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Einfluß auf die künstlerische EntWickelung P.'s gehabt, als daß wir es hier über-gehen könnten. Am Hofe zu Lucca, dessen Ruf freilich nicht der günstigste ist, ent-spann sich zwischen dem Künstler und einer Hofdame ein zärtliches VerhältnisAuch hier wurde der Himmel der leidenschaftlich Liebenden durch Gewitterwolken,die sie selbst heraufführten, verhüllt; man zürnte, aber man versöhnte sich wieder.P., dem Alles Musik wurde, verfiel darauf, dieses Ereigniß in eine musikalischeForm zu bringen, der er den Namen Liebesscene gab. Er hatte nämlich die beidenMittlern Saiten seiner Violine abgespannt und spielte nur auf der Quinte und6l-Saite eine Art von Duett, wobei er, die weibliche Stimme auf der hohen, diemännliche aus der tiefen Saite nachahmend, anfangs ein scherzhaftes Tändeln,dann ein Erzürnen und endlich ein süßes Vergeben im harmonischen Zusammen-spiel auf beiden Saiten darstellte. Die Dame, welcher die Composition galt, hattesie verstanden und belohnte den Künstler mit süßen Liebesblicken; die Fürstin ElisaBacciochi aber warf zufällig, indem sie den Künstler für seine Leistung lobte, dieWorte hin: „Da Sie auf zwei Saiten so etwas Schönes geleistet haben, würdenSie auch wol im Stande sein, auf einer Saite etwas hören zu lassen?" DiesenWink faßte P. auf, schrieb eine Sonate für die (^-Saite, welche er Napoleonnannte, und erregte durch dieses Stück das höchste Erstaunen. Von der Zeit anfaßte er eine Vorliebe für die (Z-Saite und suchte derselben alle nur ersinnlichenVortheile abzugewinnen. Somit verdankt man die Ausbildung des Violinspielsnach dieser ganz eigenthümlichen Richtung der eben erzahlten Anekdote. Von1828 an ist P.'s Lebensgeschichte eine so öffentliche geworden, daß darüber hiermit wenigen Worten hinweggegangen werden kann. Er bereiste alle größernStädte Deutschlands, ging dann nach Frankreich, wo er in Paris ein beispiellosesAufsehen erregte, und begab sich von dort nach England, wo er sich jetzt noch befindet.
Dies die wenigen Data über sein Leben. Wir können indeß diesen Artikelnicht beschließen, ohne eine Skizze seiner Persönlichkeit, seines Spiels und seinesCharakters zu geben, wie sich uns dieser letztere, theils aus vielfaltigen UrtheilenAnderer, theils aus eignem Umgange gestaltet hat. P. ist hager, seine Gesichts-züge sind bleich, scharfeingeschnitten, das Auge glüht in einem dunkeln, wiewolschon etwas erloschenen Feuer, die Augenbrauen sind finster, die Stirn hock,von schwarzem, langlockigem Haar umwallt, die Nase römisch gebogen. Um dieLippen schwebt ein seltsames Lächeln, welches bisweilen etwas unheimlich Dämo-nisches hat, im Ganzen aber doch und vorzüglich in der Nähe betrachtet sehr gul-müthig erscheint; doch läßt sich nicht leugnen, daß das ganze Auftreten P.'s, diehagere Gestalt, das bleiche Gesicht, der leise Gang, das seltsame äußere Weseneinen äußerst auffallenden Eindruck machen muß, noch bevor man einen Begriffvon seiner Kunst erhalten hat. Ehe er die Violine berührt, erscheint er so gebrech-lich, so erschöpft und hinfällig, daß man glauben sollte, er würde, unfähig, sichauf den Füßen zu halten, kraftlos zusammensinken. Aber sobald sein Bogen die Saitenderührt, durchzuckt ihn gleichsam ein elektrischer Funke und durchdringt ihn mit neuenLebenskrästen; die schlaffen Muskeln bekommen eine unglaubliche Spannkraft,er führt den Bogen mit einer unbegreiflichen Schnelligkeit und Kühnheit, ja, bis-weilen in so kühnen energischen Strichen, daß er die Luft wie mit einem Schwertzu theilen scheint; dabei setzen die Finger seiner linken Hand mit eherner Festigkeitauf das Griffbrett auf, kurz, ein neues Feuer des Prometheus durchflammt ihnmit wunderbarer Kraft. Doch werden diese Momente der Abspannung wie derbegeisterte Austand der Pythia theuer durch eine nachfolgende Erschöpfung erkauft,die dem Künstler selten gestattet ein ganzes Concert in einem Guß zu spielen. Nachdem ersten Allegro bedarf er insgemein der Ruhe, und am Schluß eines Concert-abends vollends ist er gänzlich erschöpft. Sein Spiel selbst ist Dem, der es nichtgehört, kaum zu schildern. Die Mechanik des Instruments beherrscht er in einem