402 Otis (König von Griechenland)
am der Regentschaft während des ersten Monats verdienen diejenigen besondereBeachtung, welche sich auf die Einführung des alleinigen Gebrauchs der National-münze (der Drachmen und Lepta), anstatt der bisher gebrauchlichen Piaster undParas, bei allen Staatsrechnungen, auf die Veräußerung von Staatsgründen anSolche, welche gesonnen feien, in den verschiedenen Städten sich häuslich niederzu-lassen, uns auf die Beibehaltung der Abtheilung des Reiches in die drei Haupt-theile, der Halbinsel oder Morea, des Festlandes oder Livadien, und der Inseln oderdes Archipel, beziehen. Für letztere wurden zugleich auch die Generalgouverneurscmannt, und zwar Demetrios Plaputas, Mitglied der griechischen Deputationnach München, für Morea, Kolettis für Livadien und Zaimis für den Archipel.In Betreff des völlig in Verfall gerathenen Münzwesens wurden schon am 2V.und 95 Febr. einige Verordnungen erlassen, denen zufolge die neu ausgeprägtenDrachmen und Lepta fortan als einzige Nationalmünze Geltung haben sollten;jedoch so, daß neben ihnen, bis auf weitere Anordnung, noch einige ausländischeMünzen, welche vorzüglich durch die Verhältnisse der letzten Jahr? in Griechen-land in Umlauf gekommen waren, nach dem in einem besondern Tarif genau aufDrachmen und Lepta zurückgeführten Werths im Curs bleiben sollten. Die früher -iausgeprägten griechischen Münzen wurden dagegen ganz außer Eurs gesetzt, und,um dieses so schnell als möglich zu bewirken, bei den Staatskassen nach ihrem In-nern Gehalte gegen Drachmen und Lepta der Prägung umgesetzt. (Die Verord-nungen und der Tarif: „Allgemeine Zeitung", l833, außerord. B. Nr, l87.)Und damit diese Maßregel in der Anwendung einen erwünschten Erfolg habe, hattedie Regentschaft schon vorläufig für die Ausprägung einer hinlänglichen Menge dergenannten Nationalmünzen Sorge getragen, um mit ihr sowol einen Theil desSoldes der regelmäßigen Truppen, als auch überhaupt die laufenden Staatsaus-gaben berichtigen zu können. Diese Münzen, deren Gepräge sehr schön fein soll,tragen sämmtlich, anstatt des früher gebrauchlichen Phönix, das neue Staatswap-pen, welches bereits durch eine Verordnung vom 7. Febr. förmlich autorisier wor-den war.
Im Ganzen aber gewann die Regentschaft durch kluges und vorsichtiges Be-nehmen, und namentlich durch die Entschlossenheit und Umsicht, womit sie denoft auf die unangemessenste Weise gegen sie erhobenen Ansprüchen zu begegnenwußte, die Achtung und den Beifall des bessern Theils der Nation. In allen Ver-hältnissen ward bald größere Betriebsamkeit und erhöhtes Vertrauen bemerkbar;fortgesetzte Ankaufe ehemals türkischer Grundstücke, vorzüglich in der Gegend umAthen und auf Euböa, steigerten den Kaufpreis um das Doppelte; in den Han-delsplätzen zeigte sich eine größere Lebendigkeit und Sicherheit des Verkehrs, wel-cher überdies du-rch häusige Einwanderungen griechischer Familien aus türkischenProvinzen sehr vermehrt wurde, obgleich die Pforte ihrerseits hiergegen durch einstrenges Verbot der Auswanderung Repressalien ergriffen haben soll. Dessenun-geachtet sollen die Samioten, mit den Bestimmungen über ihr Schicksal nicht zu-frieden, sogar soweit gegangen sein, durch eine Deputation die Vermittlung desKönigs Otto dafür nachzusuchen, daß sie noch dem neugriechischen Staate einver-leibt werden möchten, ein Gesuch, welches schwerlich Erfolg haben dürfte, zumal stda es der Regentschaft zunächst darum zu thun sein möchte, mit der Pforte in gu- ^,tem Vernehmen zu bleiben, wie namentlich die bereits erfolgte Abscndung einerGesandtschaft nach Konstantinopel, welche dem Sultan die Thronbesteigung desKönigs Otto anzeigen soll, zu beweisen scheint. Auch die übrigen diplomatischenVerhältnisse des jungen Königreichs haben angefangen, sich zweckmäßig zu gestal-ten ; für Großbritannien ist der zeitherige Resident, Herr Dawkins, als bevoll-mächtigter Minister am Hofe des Königs Otto accreditirt worden; von Seiten desKönigs von Baiern wurde der Legationsrath von Gaßer, bisher bei der Gesandt-