Rußland seit dem Jahre !829 853
Aufstand das Werk einer Minorität, folglich nicht national gew.srn wäre, die Ge-rechtigkeit einer Negierung erlaube, oder die Weisheit ihr anrathe, eine ganzeNativ:; für strafwürdig zu erklären und sich gegen dieselbe eines angeblichen Erobe-rungsrechtes zu bedienen, welches die Civilisation, mindestens in diesem Umfange,nicht mehr anerkenne? *)
Polen selbst hat mittels einer Deputation formell seinen Dank für die Crthei-lung des'-Ltatuts dem Kaiser in Petersburg ausgedrückt, wogegen aber die Polen imAuslande eine Protestation bekannt machten. Diese beharren nämlich bei ihren,Entschlüsse, das Werk des letzten polnischen Reichstages durch Comite's und Erin-nerungsfeste fortzusetzcn; indem sie sich als die Repräsentanten der Nation anst-hcn. Dagegen machte der „Warschauer Correspondent" vom 24. Sept. 1833Betrachtungen zur Charakteristik des letzten polnischen Reichstags sowie der pol-nischen Comites im Auslande bekannt, worin unter Anderm der Satz ausgestelltwurde, „daß, wenn nach dem revolutionnairen Gesetz die Fortsetzung des mit deinFalle von Warschau aufgelösten Revolutionsreichstages in Zakroczym und Plockwirklich legal gewesen wäre, so habe ja der Reichstagsmarschall vor dem Übergangeaus die preußische Grenze Krakau zum Versammlungsort des nächsten legal beste-henden Revolutionsreichstages bestimmt; nun sei dieser neue Zusammentritt (vonwenigstens 33 Mitgliedern) nicht zu Stande gekommen, und ohne neue legaleWahlen könne selbst eine revolutionnaire Nationalreprasentation nicht existiren, folg-lich sei eü Usurpation, wenn Lelewel's Comite sich eine Nalionalrepräsentationnenne. **) Hinsichtlich der polnischen Flüchtlinge allein könnten sie auf privatrecht-lichem Grunde ein Comite für ihre besondern Interessen bilden u. s. w. Seitdemist gegen die unglücklichen Flüchtlinge, zumal nach dem Übertritte mehrer Hundertevon ihnen aus Frankreich in die Schweiz, wovon nach Antonini's SchreibenDwernicki's Comite der Mitwisser gewesen sein soll, das Mistrauen der Regie-rungen gegen die Polen im Auslande nur noch reger geworden: Frankreich willjene in die Schweiz gezogenen Polen nicht wieder aufnehmen; cs weist sie zurück,oder gibt ihnen Pässe nach Belgien oder England; die Schweiz will sie nichtbehalten; die deutschen Staaten wollen oder dürfen ihnen kein Asyl gewähren, undman unterhandelt über ihre Einschiffung nach Amerika. In dieser verzweif-lungsvollen Lage haben Mehre von ihnen es gewagt, verkleidet in kleinerer Zahlin ihr Vaterland wieder einzudringen, um wo möglich dort dm Aufstand aufsNeue anzufachen; allein sie fanden keinen Anhang, sie wurden theils zersiree.tund irrten eine Zeit lang in den Wäldern herum, theils gefangen und hingerichtet.Zugleich verbreitete sich das Gerücht von einer Verschwörung gegen daß Le-ben desKaisers. In russischen Blättern vom 24. Iun. und in einem Schreiben ausPetersburg vom 3. Jul. (im „Hamburger Csrrespondenten") wurde nämlich ge-sagt, daß eine Anzahl aus Frankreich zurückgekehrter polnischer Revolutionnairs, dieunter falschen Namen und mit falschen Paffen die russische Grenze überschrittenhatten, unter sich einen Bund geschloffen habe, um den Monarchen auf seinerReise in die Ostseeprvvinzcn zu ermorden. Die Negierung aber sei davon bereitsunterrichtet gewesen, und man habe einige dieser Leute, noch bevor sie die Umgegendvon Riga erreicht hatten, verhaftet. Durch die deshalb wahrend der Anwesenheitdes Kaisers in einigen Grenzorten ergriffenen Vorsichtsmaßregeln erhielten die Be^wohnrr des Grvßfürstenthums Finnland davon Kunde. Als nun der Kaiser nachHelsingforS kam, überreichten ihm Deputationen des Senats von Finnland,der Kaufmannschaft und des Bürgerstandes von HelsingforS eine Adresse, worin
S. „Politisches Journal", Tept. !8Z3, S. 813 sg.
. **) Lelewcl hat Paris und Fra-ckreich verlassen müssen. Er lebt gegenwärtigm Belgien, wo jenes Cornitü noch seine öffentliche Nachricht von seinem Fortbeste-hen gegeben hat.