458 Pedro (Don)
zur Zeit der Revolution zu Rio gestifteten geheimen Gesellschaft — das Übergewichtder Maurer in Staatssachen zu mäßigen und mittels ihrer Verzweigungen im gan-zen Reiche einen unmittelbaren Einfluß zu behaupten; allein er verwickelte sich da-durch in Verhaltnisse, die seiner unabhängigen Stellung als Staatsoberhauptschadeten und ihn manchen Eingebungen zugänglich machten, die mehr seiner Ei-telkeit, das Haupt des Liberalismus zu sein, schmeichelten, als seine Herrschaft be-festigten. Daher unternahm er zu viel auf einmal, und die Widersprüche in den alten,noch bestehenden, verdorbenen Einrichtungen — z. B. beim Zollwesen und in derRechtspflege — mit den politischen Glanzgebilden einer in Brasilien noch nicht ge-reiften Cultur, z. B. Freiheit der Presse, die ein Feuerherd aller Leidenschaftenwurde ch, und mit den Prunßanstalten der Wissenschaft, bei welchen die angestell-ten ausländischen Gelehrten in der Volksbildung keinen Boden fanden: diese Wi-dersprüche in der innern Verwaltung, wozu noch Don P 's europäische Politik unddie Creditabhängigkeit des Staats von England kamen, fesselten die Thätigkeitdes Kaisers und seiner Minister bei jedem Schritte, den sie vorwärts thun wollten.Daraus entstand aber auch der Zwiespalt Don P.'s mit seinen Ministern, und bei-der mit den Kammern, sowie dieser unter sich, und aus allen ging endlich die Auf-lösung des moralischen Bandes hervor, welches bisher einen portugiesischen Erb-surften mit dem freien, stolzen und feurigen Brasilier vereinigt hatte. Die freund-lichste Popularität, mit welcher der Kaiser anfangs Jedem aus dem Volke den Zu-tritt gestattete und in Gespräche sich einließ, konnte diesen beweglichen, südlich - leb-haften Tropenbewohnern keine herzliche Zuneigung zu dem Fürsten ihrer Wahl ein-flößen. Don P. fühlte dies bald; daher läßt sich, bei der natürlichen Strenge undHeftigkeit seines Naturells, es erklären, warum er in den letzten Jahren mehr ausseine portugiesischen Umgebungen hörte und in einzelnen Fällen zu Handlungen desAbsolutismus sich entschloß, welche ihm den Verdacht despotischer Gesinnungenzuzogen. Die liberale Partei beschuldigte ihn der Heuchelei und des Verraths; diealte Kirchenpartei verabscheute ihn als das Haupt der Freimaurerlogen. Aber auchdie fortwährende Meuterei und offene Empörung der fremden Soldtruppen, denender Staat nicht Wort halten konnte, enthüllten die Schwäche einer Regierung,welche nur mit Hülfe der britischen und französischen Kriegsschisse (12. Jun.1828) die Aufrühret zur Unterwerfung nöthigen konnte. Der keineswegs glorreichgeführte Krieg mit der Platarepublik, die Zerrüttung der Finanzen und die euro-päischen Interessen Don P.'s, der für die Rechte seiner Tochter gegen Portugalsich rüstete, vermehrten noch das Mistrauen der Brasilier gegen ihren Kaiser.Er durfte es nicht einmal wagen, die fremden, für seine Tochter geworbenenTruppen in sein Land aufzunehmen, noch den portugiesischen Emigranten in Bra-silien eine gastsreundschaftliche Aufnahme zu gestatten. Zu dem allen kamen dieeigennützigen, ja wucherischen Mittel, durch welche Don P.'s Verwalter dieNutzungen seines Privateigenthums erhöhten. So ward das öffentliche Urtheilgegen den Kaiser immer feindseliger. Die Deputirtenkammer von 1829 verwarfnicht allein die von der Regierung vorgeschlagenen Maßregeln, sondern sie belei-digte durch Äußerungen und Anträge den Kaiser persönlich. Da nun die Zeit dervierjährigen Wahl verflossen war, so hob der darüber unwillige Monarch am 8.Sept. 1829 die Sitzung mit den trockenen Worten auf: „Erlauchte und würdigeRepräsentanten der brasilischen Nation, die Sitzung ist geschlossen!"
In die Geschichte dieses Jahres fällt Don P.'s zweite Vermählung. Mansuchte ihn davon abzubringen, und die Marquise de Santos erschien wieder zuRio; allein der Kaiser hatte schon die Prinzessin Amalie von Leuchtenberg zu seinerGemahlin erkoren, und ließ der Marquise befehlen, unverzüglich das Gebiet Bra-ch Nur wenige Blatter, wie das „vwrio Kummen««", waren conftitutionnel-wonarchisch, die übr-gen mchr oder weniger anarchisch oder republikanisch.