nahm der König neue 119 Verstärkungen mit der Artillerie in Sachsen, Schlesien und Pommern vor, so daß die ganze Anzahl der Feld-Artillerie sich nunmehr auf Zo Kompagnien belief, deren Stärke folgende war: 1728. »4 Hauptleuke, 77 Subalternen, 722 Feuerwerker, Unkerofffz. und Bomb. 36oo Kanoniere, 38 Spielleuke. 1782. so Hauptleuke, 126 Subalternen, mc> Feuerwerker, Unterofsiz. und Bomb. 4g2o Kanoniere, gZ Spielleuke. Außerdem an Staabs-Offizieren: 2 Obr., 2 Obr.« LeutS., 6 Majors. Oie Bombardier-Kompagnie und die 1738 in Sachsen errichtete Kanonier-Kompagnie wurden in das Feld- KorpS vertheilt. Den Stamm zu dieser Verstärkung gaben die alten Kompagnien des Feld-KorpS gemeinschaftlich; die übrigen Leute erhielt die Artillerie theils von der Infanterie und Kavallerie, theils aus dem Anhältschen. Auch hatte der König 173g bei Landshut eine Batterie reitender Artillerie errichtet. Oie weitern Nachrichten über dieselbe finden sich weiter unken. Oer russische General - Feldzeugmeister wollte (1762) den Kaiser Peter III. zu überreden suchen, daß die preußischen Kanonen zwar sehr weit schössea, aber zum genauen Schießen nicht tauglich wären, indem die russischen Artilleristen bei mehreren angestelltcn Proben mit den erbeuteten preußischen Kanonen, ungeachtet aller angewandten Mühe, niemals die Scheibe getroffen hätten. Der Kaiser wollte sich hiervon überzeugen, und ließ 2 Offiziere, 2 Unteroffiziere und ig Kanoniere von den — 120 gefangenen preußischen Artilleristen nach Petersburg kommen, mit dem Befehl, in seiner Gegenwart mit ihrem Geschütz nach dem Ziele zu schießen. Die beiden Offiziere, die Leuts. Wey mann und Pro sch, wurden vom Kaiser zur Tafel gezogen, und unternahmen nach (?) derselben den Versuch mit Z zwölf- pfündigen preußischen Kanonen in Gegenwart des Kaisers. Aus jeder Kanone wurden 4 Schuß gethan, und sie brachten von diesen 12 Schüssen g Kugeln in die Scheibe, womit der Kaiser sehr zufrieden war und zu seinem Genecal- Feldzeugmeister sagte: „Mein Herr General, glauben Sie noch, daß man mit den preuß. Kanonen das Ziel nicht treffen könne?" — Er ließ den beiden Offizieren und ihren Leuten 2ao Rubel reichen. -— Diese preußischen Artilleristen wurden bei der am 6kcn Juli (1762) ausgebrochenen Revolution in Petersburg von dem General Su- warow gefangen genommen und nach Kronstadt gebracht, auf Befehl des Hofes aber den 7kcn August wieder in Freiheit gesetzt. Sie schifften sich ein und landeten glücklich bei Swinemünde den 7ken September. Nach dem Hubertsbucger Frieden musterte der König das ganze Feld-Artilleriekorps bei Berlin und theilte es in I Regimenter zu io Kompagnien ein. Jedes Regiment erhielt seinen eigenen Chef, und der General-Major von Dieskau, als Chef des 1 sten Regiments, wurde zum General-Inspekteur sämtlicher Artillerie ernannt. Die Spiellcuke wurden beim isten und 2ken Regiment vertheilt, und per Kompagnie ein Tambour abgcschafft. Da die Bombardiere im Kriege ihre Mützen nicht getragen hakten, so bewilligte der König, daß sie auch im Frieden Hüthe kragen konnten. Die Mützen und auch die Gewehre wurden abgeschafft. 121 Das iste Regiment blieb in Berlin, die andern beiden wurden in den Marken verrheilt. Oie Kanoniere des isten Regiments bekamen, wie ehedem, ein fünftägiges Gehalt von 12 Groschen; die des 2kcn und Zten Regiments aber nur 8 Groschen. Die übri» gen Gehalte waren bei allen Regimentern gleich, nämlich: fünftägig bekam ein Bombardier iZ, ein Unteroffizier 17, ein Feuerwerker 21 Groschen, und ein Ober-Feuerwerker i Thalcr. Die Janikscharen hatten 12, die Tambours 8 und die NegimentS-TambourS 17 Groschen. In den Jahren 1765 und 66 rückte das 2kc Regiment ebenfalls nach Berlin in Kasernen, und in den folgenden Jahren auch noch das Zte Regiment. Hierauf (1770) setzte der König die Einkünfte aller Kompagnie-Chefs gleich, und die des isten Regiments mußten jährlich einige Gehalte der Beurlaubten an die Kompagnie-Chefs der andern beiden Regimenter herauszahlen. Der König vermehrte von diesem Zeitpunkte an bis zu seinem Tode die Artillerie in folgender Art: r. Bei der Feld-Artillerie: 1772 10 neue Kompagnien, welche das rfte Regiment bildeten. Hierzu gab das Feld-Korpü 60 Unteroffiziere, die Infanterie und Kavallerie aber 1200 Mann, meistens Ausländer; 1160 Rekruten wurden in Westpreußen ausgehoben. Dieses Regiment erhielt keinen Chef, sondern jedes Bataillon einen Kommandeur. Das Regiment war stark: 2 Skaabsoffiziere, 8 Hauptleute, Z 4 Subalternen, 60 Unteroffiziere, 236 o Kanoniere. Die für das Regiment bestimmten 120 Bombardiere wurden auf des Königs Befehl in die 3o Kompagnien der 122 übrigen Z Regimenter verkheilt. DaS Regiment bekam keine Bombardiere. Die Gemeinen hakten, statt der Pulverstasche, über der einen Schulter einen wcißlcdernen Riemen, an welchem eine Pistole hing, über der andern aber eine Schippe und Hacke. Diese Armatur verlor cs 1782, erhielt, wie die andern Regimenter, Pulverstaschcn, und ebenfalls Bombardiere. Das Regiment kam in Müncheberg und Fürsten Wal de zu stehen. Beim Ausmarsch 1778 wurde jede Kompagnie der Z ersten Regimenter mit 1 Bombardier und g Kanonieren, daS -!jte Regiment ober mit g Sek.-LcutS vermehrt. Im Mai 1782 wurden zwei neue Kompagnien errichtet, beide waren 2 Hauptleute, g Subalternen, 10 Feuerwerker, 20 Unteroffiziere, 46 Bombardiere, Z14 Kanoniere und 2 Tambours stark. Der Stamm dazu war aus den Z ersten Regimentern entnommen. DaS tjke Regiment erhielt eine Vermehrung von Zo Feuerwerkern, 10 Unteroffizieren und >54 Bombardieren, und ward um ig-j Kanoniere vermindert. Am Uten September 1788 wurde noch eine Kompagnie von 5 Offizieren und rg6 Köpfen errichtet. Diese und die beiden vorigen stießen unter dem Major von Tempelhof, unter dem Namen: Augmentation zum ersten Regiment. 2. Bei der Festungs-Artillerie: den rstcn Dezember 1771 wurden zu Kolbcrg und Glogau zwei neue Kompagnien errichtet; die ecstere zu Z Offizieren, iZ2 Köpfen, die letztere zu Z Offizieren und ioo Köpfen. 1782 eine neue Kompagnie zu Silberberg, zu Offizieren (mit Einschluß eines Zeug- Leutnants) und 12Z Köpfen. 1784 eine zu Gcau- denz zu Z Offizieren, i Zeug-Leutnant und 160 Köpfen. Der König besichtigte die Artillerie 1771 und 177Z, 123 l! und befahl, daß das Feld-ArtilleriekorpS und die Pontoniere alljährlich zu einem vierwöchcntlichen Ezerzircn zusammengezogen und gemustert werden sollten. Das rjte Regiment rückte 1773 nach Berlin in Kasernen. Das Jahr darauf wurden von diesem Regiments per Kompagnie Ic> Mann auSgezogen, welche während des Sommers unter dem Mineur-Obrist d'Alton und dem Jngenieur-Hauptmann Borghese im Sappiren unterrichtet wurden, wobei die Offiziere und jungen Unteroffiziere der Artillerie zugegen seyn mußten. — Auch ward zu mehrerer Ordnung und Aufsicht beim Stückgießen in diesem Jahre ein Gicß-Leutnant für Berlin ernannt. Der General-Leutnant v. Dieskau starb 1777. Der König ernannte zu Ende des Jahres den Obristen von HolHendorff zum General-Inspekteur sämtlicher Artillerie und zum Chef des istcn Regiments. Oec Major v. Tempelhof erhielt (1782) vom Könige den Befehl, auf dem Arkillerie-Exerzirplatze ein kleines Festungswerk (Polygon) zu bauen, wozu Zoo Thalcr für die Arbeiter angewiesen wurden. Das Werk bestand auö 2 Bastionen, einer Kurkine und einem Naoelin, und wurde, nachdem cs vollendet war, durch die Wachtparaden der Infanterie, unter Leitung des Majors von Tempelhof, förmlich belagert, und zuletzt, nachdem der Angriff vom igken bis zum Zosten August gewährt hatte, mit Sturm genommen. Wenige Jahre vor seinem Tode (1788) nahm der König noch das Zeughaus zu Berlin in Augenschein. 1783 , den gken Dezember, starb der General-Major von HolHendorff. Oec König und das ganze Korps fühlten und bedauerten tief den großen Verlust dieses thä- tigen und allgemein verehrten Mannes. Der König ließ den Obristen v. Oittmar und den Obrist-Leuknant v. Möller zu sich nach Potsdam kom- 124 men und ernannte Erster« zum Chef des i sten Regiments und zum General-Inspekteur der Artillerie; Letzter« aber zum Obrist und Direktor des Oekonomiewesens bei dieser Waffe. Don dem Nutzen der bei Landshut errichteten Batterie reitender Artillerie überzeugt, bildete der Kö- nig 1773 zu Potsdam ein Kommando von io Kanonen, durch r Hauptmann, i Leutnant, io Unteroffizieren und 6c> Kanonieren besetzt, unter dem Namen der reitenden Artillerie. Das Kommando erhielt der Haupkmann von Anhalt, der Offizier dabei war der Leutnant von Hertig. Die ganze Stärke des Feld-ActilleciekorpS betrug beim Tode Friedrichs II. (1786): Regimenter. <2 2 - L v L kL> Z L l« ä Bombardiere. Kanoniere. Q L § V» 2 V L a k-^ Das 1 ste 10 52 10 32 ic >3 240 1730 -6 i 10 Das 2ke IO 52 10 32 io 3 i 240 1730 16 i IO Das Zte ro 32 10 32 ro 3 240 1730 - - 10 Das rjke IO 42 10 20 80 134 2 l 63 - - - d. Augement. 3 i6 3 12 3 o 69 47 r - - 3 Im Ganzen 214 128 ^ 4^3 I g43§78S^3^ 2 ^3 Oie Stärke der Festungs-Artillerie betrug: 74 Offiziere, 124 Feuerwerker und Unteroffiziere, 187 Bombardiere, i38i Kanoniere, 1 Tambour. Mithin die Stärke des ganzen Artillerie-Korps in dieser Epoche: 288 Offiziere, 720 Feuerwerker und Unteroffiziere, 11Z0 Bombardiere, 9267 Kanoniere, 78 Spielleuke. JmGanzcn mgä Mann, ohne Offiziere. Oie folgende Tabelle gewährt eine Ucberficht über die Chefs und Kommandeurs der verschiedenen Hauptabthei- lungen der Artillerie vom Jahre 176Z bis zum Jahre l8og, wo die Artillerie eine gänzliche Umformung erlitt. Im Jahre 176z wurde das Fcld-ArtilleriekorpS in drei Regimenter gekhcilt, deren Chefs und Kommandeurs nach und nach, und bis zum Frieden von Tilfit folgende waren: OaS Erste Regiment. Chefs. 1763. General-Major und General-Inspekteur sämtlicher Artillerie v- Oieskau. Kam 1721 zur Artillerie, wurde 1727 Sekonde-Leutnant, 17Z0 Premier-Leutnant, 1732 Staabs-Kapikain, 17^1 Kapikain, 1746 Major, 173Z Obrist-Leutnant, 175g Obrist, 1762 126 General-Major, 1777 General-Leutnant, und starb 1777. 1777. Obrist und General-Inspekteur v. HolHendorff. Wurde 177g General-Major und starb 1786- »782- Obrist und General-Inspekteur von Dittmar. Wurde 1788 General-Major. Starb 1792. 1792. Obrist v. MerkaH. Wurde 179Z General-Major, 1762 General-Inspekteur, 1798 General-Leutnant und erhielt 1806 den nachgesuchken Abschied mit Pension. Kommandeurs. 1770. Obrist-Leuknank 0. HolHendorff. Wurde 1771 Obrist, 1776 Chef des Zken Regiments, 1777 General-Inspekteur und Chef des i. Regiments. Starb 1782 - 1776. Obrist v. MerkaH. Wurde 1777 Chef des Zken Regiments. »777. Obrist dü Trossel. Erschoß sich 1778 zu Magdeburg '). Oie Stelle blieb vakant bis 1779. Obrist-Leuknank von Möller. Wurde 1786 Chef des Iren Regiments und 1792 General-Inspekteur. >786. Obrist-Leutnant v. Lingec. Wurde 1787 Kommandeur des 2ten Regiments. 1787. Obrist-Leuknank von Tempel Hof. Wurde 1792 Chef des Zken Regiments. 1792 - Obrist v. Hartmann. Wurde 1801 Chef des rjtcn Regiments. ') Er hakte an den Prinzen Heinrich von Preußen geschrieben und sich gegen ihn über den König Friedrich II. beklagt, aus Versehen aber diesen Brief an den König addressirt. Der König schickte den Brief mit einem höflichen Handbillet dem Prinzen zu, und dü Tröffet — erschoß sich. 127 Igoi. Obrist-Leuknant v. Eckcnbrecher. Wurde itzoZ Qbrist und 1804 Kommandeur der reitenden Artillerie. igoH. Obcist o. Pont anus. Wurde igog bei der neuen Forinicung der Artillerie in Brigaden nicht ange- stcllt, aber zum Präses der Artillerie-Prüfungs- Kommission ernannt; ign General-Major und starb igiZ zu Breslau. Das Zweite Regiment. Chefs. 1763. Obrist-Leutnant von Kitkscher. Kommandeur en Chef. Starb 1770. 1770. Obrist v. Lüderitz. Starb 1778. 1778. Obrist 0. Höfer. Starb 178^- Die Stelle blieb vakant bis 1783. Obrist v. Oittmar. Wurde im nämlichen Jahre General-Inspekteur und Chef des isten Regiments. 1785 . Qbrist v. Pri Helwitz. Starb 1787. 1787. Obrist von Bardeleben. Wurde 1790 General- Major und erhielt 1798 den Abschied mit Pension. 1798- General-Major 0. Anhalt. Erhielt im nämlichen Jahre den Abschied mit Pension. 1798- Obrist 0. Block. Starb 1797. >797. Obrist v. Lentken. Wurde 1800 General-Major und erhielt iZoZ Abschied mit Pension. tgoZ- Obrist v. Schonern, ark. Wurde 1804 General- Major. Starb 1807 in Breslau. Kommandeurs. 1770. Obrist-Leuknant 0. Wen Hel, Wurde 1771 Obrist und starb 1782. 1782. Obrist-Leuknant v. Sohr. Wurde 1786 Obrist und erhielt den Abschied. 128 1786. Obrist-Leuknannt v. d. Loch au. Wurde 1787 Kommandeur des Ztcn Regiments. 1787. Obrist-Leuknank 0. Linger. Wurde 1788 Obrist und Kommandeur en Chef der schlesischen Festungs- Artillerie. 1788. Obrist-Leuknank v. Wolfradt. Wurde 1792 Obrist und 1798 zur Festungs-Artillerie versetzt. 1798- Obrist v. Block. Wurde im nämlichen Jahre Chef. 1798. Obrist v. Becker. Wurde 1797 zur Festungs-Artillerie gesetzt. Oie Stelle blieb offen bis ^ 1797. im Dezember Obcist v. Strampf. Starb 1808 in Breslau. Das Dritte Regiment. C Hess. 1763. Obrist-Leuknank v. Winterfeldt. Wurde 1778 Kommandeur cn Chef der schlestschcn Festungs-Artillerie und starb 1788. War Kommandeur en Chef, so wie 1776- Obrist v. Holtzendorff. Wurde 1777 General- Inspekteur. 1777. Obrist 0. Meckatz. Starb 1786. 1786. Obrist v. Möller. Wurde 1789 General-Major, 1792 General-Inspekteur, 1798 General-Leutnant und erhielt 1798 den Abschied mit Pension. 1798. Obrist v. Tempelhof. Wurde 1796 General-Major, 1802 General-Leutnant. Starb 1807 in Berlin. Kommandeurs. 1778- Obrist-Leuknank v. Dietmar. Wurde 1782 Obrist und 1788 Chef des l sten Regiments. 1788-Obrist-Leutnant 0. Bardeleben. Wurde 1786 Obrist und 1767 Chef des 2ten Regiments. 178? 129 1787-von der Lochau. Wurde 1790 Obrist und 1792 Kommandeur en Chef des Hken Re» gimenls. 1792. Obrist-Leutnant v. Weitzmann. Erhielt 1793 Ab- schied mir Pension. I7gZ. Obrist-Leutnant 0. Block. Wurde im nämlichen Jahre Obrist und 1795 Komn,andeuc de? 2ken Re- ginientS. , , . . . 179Z. Obrist v. Lentken. Wurde 1797 Chef des 2ken Regiments. »» , -- 1797 Obrjst-Lcutnank v. Puttkammer. Wurde lgoo Obrist und zur FestungS-Artillerie versetzt. Igoo. Obrist-Leutnant v. Huser. Wurde igor Obrist und lgc>5 Kommandeur cn Chef bestreitenden Ar- . tillerie-NegimenkS. . > igoZ. Obrist v. Dournann. Wurde igog zu nojährigem Festungs-Arrest, wegen Ankheil an der Kapitulation von Cüstrin, verurkheilt. ^ Im Jahre 1772 wurde das efte-Regiment errichtet, das aus 2 Bataillonen ohne Bombardiere bestand. Das Vierte Regiment. Chefs. 1792. Kommandeur en Chef Obrist v. d. Lochau. Wurde 1796 General - Major und zum Chef ernannt. Starb 1800. Die Stelle blieb offen bis r8or. Obrist o. Harkmann. Wurde rZoi General-Major und starb 1807 zu Königsberg. Kommandeurs. 7 t 1772. (Kommandeur des i sten Bataillons) Major von Pritzelwitz. Wurde 1778 Obrist-Leutnant; 1782 Obrist und Chef des aten Regiments. 130 177s. (Kommandeur des sten Bataillons) Major von Möller. Wurde 1779 Obrist-Leutnank und Kommandeur des 1 sten Regiments. In dessen Stelle »779- Major v. Linger, Kommandeur des sten Bataillons. Wurde 1786 Obrist-Leuknant und Kommandeur des i sten Regiments. 1782 - Kommandeur des ganzen Hken Regiments, Obrist v. Merkatz. Wurde 1787 Obrist und 1792 Chef des r sten Regiments. Die Stelle blieb osten bis 1795. Obrist v. Lentken. Wurde im nämlichen Jahn Kommandeur des Zten Regiments. Die Stelle blieb osten bis »796. Obrist v. Schön er mark. Wurde 180Z Chef des steii Regiments. Oie Stelle wurde von den Obr. v. Schramm, v. Pontanus, v. Scharnhorst und v. Hertig auegeschlagen und endlich angenommen: I 8 v 3 . vom Obrist-Leutnant von Zinken, der aber i8o§ Pension erhielt. l8oL. Obrist u. Hertig. Wurde rgog als General-Major penstoni'rt. Im Jahre 1797 wurde das Feld-Artilleriekorps mit 7 neuen Kompagnien vermehrt, von denen I zur reitenden Artillerie stießen und 4 das gte Bataillon bildeten. Oer Kommandeur dieses Bataillons war 1797. 6brist Boumann. Ward I8o3 Kommandeur des Zten Regiments. l6oZ. Wurde das gte Bataillon in reitende Artillerie umgewandelt und stieß zu dem nunmehrigen reitenden Artillerie-Regiment. 131 Oie reitende Artillerie. Die ältesten Nachrichten reichen bis 175g, in welchem Jahre Friedrich II. eine Batterie bei Landühut errichtet und 1773 dem Hauptmann v. Anhalt zu Potsdam übergeben hakte. Derselbe wurde 1778 Major und 1787 Obrist-Leutnant. Bald nach dem Tode Friedrichs II. sormirte Friedrich Wilhelm II. die reitende Artillerie in Potsdam ( 1767). Sie bestand aus 3 Kompagnien, unter dem Obckst- Leutnanr 0. Anhalt und den Hauptleuten von Schönermark und Pcosch. Kommandeurs derselben waren nach und nach: 1787- Obrist-Leutnant v. Anhalt. Wurde 1790 Obcist; 1796 General-Major und Chef des 2ten Regiments. 1793. Obrist von Schönermark. Wurde 1792 Obrist 1796 Kommandeur des Hten Regiments. I79Z- Obrist-Leutnant Pro sch. Wurde 1797 Obcist und starb igoch I8o4- Obrist v. Ecken brecher, Kommandeur des nunmehrigen reitenden Artillerie-Bataillons (7 Kompagnien). Ward 1809 als General-Major penst'onirk. l8oZ. Kommandeur en Ehef des nunmehrigen reitenden Artillerie-Regiments (10 Kompagnien) Obrist v. Hü- ser. Wurde 1806 bei Prenzlau gefangen und 1809 nicht wieder angcstellt. l8og. Brigadier der reitenden Artillerie Major v. Hol» Hendorf. Wurde beim Ausbruch des Krieges von I8i3 Kommandeur der Artillerie beim 3ken Armee- Korps (v. Dülow). i8r3 Obrist-Leutnant, Obrist und General, r8i2 General der Artillerie beim Heere des Fürsten Blücher und 1818 General-Leutnant. 3 2 132 Oie Festungs-Artillerie. Im Jahre 1716 war die Festungö-Artillerie in fol- genden festen Plätzen vertheilk. r. Pillnu. 1736 nach Königsberg verlegt. s. Wesel. Z. Stettin. 4. Magdeburg. 174g zu einer Kompagnie ergänzt, 1737 noch verstärkt. 2. Cü st rin. E. Colberg. Anfänglich nur ein Kommando, das erst 1771 zu einer Kompagnie ergänzt ward, Hierzu wurden später errichtet: 7. Breslau. 1742 eine Kompagnie. 8- Elog au. 1742 ein Kommando, das 177! zu ein« Kompagnie ergänzt ward, g. Brieg. 1742 eine Kompagnie, io. Neisfe. 1742 ein Kommando, das 1748 zu ein» Kompagnie ergänzt und 1767 noch verstärkt ward H. Gl atz. 1742 ein Kommando, das 1720 zu eine: Kompagnie ergänzt ward. 12. Cosel. 1742 ein Kommando, das 1726 zu rinn Kompagnie ergänzt und 1757 noch verstärkt ward. 1Z. Schweidnitz. 1720 eine Kompagnie, 1726 noch verstärkt. IZ. Silberberg. 1782 eine Kompagnie. 12 - Grau denz. 1784 sine Kompagnie. 16. Danzig. i 7 gZ eine Kompagnie. Im Jahre 1748 wurde die schlesische FestungS-Artillerie unter dem Namen des schlesischen Garnison-Bataillons begriffen und erhielt zu Kommandeurs: 1748- Obrist-Leutnant 0. Pannewitz. Starb im nämlichen Jahre. 133 1748. Major Jon ä. Starb 172Z. I 7 Z 3 . Obrist 0. Meckatz. Starb 176Z. ^ 1763. Obrist 0. Holzmann. Starb 1776- Die schlesische Festungs-Artillerie erhielt von nun an einen Kommandeur cn Chef, und zwar: 1776.. Obrist v. Winterfeld. Starb 1788- 1788. Obrist v. Linger. Starb 1793. I7g3- Major v. Scheel. Starb 1794. 1794. Obrist v. Skrampf. Wurde 1797 Kommandeur des Uten Regiments. 1797. Obrist v. Decker. rZo 4 nachges. Abschied. 1804. Obrist-Leuknant We rn i tz. Wurde 1809 nicht wieder angestellt. Die preußische und pommersche Festungs-Artillerie erhielt seit 1798 folgende Kommandeurs en Chef. 1793. Obrist-Lcutnank von Skeinwehr. Wurde 1798 Obrist und starb 1797. 1797. Major und Ober-Feuerwerksmeister v. Schramm. Wurde im nämlichen Jahre Obcist-Leuknank, lgoZ Obrist, i8v7,Eeneral-Major und 1808 pensionirt. Don den 16 Kompagnie-Chefs wurden bei der neuen Formation 1809 7 pensionirt, 6 nicht wieder angestellt, 1 entlassen, l zum rojährigen Festungs-Arrest veructheilt und i starb. Gleich nach seinem Regierungs-Antritt musterte Friedrich Wilhelm II. (6. September 1766) das Artillerie- und Pontonier-KorpS, und nahm am 9. November das Zeughaus und besonders die neuen Patronenwagen in Augenschein, die statt der bisherigen Patronenkarren bei der Armee eingesuhrt waren. Auch besichtigte der König die Gewehrkammer, die Stückgicßerei und das Dohcwerk. Oie alljährigen vierwöchcntlichen Übungen wurden bei- behalten. 134 Am r. Juni wurden dein Feld-KorpS 972 Kanoniere obgenommen und als Regiments-Artilleristen zur Infanterie versetzt, damit ein jedes Regiment zur Besetzung sei, ner 6 Kanonen, mit Einschluß der schon vorhandenen so« genannten Zimmerleute seine eigenen Z-j Artilleristen haben sollte. Diese erhielten die Uniform, des Regiments, dein sie zugcthcilk waren. Auch wurden diejenigen Kanoniere, welche ein fünftägiges Gehalt von 12 Groschen bezogen, im ganzen Korps gleichmäßig vertheilt; eine jede Kompagnie hatte nunmehr Z6 derselben. Das ejte Regiment erhielt mit den übrigen Regimentern einen gleichen Offizier-Etat, die Ianitscharen zu Haukboisten umgeformt wurden in allen ej Regimentern vertheilt. Eine jede Kompagnie des Feldkorps war jetzt stark: t Kompagnie-Chef, Subalternen, l Ober-Feuerwerker, Z Feuerwerker, io Unteroffiziere, S2 Bombardiere, l6o Kanoniere, r Tambour. Und außerdem hatte die Leib-Kompagnie jedes Regiments i Regiments-Tambour und 8 Hautboistcn. Die sogenannte Augmentation (Z Kompagnien) wurde zu reitender Artillerie unigeformt. 135 Oie Stärke des Fcld-ActilleriekorpS betrug nunmehr: Z Z Feuerwerker. !§ Bombardiere. ^ Kanoniere. S 2 2 L- 1 Regiments-Tambour. 2 2 »2 v Jedes Regiment 53 10 3° Ivo 200 1600 8 r 10 Mithin alle viere 212 40 120 4ao 880 6400 3- 4 40 Die reit. Artill. -6 3 s 3o 66 48o - - - OaSganzeKorp^ 22^4^ 12g ^ 4^0 ^ g4^688o^3^ 4^4^ Auch wurden bei ber Feld-Artillerie rs Gefreitekor- porale ernannt, von denen die 6 Ältesten dos Ofstzicr- Poctepee trugen. Ferner bestimmte der König folgendes: Bei entstehendem Kriege soll jede Kompagnie in zwei Theile getheilt werden, und entweder zwei Batterien, oder eine Bakterie und eine Munitions-Kolonne, oder zwei solcher Kolonnen besetzen. Die erste Hälfte soll der Kompagnie-Chef, die andere der Kommandeur befehligen, wenn aber der crstere ein Staabs-Offizier ist, welchem eine gewisse Anzahl von Batterien rc. untergeordnet sind, so soll der Kompagnie-Kommandeur die erste Hälfte und der älteste Sckonde-Leutnant die andere befehligen. Der Bakterie- oder Kolonnen-Kommandeur soll vom Tage der Mobilmachung an, monatlich Zo Thaler Zulage erhalten. — Jede Batterie soll aus 6 Kanonen, 2 Haubitzen und den nöthigen Munitionswagen rc. bestehen. 136 Auf Befehl des Königs erhielt die Feld-Artillerie, gleich der Infanterie, eine Werbung im Reich. Im Krieg» gegen Holland (1788 , wurde ein Theil der Feld-Artillerie unter dem Major Geelhaac verwendet. Oer Ober- Feuerwerker Wehrniann und der Hauptmann Eckenbrecher zeichneten sich bei der Einnahme von Gorkuni vorzüglich aus, erstcrer wurde dafür zum Offizier ernannt, letzterer 1788 in den Adclstand erhoben, und erhielt, so wie der Major Geelhaar, den Verdienst-Orden. Von den Geldern, welche der König dem ganzen in Holland gestandenen Armee-Korps als Geschenk auszahlen ließ, erhielt das Artillerie- und Ponconier-Oerafchement Rthlr. » . An Geschütz waren in diesem Feldzuge ivej Kanonen, 6 Haubitzen und 6 Mocriere von verschiedenem Kaliber erobert worden. Das Jahr 1788 hak wenig Veränderungen in der Ari tillerie aufzuweisen. Jedes Regiment ward mit einem Major und einem StaabS-Kapitain vermehrt. Bei jedem Infanterie-Bataillon ward 1 Artillerie-Unterofstziec zur besseren Aufsicht über die Regiments-Artillerie angestellt, und die Stellen dieser Leute durch Abgabe von der Infanterie bei der Artillerie wieder ersetzt. Oie Regiments- Artilleristen wurden nun ebenfalls alljährig zur Übung zufammengezogen. In, Jahre 178g ward das zweite Regiment nach Breslau in Garnison verlegt. Im Frühjahre 1790 wurde die ganze Armee auf den Feldekat gesetzt und in fünf Korps formirt, von denen sich drei in Schlesien und zwei in Preußen zufammengezogen. Die benörhigte Artillerie wurde bei diesen Korps vertheilt, klkach dem Frieden blieben eine Brummer-Batterie, 3 schwere und 2 leichte 6pfündige Batterien, und 2 Parkkolonnen unter dem Obrist-Leutnant Wcndt auf dem Feldetat, rückten nach Oriesen in Kankonicungcn, und mar- schicken im Mai 1791 nach Weh kau in Ostpreußen. Diese Artillerie wurde im September 1791 demobil gemacht und rückte wieder nach Berlin. Die Sekunde-Leutnants v. Schölten und Schmidt wurden in Königl. Geschäften nach der Türkei geschickt, kamen das Jahr darauf wieder zurück und erhielten vom Könige den Verdienst-Orden nebst einem Geschenk von rooo Rthlrn., und der Leutnant Schmidt ward in den Adelstand erhoben. Im Oktober 1791 stiftete der König eine Artillerie- Akademie und ernannte den Obrist 0. Tempelhos, der den Plan dazu entworfen hatte, zum Direktor derselben. Zum Fo >d dieser sehr nützlichen Anstalt wurden die Wer- kcgelder der Artillerie genommen und die Reichswerbung ging ein. Oer König ließ durch den englischen Obristen Smith, unter dessen Leitung die Schecrenslotte in Schweden errichtet worden war, eine schwimmende Bakterie erbauen, welche auf der Ostsee zur Skrand-Dertheidigung dienen und eine lapfündige Batterie in sich aufnehmcn sollte. Oie mit derselben bei Eharloktenburg aus der Spree angestellten Versuche mißglückten aber alle, daher kein weiterer Gebrauch davon gemacht wurde. Den i stcn Februar 1792 starb der General-Major v. Dittmar, und der General-Major v. ORoller ward zum Inspekteur der sämtlichen Artillerie ernannt. Im April marschirten iZ Fuß-, 2 reitende Batterien, 7 Parkkolonnen nebst 100 Pontons, und Anfangs-179z 6 Fuß-Bakterien, t reitende und g Parkkolonnen zum Kriege gegen Frankreich nach dem Rhein. Sie erhielten eine Vermehrung von l Tambour und die reitende Batte» rien von i Trompeter. Oie mobile Artillerie ward unter die Befehle des General-Majors 0. Möller gestellt, und 138 der Obcist v. Tempclhof mußte auf Befehl des König» nach Berlin zucückkehren. Im Mai 1794 macschirte das zweite Regiment, mit Ausschluß der am Rhein stehenden Kompagnien, nach Südpreußen, und von Berlin aus 2 Fuß-, 2 reitende Batterien und eine Parkkolonnc ebenfalls dahin; diese Artillerie kehrte aber im Februar 1798 wieder in ihre Garnisonen zurück. Im September i/gZ erhielt der General-Leutnant v. Möller den nachgesuchren Abschied mit Pension, und der General-Major v. Meckatz wurde General-Inspekteur sämtlicher Artillerie. Der König befahl 1796, daß das erste Bataillon des Htcn Regiment« und die halbe reitende Kompagnie de» Hauptmann v. Schweder nach Königsberg, und die halbe reitende Kompagnie des Obrist-Leurnant Prosch nach Warschau abrückc» sollten; ferner daß diese beiden halben Kompagnien zu ganzen und das Bataillon zu einem Regiment vermehrt werden sollte. Diese Vermehrung wurde im folgenden Jahre vollzogen und das in Berlin zurückgebliebene 2ke Bataillon des Hten Regiment» erhielt den Namen: Neuntes Bataillon. Oie ganze Vermehrung betrug Z Stasbs-Offiziere, 4 Hauptlcuke, ZZ Subalternen, 98 Feucrw. und Unteroffiz., 154 Bombard., H2» Kanon-, i Bataillons-Tambour und Zo Tambours. In dem nämlichen Jahre (,797) erhielt jede« Z. Musketier-Bataillon zwei ZPfänder, zu jedem derselben gab die Artillerie r gutgedienken Kanonier als Gefreiten. Oie bei der Infanterie stehenden Artillerie-Unteroffiziere wurden wieder eingezogen, und von nun an bei jedem Infanterie-Regiment ein Feuerwerker und zwei Unteroffiziere von der Artillerie kommandirt, und alle drei Jahre obgc- löst. Bei der Festungs-Artillerie wurde in dieser Periode eine neue Kompagnie in Danzig errichtet, auch außer 139 den in den Festungen bereits stehenden Zeug-Leutnants« ,'n jedem großen Artillerie.Depot ein Zeug-Hauptrnann und ein Zeugschreiber ongestellt, in Pillau und Wülö- burg aber ein Zeug-Leutnant neu ernannt. Die an- spach-baireutsche Artillerie wurde zu einer FcstungS-Kom- pagnie sormirk und nach Plassenburg und WülSburg in Garnison gelegt. Die ganze Stärke der Festungs- Artillerie betrug nunmehr: 6Z Offiziere, irju Unteroffiziere« 2r8 Lombardiere, r6oo Kanoniere, i Tambour, Oie Stärke eich Wilhelm der Feld-Artillerie war beim Tode Fried- II. folgende: d; 2 L . ^2 2 2 kV L 2 °2 c> 2 2 2 ä ä -Y- K IS Regiment Ivs 241 10§ Zol iooj 22oj t6oos 8 I I 1 - 12t, 2S Regiment lol 24lro1 Zrrjiool 22ojt6ooj 8 I II - §20 ZS Regiment Ivj 24!>o1 Zolioo§ 22o1l6oo1 8 I I i - '20 tjs Regiment >c>j 24! toi Zl-I loo^ 22o s r6ooj 8 I l I - I20 gs Bataillon 2j 27^ 2j i2j 2oj noj 8oo> - > - j i jic. Reit. Arrill. 2j 27 > 2l i2j 2o l nc>i 8ooj - j - j - j - Im Ganzen iZo§goo§ noo§8ooosI2l 4 s i gc> Und noch außerdem bei jedem Infanterie-Regiment I Feuerwerker und 2 Unteroffiziere, also im Ganzen noch 26 Feuerwerker und 112 Unteroffiziere mehr. 140 Zwei Jahre nach dem Antritt seiner Negierung (>7gg) ließ der König Friedrich Wilhelm III. 2 Kompagnien des g ten Bataillons zu reitender Artillerie umformen und nach Breslau und Königsberg in Garnison verlegen, auch erhielt eine jede reitende Batterie 2 Trompeter und l2 Kanoniere Verstärkung, wodurch die reitende Artillerie 37 Offiziere und 1470 Mann stark wurde. Oie alljährigen Übungen fielen mit dem Jahre 1801 aus und wurden von nun an nur alle zwei Jahre vorgx- nommen. Am r. Oktober 1802 wurden in Berlin zwei reitende Batterien beritten gemacht und deren Etat auf 8 Unteroffiziere, 72 Kanoniere, 2 Trompeter und r Kurschmied, 24 Knechte und zag Pferde gesetzt. Diese beiden Bakterien wurden von den in Berlin stehenden drei reitenden Kompagnien gemeinschaftlich besetzt. Im Juni des folgenden Jahres wurde in Berlin eine ispfündige Exerzir-Batterie mobil gemacht. Im Jahre i8oL ging das gte Bataillon ein, oder wurde vielmehr zu reitender Artillerie umgesormk, wodurch diese auf den Etat eines vollständigen Regiments gesetzt ward, das den Obrist v, Hüser zum Kommandeur cn Chef erhielt. Bei der Festungs-Artillerie war (180Z) zur Besetzung der Zitadelle von Erfurt ein Kommando von l Offizier, 2 Unteroffizieren und 24 Kanonieren errichtet worden. Oie sämtliche Festungs-Artillerie bestand beim Ausbruch des Krieges von 1806 aus 17 Kompagnien und 3 Komman- do's, wobei g 5 Offiziere, ,40 Unteroffiziere rc., 170 Bombardiere und 1668 Kanoniere angestellt waren. Oie Stärke der Artillerie war in diesem Zeitpunkte folgende: Oie 4 Regimenter Fuj,-Artillerie (alle auf einem gleichen Etat) hatten 40 Kompagnien, wobei sich 216 Offiziere, Z6c> Unteroffiziere re., 880 Bombardiere, 6400 Ka- 141 noni'ere und n 6 Spielleute befanden. DaS reitende Artillerie-Regiment hakte io Kompagnien und war 24 Offiziere, i-jo Unteroffiziere ic.. 220 Bombardiere, 1720 Kanoniere und 20 Trompeter stark. > Im Jahre 1807 wurde der Obrist v. Neander Inspekteur der Artillerie. Ec wurde 1810 General-Major» von der Inspektion entbunden, zum Inspekteur der Armatur-Depots ernannt, r 8 i 3 mit Pension verabschiedet und starb 1817. Die Artillerie wurde 1809 in drei Brigaden gekheilt. Die erste oder preußische unter dem Obrist-Leutnant v. Oppen. Er wurde i8li Obcist, erhielt i 8 i 3 Pension mit dem Charakter als General-Major und ward zum Präses der Artillerie-PrüsungS- Kommisston ernannt. Starb I 8 r 5 - Major von Schmidt wurde I 8 l 3 Brigadier» i8i2 General- Major und zum Kriegs-Ministerium versetzt. Oie zweite oder bra n denburg sche unter dem Obrist Decker. Er wurde 180g Chef der neuerrichkeken Fuß - Garde - Artillerie - Kompagnie, i 8 r 3 General- Major, leitete die Organisation der Artillerie in Schlesien während des Krieges und ward i 8 i 3 als General-Major mit Pension in den Ruhestand gesetzt. Oie dritte oder schlesische unter dem Major von Schäler. Derselbe wurde 1810 zum Kriegs-Ministerium versetzt. 1811 wurde Major von Blu- nienstein Brigadier, i 8 l 3 Obrist-Leuknant und Obrist, i 8 i 2 General-Major, 1816 Brigade-Chef der 4ten und Hten Brigade. So blieb die Einrichtung bis zum zweiten Frieden von Paris. Im Jahre 1816 erhielt die Artillerie eine neue 142 und erweiterte Organisation und ward in g Brigaden ein» getheilk, unter denen eine zur Garde-Brigade ernannt ward. Mehrere Brigaden (nach Umständen 2 oder Z) erhielten einen eigenen Brigade-Chef. Oie Grundzüge der Organisation von 1816 sind folgende: General-Kommando der Artillerie (in Berlin). General der Infanterie Prinz August von Preußen Königl. Hoheit. Brigade-Chefs (1820 erhielten ste den Namen: Inspekteurs). General-Major v. Holtzendorff. Inspekteur der Garde- Artillerie, der Artillerie in Brandenburg, Pommern und Sachsen (der 2ten und Zten Artillerie-Brigade). Wurde »818 General-Leutnant, 1820 zum Oioisions Kommandeur der aten Division (Danzig) ernannt. Generäl- Major v. Schmidt rückte in seine Stelle. Obrist v. Neander. (Brigadier der Artillerie in Preußen, also der i sten Brigade.) 1820 zum i stcn Direktor der Artillerie-und Ingenieur-Schule ernannt, starb 1821 zu Berlin. In seine Stelle Major Huet L Artillerie und die östrcichfche Armee setzte ihr eine ähnliche leichte Artillerie entgegen. Die Franzosen haben ste vor 1792 nicht gekannt. Anmerk, des Herausgebers. ") In dem Gefechte bei Slaviekin, den LZ. Juli 177g, leistete die reitende Artillerie des Königs ebenfalls vorzüglich« Dienste. S. Nlilit. Wochenblatt stro. 209. Anmerk. des Herausgebers. Kriege wurde die preußische reitende Artillerie bis auf sieben Batterien vermehrt, deren jede aus 8 leichten sechs- pfündigen Kanonen und aus zwei siebenpfündigen Haubitzen bestand, zu deren Bedienung drei Artillerie-Kompagnien bestimmt wurden. Besonders in den Jahren 1778, 87, 97. wurden Verbesserungen und bedeutende Vermehrung derselben unternommen. " „Durch Friedrich II. schienen die üstreicher aufmerksam gemacht zu seyn, diese Artillerie, deren Wirkung sie häufig empfunden, auf ähnliche Art zu gebrauchen. Sie errichteten deshalb (1780) ebenfalls Kavallerie-Artil, lerie, deren Bedienung indeß nicht beritten war, sondern auf dem mit einem gepolsterten Sitze versehenen Schwänze der Lastete fuhr, welche hierzu länger als gewöhnlich an- gefectigr wurde; der Sitz enthielt zugleich einen Patronenkasten, in dem fich sechs Kugel und vier Kartätschen- schuß befanden. — Nach diesen Beispielen führten bald olle bedeutendere Mächte Europa's reitende Artillerie in ihren Heeren ein. Der Kaiser Paul errichtete dieselbe ganz aus preußischen Fuß. Oie Schweden organisieren auf gleiche Weise im Jahre 1797 ihre beiden ersten reitenden Batterien; jetzt besitzen fie gar keine eigentliche Fuß- Batterien, sondern nur fahrende und reitende Artillerie. Die Engländer, Hannoveraner, Hessen, Baicrn, Würrembergcr u. a. m. bilderen ihre reitende Artillerie ganz nach dem Beispiel der Preußen, nur daß bei den Engländern zwei, bei den Wüctembccgern ein Mann, auf dem Protzkosten der Kanone fitzt Oie Baiern nahmen für ihre zweipsündigeri reitenden Batterien die Sitte der Ostreicher, für ihre sechgpfündigen die der Preußen an." „Obgleich die Franzosen die erste Idee einer reitenden Artillerie gegeben, dieselbe öfters befördert, dann wieder abgeschastt halten, und obgleich fie fich selbst im siebenjährigen Kriege derselben bedienten, da z. B. der Dbcist Dregilles den Herrn v. Clausen (1761) zum Behuf einer raschen Unternehmung mit vier doppelt bespannten Kanonen, deren Bedienung er beritten gemacht hakte, detaschicte: so fand dennoch eine bleibende Einführung derselben bei ihnen lange Zeit Widersacher. Erst durch Mirabeau (17g!) im Anfänge des Revolutionskrieges von dem Nutzen derselben überzeugt, beschloß man unter dem Kriegsministec Düportail leichte Artillerie einzuführen, so daß die Mannschaft der dazu bestimmten achtpfündigen Kanonen auf dem gepolsterten Deckel des Munitionswagens sitzen sollte. Allein die Geschwindigkeit, mit der dieselbe im folgenden Jahre vom Kciegsminister Narbonne bi« auf g Kompagnien verstärkt wurde, erlaubte dem General d'Urtubie, welcher die Ausrüstung derselben zu Oouay befehligte, nicht, die gehörige Zahl Wurstwagen anzuschafsen. Daher gab man den Artilleristen Pferde, und da man fand, daß die Bewegungen auf diese Art schneller und leichter von statten gingen, theils auch, um den öftern Beschuldigungen der Artilleristen beim Umwerfen vorzubcugen, blieb bei den Franzosen, nach dem Beispiel der Preußen, die Mannschaft der reitenden Artillerie seitdem beritten." „Oer Reoolutionskcieg bewährte den Franzosen, wie sehr, theils ihre leichte (srcilloris legers), theils ihre reitende Artillerie (s. volsure) ihren raschen Bewegungen entspräche; beide vermehrten sie daher möglichst. Die Republik verdankte der Beweglichkeit derselben den Sieg bei Lü^on, in der Vendee, über Charette. Oümouriez that sie treffliche Dienste in den Gefechten bei Waterloo und Ettlingen, Im Treffen bei Castiglione ließ Bonaparte unter dem General Oammartin mehrere reitende Bakterien zusammen ziehen, warf sie auf das Zentrum de« Feindes und entschied so das Gefecht, Auf gleiche Weise schrieb der General Ho che den Sieg bei Neuwied dem 152 raschen Vorrücken seiner leichten und reitenden Artillerie, unter den, General Ocbolle, zu. Eben so verdanken die Ostreicher allein den raschen Bewegungen ihrer sogenannten reitenden Artillerie den Sieg bei Ostrich (> 7 gg) unter dem Erzherzog Karl; seitdem vermehrten ste dieselbe bedeutend." „O>e Franzosen, nicht zufrieden mit der Schnelligkeit ihrer reitenden Batterien, machten sogar in Dünkirchen den Versuch — (ähnlich dem vorher angeführten Beispiele der Kameele, oder dem Gebrauche der Elephankcn in Ostindien) — drei Fuß lange, möglichst leichte Kanonen, vermittelst eines eigends dazu eingerichteten Satkelgcstellg, auf dem Pferde selbst fortzubringen, so daß die Mündung hinterwärts gerichtet war, und die Traube gegen des Pferdes Kops stand. So lange die Kanone keinen bedeutenden Rücklauf äußerte, verursachte das Feuern keinen Übeln Einfluß, und man schoß mit 6P dann mit iZ, darauf mit so Loth Pulver, ohne daß es dem Pferde nachrheilig geworden wäre. Bei piner, bis auf ein Pfund verstärkten Ladung, stürzte irideß dasselbe todk zu Boden — und so wurde jeder fernere Versuch aufgcgeben." „Obgleich sich im Revolutionskriege häuflg der bedeutende Vorzug der reitenden Artillerie für viele Fälle bewährt hatte, so blieb dennoch dieselbe unter der Regierung Friedrich'Wilhelm II. noch höchst unvollkommen; während des Friedens war ste ohne Pferde, und fle erhielt erst dieselben wenige Tage vor dem AuSmarsch. Allein unter der Regierung des jetzigen Königs ward derselben mehr Aufmerksamkeit geschenkt; die Artilleristen blieben auch im Frieden beritten, die Geschütze bespannt — (wozu die in Warschau lange Zeit mobil erhaltene reitende Batterie Wohl die erste Veranlassung gegeben haben mochte) — und auf diese Weise ward es möglich, die unbedingte Fertigkeit Scs Dienstes zu erlangen. Diesem Beispiele folgten die «»eisten europäischen Mächte." „Der Charakter der reitenden Artillerie sagte den raschen und kühnen Unternehmungen Napoleons ausnehmend zu. Er verdankt derselben einen Theil seiner wichtigsten Siege, nainentlich die bei Friedland und Wagram, obgleich seine Gegner alle Kraft aufbotcn, ihm dieselben zu entreißen. — Auch in den Ereignissen der letzten so denkwürdigen sHahre wurde dieselbe — z B. in dem Kavallerie-Gefecht bei Libertwolkwitz, bei Fere-Cham- penoise — fortwährend mit guter Wirkung gebraucht, ^irnd ihre Dortheile sind so allgemein erkannt, daß sie jetzt bei den meisten Mächten etwa ein Dierrheil bis ein Orit- theil der sämtlichen Feld-Artillerie ausmacht. Oie fechs- pfündigen Kanonen und stebenpfündigen Haubitzen sind fast allgemein für dieselbe angenommen." — So weit der geschätzte Verfasser^ dieses Aufsatzes. — Als Nachtrag verdient noch bemerkt zu werden, daß in jener Periode, als die preußische reitende Artillerie beritten gemacht und auch zur Zeit des Friedens so erhalten wurde, sie — wie schon erwähnt — den Etat eines vollständigen Regiments von io Kompagnien, und einen eigenen Chef erhielt. Das Regiment war in Berlin, Königsberg, Breslau und Warschau veckheilt. Es erhielt ein eigenes Eperzir-Reglement, wodurch die Elementartaktik dieser Waste ungemein vervollkommnet ward. NächstSem wurde der praktische Dienst mit allem Eifer geübt, auf die Wartung und Behandlung der Pferde, das Reiten, die Übung der Srückknechte «r. die größte Sorgfalt verwendet. Die thätigstcn und für den Dienst der reitenden As- tillerie am meisten geeigneten Männer, wurden zu diesem Regiments gesetzt; mit einem Worte, die preußische reitende Artillerie ist zu keiner Zeit ihrer Selbstständigkeit näher gewesen, als in dieser Periode. Auch sprachen sich die wohlchätigen Folgen ihrer Anstrengungen späterhin in dem für das preußische Heer so verderblichen Feldzuge von 1806 laut aus; die Ordnung, der kleine Dienst, der Zustand der Pferde, die Disziplin, die Manövrirfähigkeit rc., olles dieses war bei den reitenden Batterien ganz vortrefflich. Daß die Fußbatrericn ihnen darin nachstehen mußten, war ganz natürlich, denn sie entbehrten den Vorzug, schon im Frieden bespannt zu seyn. Was indessen den organisatorischen Thcil betrifft, in so fern ec von dem Obcc-Kriegeskollegio ausging, die Einrichtung der Geschütze und Fuhrwerke, den Etat und das Formenwesen, so war alles dies bei der reitenden Artillerie eben so mangelhaft als bei der zu Fuß, Wir haben weiter oben diese Gegenstände bereits berührt. Durch die Zusammenstellung der reitenden Artillerie zu einem Rcgimente war viel Einheit und Charakter in dieser Waffe hervorgebracht worden, der gewissermaßen wieder verloren ging, als die reitenden Kompagnien späterhin zu drei und drei den Artillerie-Brigaden einvcrleibt wurden. So lange jedoch ein reitender Artillerist (im ausgedehnten Sinne des Works, mit einem Worte, ein Holtzendorff, ein Mohnhaupt -r, > an der Spitze und den obern Artillerie-Behörden zunächst stände, würde durch diese scheinbare Zersplitterung dieser vortrefflichen Waffe kein Schade erwachsen; sollte aber eine Periode einkre- ten, in der dies nicht mehr der Fall wäre, so würden auch wahrscheinlich nachtheilige Folgen sichtbar werden. Die reitende Artillerie hat — nach der Meinung eines ihrer neuesten und eifrigsten Verkheidiger — mit der zu Fuß wenig mehr gemein als das metallene Rohr und die Theorie der Kugclbahn, was zwar — besonders von den gelehrten Nichtreitecn — stark in Zweifel gezogen werden soll, indessen würde es eben nicht schwer seyn, den Beweis 155 darüber zu führen. Es wird behauptet, daß wenn beide Acren von Artillerie abgcprotzr haben, sie einander ganz gleich wären; allein auch dies ist eine irrige Ansicht, die sich ebenfalls leicht widerlegen ließe, wenn anders hier der Ort dazu wäre. Oie reitende Artillerie in. Allgemeinen und die preußische insbesondere, hat an dem verewigten General von Scharnhorst einen großen Gönner und einen eifrigen Dectheidiger gehabt. Wir verdanken ihn, viele wichtige Grundsätze über ihren cigenkhümlichen Gebrauch, weil er der erste war, der in der Anwendung dieser Waffe ein System zu legen versuchte. Nicht so der General von Tempelhof, der beständig feindselig gegen sie gesinnt war, und trotz seines glänzenden Verstandes die Schwäche zeigte, ihr niemals Gerechtigkeit widerfahren lasten zu wollen. Er hat unter andern in feinen hinterlastenen Werken einen Anschlag der Unkosten, welchen die reitende Artillerie verursachen soll, ausgenommen, der, weil er mit Leidenschaft und Voructheil entworfen ist, manche Jrcthü- mec enthält. Es bleibt noch übrig, hier zu bemerken, daß die preußische Artillerie — glücklicherweise nur für wenige Augenblicke — auf dem Punkt gestanden hat, die fahrend« Artillerie einzuführen. Es war dies in der Periode, als ein Korps unter dem damaligen General, nachmaligen Fürsten Blücher (1807) in schwedisch Pommern detaschirt war und Gelegenheit hakte, mit den Schweden — die bekanntlich viel auf fahrende Artillerie halten — in nähere Verhältnisse zu treten. Nach geschehener Prüfung wurde die Sache jedoch wieder eingestellt, und die preußische Artillerie besteht gegenwärtig nur aus der zu Fuß und der zu Pferde. Bei der erster» ist jedoch die Einrichtung getroffen, daß in vorkommenden Fällen einige Artilleristen mit dem Geschütz im Trabe foctgebracht werden können. 156 Nach dem Frieden von Tilsit errichtete der König eine Kompagnie reitender Garde-Artillerie, wobei Otststcre und Leute eingestellt wurden, die sich in jenen, Kriege ausgezeichnet hatten. Oie übrigen reitenden Batterien wurden zu drei und drei in den drei Artillerie-Brigaden ein- getheilt, indessen unter einen eigenen Staabs-Ofstzier gestellt. Brigadier der ganzen reitenden Artillerie wurde der damalige Major von Holtzendorff Diese Einrichtung blieb bis zum Kriege gegen Frankreich (>8lZ). — Nach dem zweiten Frieden von Paris (i8>Z) wurde die reitende Artillerie zwar wieder zu Z Kompagnien in den g Brigaden verkheilt, allein jede einzelne Kompagnie einer sogenannten Abtheilung einverleibk, die außerdem noch aus ^ Fuß-Kompagnien bestehr und unter einen Staabs-Ofstzier gestellt ist, wobei es aber nicht darauf ankommt, ob derselbe zu der einen oder zu der andern Waffe gehört. Diese Einrichtung, so vortrefflich sie im Allgemeine» seyn mag, begünstigt indessen die Ausbildung der reitenden Artillerie keineswegs, was zu dem Schluß berechtigt, daß die Einheit in der Ausbildung dieser Waffe in jener Periode am leichtesten zu bewerkstelligen war, als die reitende Artillerie ein eigenes Regiment bildete, oder wenigstens unter einen eigenen Brigadier gestellt war. Im Februar 1818 wurden in Preußen die reitenden Artilleristen von den Übungen mit den, Festungs-Geschütz, dem Bakkericbau und den sogenannten Nanoeuvres cls lorc« befreit. Oer erste Schritt zur Herstellung dieser Waffe als Waste! Sie hat dort den Etat der Dragoner in Bezug otlf Equipirung und Uniform. In den Jahren 1820 und 1821 geschahen mehrere, obwohl nur kleine Schritte, die reitende Artillerie immer mehr und mehr von der Fuß- Artillerie zu sondern, namentlich bei den großen Kavallerie- Übungen 1821 zu Berlin, wo mehrere Batterien zusammengezogen und der Kavallerie überwiesen waren. Indes sen dauert das Übersetzen der Offiziere von der einen zur andern Waffe noch fort, und der mehreremals angeregte Vorschlag, der gesamten reitenden Artillerie einen eigenen Inspekteur, oder wenigstens den drei reitenden Batterien jeder Brigade einen eigenen Staabs-Offizier zu geben, hat noch keinen Eingang gefunden. Diese nützliche Einrichtung muß daher von der späteren Zeit noch erwartet werden. IX. Übersicht der wesentlichen Einrichtungen und Veränderungen in der preußischen Artillerie, in der Periode von 1809 biS lg22. Der Prinz August von Preußen K. H. hak die Vollkommenheit des gegenwärtigen Zustandes der preußischen Artillerie begründet und ist der Schöpfer aller Einrichtungen, deren sich die Artillerie in dieser Periode zu erfreuen hak, wobei er durch den in der preußischen Geschichte ewig unvergeßlichen Sch a rn horst.auf eine eben so anspruchslose als gehaltvolle Weise unterstützt ward. Der wichtigste Schritt, und zugleich die Grundlage aller neuen vortrefflichen Einrichtungen, war unstreitig die Einsetzung einer Artillerie-PrüfungS-Kommission, unter des Prinzen eigenem Vorfitz, vor welcher alle Verbesserungs-Vorschläge zur Sprache gebracht werden, und dadurch — außer den vom Könige ernannten Mitgliedern — den klügsten und einsichtsvollsten Männern des Artillerie-Korps eine Gelegenheit eröffnet wird, ihre Meinungen über Gegenstände aller Art, sie stehen in naher oder entfernter Beziehung zur Waffe, auszusprechen. Alle Vorschläge werden von der Kommission geprüft, und kei- 158 ner, selbst die der Laien nicht ausgenommen — ohne Prüfung verworfen. Diese vortreffliche Einrichtung, deren wohlthätiger Einstuß auf alles, was mit dem organisatorischen Theile der Artillerie in Verbindung steht, unwiderlegbar erwiesen ist, brachte noch eine andere und in ihrer Art nicht minder bedeutsame Folge hervor, nämlich an die Stelle vormaliger Zurückhaltung und sogenannter Geheimniß, krämecei mit Dingen, welche ihrer Natur nach weder geheim seyn können noch sollen, trat, nach des Prinzen Willen, eine gewisse Öffentlichkeit, die — auf inneren Gehalt gestützt, den Artilleristen wahren Nutzen, und der Waffe selbst bei den übrigen Truppen ungleich mehr Achtung und Zutrauen verschaffte, als sie früher trotz des sogenannten gelehrten Nimbus zu erreichen vermochte. Nicht darin, daß die Anzahl Ladungen, welche in eine Protze gepackt werden, oder die Proportion der Geschütze geheim bleiben, ist das Übergewicht einer Waffe über den Feind begründet, sondern in der Führung der Waste selbst. Oie Gcschützwiffenschaft ist in Europa zu weit vorgeschritten, als daß jene Öffentlichkeit Schaden bringen könnte; — wenn sich nur die Waste ihres innern WerlhcS bewußt ist, und denselben vor dem Feinde geltend zu machen weiß! Es würde uns in ein kaum zu übersehendes Detail verwickeln, wenn alle Verbesserungen und Veränderungen, welche von der PrüfungS-Kommifston als gut anerkannt worden und mithin zur wirklichen Annahme und Einführung gediehen sind, hier zergliedert werden sollten. Wir müssen uns beschränken, nur die wichtigsten und solche aufzuführen, welche entschiedenen Einstuß auf die Waste selbst geäußert haben. Dahin gehören: Oie Einführung eines Eperzic-Reglemenks (leider für 159 die reitende Artillerie kein eigenes), was die Bedienung und Handhabung der Geschütze jeder Gattung bestimmt verschreibt, und wodurch einzig und allein die so nothwendige Gleichförmigkeit in der Oienstausübung herbeigeführt werden kann. Die Prüfung der Offiziere zu den höheren Stellen, und die damit verwandte Erkheilung von Aufgaben, den Gebrauch des Geschützes im Felde, aus höheren Gesichtspunkten angesehen, betreffend, durch welche das Studium der Eefechkslehre in den höhern Stellen befördert und die richtige Würdigung der Fähigkeiten jedes Einzelnen in dieser Beziehung begründet wird. Oie Einrichtung einer eigenen Artillerieschule (1817), und einer Brigadeschule für jede Kompagnie; der Direktor der ersieren, an die der Unterricht der Zöglinge des Ingenieur- Korps geknüpft ist, war der General-Major v. Stcampff. Er erhielt 1820 den Abschied als General-Leutnant, und der Obrist v. Neander übernahm die Stelle eines ersten Direktors. Dieser starb 1821, und der Oberst Liebe erhielt die Stelle. Die Abfassung eines Leitfadens für den Unterricht in den Brigadefchulen, und eines ähnlichen für die Anfertigung der Munition und der Ernstfcuer; beide amtlich herausgegeben mit Genehmigung Sr. Majestät des Königs. Oie schon erwähnte Einrichtung von Handwerksstät- ten in allen Provinzen des Staats, zu deren gemeinsamen Direktor der General-Major Braun ernannt ist. Oie Einführung eines zweckmäßigen MobilmachungS- planS, wobei die leitenden Prinzipien: Einfachheit, Gleichförmigkeit und richtige Verwendung der Kräfte und der Kosten sind. Namentlich die Abschaffung der Stückkncchte und der Schirrmeister, und die Einführung der fahrenden Artilleristen. Oer Unterricht der Artilleristen in Bewegung der Lasten (msnoeuvros ll» lorce), eine Sache von größerer Wichtigkeit als ste beim ersten Anblick zu seyn scheint, und die fcüherhin ganz unbeachtet geblieben war. Oie Veranstaltung einer fortwährenden und ununterbrochenen Reihe von Versuchen, sowohl in Berlin, wie bei allen g Brigaden, in allen Zweigen der ausübenden Wissenschaft, aus denen schon jetzt die genügendsten und folgenreichsten Resultate hervorgegangen stnd. Wir erwähnen hier bloß des durch eben diese Versuche geführten Beweises, daß die sieben- und zehnpfündigcn Haubitzen mit kleiner» Kammern, die erster» zu i^, die letzter» zu 2 Pfund Pulver, eben so.große und sichere Wurfweiten geben, als die frübern großer» Kammern zu und 2^ Pfund; ferner des Beweises für den Nachtheil der versenkten Schild- zapfen, und der Wiedereinführung der siebenpfündigcn Markiere (jedoch nicht als Packmorkiere); der Berichtigung der Carnvtschen Versuche mit Vertikalfeuer»; die Wirkung der Kartätschen gegen Infanterie-Kolonnen ( 1820) — die Einführung der Markiere mit einem voni Major Heuser angegebenen veränderten Fluge — einer zahllosen Menge anderer höchst interessanter Versuche nicht zu gedenken. Oer Unterricht im Bakteriebau, besonders zur Nachtzeit. Oie verbesserte Einrichtung der jährlichen Schießübungen und die dahin abzwcckendcn Befehle einer richtigeren Einkheilung. Was die übrigen Einrichtungen, und besonders die mechanische der Geschütze onbetcifft, so haben diese in der be- 16l benannten Periode manche wesentliche Veränderungen erlitte», von denen die wichtigsten folgende sind: Oie Einführung der Richtschraube statt des Keils, der eisernen Achsen für sämtliches Feldgeschütz, und eurer durchgängig übereinstimmenden Gattung von MunikionSwagcn für alle Alten von Batterien, Parkkolonncn und für den Transport der Gewehrmunition. Unbemerkt darf indessen Nicht bleiben, daß die große Anzahl der von den Franzosen in den Feldzügen von itziZ bis iZ eroberten Geschütze' und Fuhrwerke, einen nicht unbedeutenden Antheil an jenen Einrichtungen hat, was besonders für die Nichrschraube und Munitivnswagen gilt. Wäre- dieser allerdings sehr günstige Umstand nicht eingekreten, so würde ohne Zweifel bei beiden der genannten Einrichtungen eine noch größere Zweckmäßigkeit haben bewerkstelligt werden können. Die Einführung der kleinen Kartuschen bei den Haubitzen, deren Zweck jedem Artilleristen nicht unbekannt seyn wird, und die der kleinen Kartätschkugeln^ so wie die Abschaffung der größeren beim 12 - und 6Pfänder. Es bleibt dieser letzter» Einrichtung Vorbehalten, durch dereinstige wirkliche Gefechte gerechtfertigt zu werden, der die Fcie- densversuche über d>e Brauchbarkeit dieser oder jener Kar- tätschgarrung in allen europäischen Artillerien — die preußische also nicht ausgeschlossen — noch nicht die vollkommensten und unwidersprechlichsten Resultate haben geben wollen. Oie größere Manövriefähigkeit überhaupt, und die dahin abzweckendc Einrichtung bei der Fuß-Artillerie, Mannschaften mit dem Geschütz auf kurze Strecken sort- zubcingen, wodurch diese Batterien eine Beweglichkeit und Manövcirfähigkcit erhalten haben, die unter manchen Verhältnissen der reitenden Artillerie wenig oder nichts nach- giebt. Unkundige haben hieraus die Entbehrlichkeit der 162 letzter« folgern wollen, indessen darf nicht unbemerkt bleiben, daß so oberflächliche Ansichten bei der preußischen Artillerie keinen Eingang gefunden haben, und auch schwerlich finden dürften, ini Gegentheil, daß der wünschens- werthe Zeitpunkt, wo die reitende Artillerie als eigen- thüniliche Waffe in ihre Rechte wieder eingesetzt wird, vielleicht noch von den Zeitgenossen zu erleben seyn möchte. Die verbesserte Anwendung des Langtaus beim -Ma- növrircn mit dem Geschütz in der vollen Ebene und in gemessener Entfernung von feindlicher Reiterei. Die zweckmäßigere Einrichtung der Lasseken und Proz- zen im Allgemeinen, die Entfernung aller unwesentlichen Eisenschläge, und die bessere Verwahrung der Munition gegen die Einwirkung der Witterung. Die leichtere Beladung der Protzen mit Munition, ohne dabei dem so nökhigen Erforderniß, daß die Feldgeschütze eine für die gewöhnlichen Vorfälle des Gefechts ausreichende Schußanzahl bei fich führen, im mindesten zu sährden. Oie Verbesserung des Geschirrzeuges und die Einsüh» rung starker Zugtaue statt der ehemaligen dünnen Schnüre. Oie Einrichtung, daß die Fuß-Artillerie im Frieden mit Gewehren bewaffnet ist, um deren Eigenthümlichkei- ken desto näher kennen zu lernen. Wir sehen hieraus, daß kein Zweig dieser eben so zusammengesetzten als wichtigen Hauptmasse des Heers un- berückfichkigt geblieben ist, daß für die wissenschaftliche Ausbildung in dieser Periode eben so viel gekhan ward als für das bloß Praktische, und endlich, daß in der mechanischen Einrichtung der Geschütze und Fuhrwerke fast nichts, in der Zusammenstellung des Ganzen aber nur 163 wenig der kommenden Zeit nachzuholen oder zu verbessern übrig geblieben i>1. X. Nachträge für die Jahre igig bis ig2L bei der preußischen Artillerie. Oer Mangel an Offizieren machte für die preußische Artillerie die Maaßregel nokhwendig, von andern Waffen Offiziere, welche Lust zum Artilleriedienstc bezeigten, zur Artillerie zu versetzen. Nach zwei-bis dreijähriger Dienstzeit und abgelegter Prüfung wurden eine Menge derselben in das Artillerie-Korps einrangirk. In jedcin Jahre wurden die Brigaden auf ej Wochen zu gemeinschaftlichen Schieß- und andern Übungen zusammen gezogen; bei welcher Gelegenheit auch zuweilen allgemeine Versuche angestellt wurden. Errichtung einer Landwehr-Artillerie. Im Herbst igrg wurde bei Berlin ein großes Belagerungs-Manöver ausgeführk. S. die Militair-Wochenblätter dieser Periode. Jede Fuß-Artillerie-Kompagnie hatte bis dahin zwei bespannte Geschütze, jede reitende vier derselben und die nöthige berittene Bedienungsmannschaft gehabt. Durch die Ersparüngsmaaßregeln im Februar igao behielten nur g Fuß-Kompagnien per Brigade die Bespannung; alle Unteroffiziere der Fuß-Artillerie verloren die Reitpferde, und jede reitende Kompagnie mit Ausschluß der Garde- Artillerie, 6 Reitpferde. Von dem ohnehin schwachen Stande jeder Kompagnie von 6a Mann, wurden zuerst 2 und später io Mann vom r. November bis i. März jedes Jahres beurlaubt. Oie Hauptleute der Fuß-Artillerie verloren die Rationen, und erhielten bei Gelegenheiten, wo fie beritten — 164 — seyn müssen, z. B. Manövern, großen Paraden ic-, Oienst- xferde aus den Zugpferden der Batterien. XI. LilteraMr der Artillerie. Wenn wir unter Littcratur girier Wissenschaft alle gedruckten oder handschriftlichen Machrichken verstehen, welche über die Wissenschaft geschrieben oder gedruckt worden sind, so müssen w.ir sagen, daß sich die Artillerie einer sehr auSgcbrcitetcn Littcratur zu erfreuen habe. Bedenken wir aber, daß sich dje Gefcbützkunöe mühsam von der niedere, Stufe der Zunft zu der höhern der Wissenschaft hak emporschwingen müssen, so leuchtet ein, daß der bessere Theil ihrer Littcratur eigentlich nur wenige Dezennien alt seyn kann, wenn gleich ihre Littcratur selbst bis in das früheste Zeitalter verfolgt werden kann. ( S- HoyecS Geschichte der Kriegskunst.) Oie ganz frühe Littcratur der Artillerie dreht sich um den technischen Dheil des Ge- schützwescnS und hat für die lebende Zeit nur noch geschichtlichen Werth. Originalität und Genialität bezeichnen das Klassische eines Werks. Oie Littcratur einer Wissenschaft ist an keine einzelne Sprache gebunden; sie ist ein Ecbtheil jedes gebildeten Volkcs. Oie Italiener NicolauS Tartaglia (1ZZ7) und Dannucri Biringorrio ( iLeso) sind die ersten artilleristischen Schriftsteller, welche genannt zu werden verdienen. Späterhin schrieb Diego Ufano (i6lZ) ein damals vortreffliches Werk über die Artillerie und ihren Gebrauch. In Deutschland hat dagegen Jakob Preuß wesentliche Verdienste um die Verbesserung der Geschüykunst. Die Franzosen — und namentlich in der Zeit der Rc- 165 volution — sind die ersten gewesen, welche Originalität und Genialität in die Schriften über Artillerie zu verschmelzen wußten. Gassendi'ü eiüs meirrvirs, Lespi- uusse's Versuch über die Einrichtung der Artillerie, selbst das ältere Werk von du Puget über den Gebrauch der Artillerie im freien Felde, u. a. m. trage» diesen Stempel. Erst später erschien in Deutschland Scharnhorsts Werk über die Artillerie, dem mit vollem Rechte der Vorrang unter den deutschen Schriften über diese Wissenschaft gebührt. — Des spanischen General Morla Lehrbuch der Artillerie kann gerechten Anspruch an Originalität, weniger an Genialität machen. Eben so die Vorlesungen Rouvroyö, denn sie sind trockene Erzählungen, durch unaufhörliche Verwebung weitläuftiger Formeln ermüdend. Die Artillerie-Wissenschaft zerlegt sich in viele einzelne Zweige, die einzeln von mehrere, Schriftstellern bearbeitet worden sind. Nur wenige Schriften umfassen das Ganze der Wissenschaft, die wenigsten den angewandten Th eil (vor dem Feinde). , Der technische und handwerksartige Theil ist der am meisten kultivirte, vielleicht weil dazu die wenigste Genialitär gehört. Hiervon schreibt sich die Vorliebe für tvdte Zahlen und Buchstaben her, auf welche noch vor kaum io Jahren so hoher Werth in der Artillerie gelegt ward. Wer damals ein sogenanntes Heft über mechanische Einrichtungen und Zahlenverhältnisse besaß, wähnte einen Schatz zu besitzen. Oer physikalische Zweig ist mehr in zersplitterter Gestalt, als in Form eines gerundeten Ganzen vorhanden. Es wäre ein Verdienst für einen mit hinreichenden physikalischen und chemischen Kenntnissen ausgerüsteten Artillerie-Ofsizier, diesen Zweig vollständig zu bearbeiten. Der mathernati sche Theil ist durch Delidor, Ae: zouk, Tcmpelhof, Bega» Nouvroy (eigentlich Leon- hardi) vollständig bearbeitet worden. Der eigentliche niilitairische (taktische) Theil lag noch vor wenigen Jahren ganz in der Kindheit, Über den Gebrauch der Artillerie in Verbindung mit den übri: gen Waffen hat vor mir Niemand geschrieben. Avril« Regeln zur Plaoirung des Geschützes im srcien Felde, enthalten viel Gutes, aber sie kragen das Gepräge der Einseitigkeit. Ich bin beniüht gewesen, diesen letzkern und vor dem Feinde wichtigsten Theil der Artillerie-Wissenschaft im 2 ken Bande der Artillerie für alle Waffen so vollständig zu behandeln, als es mir damals (18^6) möglich war Wenn man erwägt, daß ich den säst ganz unbearbeiteten Boden erst zurichtcn und ebnen mußte, so wird man diesen Versuch mit billigen Augen betrachten. Ist die Bahn eirtmal gebrochen, der rauhe Weg geebnet, daun ist freilich mitwandecn leicht, klug sprechen noch leichter. — Es gereicht mir zur Genugkhuung, daß spätere Schriftsteller khcils wörtlich von mir abgcschrieben, theils das, was ich gesagt, mit veränderten Worten ohne neue Zusätze wiedergegeben haben. So viel über die Feld-Artillerie. Was die Anwendung und den Gebrauch der Artillerie im Festungskriege betrifft, so besitzen wir auch darüber nur Bruchstücke. Vor Monkolembert und Carnok treffen wir wenig Genialität in der Behandlung des reichen Stoffes an; Originalität desto häufiger, denn jeder suchte seinen Vorschlägen und Systemen — ausführbar oder nicht — diesen Charakter zu geben. Oie Leute vergaßen, daß die Artillerie im Festungskriege eine Hauptrolle spielt, und seit der Erfindung des Schießpulvers aller Festungskrieg ohne Artillerie ein Unding ist. Ich habe meine Mei- 167 nung über diesen Gegenstand IM Zken Bande der Artillerie für alle Waffen ausgesprochen. Alle Schriften hier aufführen zu wollen, welche seit Erfindung des Schießpulvers über die Artillerie geschrieben sind, würde ein unfruchtbares Geschäft seyn. Oer jüngere Artillerist soll hier nur auf die neuern aufmerksam gemacht werden. Neuere Schriften über die Artillerie (alphabetisch geordnet). l. ^!äs memoire, » I'iisaße stes ostieierr st'Xrtillerie äs /i, krsncs igii. Dom General Gassen di. Neu aufgelegt i8ig. Don großem technischen Werlhe. s. Avril, Regeln zur Planirung des Geschützes im freien Felde >gog. Gut, aber mit zu wenig Rücksicht aus die andern Waffen. I. Antoni Papacino Physik, makhemat. Grundsätze der Artillerie. Aus dem Jralicnischen von Tempelhof. 1764- — Sind Grundsätze. /j. Anweisung, das Schießpulver zu bereiten. Don Botte und Riffault, übers, von Wolf. igi6. Das beste, was über das Schießpulver geschrieben. 5. Belidor französischer Bombardier. 2 Thle. 7782, 6. Bezouk Abhandlung über die Kugelbahn. 1782. 7. Chaptal, zweckmäßige Art, das Schießpulver zu bereiten. 180Z. L. Coudray, über denselben Gegenstand. g. Clement, über die reitende Artillerie. Ohne ollen Werth. Oer Titel ist das beste dabei. ic>. Decker, Artillerie für alle Waffen. A Thle. 1816. n- — — Gcfcchtglehce der Kavallerie und reitenden Artillerie. l8ig- 12. Foß, Theorie der Fubriverke. 1798. tZ. Hoyer, Wörterbuch der Artillerie. t 8 o 4 bis l8t2. r^. Lespinasse, Versuch über die Einrichtung der Artillerie. An Napoleon als I sten Äonjul address,rt. igoi-. Zu empfehlen. lA. Leitfaden für die preußische Artillerie. r8i8> (amtlich). 16. Morla, Lehrbuch der Artiller,e. Neu aufgelegt, 1820. Don eigenrhümlicheni Werth, meist nur lokal (Spanien). 17. Nea n ders praktisches Handbuch der Artillerie. iZog. Wahrscheinlich der rühmlich bekannte Name gemiß- lnaucht, UNI das gehaltlose Werk einzuschwärzcn. 18. Plü,nicke, Handbuch für preußische Arrillerie-Offi- ziere. 1820. Der technische Theil vortrefflich (nach dem Leitfaden): der phyfikalijche nicht ohne Jrrlhü- mer; der angewandte stüchtig, 19. Pugetldu), Versuch über den Gebrauch der Artillerie im Felde. Übers, von Tempelhvs. 17 / 3 - Gut, ober voller Leidenschaft und meist veraltet. 20. Nuvroy, Vorlesungen über die Artillerie. 1821 neu aufgelegt. Z Theile. Ein Wegweiser, meist nur in sächsischen Landen gültig. 21. Scharnhorst, Handbuch der Artillerie, z Bände. i8c>ch— > 4 - Vollendung dieses klassischen Weckes ward durch den leider zu. früh erfolgten Tod des Meisters unterbrochen. 22. -Handbuch für Offiziere. Erster Theil: die Artillerie. Neu lfasi wörtlich) aufgelegt 1816. Ein Greis im Iünglingsgcwande. 2Z. — — über d,c Wirkung des Feuergewehrs. ihi-j- l Auszug. 2ts. T.empelhof's Artillerie, hcrauügegeben von Gau- gröben. 1809 Manches gute, aber meist veraltete, enthaltend. 2Z. — — tiomharrüer prusiüsn. 1781- 26. Über den Guß des bronzenen Geschützes. 1818- Zu empfehlen. 27. Über reitende Artillerie, was sie ist, seyn soll und seyn könnte. r8l8- 'Mit großer Liebe, viel Genialität, aber nicht ohne Leidenschaft geschrieben. Berlin, gedruckt bei A. W. Schade. Alte Grünstraße llro. 18' ' lr i i- ' 7 ru cv L)I li7S8- lirie. 1804 bis r 8 rs. Di Einrichtung der Ar- "'en Äonjul addcesfick. " ^>rie. r8r8. (amtlich), eo wie. Neu aufgelegt) lerth, meist nur lokal " h der Artillerie. iZvg. " kannte Name gemiß- —k einzuschwärzen, ißische Artillerie-Offi- >e,l vortrefflich (nach ,e nicht ohne Jrrthü- n Gebrauch der Arkil- npelhof. 1778. Gut, Mst veraltet. ^ die Artillerie. 1821 ^ Wegweiser, meist nur Artillerie. Z Bände, dieses klaffifchen Wec- üh erfolgten Tod des A Erster Theil: dis Ar- aufgelegt 1816. Ein ^iFcuergewehrS. 181^ - tSgegeben von Gau- — aber meist veraltete, ?8r. lefchützes. I8l8- Zu w ic ist, seyn soll und ^ _ r Liebe, viel Gcniali- l geschrieben, i -Ne Erünstraße Iro. ig.