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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
436
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436 Palmerston

geschlagen hatten. Brougham deutete mit beißenden Bemerkungen auf diese poli-tische Geschmeidigkeit, als er bei den Verhandlungen im Unterhause nach der Bil-dung des neuen Ministeriums unter Wellington P. ein erbliches Mitglied allerMinisterien seit den letzten zwanzig Iahren nannte; aber er setzte auch hinzu, daßP. die allgemeine Achtung seiner politischen Gegner habe, und gestand, er selberhabe es nie mit einem redlichem und aufrichtigem Widersacher zu thun gehabt.Wahrend P. an der Spitze der Kriegsverwaltung stand, zeigte er große Geschäfts-kenntniß und eine genaue Bekanntschaft mit den politischen Verhältnissen Europas,und bekannte sich bei manchen Gelegenheiten zu liberalen Grundsätzen. Dies warselbst der Fall, als er bei Russel's Antrag auf die Zurücknahme der Test- und Cor-porationsacten (s. England) im Apr. 1828, zwar als Mitglied des Ministe-riums dagegen stimmte, aber jene unbilligen Gesetze selbst verurtheilte, deren Aus-hebung er nur aufgeschoben wissen wollte, bis das größere Übel, die Rechtsbeschrän-kung der Katholiken, gehoben sei. Als die Mehrheit des Hauses der Gemeinendennoch für Russel's Antrag stimmte und die Minister zur Aufhebung der veral-teten Gefetze nöthigte, verleugnete P. seine Zufriedenheit mit diesem Erfolge nicht.Mit Hus ki sson (f. d.) trat P. aus dem Ministerium, und vertheidigte im Par-lament die Schritte, die sein Freund in dem Zwist mit Wellington gethan hatte.Als die Minister durch die Volksstimmung genöthigt wurden, den Katholiken dieverlangten Rechtsgewährungen zu ertheilen, sprach P. zwar gegen Peel's Antrag,den irländischen Landbesitzern, die nur 40 Schillinge Einkünfte hatten, ihr Stimm-recht zu nehmen, aber dagegen vertheidigte er die Ansprüche der Katholiken in einerRede, welche zu den ausgezeichnetsten gehörte, die bei den merkwürdigen Verhand-lungen über die Emancipation gehalten wurden. Mit Grey kam P. als Ministerder auswärtigen Angelegenheiten in das Cabinet. Bei den Verhandlungen überdie Parlamentsrcform vertheidigte er den Antrag des Ministeriums im Mär;1831 mit Nachdruck und Gewandtheit. Er erklärte sich mit Entschiedenheit gegendie Grundsätze der Tories, indem er die Macht der öffentlichen Meinung aner-kannte, deren trotzige Misachtung, wie er sagte, die vorigen Machthaber gestürzthabe. Hätte man drei Jahre früher, setzte er hinzu, den nicht repräsentieren großenStädten das Wahlrecht gegeben, so würde man nicht über den vorgelegten um-fassenden Reformplan Berathungen halten müssen. Er habe stets, fuhr er fort,für eine gemäßigte Reform gesprochen, weil er eingesehen, daß die Verweigerungderselben zu größern Zugeständnissen nöthigen werde, aber man habe seine Vorher-sagungen verworfen. Auf die Vorwürfe hindeutend, die man ihm und andernBewunderern Canning's wegen der Abweichung von den Grundsätzen diesesStaatsmanns gemacht hatte, setzte er hinzu, er hätte geglaubt, Diejenigen, diesolche Vorwürfe machten, würden endlich zu der Einsicht gekommen sein, daßStaatsmänner nicht gerechtfertigt werden könnten, wenn sie der kindischen Eitel-keit des Festhaltens an ihren Meinungen sich überließen, wofern sie dadurch diegroßen Interessen des Vaterlandes gefährdeten. Man fasse Canning's Ansichtenschlecht auf, sagte er, wenn man blos auf die besondern Meinungen achte, die dieserStaatsmann unter besondern Zeitumständen geäußert habe, und nicht die Grund-sätze betrachte, von welchen sein politisches Leben geleitet worden sei. Canninqhabe die Angelegenheiten der Menschheit mit einem so umfassenden Blicke betrach-tet, daß er gewiß unter den gegenwärtigen Umständen von der Notwendigkeit sichüberzeugt haben würde, von welcher die Regierung sich leiten lasse. P. hat in einemAmte, das bei denverwickelten Verhältnissen Europas ein überlegenes Talent fodeit,zwar freisinnigere Grundsätze gezeigt als sein nächster Vorgänger, der starre TorvAberdeen, doch weder die selbständige Kraft noch den umfassenden Geistesblick seinesFreundes Canning; aber das Verdienst der Geschäftsgewandtheit ist ihm nicht ab-zusprechen, und er hat sie in einigen Staatsschriften, die er bei den Verhandlungen