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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
857
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Rust (Isaak) 8^7

fel, daß R. dieser vorn Glücke und den Zeitumstandcn vielfach begünstigten schnel-len und (jlanzendcn Laufbahn vollkommen würdig ist, da er als'Staatsbeamter,als Lehrer und als Arzt große Verdienste sich erworben hat. R. kann als der eigent-liche Gründer des j.tzigen preußischen Mcdieinalrvesens angesehen werden, und hatdie organischen Statuten desselben mit Umsicht und tiefer Sachkenntniß entworfen,welche er jetzt mck Kraft und Energie in die Praxis einführt. Namentlich hatR. die leidige Spaltung zwischen Civil- und Militärärzten durch gesetzlich«Einrichtungen entfernt, und Ein Prüfungspostulat erwartet die Jünger Äskn-lap'ö, sie mögen dem Heere folgen oder am heimatlichen Herde im Dienste ver-leidenden Mitbürger arbeiten; ferner hat er mit großem Erfolge die von der Natur^der «Lache laut gefoderte und von der Notwendigkeit gebotene Vereinigung derin der Praxis tyrannisch geschiedenen Chirurg-ie und Medicin glücklich ins Werkgesetzt, für die ökonomische und scientisische Verbesserung der gerichtlichen Ärzteund Wundarzte, der Hospitäler, der Krankenpflege überhaupt, die größteSorge getragen und sie gesetzlich gesichert. Als Lehrer hat er durch Lebendigstund Genialität des Vortrags, durch naturgemäße Darstellung des Wesens dunklnKrankheiten, namentlich der dyskcatischen Gelenkleiden, der Geschwüre und derproteusartigen Dvskrasien überhaupt, sich um seine Schüler wie um die ganze ärzt-liche Kunst bleibende Verdienste erworben und anregend auf viele Generationengewirkt; als Schriftsteller hat er sich durch einige Werke einen europäischen Ruferworben. DasTheoretisch-praktische Handtzuch der Chirurgie" (L.10. Bd.,Berlin 1830 fg.) trägt zwar seinen Namen, seine unmittelbare Mitwirkung abervermißt man leider, und es kann daher nach diesem Werke R.'s gründliches Wissenund seine geniale Darstellung nicht deurtheilt werden, dagegen seineArthrokakologieoder über die Verrenkungen durch innere Bedingungen rc." (Wien 1817,4.) und feineSchrift:Die ägyptische Ophthalmie" (Berlin 1820), beredte Zeugen eines großenärztlichen Talents sind. Wie thätig-R. noch fortdauernd ist, zeigt die Errichtung deSärztlichen Vereins für das Königreich Preußen und das damit in Verbindung stehendeErscheinen derMedicinischen Zeitung" sowie daS von ihm redigirteMagazin fürdie gesummte Heilkunde", von welchem 37 Bände (Berlin 1810 33) erschie-nen sind. Als Arzt hat R. nicht weniger Segen verbreitet. Tausende verehren inihm den Netter aus schweren Trübfalen, und der praktische Scl-arfblick, mit demN. in das verborgenste Labyrinth dunkler Krankheilen leicht und schnell dringt,führt ihm fortdauernd Leidende aus allen Gegenden des gebildeten Europas zu,deren lang getäuschte Hoffnungen er durch kräftige, ihm häufig eigne Heilmethodenauf das Schönste erfüllt. Aber auch als Mensch verdient R. hohe Achtung. Fremdist ihm alles höfische und gleisnerische Wesen, er ist von echt deutscher Biederkeitund Herzlichkeit beseelt, die ihm die Verehrung und Liebe Derer, die ihm miherstehen, erwirbt und erhält; hierzu gesellt sich Charakter und Consequenz in seinenAnsichten und in seiner Handlungsweise eine Eigenschaft, die öfters füglich nichtohne Einseitigkeit bestehen kann, welche nur auf Beförderung des Wahren, Gu-ten und Nützlichen gerichtet ist. (2)

Rust (Isaak), Rath im protestantischen Consisiorium zu Spcier, ge-boren 1796 zu Mußbach, einem Dorfe in Rheinbaiern, sollte sich nach demWunsche seiner Altern der Landwirthschast widmen, die auch sie betrieben; sieförderten jedoch das in d§m Knaben früh erwachte Ltreben nach geistiger Bil-dung, indem sie ihn einem Lehrer an der Schule seines Geburtsortes zu beson-derm Unterrichte übergaben. R. war noch nicht 15 Jahr alt, als er sich ge-nöthigt sah, die Melle eines Schulgehülfen zu übernehmen. Das Volksschul-wesin war zu jener Zeit in den französischen Rheinländer, beiwcitem nicht in demblühenden Zustande, zu welchem cs seit 1815 gelangt ist, und R. fand daher inseinem Wirkungskreise so wenig geistige Belebung, daß er ihn bald wieder verließ