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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
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ren, da zwischen Neugranada und den nordöstlichen Küstendistricten nur einelockere Verbindung herrschte, der Verkehr durch die dazwischen liegende Ge-birgskette erschwert wurde, und die Interessen der Einwohner beider Lander ver-schieden und widerstrebend waren, mit der Centralisation unzufrieden und wünsch-ten eine Trennung, um so mehr, da der Zustand der Centralregierung desorganistrt,alle pecuniairen Hülfsmittel zur Erhaltung der Ordnung erschöpft, und Bolivar imVerdacht war, eine monarchische Regierung einführen zu wollen. Den ersten Anstoßzum Widerstand gegen die Centralregierung gab ein Brief Bolivar's an P., der ausGuayaquil vom 13. Sept. 1829 datirt war und nicht undeutlich die Absicht desBefreiers verrieth, daß er zum Herrn der Republik oder zum Kaiser ausgerufenzu werden wünschte.Sind zweckdienliche Anstalten getroffen, um die Bürgeraussprechen zu lassen, was sie, unfern Absichten gemäß, aussprechen sollen, so wirddie Reform vollständig und der Wunsch des Volkes erfüllt werden. Der Handelwird seine Quellen öffnen, der Landbau überall hin verbreitet werden, kurz Alleserfüllt, was sie so sehnlich wünschen." Diesen räthselhaften und auf Schraubengestellten Brief schickte P. an den berühmten alten Helden, den General Aris-mendi, welcher Governador von Caracas war; Arismendi aber ließ ihn drucken;darauf erhob sich die republikanische Partei in Caracas, die vornehmsten und ein-flußreichsten Bürger an ihrer Spitze. In einer zahlreich besuchten Volksversamm-lung am 26. Nov., welche in der Franziskanerkirche zu Caracas gehalten wurde,faßte man einmüthig folgende Beschlüsse: das Departement Venezuela, wel-ches den ganzen Umfang deö alten Venezuela umschließt, trennt sich von der Re-gierung von Colombia und der Herrschaft des Generals Bolivar. Venezuelawünscht übrigens mit den westlichen und südlichen Provinzen Colombias (Neu-granada und Quito) in Frieden und Eintracht zu bleiben. General P. wird er-sucht, sich als Oberbefehlshaber an die Spitze der Regierung zu stellen und deshalbunverzüglich nach Caracas zu kommen, um die Zusammenrufung eines Congressesund die Bildung einer repräsentativen republikanischen Regierung zu leiten. Die-sem von 486 Personen unterzeichneten Beschlüsse traten das ganze alte Venezuela,die Departements Maturin, Orinoco und Aulia bei. P. zog am 12. Dec. unterdem Iubelruf des Volkes in Caracas ein. Am andern Tag versammelte er dieangesehensten Bürger und erklarte ihnen offen und frei seine Gesinnung. Da dasVolk, sagte er, seinen Entschluß proclamirt, die verlorene Freiheit wieder zu gewin-nen, ihn zum Anführer erwählt und ihm auf diese Weise sein Zutrauen bezeugthabe, so versichere er, daß der Wille des Volkes für ihn Gesetz sei. Sowie er un-ermüdlich gestrebt, die Spanier aus Venezuela zu vertreiben und dessen Freiheitzu sichern, so solle auch gleicher Eifer und gleiche Beharrlichkeit von ihm an-gewendet werden, Venezuela von der Tyrannei Bolivar's oder irgend einesandern einheimischen Despoten zu befreien, der eS wagen sollte, das Landunterjochen zu wollen. Er versicherte ferner, daß die Armee unter seinem Be-fehle ebenso edle Gesinnung hege und daß er mit ihr unter dem Beistande dererprobten und ausgezeichneten Generale Bermudez, Arismendi, Marino, Mone-gas, Gomez, Masero, Jnfante, Valero, Carabona unüberwindlich sein werde. Erschloß mit den Worten:Freiheit oder Tod! das ist mein Wunsch und muß derWunsch Aller sein, denen ihr Vaterland Werth ist." P. ließ es aber nicht nur beischönen Worten bewenden, sondern organisirte die Armee und setzte ganz Venezuelain kräftigen Vertheidigungstand. Dann erließ er am 29. Jan. und am 2. Märzwieder Proklamationen an die Einwohner Venezuelas, in welchen er sie zur Ein-tracht und Ruhe ermahnte. Am 6. Mai versammelte sich in Valencia der consti-tuirende Congreß, um Venezuela eine neue Verfassung zu geben. Die Com-missarien, welche die Regierung zu Bogota ernannt hatte, um einen Ver-gleich mit Venezuela zu stiften, waren nicht glücklich, und Bolivar wurde durch