858
Rybinöki
und drei Jahre lang die Geschäfte einer Steuereinnahme besorgen half. Er gingendlich 1814 nach Heidelberg, wo er als Schreiber bei einem Advocaten angestelltwurde. Die Nahe eines regen wissenschaftlichen Lebens erweckte in ihm eine umwiderstehliche Sehnsucht n-^ch einer hohem geistigen Ausbildung, und nachdem erdurch unermüdete Anstrengung den Mangel einer wissenschaftlichen Vorbildung zuersetzen gesucht und sich eine hinlängliche Kenntniß der lateinischen, griechischen undhebräischen Sprache erworben hatte, ward er 1815 unter die Zahl der Studiren-den ausgenommen. Er hatte sich zwei Jahre lang dem Studium der Philolo-gie, Philosophie und Theologie gewidmet, als er einen von der theologischen Fa-kultät ausgesetzten Preis gewann, mußte aber schon 1817 nach dem Willen seinerAeltern die Hochschule verlassen und wurde gleich nach überstandrner Prüfung alsVerweser einer ansehnlichen Pfarrei angestellt, die er jedoch bald wieder verließ,um ein Lehramt an der-neu eingerichteten Studienanstalt in Speper anzutretcn.Die Anstrengungen, die er sich in diesem neuen Wirkungskreise auflegte, währender sich ebenso wenig der homiletischen Thätigkeit entfremden als die Fortbildung inseinen Berufstudien vernachlässigen wollte, erschütterten seine Gesundheit so sehr,daß er endlich sein Amt aufgab und 1820 die Pfarrei zu Ungstein übernahm. Hierverlebte er sieben Jahre in ländlicher Zurückgezogenheit und fand bei nicht zu aus-gedehnten Berussgeschäfteu Muße, sich wissenschaftlichen "Studien zu widmen.Zugleich sing er an, die Ergebnisse seiner Forschungen bekannt zu machen. Erwurde 1827 zum Pfarrer der reformirten Gemeinde zu Erlangen erwählt, und dieAussicht auf eine akademische Wirksamkeit bestimmte ihn, diesen Ruf anzunehmen.Nachdem er die theologische Doctorwürde erlangt hatte, eröffncte er im Sommer-halbjahre 1828 seine Vorlesungen, welche hauptsächlich Dogmatik, Moral undReligionsphilosophie umfaßten. Er lehnte mehre vortheilhafte Berufungen in dasAusland ab, theils weiter, seit 1831 zum ordentlichen Professor der Theologieernannt, in seinem Vaterlande einen ehrenvollen akademischen Wirkungskreisgefunden hatte, theils weil seine Thätigkeit als Prediger durch einen gesegnetenErfolg belohnt wurde, bis er im Sommer 1833 seine gegenwärtige Stelle er-hielt. Seine Schrift: „Philosophie und Christenthum, oder Wissen und Glauben"(Manheim 1825, 2. Aust. 1833), machte ihn zuerst in einem weitern Kreise be-kannt. Erhat seitdem außer mehren kleinen Schriften: „Predigten über ausgewählteTexte" (1. Bd., Erlangen 1829) und „Summen der Reformation und der Refor-matoren an die Fürsten dieser Zeit" (Erlangen 1832) herauSgegeben. Unter seinenKanzelreden ist die Predigt: „Wie segensreich ein ernstes Nachdenken über die Er-scheinung Jesu Christi grade für unsere Zeit werden müsse" (Erlangen 1832), we-gen der beigefügten Anmerkungen für seine dogmatischen Grundsätze bezeichnend.Seine theologische Ansicht geht von der Überzeugung aus, daß das Christenthumweit über allen Gegensätzen des trennenden Verstände- stehe, daß eS alle Aeußerun-gen und Erscheinungen des Lebens erkläre und insbesondere die Ausgleichung undVersöhnung des Göttlichen und Menschlichen, des Übernatürlichen und Natür-lichen, des Positiven und Vernünftigen sei.
Rybinski (Matthias), letzter Oberfeldherr des polnischen Heers, wardam 24. Febr. 1784 zu Slawuta in Volhynien geboren, und nachdem er seine ersteVorbildung in seiner Heimat erhalten, besuchte er die Universität zu Lemberg, woer seine wissenschaftlichen Studien vollendete. Als die Ereignisse des Jahres 1806den Polen die Hoffnung gaben, ihre Unabhängigkeit zu erlangen, trat er in diefranzösische Armee und ward im Stabe des Generals Suchet angestellt, dessen Zu-neigung und Achtung er bald gewann, und der ihn später während des Feldzugsin Spanien zu sich einlud. R. blieb jedoch in Polen und diente unter Joseph Po-niatowski in der Armee deö HerzogthumS Warschau. Im Feldzuge gegen Ost-reich 1809 zeichnete er sich bei mehren Gelegenheiten rühmlich aus. Gleich nach