Druckschrift 
Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
473
Einzelbild herunterladen
 

Pellico

473

der sein Gelehctenruhm noch sein graues Haar. Endlich ward auch P. am 13. Oct.1820 verhaftet und nach Santa-Margherita gebracht. Über den'Grund seinerVerhaftung gibt er in seiner Leidensgeschichte keinen Wink; er enthalt sich absieht-lich, wie er sagt, jeder Hindeutung auf politische Verhaltnisse, und laßt es imDunkeln, ob er an den Verbindungen seiner Freunde thätigen Antheil genommenhabe oder nur ein verschwiegener Mitwisser gewesen sei. Sein treuer Freund, derDichter Maroncelli saß, getrennt von ihm, in demselben Gefängnißhause. ImFebr. 1821 wurde P. nach Venedig gebracht, und fand in den Bleikawmern sei-^ mn Kerker, wo erstickende Hitze und Mücken ihn quälten. Er ward einer lang-^>! wierigen peinlichen Untersuchung unterworfen, bis er im Jan. 1822 in ein einsa-nk mes Gefangniß aus der Insel San-Michele bei Venedig gebracht wurde, wo auchMaroncelli bereits gefangen saß. Im Febr..,verkündeten ihm die Richter sein Ur-lheil, die Todesstrafe, die aber der Kaiser, wütman ihm sagte, in hartes Gefang-niß auf dem Spielberg verwandelt habe. Er wurde mit Maroncelli vereinigt, undam folgenden Tage brachte man Beide nach Venedig. Sie mußten gefesselt dasSchaffet auf der Piazzetta besteigen, wo ihnen ihr Urtheil vor dem zahlreich ver-sammelten Volke verkündet wurde, während überall Soldaten aufgestellt warenund Geschütze mit brennender Lunte. Maroncelli sollte mit 20jährigem, P. mitlöjahrigem Gefängnisse für die erlassene Todesstrafe büßen. Die beiden Freundesaßen, in einem Kerker vereinigt, noch vier Wochen auf San-Michele, ehe derPolicommissair ankam, der sie nach dem Spielberg bringen sollte. Bei seiner An-kunft sagte er ihnen, daß auf des Kaisers Anordnung die Tage ihrer Strafzeit nichtzu 24, sondern nur zu 12 Stunden gerechnet werden sollten, und obgleich ihnendiese Herabsetzung der Strafe auf die Hälfte nie amtlich verkündet wurde, so hiel-ten sie es doch für ganz unwahrscheinlich, daß der Beamte sie getäuscht habe. InKetten verließen sie im März 1822 ihr Vaterland, von Policeibeamten und Sol-daten geleitet. Auf dem Wege nach Mähren wurden sie überall, unter Italienernwie unter Deutschen, durch Zeichen und Worte der Theilnahme und des Mitleidserfreut und gerührt Auf dem Spielberge waren damals, außer mehren Staats-gefangenen, gegen 300 Gefangene, meist Räuber und Mörder, theils zu harterGefängnißstrase (carcere ckuro), theils zur härtesten verurtheilt. Die Kost fürbeide Classen war vorschriftmäßig Wasser und Brot; die eine hatte nur Beinschel-len, die andere war noch mit einem eisernen Bande um die Hüften an einer Kettein der Mauer befestigt, und beide schliefen auf einem harten Brete. Die beidenFreunde wurden nach ihrer Ankunft wieder getrennt und in unterirdische Kerker ge-bracht. Erschöpft von den Leiden zweijähriger Gefangenschaft, wurde P. vonTage zu Tage schwächer. Die schlechte, kärglich zugemessene Nahrung, das harteLager, verschlimmerten den Zustand des Fieberkranken, der endlich einen Stroh-sack erhielt, auf des Arztes Bericht aus dem unterirdischen Gefängnisse in ein an-deres Gemach gebracht wurde und auf den Wällen der Festung frische Luft genießendurfte. Im Jan. 1823 siel er in eine gefährlichere Krankheit. Man nahm ihmdie Fesseln ab und verpflegte ihn im Gefängnisse spitalmäßig. So war es vonWien her verordnet worden. Er erhielt die letzte Öhlung, aber unter der teilneh-menden Pflege des Kerkermeisters und seiner Gehülfen genas er nach einiger Zeit.Man erlaubte ihm an seine Altern zu schreiben und sein Freund Maroncelli wurdenun sein Kerkergenosse und sein Wärter, als er später wieder erkrankte. Seit1824 wurde strengere Zucht geübt. Der Wall, auf welchem die Gefangenen spa-zieren gingen, wurde mit einem Geländer umgeben, das ihnen die Aussicht in dieUmgegend verschloß, und ein anderer Weg dahin angewiesen, welcher sie allenBlicken entzog. Schreibzeug ward ihnen verweigert, und endlich auch der Ge-brauch ihrer Bücher verboten, der ihnen früher war gestattet worden. Späterbrachte man ihnen fromme Schriften, die als Geschenke von Wien gekommen wa»