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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
409
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Paez

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wünschte er nach Varinas zu reisen, dem Geburtsorte seiner Mutter, welche mit ih-ren dortigen Verwandten in einen langjährigen Proceß verwickelt war, und seineAltern gaben, in der Hoffnung, daß er den Rechtsstreit glücklich b/enden würde, ihreEinwilligung. Gut beritten, mit Waffen und Geld wohl versehen, reiste er ab, vollfreudigen Gefühls, den ersten Ausflug in die Welt zu machen. Unterwegs begeg-nete er zwei Raubern, die ihn von Aragua her kannten und wußten, daß er Geldmit sich führte. Sie lauerten ihm auf, um ihn zu plündern; sorglos ohne Ahnungihrer Absicht ritt er vorwärts, als plötzlich einer der berittenen Wegelagerer seinemPferde in die Zügel siel; aber P. nahm sein kräftiges Roß unter die Sporen, rittden Räuber sammt seinem Pferd nieder und jagte in vollem Trabe davon. Aberdie Räuber wollten ihre Beute, so wohlfeilen Kaufs nicht aufgeben und eilten ihmauf nähern Fußpfaden wieder vor. Als er einsah, daß seine Anstrengung zu entkom-men vergeblich sei, tödtete er den Einen auf der Stelle und trieb den Andern indie Flucht. Der junge P. fürchtete von seiner That schlimme Folgen für sich undMe., seine Familie, kehrte daher wieder zurück und meldete seinen Ältern den Vorfall.Sie versteckten ihn und suchten die Familie des Getödteten durch Geldgeschenke zubeschwichtigen. P. wurde bei einem reichen und mächtigen Spanier als Aufseherder Heerden untergebracht, wo er mehre Jahre lang blieb und sich einzig mit dera Viehzucht beschäftigte. Seine rüstige, kräftige und schöne Gestalt und sein Muthverschafften ihm unter seiner Umgebung bald großes Ansehen, und als seine That? K mit den Räubern bekannt wurde, gelangte seine Name unter den Llaneros der Ge<Ii. K gend zu großer Berühmtheit. Als 1811 die Fahne der Unabhängigkeit in Cara-cas aufgepflanzt wurde, erklärte sich auch P. für die Freiheit und betrat die Bahn,W auf welcher er so großen Ruhm erntete. Leicht bewog er die Llaneros seiner Ge-gend, deren Vertrauen er genoß, sich mit ihm zu verbinden, und sie erkoren ihn ein-müthig zu ihrem Anführer. Mit seinen 150 wohlberittenen Leuten wurde er baldder Schrecken der Spanier. Die Befreiung von Varinas gründete seinen Ruf imFreiheitskriege. Diese Stadt war nach kurzem Freiheitsrausche von den Spaniernwieder genommen worden. Sie verkündeten eine allgemeine Amnestie für Alle,kO welche den Wunsch hätten, zu ihrem Eigenthume zurückzukehren, in welches siewieder eingesetzt werden sollten. P. hatte nach seiner Mutter Tod deren Vermö-e>i>- gen in Varinas ererbt und stellte sich, als ihm die Amnestie bekannt wurde, wohl-W'! beritten und wohlbewehrt vor Toscar, dem spanischen Befehlshaber der Stadt,ji sW um in sein Eigenthum wieder eingesetzt zu werden. Als ihn die Einwohner er-»Wsi kannten, ging ein großer Theil auf ihn zu, drückte ihm die Hände und bewillkommteM ihn. Die Spanier aber, als sie hörten, daß P., der ihnen so vielen SchadenM zugefügt, innerhalb der Stadtmauern sei, verlangten seine Verhaftung und seinenM« Tod. Der Befehlshaber, einen allgemeinen Aufstand der Einwohner befürchtend,hielt es nicht für klug, P. offen zu verhaften; er beruhigte seine Soldaten und ent-ließ den gefürchteten Llanero in seine Wohnung. Einige Tage später erhielt derGovernador durch seine Späher die Nachricht, P. sei unbewaffnet ausgegangen,und es sei der günstige Augenblick zu seiner Verhaftung gekommen. Als der Go-vernador den Vorschlag billigte, drangen einige Bewaffnete in P.'s Wohnung einund nahmen seinen Säbel und seine Pistolen weg. Nachdem P. erfahren, wasvorgefallen, begab er sich zum Governador und sagte:Ihr habt wortbrüchig ge-handelt, ich bin im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit Eurer Versprechungen nachVarinas gekommen, und deshalb verlange ich, daß meine Waffen zurückgegebenwerden, nicht um sie gegen die Spanier zu gebrauchen, sondern meiner persönlichenSicherheit willen." Der Nachdruck und die Unbefangenheit, mit welcher er sprach,bewog den Spanier, ihm die Waffen zurückzugeben. Das erbitterte aber die ganzeBesatzung, und sie verlangte aufs Heftigste, daß P. verhaftet und gefesselt werde.Es geschah, in der Nacht wurde er festgenommen, geschlossen und ins Gefängniß