472 Pellico
Qoeuvres ü'un corps ck'srmec ck'mfÄnteris"; „8ur los quarre« 6'inümten^(Paris 1828). In dem „8pectateur militnire" (1826 u. 1827) lieferte er mehreinteressante Artikel über den Feldzug von 1813. P. befindet sich noch im kraftigstenAlter, ist thätig und arbeitsam, kennt den Krieg in seinem vollen Umfang und hatsich als ein tresslicher Chef des Generalstabs ausgezeichnet. (40)
Pellico (Silvio, Graf), ausgezeichneter italienischer Dichter, wurde1789 zu Saluzzo in Piemont geboren und in Pigncroles erzogen, wo sein Va-ter, Onorato P., eine Seidenspinnerei angelegt hatte. Schon in seinem 6.Jahre machte er Verse, und einige Zeit nachher wagte er sich an ein Trauerspiel,dessen Helden aus Ossian's Nebelwelt entlehnt waren. Seine jugendlichen Ver-suche wurden durch seinen Vater ermuntert, der selber durch lyrische Dichtungenehrenvoll bekannt war. So hatte P. bis in sein 16. Jahr im hauslichen Kreisezugebracht, als er seine Schwester, die nach Lyon verheirathet wurde, in ihre neueHeimat begleitete, wo er bei einem reichen Verwandten längere Zeit lebte. Er be-schäftigte sich eifrig mit dem Studium der französischen Literatur, besonders mitRacine, und der Umgang mit den Franzosen zog ihn so sehr an, daß er Italienbeinahe vergaß Da erinnerte ihn Foscolo's ernstes Gedicht „Die Gräber" andie Reize, den Ruhm und das Unglück seines Vaterlandes. Er wurde schwermü-thig und nachdenkend; er fühlte, daß es eine Sprache, ein Volk, eine herrlicheNatur gab, welchen er seinen Geist und seine Liebe weihen müßte, und wenigeTage nachher war er auf dem Wege nach Italien. Ugo Foscolo und VincenzoMonti nahmen ihn in Mailand freundlich auf. P. ward anfangs mehr zu Montihingezogen, bei näherer Bekanntschaft mit den Werken des Dante rellivivo abererkaltete allmälig seine Bewunderung, und er neigte sich immer mehr zu dem kräf-tigem Foscolo, dem feurigen Patrioten, welcher, sonst rauh und heftig im Lebens-verkehr, dem sanften Dichter mit inniger Freundschaft entgegenkam. Sein Geistnahm einen höhern Schwung, seine Weltansicht wurde freier, seine Vaterlands-liebe lebendiger. Nach der Auflösung des Königreichs Italien begab sich sein Va-ter mit seiner Familie nach Turin, P. aber blieb in Mailand, wo er die Söhnedes Grasen Luigi Porro Lamberrenghi erzog, dessen Haus der Sammelplatz dervorzüglichsten Männer Mailands und der ausgezeichnetsten Fremden war. P. er-warb sich bald nachher durch zwei Trauerspiele: „I^ockicea", und das noch bes-sere „i?runces<:a tia Rimini", einen Ehrenplatz unter den italienischen Dichtern.Byron's „Manfred" machte er seinen Landsleuten in einer glücklichen Übersetzungbekannt. Er lebte in freundschaftlicher Verbindung mit mehren patriotischen Ge-lehrten, Luigi di Breme, mit Confalonieri, Melchiorre Gioja, Manzoni und andernfreisinnigen Schriftstellern, welche seinen Plan, durch Beförderung wissenschaft-licher Bildung zu Italiens Wiedergeburt mitzuwirken, eifrig unterstützten. Soentstand die Zeitschrift: „II conciliatore", in welcher außer mehren tresslichenBeiträgen Anderer, Manzoni's „(?onte 6i (lsrmsgitola" und P.'s „Lutemio <iiSlessinu" zuerst abgedruckt wurden. Der freimüthige Geist, der sich in diesenMittheilungen regte, das Streben der Mitarbeiter, die Herzen der Italiener durchErinnerung an ihre Geschichte und ihren alten Ruhm zu befeuern und sie zu neuenAnstrengungen für den Anbau des vernachlässigten Landes wie des geistigen Ge-biets aufzumuntern, beul! ruhigten bald die Machthaber, und jedes Blatt der Zeit-schrift wurde von der Censur verstümmelt. Die Revolution zu Neapel gab derPolice! Vorwand zu erhöhter Strenge. Früher war sie gegen die Bücher, jetztgegen die Freiheit der Schriftsteller gerichtet. Der Verein der Gelehrten verlorimmer mehr Mitglieder, die mit ihren Träumen von Freiheit und von Wiederge-burt der Wissenschaft und Kunst in die sinstern Gewölbe des Gefängnisses Santei-Margherita eingesperrt wurden. Graf Porro rettete sich durch Flucht, Confalo-nieri und Maroncelli wurden ergrissen und selbst den geistreichen Gioja schützte we-