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damals allgemeines Erstaunen. In seinem neunten Jahre trat er zum erstenMate aus dem großen Theater zu Genua öffentlich auf, wobei er Variationen vonseiner eignen Composition über die damals allgemein beliebte Carmagnole spiel-te, und sich den lebhaftesten Beifall der Kenner wie des Publikums erwarb.Den ersten gründlichen Violinunterricht erhielt er von einem guten SpielerNamens Costa, besten Pedanterie jedoch oft in einen heftigen Kampf mit derGenialitat des Knaben trat. Der Unterricht dauerte sechs Monate, währendwelcher der Schüler jeden Sonntag ein neues Violinconcert in der Kirche spielte.Nach Ablauf dieser Zeit war der Meister seinein Zöglinge nicht mehr gewachsen,den der Vater nun nach Parma zu dein ausgezeichneten Componisten Rolla brachte.Über das Verhaltniß zu diesem Künstler erzahlt P. selbst folgende Anekdote: „Alswir zu Rolla kamen, war er krank und lag mismuthig im Bett. Seine Frauführte uns daher erst ins Nebenzimmer, um mit ihrem Manne, der nicht sonder-liche Lust zu haben schien, uns zu empfangen, Rücksprache zu nehmen. Aufeinem Tisch erblickte ich eine Violine und das neueste Concert Rolla's. Ich ergriffdas Instrument und spielte das Stück vom Blatte. Der höchst erstaunte Com-ponist verlangte zu wissen, wer der fremde Virtuose sei; da man ihm nun denKnaben nannte, wollte er es durchaus nicht glauben. Als er sich endlich überzeugthatte, erklarte er, er könne mir nichts mehr lehren, und sandte mich sofort zu demberühmten Paer." Au diesem wurde P. geführt und sehr gütig von ihm empfan-gen, vbwol er nicht selbst den Unterricht des Knaben übernahm, sondern ihn demneapolitanischen Kapellmeister Giretti übertrug, der mit seinem Schüler ein halbesJahr lang contrapunktistische Übungen anstellte. Nach dieser Zeit erst beschäftigtesich Paer selbst mit dem talentvollen Knaben und gewann ihn ungemein lieb. Vonjener Zeit an reiste der Vater des Künstlers mit ihm durch die vorzüglichsten StädteOberitaliens, wo der 14jährige Virtuose das größte Erstaunen erregte. Bei demMusikfeste zu Lucca, welches damals jährlich am Martinstage gefeiert wurde, tratP. zum ersten Male auf, ohne von seinem sirengen Vater begleitet zu werden. Vonjener Zeit an scheint er selbständig geblieben zu sein.
P.'s Ruf wuchs in seinem Vaterlande mit jedem Tage, jedoch drang er damalsnoch nicht ins Ausland, weil die italienische Lebensweise den Künstler so sehr fesselte,daß er sich nicht entschließen konnte, die Alpen zu überschreiten Zwar hörten ihn großeVirtuosen; allein theils mochte die Eitelkeit ihr Unheil über die außerordentliche Er-scheinung befangen machen, theils hüteten sie sich wohl, von seiner Überlegenheit völ-lig überwunden, selbst die Herolde seines Rufs zu werden. Es ist überhaupt eine eigneSache mit der Berühmtheit eines Virtuosen; er sei so groß er wolle, hört man nurvon ihm und nicht ihn selbst, so gewinnt selbst das Ausgezeichnetste keinen Boden inder Meinung der Masse, und versagt gleich der Verstand der Einsichtsvollen ineinem solchen Falle die Anerkennung nicht, so wird dieselbe doch nie eine lebendige,bevor die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung nicht hinzutritt. Vielleicht hat sichdies bei Niemanden so bethätigt als eben bei P., von dem die musikalischen Zei-tungen seit 1812 und 1813 das Außerordentlichste in Deutschland berichteten,was man freilich mit Erstaunen las, aber auch ebenso schnell vergaß, vielleichtweil es zu nahe an das Unglaubliche streifte und somit der Charlatanerie ähnlich zuwerden schien. Da endlich führte der außerordentliche Virtuose 1828 den langgehegten Entschluß aus, eine Reise nach Deutschland und von da in das übrigeEuropa anzutreten. Wien war der erste Ort, wo er sich öffentlich hören ließ. Mitdem ersten Strich auf seinem Guarn.ri, ja, man möchte fast sagen mit dem erstenSchritt in den Conccrtsaal war sein Ruf in Deutschland entschieden. Wie durcheinen Blitzstrahl entzündet, strahlte und glänzte er plötzlich als eine neue Wunderer-scheinung im Gebiete der Kunst. Alle Kritiker suchten das Außerordentliche diVscrErscheinung in Worte zu sasftn und dem Verstände begreiflich zu machen, was