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Dritter Band (1833) M bis R
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Naegele

Pietismus unter manchen Verhaltnissen als Annäherung an den Katholicismusgewinnt, worauf auch Bretschneider aufmerksam macht, indem er bemerkt, daßnicht nur viele Proselyten des Katholicismus vorher Pietisten waren, sondern auchHengstenberg selbst den eigentlich ganz katholischen Grundsatz bekenne, die Schriftnach der Tradition zu erklären. Andern dagegen erscheint der Pietismus fernernoch als eine Durchgangsstufe, auf welcher die verschiedenen, sich gegenüber stehen-den Religionsparteien der Zeit sich zu berühren bestimmt wären, um hier einenVereinigungspunkt zu ihrer endlichen Ausgleichung und Ineinanderschmelzungzu finden.

Was den Mysticismus anbetrifft, so ist er in seiner Erscheinung nicht weni-ger vielseitig, beziehungsreich und in die Zeitentwickelung eingreifend. Es kommtbei ihm am allermeisten darauf an, in ihm selbst zu unterscheiden und den echtenMysticismus, welcher in den das irdische Dasein tief durchdringenden Mysteriendes Lebens, Glaubens und Wissens allerdings vorhanden ist und als solcher auchin der Wissenschaft das Streben nach dem für den flachen Verstand freilich immercin Verborgenes bleibenden Urgrund der Erscheinungen bezeichnet, von dem krank-haften, negativen und unphilosophischen zu trennen, der mit dem Geheimnißrei-chen der Dinge entweder nur ein trügerisches und absichtliches Spiel treibt, oder,nur die formelle Seite des Mysteriums berührend, an derselben zu Schwärmereien,Verzückungen und sogenannten innern Erleuchtungen sich aufregen laßt, die ihmstatt des Eindringens in die Tiefe gelten. Das, was an der Speculation unsererTage als Mysticismus erscheint, dürfte freilich meistentheils einen gemischten Cha-rakter an sich tragen, und so ist es vornehmlich in den Bestrebungen, welche wiraus den zeitgemäßen Berührungen zwischen der Philosophie und Theologie und derdaraus sich immer systematischer hervorbildenden speculativen Theologie sich erzeu-gen sehen. So hat besonders Franz Baader'S System (Vorlesungen über speku-lative Dogmatik", 2 Hefte, Münster 1630) der Hinneigung zum Mysticismusnicht entgehen können, der sich bei ihm aus Speculation und Supranaturalismusgemischt erweist. Nicht philosophisch genug hat Heinroth in seinerGeschichte desMysticismus" (Leipzig 1831) diesen Begriff aufgefaßt, den er zu sehr blos alspsychische Verirrung vom Standpunkt des Seelenarztes aus ansieht. UnbefangeneBemerkungen über die geschichtliche Entwickelung der hier betrachteten Begriffebietet eine kleine Schrift von D von Cölln:Historische Beitrage zur Erörterungder Begriffe Pietismus, Mysticismus und Fanatismus" (Halberstadt 1830),in welcher jedoch die genauere Beziehung auf die Verhältnisse derselben in der nächst-liegenden Gegenwart vermißt wird. (47)

N.

aegele (Franz Karl), Geheimrath und Professor der Arzneiwissenschaft inHeidelberg, geboren am 12. Iul. 1778 zu Düsseldorf, erhielt seine wissenschaftlicheVorbildung in dem dortigen Jesuitencollegium und wurde schon früh von seinemVater, der Stabsarzt, Medicinalrath und Director der chirucgisch-medicinischenSchule war, in das Studium der Heilkunst eingeführt. Schon als Knabe dursteer das anatomische Theater besuchen; er wurde an das Krankenbett geführt undversah zwei Jahre hindurch die Stelle eines Prosectors und Repetitors der Anato-mie und Physiologie an jener Lehranstalt. So vorbereitet, ftudirte er später inStrasburg, Freiburg und Bamberg, wo er 1800 die medicinische Doctorwürde er-hielt, Er besuchte alsdann noch mehre größere Lehranstalten, und in sein Vatw