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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
418
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418 Paganini

licherm Stoff Geformten, zu verwirklichen. Aus demselben Standpunkte ist derdem Künstler vorgeworfene Geiz zu betrachten. Wir möchten eigentlich gradehinbehaupten, P. sei nicht geizig oder habsüchtig, sondern zeige sich auch in dieser Be-ziehung nur als ein völliger Fremdling in Dem, was die Welt an allgemeinen Be-stimmungen des Schicklichen und Anstandigen in Beziehung auf Geloverhältniffeangenommen hat. Man wird uns zwar tausend Beispiele, die von dieser nichtrühmlichen Eigenschaft des Künstlers Zeugniß abzulegen scheinen, aufstellen kön-nen; allein sie würden für uns nur dann Beweiskraft haben, wenn sie eben nichtvon P,, sondern von einem gewöhnlichen Menschen berichtet würden. Auch könn-ten wir ebenso viele Züge aufführen, aus denen sich darthun ließe, daß P. mitdemselben Recht der höchsten Verschwendung beschuldigt werden könne. Wer,wie P., Tausende auf der Pharobank wagt, sodaß er sich trotz dem leicht ge-wonnenen Gclde, dennoch häufig in der drückendsten Verlegenheit befand; wer,wie er, gar kein Maß des Geldes kannte, wo seine Leidenschaft für ein weiblichesWesen im Spiel war; wer es, gleich ihm, in der Hand hat, durch Anstrengungeiner einzigen Stunde so reiche goldene Früchte zu schütteln, aber dennoch im künst-lerischen Eigenwillen oft Monate lang den Zauberstab, mit dem er die Schatze hebt,nicht einmal berührt: der ist nicht geizig, nicht habsüchtig, obgleich man ihn hun-dertfältig um eines Kreuzers halber bis zur Erbitterung geizen oder zürnen sah.Er bewies nur, daß er im Einnehmen und im Ausgeben des Geldes ein eben solcherFremdling ist wie in allm andern Beschäftigungen des Lebens. Die schlagendsteUeberzeugung hiervon konnte man gewinnen, wenn man Gelegenheit hatte, zusehen,wie er seine Einnahmen verwaltete. Ohne die Hülfe solcher Personen, die seinTalent ihm zu ausrichtigen Freunden gemacht hatte, würde er Alles ebenso unge-schickt eingebüßt haben, als er es leichtfertig gewann. Denn eine solche Mischungvon Argwohn und Hülflosigkeit bei der Abwehr von Veruntreuung läßt si'.-h kaumdenken. Endlich berechne man, wie gering die Vortheile sind, welche P. aus sei-nem Talent zieht, gegen diejenigen, die ein wirklich habsüchtiger und in Geldange-legenheiten gewandter Mensch daraus zu ziehen vermöchte. Man könnte ihm, fallses möglich wäre, sein Talent in Dienst zu nehmen, getrost die Hälfte über seineDurchschnittseinnahmen, die er seit 1828 auf dem Continente gehabt hat, gebenund würde dennoch in den nächsten fünf Iahren, obgleich er nun bereits fast inallen Hauptstädten Europas gespielt hat, einen Ungeheuern Gewinn von ihmziehen, selbst wenn man nur ganz mäßige Ansprüche an seine consequente Tätig-keit machte. Doch genug über diesen Punkt, den wir nicht so weitlausig behandelthaben würden, wenn wir daraus nicht unsere allgemeinen Ansichten sowol von sei-ner besondern Natur als von der Natur abnormer Menschen überhaupt zu recht-fertigen hoffen dürften. Wenigstens scheinen uns nur aus diesem einzigen Stand-punkte die Widersprüche erklärlich, die man in P. wie in manchen ihm verwand-ten Naturen (wir dürsten auch Beethoven nennen) wahrzunehmen glaubt; ausjedem andern Gesichtspunkte wollen sie uns völlig unauflösbar bedünken. So vielüber diesen außerordentlichen Mann, der so unzählige Federn in Bewegung gesetzthat, weil fast jeder Denkende das Bedürfniß fühlte, das Wunder seiner Erschei-nung zu erklären, oder es uns doch wenigstens durch nähere Bekanntschaft vertrau-ter und somit begreiflicher zu machen. Von erschienenen Flugschriften dieser Artnennen wir außer den oben erwähnten nur die von dem Professor Schütz undvon Georg Harrys, der eine Zeit lang sein Reifebegleiter war. Zahlreiche, tiefer ein-gehende Kritiken hat unter andern Rcllstab sowol in der berliner Vossischcn Zei-tung als in andern Tageblättern geliefert. Als zwar künstlerische, aber doch mehr bei-läufige Notizen, durch welche wir oben den Zusammenhang unserer Ansichten überP nicht unterbrechen wollten, fügen wir hier nur noch Folgendes hinzu: P. hat dasViolinspiel durch mechanische Handgriffe ungemein erweitert; er spielt häufig mit