im Dienste von Colombia, sich ihm nähern wollte, warnten ihn die Llaneros, ihrenGeneral ja nicht zu berühren. „Solche Zufalle hat er oft", sagten sie, „er wird aberbald wieder gut, und Niemand darf ihn berühren, bis er ganz wiederhergestellt ist!Er schlagt sich mit dem Teufel!" Bei diesen Worten schlugen sie ein Kreuz. Eng-lish aber trat hinzu, besprengte ihn mit Wasser und goß ihm einige Tropfen in denMund; bald kam P. wieder zu sich, dankte dem Obersten herzlich und sagte: „Daskommt von der Anstrengung des Tages; heute habe ich mit meiner Lanze 39 spa-nische Hunde durchbohrt; als ich dem vierzigsten das Garaus machte, überfiel'smich." Die blutige Lanze schenkte er dem Englander als Andenken seiner Fro.und-schaft, und bei dessen Abreise aus Colombia machte er ihm noch drei schöne Pferü-".die er selbst gezogen und dressirt, zum Geschenke. Überhaupt liebte P. fremde Of-fiziere und achtere sie mehr als die übrigen Häuptlinge der Jndependenten. Alser 1829 sein Hauptquartier auf der Strominsel Achaguas am Apure hatte, standdie von Oberst Bosset commandirte etwa 900 Mann starke englische Legion un-ter ihm. P. pflegte diese englischen Truppen nur mis mni^os los lugleseszu nennen; da sie aber aus Unzufriedenheit über ihre Lage eine Meuterei er-regten, welche von ihren Ossicieren nicht beschwichtigt werden konnte, eilte P.,das entblößte Schwert in der Hand, aus seiner Wohnung unter die Aufrührer,säbelte mit Blitzesschnelle drei nieder, und als das Schwert aus dem Schädeldes vierten zerbrach, ergriff er einige der Rädelsführer, zog sie mit der Riesen-stärke seines Armes aus den Reihen hervor und ließ sie in das Gefängniß Wer-sen. So wurde durch seine Geistesgegenwart die Meuterei unterdrückt. Seit1822, nachdem er den spanischen General Morales, der mit 2990 Mann ausPuerto Cabello gegen Valencia und Caracas vorzudringen versuchte, auf den Hö-hen von Birgirama am südlichen AbHange des Küstengebirges am 11. Aug.gänzlich geschlagen hatte, blieb sein Hauptquartier in Valencia; hier hatte er ei-nen Landsitz nicht weit von Caracas. So oft die Zeit es ihm erlaubte, brachte erauf demselben einige Tage zu; er hält dort einen großen Viehftand, verschneidetseine jungen Hengste und Stiere selbst, bereitet Heilmittel für kranke Thiers undreitet seine Pferde zu. Er ist am zufriedensten, wenn er sich dieser Erholung über-lassen kann. Einen großen Theil seiner Zeit verbringt er m seiner Hängematteliegend, rauchend und mir seinen Wassengesährten plaudernd. Große Freude fin-det er an der wilden Stierjagd, welche das Hauptvergnügen der verwegenen undgewandten Llaneros in Venezuela bildet. P. hat unter allen Generalen Colom-bias am meisten persönliche Tapferkeit gezeigt, bei jedem Angriffe befand er sich ander Spitze seiner Llaneros; vorzüglich im kleinen Kriege und auf den Ebenen warer ausgezeichnet; als Befehlshaber einer eigentlichen Armee aber gerieth er zuwei-len in trage ttnentschlossenheit. Über seine Llaneros übte er eine fast unbeschränkteGewalt aus; mir ihnen hielt er sein Mahl von ungesalzenem Ochsenfleisch, theilteseinen letzten Heller mit ihnen; sie nennen ihn Oheim und Vater. Da er aberkeine Erziehung genossen und Alles, was er ist, nur durch sich selbst geworden, be-sitzt er keine taktischen Kenntnisse und weiß nichts von Strategie. Seine Stabs-offiziere sind Llaneros, und diese bilden auch seine gewöhnliche Umgebung. Er istseiner ursprüglichen Natur nicht untreu geworden, und wie alle Caraguianer istauch er etwas eitel, stolz und ruhmredig. *)
P. wurde von Bolivar mehr gefürchtet als geliebt, weil dieser in ihmein Hinderniß seiner herrschsüchtigen Plane sah; P. dagegen war auf des Li-bertadors Ruhm und Macht eifersüchtig. Während dieser mit seiner Armeean der Grenze von Peru stand, lebte P. als Oberbefehlshaber des Departe-ments Venezuela in Valencia. Die Bürger in diesem Theile der Republik'wa-
stü Wergl. Ducoudray-Holstein'6 „lUemolre? «I« Himoi, Uolivin", aus welchendiese Züge meistens entnommen sind.