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Krankheit abgehalten, selbst nach Venezuela zu teisen. Es gelang P, als Hauptder Regierung die Ruhe zu erhalten und selbst den General Monegas, der imöstlichen Theil des Landes sich gegen ihn und die Congrefibeschlüsse erklarthatte, im Sommer 183t wieder zu begütigen und zu gewinnen. Schon imIun. wurde der Sitz des Congresses von Valencia nach Caracas verlegt. P. kehrteim Aug. dahin zurück; er, der eigentliche Befreier von Venezuela, der wilde Lla-nero, der weder schreiben noch lesen kann, ist gegenwartig vorzüglich beschäftigt,Landbau, Viehzucht und Industrie zu befördern und hat allen militairischenPrunk, welcher das Land unter Bolivar erschöpfte, abgeschafft. Bei seiner Zu-" ' rückkunft sprach er zu den Offizieren seines Generalstabes.- „Fort mit euch aufeure Pflanzungen und bebauet sie!" Wir haben keine Pflanzungen, antwortetensie, oder doch wenigstens nicht die Mittel dazu, sie zu bearbeiten! „Die will icheuch schaffen", erwiderte der alte kriegerische Oheim und hielt redlich Wort. VonValencia begab er sich nach Puerto Cabello und untersuchte dort die Festungswerke,ganz einfach in der Tracht eines Llanero und ohne alle militairische Bedeckung.„Das Volk", äußerte er, „ist der Unruhen müde, die Parteien haben dabei nichtsmehr zu gewinnen. Ruhe, Friede und Erwerbsfleiß allein können uns beglücken."Die stehende Armee ist aufgelöst, Offiziere und Soldaten sind zu ihrem heimat-lichen Herd zurückgekehrt, widmen sich wieder den Künsten des Friedens undfreuen sich der rühmlich erfochtenen Freiheit. Auch mit Neugranada und Quito,den beiden übrigen Staaten Colombkas, ist 1832 ein Unionsvertrag abgeschlossenworden (vgl. Colombia), wodurch die Selbständigkeit und Ruhe Venezuelas ge-sichert scheint. So genießt P. den doppelten Ruhm, sein Vaterland von demJoche der Spanier befreit und ihm im Innern die Ruhe und die Elemente des Ge-deihens gesichert und seinen eignen Ehrgeiz der Bürgerpflicht geopfert zu haben,und so steht dieser rohe und uncultivirte Llanero von dem Stromgebiete des Ori-noco, den aber die Natur mit Kraft und Verstandesscharfe ausgerüstet, in der Ge-schichte der Menschheit auf einer höhern Stufe als die meisten europaischen Di-plomaten, die feinsten Söhne der feinen Cultur. (29)
Paganini (Nicolo), der erstaunungswürdigste Virtuos, der vielleichtjemals gelebt hat und leben wird, wurde im Febr. 1784 zu Genua geboren. SeinVater, Antonio P., war ein nicht eben bemittelter Geschäftsmann und, wie esscheint, sehr leidenschaftlich auf kleinlichen Gewinn bedacht; doch ließ ihn diese Hab-sucht den Werth der musikalischen Anlagen seines Sohnes nicht verkennen. Mitgroßer Strenge hielt er denselben seit seiner frühesten Kindheit zur Übung auf seinem Instrument, der Violine, an und bediente sich dabei der Hartesten Strafen,des Hungers und der Schlage, um den Knaben zum Fleiße anzuhalten. Dennochübertraf dieser durch Eifer und brennende Begeisterung für die Musik sogardie Harte seines Vaters. Schon in diesen frühesten Iahren trieb es ihn an un-aufhörlich neue Bahnen zu suchen und über das gewöhnliche Maß hinauszuschrei-ten. Er suchte sich selbst neue und oft die seltsamsten Griffe auf seinem Jnstrumente heraus, deren Zusammenklingen die Hörer in Erstaunen setzte. Weit mehr,als er sich vor der Strafe fürchtete, war der Knabe begierig nach Lob, und zumaleine sachverständige Aufmunterung konnte ihn fast krankhaft begeistern. In seinem achten Jahre schrieb er eine Sonate, die jedoch nebst vielen andern später«Versuchen derselben Gattung verloren gegangen ist. Einen sehr lebhaften, fast be-schämenden Eindruck machte es in dieser Zeit auf den Knaben, als er hörte, daßMozart bereits in seinem sechsten Jahre ein Clavierconcert mit allen Instrumentengeschrieben hatte, welches aber so schwer war, daß man es nicht ausführen konnte.P. quälte sich lange mit dieser musikalischen Überlegenheit und strengte alle seineKräfte an, um sich aus seiner Unvollkommenheit herauszuarbeiten. Bei den ver-schiedenen Kirchenconcerten ließ er sich zuerst öffentlich hören und erregte schon