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Dritter Band (1833) M bis R
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bende dramatische Sängerin aus der italienischen Schule. Sie erhielt ihre ersteBildung im Conservatorium zu Mailand, wo man jedoch entweder ihre ausge-zeichneten Gaben nicht richtig zu würdigen wußte, vielleicht auch weil sie dieselbennoch nicht zur Entfaltung gebracht hatte. Dies ist leicht erklärbar. Es pflegt phy-sisch bei kolossalen Stimmen ihrer Gattung der Fall zu sein, daß sie in den Jahren,wo andere schon in der höchsten Blüte stehen, ihre tiefer greifenden Keime nochnicht völlig entwickelt haben; andererseits werden so geniale Erscheinungen sichnicht selten erst später ihrer selbständigen Kräfte bewußt, und erscheinen unbehol-fen, unbedeutend, so lange sie, den mächtigen Gott in der Brust nicht ahnend,dem allgemeinen eng vorgezeichneten Gesetz der Schule folgen. So verließ dieseKünstlerin Mailand nach drei Jahren, ohne daß man geahnet hätte, mit welchemGlänze sie dereinst strahlen würde. Sie fing jetzt an auf den Theatern zweitenRanges in Oberitalien aufzutreten, und sang mit Beifall, keineswegs aber mitdem Erfolge, der für die Zukunft etwas so Großes versprochen hätte, in Brescia,Parma. Livorno. Erst 1822, während des Congrefses zu Verona, fing sie anAufsehen zu erregen; und da dieser Moment allerdings der günstigste war, umschnell einen europäischen Ruf zu erlangen, so verbreitete sich ihr Name von jetztan auch glänzend über ganz Europa. Im nächsten Jahre erhielt sie einen Rufnach Paris, wo sie ebenfalls sogleich alle Hörer in Staunen versetzte. Wie aberdas wahrhaft tiefe Genie sich nicht durch äußerliche Erfolge genügen läßt, sondernseinen höchsten und strengsten Richter stets in sich selbst findet, so auch diese Künst-lerin. Ihr schien erst jetzt aufgegangen, was sie zu leisten berufen sei, und mirunablässiger Kraftanstrengung rang sie dahin, dieses höchste Ziel, das sie sichselbst gesteckt hatte, zu erreichen. So lebte sie in Paris, obgleich sie schon auf demGipfel der Kunst zu stehen schien, doch fast nur dem Studium, und gewann sichso auch jene äußere Vollkommenheit, welche die höchsten Leistungen nicht entbeh-ren können. Diese Sängerin besitzt bei dem klangvollsten Organ einen Umfang

von zwei und einer halben Octave, von (ll bis ck, sodaß sie allen Federungen anden Eontraalt und an den hohen Sopran aufs Vollständigste genügen kann. Diesist indessen nur der Umfang, wo sie ihrer Mittel durchaus Herr ist, wo ihr Allesleicht und ohne Mühe anspricht. In außerordentlichen Fällen geht sie nach beidenSeiten noch weiter hinaus. Daher vermag sie auch in Opern wie Rossini sTan-cred", abwechselnd bald die Titelrolle, bald die Amenaide zu singen. Doch ist diesnur eine äußerliche Eigenschaft ihrer Stimme; köstlicher ist der intensive Werth der-selben, wodurch jeder ihrer Töne zu einem vollen reinen Glockenlaut wird. In derTiefe haben sie zwar einen rauhen Eharakter, der indeß so zu dem Ganzen dieseraußerordentlichen Erscheinung gehört, daß sie, wie paradox es erscheinen mag,etwas von ihrem eigenthümlichen Werth verlieren würde, wenn dieses charakte-ristische Zeichen fehlte. Außerordentlich wie ihre Stimme, ist die Gestalt der Sän-gerin; sie verbindet mit dem edelsten Wuchs den ausdruckvollsten römischen Kopf,hohe Stirn, dunkles mächtiges Auge, Grazie der Lippen, eine etwas gebogeneaber höchst edel geformte Nase. Diese Eigenschaften, verbunden mit dem inwoh-nenden Talent, machen sie zur größten jetzt lebenden Darstellerin für die italienischetragische Oper. Talma soll von ihr geäußert haben:Dies ist die Frau, von derich noch lernen kann". Ihre Erscheinung auf der Bühne hat die Majestät der be-herrschenden Ruhe; so feurig, in so großen kühnen Zügen sie darstellt, so bleibtihr plastisches Spiel doch immer edel und begrenzt. Eine Wendung ihres schonenHauptes, ein Blick ihres Auges, eine leichte Bewegung der Hand sind für sieMittel des ergreifendsten Ausdrucks. Was sie mimisch und plastisch leistet, erhältnoch eine höhere Seele durch einen einzigen anschlagenden Ton ihrer Stimme.EinQ<Iio", wie es aus ihrer Brust dringt, über ihre Lippen schwebt, ist von

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