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Dritter Band (1833) M bis R
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Rußland seit dem Äahre !8M

worden. Das Aarthum Polen wird gegenwärtig von Petersburg aus regiert.Der zum Fürsten von Watschau rrhobeneFeldmarschaUPaskewitsch steht in War-schau an der Spitze des für immer mit Rußland vereinigten Königreichs. Nur derSchatz und die Regierungszweige sind von der Administration des übrigen Kaiser-reichs getrennt; die Armee hingegen ist aufgelöst und mit der russischen verschmolzen.Auch die beiden polnischen Orden sind für russische Orden erklärt und die Oberhof-chargen des königlich polnischen Hofes sind den russischen beigezahlt worden DemStatthalter zur Sei-te leiten die Verwaltung ein Administrations- und ein Staats-rath, die an den Ministerstaatssecretair des Königreichs Polen, Grafen Gra-bowski, in Petersburg zu berichten haben; drei Commissionen für Inneres, Ju-stiz und Finanzen versehen die Stelle der frühem Ministerien. Als amtliche Or-gane für das Königreich Polen sind dasPetersburger Wochenblatt" und diewarschauerAllgemeine Zeitung" erklärt worden. Das in Petersburg erschei-nende Wochenblatt ist nämlich zur Bekanntmachung der mit der Unterschrift desKaisers und Königs versehenen Verordnungen und Aktenstücke, dieAllgemeineZeitung" aber zur Bekanntmachung der Verfügungen, Beschlüße, Prokla-mationen u. s. w. der örtlichen Regierung und sammtlicher Landesbehördenbestimmt. Die Einteilung in Woiwodschaften ist geblieben, und zur Bera-thung über Angelegenheiten, die das Gemeinwohl des Königreichs betreffen,werden Provinzialstände eingerichtet. Die Festungen' Modlin *), Zamoscund Brzesc sowie die neu angelegte Alexandrowsche Citadelle von Warschauund der Brückenkopf auf dem rechten Weichselufer haben starke Besatzungen,und im ganzen Königreiche steht ein russisches, 70,000 Mann starkes Heervertheilt, welches die in ihrem innersten Wesen verwundet Nation in Gehorsamerhalt. Die Ordnung ist zurückgekehrt, den hülfsbedürftigen polnischen Militairswurden Pensionen ertheilt; große Vorschüsse sind gemacht und jlnterstützrmgssum-men angewiesen worden, um die Verluste, welche die Landwirthschaft durch denKrieg erlitten hat, zu ersetzen. Auf diese Quelle der Production scheint sich Polenzunächst beschränken zu muffen. Der neu orgam'sirte höhere Gymnasialunterrichthat mit dem Oct. 1833 wieder begonnen; allein die Herstellung der UniversitätWarschau ist nicht wahrscheinlich; auch die Gesellschaft der Freunde der Wissen-schaften hat aufgehört ein Mittelpunkt der polnischen Nationalliteratur zu sein.

So ist das politische Leben der polnischen Nation vernichtet; es bleibt ibrnur das Nationalleben der Sprache, der Religion, der Cultur und der eignen Ver-waltung. Allein diese Beschränkung eines ehemals mächtigen Volkes aus die fried-lichen Kreise einer provinziellen Selbständigkeit ist noch nicht von allen Großmäch-ten Europas im völkerrechtlichen Sinne förmlich anerkannt worden. Nur Ostreichund Preußen sind mit Rußland darüber einverstanden, daß Polen sein Recht aufdie frühere Verfassung durch seinen Aufstand und die Thronentsetzung seines Kö-nigs (Reichstagsacte vom 25, Jan. 1831) verwirkt habe; Europa aber sei nichtbefugt, in dies? innere Angelegenheit des russischen Staatsrechts sich zu mischen,un^ die wiener Congreßtractaten seien durch das organische Statut vom 26. Febr.1832 nicht verletzt worden. Frankreich und England hingegen theilen diese An-sichten nicht, und im britischen Parlament hat sich selbst Lord Palmerston dagegenerklärt. Da überhaupt die europäischen Verhältnisse sehr verwickelt sind und sichfast täglich mehr verwickeln, besonders seit dem am 8. Jul. dieses Jahres vonRußland mit der Pforte abgeschlossenen Bündnisse, gegen welches England undFrankreich protestirt haben sollen, so scheinen die beiden Cabinete des westlichenEuropas ihr Interesse für Polen gegen das russische Cabinet noch immer rechts-gültig verwahren zu wollen, um etwas zu haben, was sie den Federungen der rusi

*) Durch die Anlegung von neuen Werk.n soll Modlin zu einem der stärkstenFestungsplätze Europas erhoben werden.