Rußland seit dcm Jahre 1829 847
daß er die Abtretung mehrer Provinzen fodere, am 2^. März dem Pfortenmini-sterium. Nun ward zwar von dem französischen Gesandtschastsserretair und demAmeddschi Essendi in Jbrahim's Lager unterhandelt, welcher aber die Federungennoch höher spannte. Der Sultan wandte sich daher an Burenieff um schnellenund kräftigen Beistand. Die russischen Truppen kamen am 5. und am 21. Apr.an und bezogen, jetzt an 16,000 Mann stark, ein Lager auf der asiatischen Küste,auf den Anhöhen von Chunk«'ar-Iskelessi bei Scutari. Den Oberbefehl führteGenerallieutenant Murawieff. Außerdem befanden sich 20 russische Kriegsschiffe,darunter 7 von der Linie, im Bosporus, und aus den Fürstentümern nähertensich 24,000 Mann Russen. Diese Stellung Rußlands in, und am Bosporussetzte die Cabinete von London und Paris in die größte Verlegenheit; alle Mini-ster b.stürmten nun die Pfarre, den Frieden mit Mohammed Ali adzuschließen.Ibrahim verlangte beharrlich die Abtretung von ganz Syrien nebst Damaskusund Aleppo an seinen Vater, und die von Adana für sich. Der Kaiser Nikolausschickte jetzt, um dem Sultan in seiner bedrängten Lage einen neuen Beweis vonFreundschaft und Theilnahme zu geben, den Grafen Orloff als außerordenüichrnBotschafter nach Koustantinopel, nachdem der Sultan durch den BrigadegeneralBarnick Pastha dem Kaiser seine lebhafte Erkenntlichkeit für den geleisteten offenenund redlichen Beistand hatte dezeigen lassen. Namick war in Petersburg am20. Apr. angekomnxn, und verliest diese Hauptstadt am 29. Apr. Graf Orloff,unter dessen Oberbefehl zugleich die russische Hülfsmacht zu Lande und zu See ge-stellt war, kam am 5. Mai in Konstanmivpel an, mit dem besondern Aufträge,die FreundschaftsvcrhäLtnisse zwischen Rußland und der Pforte durch einen beson-bern Vertrag festzustellen. Aber schon am 4. Mai hatte Mahmud, durch die Vor-stellungen des französischen Gesandten bewogen, einen Tataren an Ibrahim Pa-scha mit der Nachricht abgeschickt, daß er in die Abtretung von ganz Syrien willigeund ihn mir der Verwaltung des Distrikts von Adana, unter dem Namen einesMuhalfflik (Pachtung) begnadige. Hierdurch kam ein Friede zu Stande, der diePforte ganz von dem Schutze Rußlands gegen einen übermüthigen Vasallen ab-hängig machte. Mahmud fühlte düS; daher überließ er sich seitdem der LeitungRußlands, auf welches er sich mehr als auf Frankreich und England verlassen zukönnen glaubte. Mit einer gewissen Ängstlichkeit erklärte er in einem Memoran-dum, daß die Worte in der vom französischen Botschafter mit der Pforte wegenÄgypten abgeschlossenen Acte: „durchaus die auswärtige Hülfe aufgeben", keineVerzichtleistung auf die russische Hülfe enthielten. Orloff, Butenicff, Murawieffund Lazarrff wurden mit der höchsten Auszeichnung behandelt. Im Lager und aufder Flotte wurden Besuche empfangen und Feste mit Feuerwerk und Ball gegen-seitig gegeben. Es wurde mehrmals Truppenschau gehalten, und Mahmud warentzückt, ein europäisches Heer in seiner vollen Eigenthümlichkeir zu erblicken.Die russische Flotte und das russische Hülfsheer blieben, in ihrer Stellung, bis einrussischer Ofsizier, der Gardencapitam und Adjutant des Kaisers Freiherr vonLieven, der zu diesem Zwecke in das Lager Jbrahim's adgeschickt worden war, am6. Jul. di« Nachricht überbrachte, daß das ägyptische Heer sich über den Tauruszurückgezogen habe. Einer französischen und englischen Flotte aber, die in dersel-ben Absicht, Konstantinopel gegen einen Angriff zu schützen, vor den Dardanel-len sich vereinigt hatte, wurde, wie man glaubt, in Folge der dagegen von denrussischen Bevollmächtigten gemachten Vorstellungen, die Durchfahrt nach demMarmorameer Aicht gestattet. Übrigens geschah Alles, um Rußlands Beistanddurch Prachtfeste zu verherrlichen. So wurde am 29. Jun. auf Verlangen undin Gegenwart des Großherrn, sowie im Beisein aller Botschafter und Gesandten,vom Grafen Orloff im Lager von Chunkrar-Jskelessi ein großes Manoeuvre veran-staltet; und am 5. Jul. ward ein Denkrnal zur Erinnerung an die Anwesenheit