Otto (König von Griechenland)
40 l
Lcpanto und Patras auf. Am letzten Orte hatte sich zwar Zavellas fortwahrend^halten, aber bereits von der Regentschaft die Weisung bekommen, sich ruhig zuverhalten, da er bis zur Ankunft der bairischen Truppen für jede Unordnung verautwortlich gemacht werden würde. Zavellas gehorchte nicht nur diesem Befehle,sondern leistete auch nicht den geringsten Widerstand, als am ! 3. Mar; 700 Baierneinzogen, um Stadt und Festung Patras zu besetzen. Er eilte vielmehr mit sei-nen Truppen nach Nauplia, wohin er seinen Bruder vorausgeschickt hatte, umdem Könige feine Unterwerfung zu erklaren und die Huldigung darzubringen. EinTheil jener 700 Mann nahm kurz darauf auch Missolonghi in Besitz, fand aberoberhalb dieses Platzes einige Schwierigkeiten, indem die dort noch versammeltenirregulairen Truppen erklarten: sie wollten keine Proklamation, sondern den rück-ständigen Sold; jedoch scheint die Sache ohne weitere nachtheilige Folgen für dieRegentschaft geblieben zu sein. Im Innern des Peloponnes war noch die Hauptfestung, das mit Geschütz und Proviant wohlversorgte Karitene, in den Händendes alten Kolokotronis geblieben; da er sich aber, nach Auslieferung seiner Was.sen, deren Werth man allein auf 70,000 Thaler schätzte, bereit erklarte, die Fe-stung auszuliefern, so wurden auch hierher zwei Eompagnien bairischer Truppengeschickt, um den Platz für den König in Besitz zu nehmen. Selbst die bisher nochvon den Türken besetzt getvesenen Orte, wie Athen und die Insel Euböa, sindohne Verzug geräumt worden, und 300 Baiern besetzten auch Karystos unddie Küste von Euripos. Auf kurze Zeit waren diese Plätze den französischenTruppen übergeben worden, welche nach ihrem Abzüge aus Nauplia auf denEbenen von Argos im Lager gestanden hatten. Unterdessen wurden jedochauch, namentlich zu Navarin und Argos, Anstalten zu ihrer Einschiffung ge-lrossen, und schon vor Ausgang des Febr. kehrten einige Abteilungen nachFrankreich zurück, wohin auch der Rest bald nachfolgen sollte. Um ferner dieMasse der unregelmäßigen Truppen so viel als möglich unschädlich zu machenerließ der Kanzler des Kriegsdepartements an alle Chefs derselben den geschärf-ten Befehl, sie bis zur Organisation der Armee zu entlassen. Dagegen sollen4000 Mann des ehemaligen taktischen Corps in Nauplia zusammengezogenworden sein, um sobald als möglich für den Dienst organisirt zu werden; 4000Mann Nationalmilizen beabsichtigte man zu gleichem Zwecke nach den Grenzse-ftungen zu beordern. Nicht weniger wurde für die Organisation der Marine derAnfang damit gemacht, daß eine Commission von vier Mitgliedern, worunter sichdie Seehelden Kanaris und Sachturis befanden, den Auftrag erhielt, genaue Verzeichnisse über den Bestand der Kriegsfahrzeuge und Schisssvorrathe zur Zeit derPräsidentschaft und gegenwärtig anzufertigen. Damit aber überhaupt in den lau-fenden Geschäften keine nachtheilige Stockung eintrete, wurde bereits am 6. Febr.verordnet, daß nicht allein alle Minister, welche (mit Ausnahme des zeitherigeuStaatssecretairs der auswärtigen Angelegenheiten, des geistreichen und gewandtenTrikupis, welcher als Präsident bei den Sitzungen der Staatssecretairs die Stelleeines Erzkanzlers bekam) den Titel Kanzler erhielten, sondern auch die übrigenBeamten in den verschiedenen Zweigen des Staatsdienstes provisorisch in ihrenStellen verbleiben sollten. Hiernach behielt Trikupis die auswärtigen Angelegenheiten, Klonaris die Justiz, Maurokordatos die Finanzen, Chrisiidis das Innere,Rigos den öffentlichen Unterricht und die Angelegenheiten des Cultus, Zographosdas Kriegswesen, und Vulgaris die Marine. Dasselbe Provisorium wurde auch,vorlausig auf sechs Monate, für die bestehenden Staatseinkünfte festgesetzt; nurnach Syra, ohne Zweifel dem wichtigsten und einträglichsten Handelsplatze desKönigreichs, wurden im Anfange des März königliche Commissarien geschickt, umdurch eine zweckmäßigere Hafenpolicei und genaue Anordnung des Abgabensystemsden bereits eingerissenen Unterschleifen zu steuern. Unter den übrigen Beroi dnun-Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. III. ^6