392 Otto (König von Griechenland)
suchte namentlich bei Gelegenheit des Todes des Demetrios Ppsilantis ihr Rechder Ergänzung der Regierungscommission gegen den Senat geltend zu macher.Es wurde der Vorschlag gemacht, daß auch A. Metaxas austreten und die zmileeren Stellen durch I, Makris von Ipsara und A. Mauromichalis, den Sohn desPietro, besetzt werden sollten. Den Kapodistrianern, welche hierdurch ihren ganienEinfluß in der Regierungscommissi'on verloren haben würden, konnte diese Ver-änderung nicht gleichgültig sein, und sie beschlossen, sie selbst mit Waffengevaltzu hintertreiben. Zur Ausführung ihres Plans bedienten sie sich, nach glaubwür-digen Nachrichten, einiger vergeblich auf Sold wartenden Rumeliotenhoufen,welche in das schlechtgeschützte Gebäude der Versammlung eindringen und mehreder Deputirten niederstoßen sollten. Dies, erzählt man, sei der Wille de? Ver-schworenen gewesen; allein bei der Ausführung gestaltete sich die Sache cnders.Am 22. Aug. drangen, als man beinahe mit den Verhandlungen zu Ente war,plötzlich einige Haufen Rumelioten in das Sitzungshaus ein, mishandelter mehreder Deputirten, und schleppten neun der angesehensten als Gefangene mit sich fortnach Arrhia, wo sie sich verschanzten, und erklärten, sie würden sie nur gegea ein Lö-segeld von 150,000 türkischen Piastern, als den Betrag ihres rückständigen Soldes,losgeben. Ganz Nauplia kam über diesen Vorfall in eine höchst drohende'ä'usregung;die Wohnungen des Zaimis und Metaxas, welche man als Mitschuldige an demFrevel bezeichnete, standen beständig in Gefahr, gestürmt und in Brand gesteckt zuwerden; nur der französischen Garnison verdankte man die Erhaltung der Ruhe; Ko-lettis und seine Freunde bemühten sich, das verlangte Lösegeld zusammenzubringen,und in acht Tagen hatten die Deputirten ihre Freiheit wieder. Grade hierdurch wur-den die Verschworenen am sichersten entwaffnet, und der Wunsch nach Rache aufSeiten ihrer Gegner hatte zu Nauplia bereits den höchsten Gipfel erreicht, als dieAnkunft eines Courriers des Königs von Baiern die aufgeregten Güster auf etwasAnderes richtete und somit größeres Unheil abwendete. Die Depeschen des Königsmeldeten, daß die Abreise der Regentschaft spätestens zu Anfange des Nov. statt-finden werde, und foderten demgemäß die Nationalversammlung auf, sich bis zuihrer Ankunft zu vertagen, damit sie dann gemeinschaftlich mit dem Congresse sichmit der Enlwerfung einer neuen Constitution beschäftigen könne. Bereits am1. Sept. vertagte sich hierauf die Nationalversammlung durch eine förmliche Pro-klamation, welcher am 3. Sept. eine zweite folgte, worin 63 Deputirte von ihrenArbeiten Rechenschast gaben, theils um ihr Benehmen zu rechtfertigen, theilS umdie Handlungsweise ihrer Gegner und die traurigen Ereignisse des 22. Aug. in dasrechte Licht zu stellen. (Dieses für die neueste Geschichte wichtigeActenstück steht:„Allgemeine Zeitung", 1832, außerord. B. Nr. 477 und 478.) Es ließ sichübrigens voraussehen, daß weder die Ankunft des bairischen Courriers noch dieVertagung der Nationalversammlung der Gahrung ein Ende machen würde.
Um dem Könige von Baiern den Dank, dem Prinzen Otto die vorläufigeHuldigung der Nation darzubringen, war sogleich nach Vertagung der National-versammlung beschlossen worden, eine Deputation nach München zu schicken,welche aus Admiral Miaulis und den Generalen Kosta Bozzaris und DemetriosPlaputas, Beide Mitglieder der Regierungscommissi'on, bestehen sollte. Am5. Sept. gingen diese nach Trieft ab. Sonach blieben in der Regierungscommis«sion nur noch vier Mitglieder, Konduriotis und Kolettis von der einen, Metaxasund Zaimis von der andern Seite, die gegeneinander eine völlige Gleichheit derStimmen behaupten konnten. Gesetzlich gehörten aber fünf Stimmen zur Ent-scheidung über jede Handlung der Regierung. Schon am 6. und 7. Sept. wurdendeshalb zwischen den vier Mitgliedern der Regierungscommiffion schriftliche Unter-handlungen gepflogen, die zu keinem Resultate führten. In allen wichtigern Ge-schäften trat ein höchst nachtheiliger Stillstand ein, und als Konduriotis sah, daß