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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
299
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Oberlin

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ängstlich behutsamer Stimme gelispelt. Seine geheime Kanzlei in Warschau, woer im Range auf den Großfürsten folgte, umfaßte Alles, was in geistiger Bezie-hung sowol Polen als Rußland betraf, und seine Bibliothek schloß alle neuen Er-scheinungen der Literatur des Auslandes in sich, mit besonderer Rückficht auf dieje-nigen Schriftsteller, welche sich den Volksunterricht zum Ziele gesetzt hatten, oderden Absolutismus bekämpften. Die Besetzung aller geistlichen Ämter, sowie dieaugenblickliche Entlassung der Beamten nach eignem Ermessen, war seiner fast un-umschränkten Macht anheimgestellt. Nach dem blutigen 29. Nov. 1830 kehrteN. nach Petersburg zurück, wo ihm der Kaiser Sitz und Stimme im großen Reichs-rache verlieh. (8)

O.

Äberlin (Johann Friedrich), Pfarrer zu Waldbach im Elsaß, Bruderdes berühmten Philologen Ieremias Iakob O., war einer der seltenen Sterb-lichen, der am Ziele eines langen Lebens, das er mit der edelsten Aufopferung demWohl seiner Mitmenschen geweiht hatte, aus voller Brust ausrufen konnte: Ja,ich bin glücklich! Am 31. Aug. 1740 zu Strasburg geboren, wo sein Vater eingeachteter Schulmann war, verlebte er seine Jugend in dem engen Kreise des älter-lichen Hauses und verdankte vorzüglich einer liebevollen und frommen Mutter dieRichtung, die sein Geist und sein Gemüth nahmen. Er widmete sich nach seinesAaters Wunsche dem Predigerberufe und als er seine theologischen Studien aufder Universität zu Strasburg vollendet hatte, trat er in den geistlichen Stand, war-tete aber sieben Jahre, ehe er ein Amt suchte, um sich zur Erfüllung seiner Be-rufspflichten noch tüchtiger zu machen. Während seiner Studienzeit machte einschwärmerischer Prediger, Namens Lorentz, einen tiefen Eindruck auf sein Ge-müth, der nie ganz verwischt wurde, ohne daß seine eigenthümliche, der echten prak-tischen Frömmigkeit zugewendete Richtung dadurch wäre verändert worden. Erbeschäftigte sich in den Vorbereitungsjahren zum Predigtamt mit Ertheilung vonPrivatunterricht und war Hauslehrer bei einem ausgezeichneten Wundarzt inStrasburg, in dessen Umgange er sich einige Kenntnisse in der Heilkunde erwarb,die ihm später so nützlich wurden. Er war 176k in Begriff, eine ihm angeboteneFeldprcdigerstelle in einem französischen Regiment anzunehmen, als eine ganz an-dere Lausbahn sich ihm öffnete. Das Steinthal (kau cke la roclie) ist eine rauheGebirgsgegend, durch ein tiefes Thal von der Ostgrenze der Vogesen abgeschnitten,größtentheils mit Wald und Wiesen bedeckt, und besteht aus zwei Kirchspielen, vonwelchen Waldbach, wozu fünf Weiler gehören, fast ganz von Lutheranern bewohntist, die auch nach der Abtretung des Elsaß vollkommene Gewissensfreiheit genos-sen, während in andern Gegenden Frankreichs der Protestantismus verfolgt wurde.Das Bremthal war aber während des dreißigjährigen Krieges und in den folgendenKriegen so sehr verheert worden, daß es kaum bewohnbar war. Gegen 100 Fa-milien gewannen dort einen dürftigen Unterhalt, ermangelten aber fast aller Be-dürfnisse und Bequemlichkeiten des gesitteten Lebens. Als Stuber 1750 daSPfarramt antrat, mir dem redlichen Vorsatz, seine Pflicht zu erfüllen, erkundigteer sich zuerst nach der Schule. Man führte ihn in eine elende Hütte, wo geschäfts-lose lärmende Kinder zusammengedrängt waren. Er fragte nach dem Lehrer. ManZeigte ihm einen alten Mann, der im Winkel auf einem Bette lag. Sie sind derSchullehrer? fragte der Pfarrer. Ja. Was lehren Sie die Kinder? Nichts.Richts? wie soll ich das verstehen? Weil ich selber nichts weiß, antwortete der