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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
439
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MG

Pardessus 439

Pardessus (Jean Marie), französischer Rechtsgelehrtcr, wurde am 14.Aug. 1772 zu Blois geboren und trat 1795 seine Lausdahn als Advocat an.Er verheidigte vor Gericht mehre von der Schreckensregierung verfolgte Männer,und wurde 1895 zum Maire seiner Vaterstadt ernannt. Im folgenden Jahreward er Mitglied des gesetzgebenden Corps, und als wahrend seiner Anwesenheit inParis ein L.hrstuhl für das Handelsrecht bei der juristischen Facultät errichtetwurde, bewarb er sich um denselben und erhielt ihn nach einer öffentlichen Prüfung1819. Er beschrankte sich nun auf sein Amt und schrieb mehre juristische Ab-handlungen und Lehrbücher, besonders seineLlcmeus cke jurispruckence commer-ciale" (Paris 1811) und seinen(iyursckuckrvitcomincrcial" (4 Bde., Paris 1814 16). Zuvor hatte er ein Uraite cl«s servitulles suivant las ;>rincPes ckucocke civil" (1896) und1'raite cku contrat et cles lettres rte cliange" (1899),geschrieben. In dem gesetzgebenden Corps schwieg er wie die meisten andern De-putaten; seine politische Laufbahn begann erst nach der Rückkehr der Bourbons.Als ihn nach dem zweiten Sturze Napoleon's und der Rückkehr Ludwig XVlll.das Departement der Loire und Cher zu seinem Deputirten ernannt halte, zeichnetesich P. in einer Kammer, worin die heftigsten und ungestümsten Leidenschaftennoch laut wurden, als einen der blindesten AnHanger der Bourbons und als einender wüthendsten Gegner der Bonaparlistcn aus. Er gehörte zu der Commission,die das sogenannte Amnestiegesetz durch hinzugefügte Ausnahmen verdarb. Zwarbehauptete er damals in einer Rede, er sei ein Freund der persönlichen Freiheit, derPreß-und Gewissensfreiheit; jedoch hat er in der Folge bewiesen, daß es ihm we-nig darum zu thun war, und daß er auf einen völligen Despotismus mit andernDeputirten hinarbeitete. Aus diesem Grunde widersetzte er sich bei der Erör-terung des Wahlgesetzes dem Vorschlage zu einer theilweisen Erneuerung der Dc-pulirtenkammer und drang darauf, daß die Kammer nur alle fünf Jahre ganzlicherneuert werden sollte. Bei dieser Gelegenheit rief er aus:Die Wahlherrenmeines Departements haben mir gesagt: Dienen Sie dem Könige! Dies ist meinganzer Auftrag. In Betreff des Ministeriums haben sie mir nicht Dasselbe gesagt."In einer Sitzung wahrend des Apr. 1816, als eine Bittschrift mit Beschwerden überdie ungerechte Verurtheilung des Generals Travot einigen Anklang in der Deputir-tenkammer fand, eilte P., der eben in den Saal hinein trat, auf den Rednerstuhlund behauptete, es sei eine Vermessenheit, an der Gerechtigkeit einer Verurtheilungzu zweifeln, die vom Könige als gerecht anerkannt worden sei, da er die Strafegemildert habe. Die Regierung erkannte in P. einen Mann, den sie brauchenkönnte. Auch ernannte ihn der König im Mai desselben Jahres zum Commissairbei der Amortisationskasse. Als aber im Sept. 1816 jene leidenschaftliche Kam-mer, welche viel Unheil über Frankreich gebracht hatte, aufgelöst wurde, und De-cazes das Ministerium leitete, ward P. nicht wieder zum Deputirten gewählt.Nach der Ermordung des Herzogs von Berri verlor Decazes seinen Posten,und einige Zeit hernach ward P. von der Stadt Marseille, worin die legitimisrischePartei die Oberhand hatte, wieder zum Deputirten erwählt und bewährte sich vonnun an als einen heftigen Bourbonisten. Fast alle Maßregeln, die zur Einschrän-kung der bürgerlichen Freiheit vorgeschlagen wurden, fanden in ihm einen rüstigenVertheidiger, weshalb er auch oft in den kleinern liberalen Tagesblättern bitter an-gegriffen wurde. Der König ernannte ihn zum Rath am Cassalionshofe, und ob-schon diese einträgliche Stelle mit andern Verrichtungen nicht wohl vereinbar ist,so behielt P. nichtsdestoweniger seine ebenfalls einträgliche Stelle als Professor ander Rechtsfacultät bei. Außerdem ward er zu mehren Commissionen gebrauchtund hatte viel Einfluß beim Ministerium. Er benutzte seine Stellung zur Aus-führung eines großen literarischen Unternehmens, das ihn wahrscheinlich lange be-schäftigt hatte. Er wollte nämlich eine so viel möglich vollständige Sammlung

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