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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
452
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Pedrazza

unbeschreiblicher Wirkung. Ja, schon ihr Auftreten, ihr Kommen, ihr Gehen,versetzt die versammelten Hörer in jene ahnungsvolle tragische Spannung, wodurchsich in einem überfüllten kolossalen Räume die tiefe Stille erzeugt, die an sich schondas Herz schauerlich berührt. Die Rotten, in welchen sie die höchsten Erfolge die-ser Art erreicht hat, sind: Medea, in der Oper von Simon Maier, Desdemona,in Rossini'sOthello", Semiramide in besten Oper gleiches Namens, Nina,und endlich die Giulia in Zingarelli's (nicht Bellini's) OperRomeo undGiulia". In dieser letztern Rolle ist es namentlich die Scene in der Gruft, wodiese große Darstellerin eine im Tiefsten erschütternde Wirkung hervorbringt. DieBegeisterung, welche sie, da sie nach ihrem Aufenthalte in Paris in ganz Italiengesungen hat, bei ihren Landsleuten erregte, ist unbeschreiblich, zumal da für diesedie Ausbildung als Concertsangerin, welche sie im vollkommensten Grade besitzt,sodaß sie an Leichtigkeit der Pastagen, zstanissimo wie mit vollster Stimme mitjeder ihrer Zeitgenossinnen wetteifern kann, eine fast überschätzte Eigenschaft ist.Einen Beweis davon gab noch jüngst das Vorhaben der Bewohner Comos, welchedie Büste ihrer großen Landsmannin in Marmor anfertigen lassen wollten, wassie jedoch mit edler Bescheidenheit verbat, indem sie den Wunsch aussprach, daßman die dafür bestimmte Summe zur Unterstützung der Armen ihrer Vaterstadlverwenden möge. Den höchsten Gipfel ihrer Kunst hatte die Sängerin wol schonvor etwa fünf bis sechs Jahren erreicht. Dem natürlichen Lauf der Dinge nach,steigt sie von jetzt an abwärts. Möchte sie, dies ist unser Wunsch, gleich der Cata-lani, lieber da zurücktreten, wo ihr Verlust noch schmerzlich empfunden wird, als dieZeit abwarten, wo sie ihren eignen Ruhm überlebt. Denn sie würde dann dietraurige Erfahrung machen, daß die Welt nicht so dankbar ist, frühere Genüsseund Erhebungen unerschütterlich festzuhalten, sondern daß sie die Selbsttäuschung,in der große Talente so leicht verharren, grausam und höhnisch bestraft. (2V)

Pedrazza (Don Gomez), ehemaliger Präsident der mexicanisch.n Frei-staalen, stand wahrend des ganzen Befreiungskrieges Mexicos in spanischen Dien-sten und zeichnete sich durch seinen Eifer für die königliche Regierung aus; erst nachder Unabhangigkeitserklärung durch Jturbide, am 24. Febr 1821, verließ er dieSpanier und schloß sich dem vaterländischen Interesse an. Er bekleidete währendder kurzen Dauer des Kaiserreichs und unter den spätem Regierungen verschiedeneöffentliche Ämter und war im Jahr 1827 Kriegsminister. Ein Mann nicht ohneBildung und von festem Eharakter, auf den weder weibliche Schönheit noch derReiz des Goldes Eindruck machte, der Muth besitzt, das für zweckmäßig Erkanntedurchzusetzen und rücksichtslos und ohne Schonung zu handeln, erwarb er sich baldbedeutenden Einfluß und das Vertrauen der aristokratischen Partei, zu welcher erseiner Geburt, Erziehung und Überzeugung nach gehörte. Schon als Minister un-ter dem Präsidenten Vittoria lag die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten meistin seiner Hand und er entwickelte bei der durch Montano und Bravo im Anfangedes Jahres 1828 erregten Revolution keine geringe Energie. Bei der Präsiden-tenwahl im Sept. desselben Jahres trug er den Sieg über seinen Gegner Gucrrerodavon, indem, vorzüglich durch die Umtriebe der allspanischen Aristokratenpartei,von den Ist Bundesstaaten zwölf für seine Erwählung stimmten. Aber der Auf-stand Santana's und der Widerspruch der Patriotenpartei, welche die Katastrophevom 24. Dec. in der Hauptstadt Mexico herbeiführte, verhinderten P. seinAmt anzutreten; er verzichtete auf die oberste Staatsstelle, verließ Mexico und be-suchte Europa Er hielt sich vorzüglich in Frankreich und namentlich in Paris auf,machte sich mit der Literatur und noch mehr mit den Staatseinrichtungen des Lan-des bekannt; er lernte die Vorzüge europaischer Civilisation kennen und schätzenund kühlte in der französischen Luft seinen spanischen Aristokratismus ab. Als er18 il nach seinem Vaterlande zurückkehrte, verweigerte ihm Bustamente, der sich

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